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Lexikon des Landlebens



Dachs: Sein Fett gilt als "Universalheilmittel schlechthin". Es wurde nicht nur in der Volksmedizin, sondern auch als Stiefelschmiere und zur Salbenbereitung, z. B. Rheuma, verwendet. Ob ein Dachsfell Dämonen abhält, mag bezweifelt werden, gegen Insekten hilft es wegen seines strengen Geruchs mit Sicherheit. Ein Dachs- oder Fuchsfell im Schuh vertreibt die Müdigkeit. Plinius hatte recht merkwürdige Ansichten über die Fähigkeiten des "Meister Grimbart": "Ist der Dachs in Gefahr, so weiß er eine List: Er bläst seine Haut auf und dehnt sich aus; so kann er die Schläge der Menschen und die Bisse der Hunde abwehren." In der Fabel macht sich der Dachs rar. Einmal hat er sich als Schwein ausgegeben, um vom Schweinefutter etwas abzubekommen. Als aber der Metzger auftauchte, wollte der Schlaumeier schnell wieder ein Dachs sein. Der ursprünglich aus Naturhaaren hergestellte Rasierpinsel wird in Frankreich "blaireau", d.h. Dachs genannt. "Dachshund" (deutsches Wort im Englischen, Dackel). Wildtier des Jahres 2010.



Dachs: Redensarten: Schlafen wie ein Dachs ("dachsen", abgeleitet vom Winterschlaf). Schimpfwort: Dachshöhle (Wohnung eines Junggesellen), Frechdachs (für vorwitzige, ungezogene Kinder bzw. junge Burschen). Junger Dachs (unerfahrener Bursche). Thersites wird in Homers Ilias "dachsbeinig" genannt. In der Fabel: S. auch Fuchs, Hamster. Der "Grimbart" der Fabel. Friedrich von Hagedorn "Der Hase und der Dachs".
In der Literatur: Werner Bergengruen "Die Dachser" (in "Das Buch Rodenstein").



Dachs: Hans Fallada "Fridolin der freche Dachs" (1955). Hermann Löns "Mein Dachs und mein Dackel".
Im Gedicht:
"Armes Tier, im engen Bau
Liegest du verdrossen,
Wiesengrün und Himmelblau
Bleibt dir stets verschlossen ..."
(Justinus Kerner "Auf einen Dachs")

Jean Paul "Fibels ABC-Merkverse": "Der Dachs im Loche beißt den Hund, / Soldaten macht der Degen kund." Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Leb wohl, lieber Dachs" (2011). "Meister Dachs und seine Freunde" (Zeichentrickfilm 1993). "Ugly Dachshund" (1965).
In der Malerei: u. a.. Albrecht Dürer "Studienblatt mit Akt und Dachs" (Zeichnung).
Lied: "Max der Dachs".



Dachs: S. auch Bauernregel, Sanitätsgefreiter Neumann



Dachse: s. auch Dachs



Dackel: "Wadelbeißer", "Wurst auf vier Beinen" (engl. "Sausage dog"), haarige Rennwurst, in Wien "Rinnsaldampfer".
Kaiser Wilhelm II. errichtete für seinen "treuen Dachshund Ermann" ein eigenes Hundegrab. Bekannt wurde der Dackel Waldi als Maskottchen für die Olympischen Spiele 1972 in München. Wackeldackel (Maskottchen).
Sprichwörter: Sein Dackel war zu Haus ein Bernhardiner.
Sprüche: "Dackel - ein halber Hund hoch, anderthalb Hund lang" (Robert Lembke). Dackel sind praktisch: Man bekommt einen ganzen Hund in der Größe eines halben. "Ein Dackel ist ein Hund, der jemanden an der Leine hat" (Ernst Waldbrunn). "Es gibt nichts Besseres als einen kleinen Dackel, der einem Dobermann mal ans Bein pinkeln darf" (Leo Koenig). "Man kann ohne Dackel leben, es lohnt sich nur nicht" (Heinz Rühmann). Wenn der Dackel in den Spiegel guckt, ist er ein Löwe. Wenn ich zu meinem Dackel sage: "Gehst her oder nicht, geht er her oder nicht". Schimpfworte: Dackelbeinig (für einen kleinen, krummbeinigen Zeitgenossen) Dackelblick. Zungenbrecher: Wenn dein Dackel zu meinem Dackel noch mal Dackel sagt, kriegt dein Dackel von meinem Dackel so eine gedackelt, dass dein Dackel zu meim Dackel nie mehr Dackel sagt.
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der preisgekrönte Dackel" (1918). "Die Dackel sind los" (2013). "Es war einmal ein Mord – 7 Gauner und ein Dackel" (1991). "Geliebter Haustyrann" (1965). "Main Nachbar, sein Dackel und ich".
Im Lied: Konstantin Wecker "Die Ballade vom Dackel Waldi". "Wenn ich mit meinem Dackel". Schlager: "Mein Dackel Waldemar". "Wackel-Dackel".



Debilität: Wird auf dem Land gern auf Inzucht zurückgeführt. Man heiratete am besten über den Zaun und sparte sich damit die Flurbereinigung durch Zusammenlegen der Höfe. Sie ist aber auch bei Kindern festzustellen, deren Eltern aus weit auseinanderliegenden Gegenden stammen, und die sich beispielsweise über eine Anzeige in der Bauernzeitung oder auf dem Oktoberfest kennengelernt hatten. Neuerdings weiß man, dass eine ganze Reihe von Hirnschäden auf den Biss des Holzbocks zurückzuführen ist. S. auch Dorfdepp, Intelligenz.



Deichsel: Klettert ein kleines Kind unter einer Deichsel durch, wächst es nicht, so der Volksglaube.
Redensarten: Das werden wir schon deichseln (eine schwierige Situation meistern). Deichsel (Penis; die Deichsel einhängen = koitieren. Deichselgeld = Prostituiertenhonorar).
Sprichwörter: Vorherbestimmtes kannst du auch mit krummer Deichsel nicht umfahren (Russland).

Volkserotik:
"Zwei Bauern gingen an der Weichsel,
dem einen stand er wie 'ne Deichsel,
dem andern hing er runter,
so was passiert mitunter."



Dengeln: (die Sense oder Sichel). Der Dengelgeist macht sich nachts durch unheimliches Dengeln bemerkbar. Sprichwörter: Gut gedengelt ist halb gemäht. Spruch: "Da dengelt jemand – oder sagt man dangelt?" (Robert Gernhardt). Umgangssprachlich für koitieren.

"Weites, goldnes Ährenmeer
wogt im Wind auf reifen Stengeln.
Hufbeschlag und Sensendengeln
Klingen fern vom Dorfe her."
(Hermann Hesse)



Dialekt: s. Mundart



Dienstboten: Sprichwörter: Wer bei Verwandten dient, braucht die Hölle nicht mehr zu fürchten. S. auch Betrug, Knecht, Magd



Dill:
"Das junge Gerank
Blühenden Dills
Winde mit weichen Händen
Zum Kranze ..."
(Sappho, übers. von Manfred Hausmann)

Pharao Amenophis II. ließ sich 1400 v. Chr. Dill mit in das Grab legen. Früher als Mittel gegen Blähungen so sehr geschätzt, "dass er in viktorianischen Liedern besungen wurde". Dill soll ebenso wie der Kümmel Hexen vertreiben. Die Braut steckte Dill in ihre Strümpfe, und hoffte dadurch auf die Macht in ihrem künftigen Haushalt. Dabei soll der Spruch helfen: "Ich nehme Senf, ich nehme Dill, / Mein Mann muss tun, was ich will." Dill wurde früher als sexuelles Seditativum geschätzt, laut Dioscurides soll es den "natürlichen Samen dämpfen".



Dinkel: Schützt gegen Hexen, weil man im Dinkelkorn die Muttergottes mit dem Jesuskind erkennen kann. Das Dinkelbrot soll heilende Wirkung haben.



Dirndl: (Dirn, ursprünglich nicht abwertend, Dienstmagd beim Bauern), Dirndlkleid, Dirndlmode. Schimpfwort: Dirne.
Im Film/Filmtitel: u. a. "Alpenglühn im Dirndlrock" (1974). "Alpenröschen im Dirndlhöschen" (1970 Sexfilm). "Die liebestollen Dirndl von Tirol" (1969). "Dirndljagd am Wörthersee" (1984). "Drei Oberbayern auf Dirndljagd" (1975). "Geh, zieh dein Dirndl aus!" (1973). "Unterm Dirndl wird gejodelt" (1974 Sexfilm). "Waidmannsheil im Dirndlrock" (1982).



Distel:
"... die Golddistel blüht.
Wild und verrucht
Träumen die Frauen jetzt."
(Alkaios. Übers.: Manfred Hausmann)

In der Bibel wurde Adam mit einem Feld voller Disteln bestraft. Seitdem lastet ein Fluch auf der Pflanze. Herakles musste als Krafttraining alle Disteln im Gymnasion ausjäten. Distelwurzeln sollen nach Dioscurides die Melancholie verscheuchen. Wer beim Säen viel flucht, dem wachsen Disteln auf dem Feld. Das hat jedoch auch ein Gutes, denn sie schützen vor Hexen und Dämonen; an die Stalltüre gehängt vor Blitzschlag. Wachsen Disteln auf einem Grab, so beweist das, dass der Verstorbene nicht in den Himmel aufgenommen wurde. Sie vertreiben die Schwermut und in der Liebe sind sie Gleichnis für "leichtes Hängenbleiben". Nationalblume Schottlands.



Distel: Eine Legende erklärt den Namen der Mariendistel so: Die Muttergottes schnitt Disteln als Futter für ihren Esel. Dabei fiel ein Tropfen Milch aus ihren Brüsten auf die Pflanze. Ihr Wirkstoff Silybin ist übrigens das erste wirksame Gegenmittel gegen das tödliche Knollenblätterpilzgift. Die Golddistel heißt mit ihrem lateinischen Namen Carlina vulgaris nach Karl dem Großen. Sie soll den Kaiser von der Pest geheilt haben. Wenn's viele großblumige Disteln gibt, schickt uns der Herr einen guten Herbst.



Distel: "Distel" (1953 gegründetes Ost-Berliner Kabarett). Die Distel ist die Blume des Jahres 2008. Distelorden (Schottland). Tiernamen: Distelfalter, Distelfink (Stieglitz).
Sprichwörter: Auch auf den schönsten Disteln schläft man nicht gut (China). Disteln, die man jung köpft, stechen im Alter nicht. Die Disteln und die Dornen, die stechen also sehr, / die falschen, falschen Zungen aber noch viel mehr. Disteln sind dem Esel lieber als Rosen. Disteln hängen sich an die Kleider wie Krankheiten an den Körper (jüdisch). Wäre ein Esel Koch, müssten wir alle Disteln essen (sorbisch).
Sprüche: S. auch Dorn.



Distel: Vergleiche: "Die Zeit ist eine Vase. Es kommt darauf an, ob man Disteln oder Rosen hineinstellt" (Rudolf Rolfs). Du brauchst dich nicht zu grämen, / dass du `ne Distel bist, / es find sich immer noch ein Esel, / der gerne Disteln frisst. "Nichts ist weniger verheißend als Frühreife; die junge Distel sieht einem zukünftigen Baume viel ähnlicher als die junge Eiche" (Marie von Ebner-Eschenbach).
Schimpfwort: Distelstecher (Penis).



Distel:
"Erleuchtet das Jahrhundert ist;
Der Esel Stroh und Disteln frisst"
(Matthias Claudius).

In der Fabel: S. auch Rose. Äsop "Die Natter und der Fuchs": Eine Natter wurde auf einem Bündel Disteln in einem Flusse fortgeschwemmt. Ein Fuchs, der hinzukam, rief: "Wie das Schiff so der Schiffsherr!"
In der Literatur: Friedrich Georg Jünger "Die Silberdistelklause" (1947). Ruth Schaumann "Die Silberdistel" (1941). Friedrich Schnack in "Cornelia und die Heilkräuter" (1940).
Im Gedicht: Otto Julius Bierbaum "Dir, Frau Fortuna mit der Distel ..." Ferdinand Freiligrath "The rose, thistle and shamrock" (1853, deutsch "Rose, Distel und Kleeblatt" Anthologie englischer Dichtung). Friedrich Hebbel "Die Distel sprach: nun will ich Rose werden!" Hermann Löns "Die Distel". Oskar Loerke "Der Silberdistelwald" (1934). Joseph Victor von Scheffel "Die Distel". Georg von der Vring "Die Distel". Karl Heinrich Waggerl "Distel".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der Fall des Distel-Killers" (Kriminalfilm nach Sherlock Holmes 1955). "Die Distel" (Kinderfilm 1991/92). "Die Disteln des Baragan" (1957). "Silberdisteln" (2000). In der Malerei: u. a. Otto Dix "Disteln und Schmetterlinge" (1955). Édouard Manet "Distel".
Lied: "Das Distelstecherlied".



Disteln: s. auch Distel



Dohle:
"Sollen dich die Dohlen nicht umschrei'n,
Musst nicht Knopf auf dem Kirchenturm sein"
(Goethe "Zahme Xenien").

Dohlen sind Hochflugweltmeister; sie sind schon am Gipfel des Mount Everest gesichtet worden. Dohlenpaare sind sich ein Leben lang treu. Vogel des Jahres 2012. Der Volksglaube weiß, dass sie die Sprache der Menschen verstehen. Sie künden nicht nur Schlechtwetter an, sondern den Tod eines Familienmitglieds, wenn sie über einen Leichenzug fliegen. Darauf deutet auch ein altes Soldatenlied hin:
"Drüben am Wiesenrand
Hocken zwei Dohlen -
Fall' ich am Donaustrand?
Sterb' ich in Polen?"

Sprichwörter: Bei einer Dohle sitzt immer eine Dohle (altgriech. Sprichwort, Gleich zu gleich gesellt sich gern). Die Dohlen erzählen den Elstern wie schwarz die Raben sind.
Schimpfworte: Dohle (Prostituierte, Beischlafdiebin), Hupfdohle (Tänzerin, Balletteuse).



Dohle: In der Fabel: Äsop u. a. "Adler, Dohle, Hirt", "Die Dohle und der Rabe", "Die Dohle und die Taube" und "Dohle und Fuchs".
In der Literatur: Aristophanes "Die Vögel". Hermann Hesse "Die Dohle". Homer "Ilias:
"So wie die Stare im Schwarme dahinziehen oder die Dohlen,
wirr durcheinander schreiend, sobald sie von weitem den Habicht
anfliegen sehen, der blutigen Tod bringt den kleineren Vögeln:
ebenso flohen, bedrängt von Aeneas und Hektor, die Griechen"
Im Gedicht: Max Dauthendey "Die Schwärme wilder Dohlen". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).
Im Märchen: Brüder Grimm ""Der Schweidnitzer Ratsmann".
Im Film/Filmtitel: "Kauwboy - kleiner Vogel, großes Glück" (2012).
Lied: "Tanzen die Dohlen".



Dohlen: s. auch Dohle



Dompfaff: (wegen seines klerikalen Aussehens) s. Gimpel



Dorf:
"Alles Vieh tollt spielend im Gras des Angers ...;
auf den Wiesen feiert das Dorf und weidet müßig der Pflugstier"
(Horaz "Oden").
Das berühmteste europäische Dorf ist Schengen (Abkommen zur "grenzenlosen Freiheit"). Globales Dorf.
Redensarten: Auf die / über die Dörfer gehen (Hohes Lied Salomon. Im Kartenspiel kleine Karten ausspielen). Aus jedem Dorf einen Hund haben (im Kartenspiel Karten jeder Farbe). Berlin ist doch keen Dorf (im Gegensatz zum "Millionendorf" München; "Millionendorf" bezog sich ursprünglich auf den Berliner Vorort Schöneberg. Vgl. auch Kurt Tucholsky "Dorf Berlin". Heinrich Heine sah in München nur ein Dorf, "in dem Paläste stehen"). Das globale Dorf. Olympisches Dorf. Das halbe Dorf (viele Leute). Die Kirche im Dorf lassen. Aus seinem Dorf nicht herauskommen. Jemand hat noch nie eine andere Glocke als die seines Dorfes läuten gehört (für sesshaft). Über die Dörfer gehen (etwas umständlich machen, erzählen).



Dorf: Dorfakademie (Erwachsenenbildung in der DDR), Dorfrocker (Band). Böhmische Dörfer: Vielleicht weil tschechische Ortsnamen in Böhmen für Deutsche schwer auszusprechen waren. "Es waren mir nur böhmische Dörfer, und alles eine ganz unverständliche Sprache" (Grimmelshausen "Simplicissimus"); analog spanische Dörfer.

"Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,
In ein so genanntes böhmisches Dorf.
Unverständlich bleibt ihm alles dort,
Von dem ersten bis zum letzten Wort ..."
(Christian Morgenstern "Das böhmische Dorf")

Potemkinsche Dörfer: Trügerische Vorspiegelung. Nach Fürst Grigorij Alexandrowitsch Potemkin, dem politischen Ratgeber der russischen Kaiserin Katharina II., benannt. Er soll 1787 bei einer Besichtigungsreise der Kaiserin durch die Krim Dörfer aus gemalten Fassaden errichtet haben, "um den wahren Zustand des Gebietes zu verdecken". "Was aus den Potemkinschen Dörfern wurde? Städte!" (Manfred Strahl)



Dorf: Sprüche: Sein Dorf liegt zwar nicht am Ende der Welt, aber man kann es von dort aus sehen.
Sprichwörter: Die ganze Welt ist ein Dorf (Italien). Je kleiner das Dorf, desto mehr Streithähne (sorbisch). Wehe dem, den das Dorf bemitleidet (Serbien). Wo die Hunde bellen, ist das Dorf nicht mehr weit.
Sprüche: "Das schlechteste Dorf ist ein kleines Reich, / In Rom ist der Zweite dem Letzten gleich" (Adelbert von Chamisso "Vetter Anselmo"). "Der despotische Thron ist die hervorragende Turmspitze eines von Bergen verschütteten Dorfes" (Jean Paul).
Schimpfworte: S. auch Hund. Dorfbesen und Dorfzeitung (schwatzhafte Frau), Dorf-Casanova, Dörfler, Dorf-Schimanski, Dorfschöne (hübsches, etwas dümmliches Mädchen), Dorfschule, Dorfschulmeisterlein, Dorftrottel. Es geht zu wie ein einem Dorf. Drecksnest. Kaff (vgl. auch Arno Schmidt "Kaff auch Mare crisium" 1960).



Dorf: In der Literatur: S. auch Bauer.
"Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmle,
Zufrieden jauchzet groß und klein;
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein"
(Goethe" Faust").

Herbert Achternbusch "Servus Bayern". Ludwig Anzengruber "Ein Dorf-Idyll", "Dorfgänge. Gesammelte Bauerngeschichten" (1879) und "Letzte Dorfgänge" (1894). Berthold Auerbach "Schwarzwälder Dorfgeschichten" (1843 - 1854). Iwan Bunin "Das Dorf" (1910). Marie von Ebner-Eschenbach u. a. "Dorf- und Schlossgeschichten" (1883/86) und "Das Gemeindekind" (1887). William Faulkner "Das Dorf" (dt. 1957). Heinrich Federer "Lachweiler Geschichten" und "Papst und Kaiser im Dorf" (1924). Muammar al-Gaddafi "Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde, und der Selbstmord des Astronauten". Ludwig Ganghofer "Dorfapostel". Gabriel García Márquez "Hundert Jahre Einsamkeit" (1967). Friedrich Gerstäcker "Germelshausen". Nikolai Gogol "Abende auf dem Weiler bei Dikanka". Oskar Maria Graf u. a. "Die Chronik von Flechting. Ein Dorfroman" (1925) und "Dorfbanditen" (1932). Johann Peter Hebel "Kalendergeschichten". Paul Heyse "Heyse "Moralische Novellen" (1869). Hugo von Hofmannsthal "Das Dorf im Gebirge". Franz Kafka "Das nächste Dorf". Marie Luise Kaschnitz "Beschreibung eines Dorfes" (1966).



Dorf: In der Literatur: Gottfried Keller "Die Leute von Seldwyla. Romeo und Julia auf dem Dorfe" (1856, auch Film 1941 und Fernsehfilm 2004). Heinrich von Kleist "Der zerbrochene Krug" (Film 1937 mit Emil Jannings und Elisabeth Flickenschild). August von Kotzebue "Das Dorf im Gebirge" (1798). Franz Xaver Kroetz "Das Nest". Alphonse de Lamartine: "Der Steinmetz. Eine Dorfgeschichte" (dt. 1854). Hermann Löns "Die Häuser von Ohlenhof. Der Roman eines Dorfes" (1917). Karl May "Im Sonnenthau" ("Erzgebirgische Dorfgeschichten"1877/80). Mo Yan "Rotes Kornfeld" 1987, Nobelpreis 2012). Johann Heinrich Pestalozzi "Lienhard und Gertrud" (1781 – 87). Heinz Piontek "Bei uns auf dem Dorf". Wilhelm Raabe "Der Schüdderump" (1869/70). Peter Rosegger u. a. "Dorfsünden" (1909) und "Waldheimat" (1877, auch Film 1963). Robert Schneider "Schlafes Bruder" (auch als Film). Anna Seghers "Der Kopflohn. Roman aus einem deutschen Dorf im Spätsommer 1932". Martin Sperr "Jagdszenen aus Niederbayern" (Theaterstück 1966, Film 1969). Adalbert Stifter "Das Haidedorf" (1840). Anton Tschechow "Auf dem Wagen". Lope Felix de Vega Carpio "Die Dorfhidalgos" und "Loderndes Dorf". Ernst Wiechert "Die Jerominkinder" (1945/47). Heinrich Zschokke "Das Goldmacherdorf" (1817).



Dorf: Im Gedicht: Johannes R. Becher "Dorf im Stillen" und "Es lag ein Dorf …" Werner Bergengruen "Die Wüstung" (in "Die heile Welt") und "Armes Dorf im Gebirge" (in "Figur und Schatten"). Gottfried August Bürger "Das Dörfchen". Max Dauthendey "Die Dörfer rauchen in der Runde". Du Fu: "Nacht im Dorf". Gerrit Engelke "Dorfabend". Hans Fallada "Altes Herz geht auf die Reise". Ferdinand Freiligrath "Dorfgeschichten". Johann Wolfgang von Goethe "Parabolisch. Jetzt war das Bergdorf abgebrannt". Franz Grillparzer "Dorfgeschichten". Anastasius Grün "Das Musikantendorf" und "Rosenhaida's Untergang". Peter Handke "Über die Dörfer" (1981). Hermann Hesse "Dorfabend". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Böhmische Dörfer". Ludwig Christoph Heinrich Hölty "Der Anger". Peter Huchel "Kindheit in Alt-Langerwisch". Klabund "Ich kehre in meine Heimat zurück" und "Rückkehr in das Dorf Ki-ang" (Du fu). Giacomo Leopardi "Der Sonnabend auf dem Dorfe". Friedrich von Logau "Das Dorf" und "Stadt-Leute und Dorf-Leute". Hermann Löns "Fischerdorf Wiek". Friedrich von Matthisson "An ein Dorf" und "Das Dorf". Agnes Miegel "Heimkehr". Börries von Münchhausen "Dorf bei Nacht" (Ballade).Heinz Piontek "Mittags durchs Dorf". Alexander Puschkin "Das Dorf".



Dorf: Im Gedicht: Rainer Maria Rilke "Träumen" und "In diesem Dorfe ...":
In diesem Dorfe steht das letzte Haus
So einsam wie das letzte Haus der Welt.
Die Straße, die das kleine Dorf nicht hält,
geht langsam weiter in die Nacht hinaus.
Das kleine Dorf ist nur ein Übergang
zwischen zwei Weiten, ahnungsvoll und bang,
ein Weg an Häusern hin statt eines Stegs.
Und die das Dorf verlassen, wandern lang,
und viele sterben vielleicht unterwegs."



Dorf: Im Gedicht: Joachim Ringelnatz "Frau Werner hieß das Tier". Eugen Roth "Dolomitengruß" und "Stilles Dorf". Friedrich Rückert u. a. "Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannsohns" (1829) und "Das versunkene Dorf". Joseph Viktor von Scheffel "Die Lieder vom Rodenstein. Die drei Dörfer". Johann Gottfried Seume "Wallfahrt nach der Heimat". Ludwig Thoma "Mein Dorf". Georg Trakl u. a. "Im Dorf" (Zyklus) und "Landschaft". Emile Verhaeren "Die geträumten Dörfer" (1895, deutsch 1911). Johann Heinrich Voß "Die Dorfjugend". Georg von der Vring "Dorf bei Nacht" und "Im Dorf schlägt es zwei".

"Du kleiner Ort, wo ich das erste Licht gesogen,
den ersten Schmerz, die erste Lust empfand,
sei immerhin unscheinbar, unbekannt,
mein Herz bleibt doch vor allem dir gewogen,
fühlt überall zu dir sich hingezogen,
fühlt selbst im Paradies sich noch aus dir verbannt."
(Christoph Martin Wieland)



Dorf: Im Film/Filmtitel: u. a. "Abschied von Matjora" (Untergang eines sibirischen Dorfes 1983). "Bergkristall" (2004). "Böseckendorf" (1961). "Das arme Dorf" (1921). "Das bewachte Dorf" (1978). "Das blaue Licht" (1932 Leni Riefenstahl). "Das Dorf" (1982). "Das Dorf am Fluss" (1958). "Das Dorf am Meer" (1992 Kinderfilm). "Das Dorf an der Grenze" (1991/92). "Das Dorf Belye Rossy" (1984). "Das Dorf Cerromaior" (1981). "Das Dorf der Verdammten" (1959, 1995). "Das Dorf im Dschungel" (1980). "Das Dorf in der Sierra" (1991). "Das Dorf meiner frühen Liebe" (1984). "Das Dorf meiner Träume" (1995). "Das Dorf ohne Moral" (1960/61). "Das Dorf unterm Himmel" (1953). "Das Dörfchen Furuyashiki" (1982/83). "Das finstere Tal" (2014). "Das fröhliche Dorf" (1955). "Das hässliche Dorf" (1975). "Das kleine Dorf am Fuße des Berges" (1985). "Das Land hinter dem Regenbogen" (1992). "Das Leben auf dem Dorfe" (1923, 1975). "Das letzte Dorf" (1993). "Das Pestalozzidorf" (1952 "Sie fanden eine Heimat"). "Das sündige Dorf" (1940, 1954 mit Joe Stöckel, 1966). "Das verhexte Fischerdorf" (1962). "Das verlorene Dorf" (1947). "Das verurteilte Dorf" (1952). "Der Dorfdetektiv" (1968). "Der Friede im Dorf" (1973). "Der Dorfmonarch" (1950). "Der Dorfnapoleon" (1979). "Der Katzensteg" (TV-Film 1975).



Dorf: Im Film/Filmtitel: "Der verlorene Sohn" (1934 mit Luis Trenker). "Der Weg zum Heimatdorf". "Der zerbrochene Krug" (1937 mit Emil Jannings und Elisabeth Flickenschild). "Die andere Heimat" (2013). "Die Dörfer erwachen" (1982). "Die drei Dorfheiligen" (1949). "Die drei Dorfkavaliere" (1951). "Die Geschichte de Dorffrauen" (1988). "Die Geschichte des Kino im Dorf Popielawy" (1998). "Die Landstraße" (1913). "Die Milchstraße" (1997). "Die Powenzbande" (Fernsehfilm). "Die Scheinheiligen" (2001). "Die Stille im Dorf" (1994). "Dogville" (2003). "Dorf im roten Sturm" (1935). "Dorf im Wandel …" (1965ff). "Dorf in der Heimat" (1954/55). "Dorfmusik" (1936). "Dorfpunks" (2009). "Ein Dorf ohne Männer" (1963). "Ein Dorf schweigt" (1994 TV-Serie "Die Unbestechliche"). "Ein Dorf spielt Hamlet" (1973). "Ein Dorf sucht seinen Mörder" (200102). "Ein friedliches Dorf" (1995. TV-Serie "Die Männer vom K3"). "Ein Sommer auf dem Dorf" (1975/76).



Dorf: Im Film: "Es regnet auf mein Dorf" (1968). "Es war Mord und ein Dorf schweigt" (TV-Film 2006). "Feuerpferde" (1964). "Foltermühle der gefangenen Frauen" (1978). "Hähne im Dorf" (1975). "Heimat" (TV-Trilogie 1979-84). "Heimatgeschichten – Der Dorfkrieg" (1997 TV-Film). "Heimkehr in das gelobte Land" (1991). "Hochzeit im Schmugglerdorf" (1946). "Hoffnung für Kummerow" (2009). "Hukkle – Das Dorf" (2002/03). "IA in Oberbayern (1955 mit Harald Junke). "Ich denke oft an Piroschka" (1955 mit Lieselotte Pulver). "Ich gehöre Dir" (TV-Film 2004). "Ich liebe dich, ich töte dich" (1971). "Im Schloss und im Dorf" (1982). "In diesem Dorf gibt es keine Diebe" (1964). "In jenem Land" (1997). "Jagdszenen aus Niederbayern" (1969). "Liebe im Dorf" (1976 TV-Serie "Alpensaga"). "Liebesau" (TV-Film 2002). "Lotte im Dorf der Erfinder" (Zeichentrickfilm). "Mein ist die Rache" (2003 Mord an einem Dorfbewohner). "Menschen, die vorüberziehen …" (1942).



Dorf: Im Film/Filmtitel: "Mord im Dorf" (1982). "Mord in einem hübschen Dorf" (1979). "Nachrichten aus dem Dorf" (1975/79). "Neues aus Büttenwarder" (TV-Serie). "Pauline" ("Tatort" 2006). "Revolte im Dorf" (1949). "Romeo und Julia auf dem Dorfe" (1920, 1941, 1984). "Schatten der vergessenen Ahnen / Feuerpferde" (1964/65). "Sehnsucht" (2006). "Sie tanzte nur einen Sommer" 1951/52. "Sieben auf einem Streich" (1999 Fernsehfilm). "Sommer in Orange" (Baghwan-Kommune in einem bayerischen Dorf). "Sonne und Sturm" (Tatort 2003). "Stunde Null" (1977). "The village - das Dorf" (2004). "Unser Dorf" (1952 "Sie fanden eine Heimat"). "Verlorenes Land" (TV-Film 2002). "Waldheimat" (1963). "Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt" (1933, 1953). "Želary" (2005 Bergdorf). "Zurück aufs Land" (1998).



Dorf: In der Malerei: u. a. Adriaen Brouwer "Die Dorfbaderstube". Jan Bruegel d. Ä. 1197 "Dorfstraße" (1. Viertel 17. Jh.). Paul Cézanne "Dorf hinter den Bäumen" (Ile de France" (um 1879). Marc Chagall "Das blaue Dorf (1967) und "Ich und das Dorf" (1911). Gustave Courbet "Dorfausgang im Winter" (um 1865-1870). Lyonel Feininger "Dorf" (1927). Thomas Gainsborough "Landschaft mit dem Dorfe Cornard" (3. Viertel 18. Jh.). Paul Gauguin "Bretonisches Dorf im Schnee" (1888) und "Dorfeingang" (1884). Vincent van Gogh "Dorfstraße in Auvers-sur-Oise" (1890). Wilhelm Leibl "Dorfpolitiker" (1876/77). Max Liebermann "Holländische Dorfstraße" (1885). Jean-François Millet (II) "Der Weiler Cousin bei Gréville" (1855). Camille Pissarro "Dorfeingang von Voisins" (1872). Il'ja Efimovic Repin "Verhaftung eines Agitators auf dem Dorf" (1892). Carl Spitzweg "Dorfgasse mit Nachtwächter" (um 1884). Hans Thoma "Dorfgeiger" (1871). Maurice de Vlaminck u. a. "Dorf im Schnee" (um 1920) und "Nordfranzösisches Dorf" (1923).
In der Musik: Ferruccio Benvenuto Busoni "Sigune oder Das versunkene Dorf" (Oper 1889). Eduard Künneke "Das Dorf ohne Glocke" (Operette 1919). Max Reger "Das Dorf" (Lied). Jean-Jacques Rousseau "Dorfwahrsager" (1752). Franz Schubert "Das Dörfchen" (Chorgesang).



Dorf: Im Film/Filmtitel:
Im Lied: Reinhard Mey "Mein Dorf am Ende der Welt". Franz Schubert "Im Dorfe" (in "Die Winterreise"). Schlager: "Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt" (Film 1953).



Dorf: Fiktive Dörfer:
Altenhausen: Redensarten: Von Altenhausen sein (zu den Alten gehören). Bereits in dem Schwank von Hans Sachs "Die Hausmägde im Pflug".
Bullerbü Astrid Lindgren, Filme u. a. ."Wir Kinder aus Bullerbü" (1955).
Dingsda (Eduard Künneke "Der Vetter aus Dingsda", Operette 1921).
Dingshausen (Ludwig Anzengruber).
Dingskirchen.
Zungenbrecher: Der König bereist das Land; man fragt sich: Ob er aber über Unterebersbach oder aber über Oberebersbach kommt.

"Der dünne Doldl trug den dicken Doldl
durch das dreckige Dorf Drullewitz;
da dankte der Dicke Doldl dem dünnen Doldl,
dass der dünne Doldl den dicken Doldl
durch das dreckige Dorf Drullewitz getragen hatte."

Dummsdorf/Dummersdorf: (Redensart: Aus Dummsdorf stammen/nicht aus D. stammen). Spruch: Woher stammst Du? Aus Dummsdorf oder Blödmannshausen?



Dorf: Fiktive Dörfer:
Hinterhugelhagelfing, Hintertupfingen (weitaus zurückgebliebener als Vordertupfingen. Redensart: Von Hintertupfingen stammen.
Hinterwalden/Hinterwäldler. Holzhausen: (Redensart: Nach Holzhausen kommen = sterben).
Hinterkuhdreckshausen,.
Horndorf (nach Horndorf schicken = veralbern).
Kaff (auch Schimpfwort)
Kleckersdorf/Kleinkleckersdorf ("Meine Herren, wie komme ich nach Kleckersdorf, wo alle Wege nach Rom führen?" Stanislaw Jerzy Lec). "Derjenige, der den Täter, der den Wegweiser, der an der Brücke, die an der Straße, die nach Kleinkleckersdorf führt, liegt, steht, umgerissen hat, anzeigt, erhält zehn Mark Belohnung" (in H. Seydel Hrsg.)
Kleinbonum (gallisches Dorf), Kleinfladenhausen.
Kraglfing "liegt zwischen Huglfing und Zeidlhaching" (Ludwig Thoma in "Agricola").



Dorf: Fiktive Dörfer:
Krähwinkel (den Ortsnamen gibt es auch in Wirklichkeit. Krehwinkel, zuerst bei Jean Paul 1801 und August von Kotzebue 1803). Johann Nestroy "Freiheit in Krähwinkel" (Posse mit Gesang 1848/49).
Im Gedicht: Heinrich Heine "Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen". In der Kunst: Moritz von Schwind "Krähwinkeliaden" (1829).

Lied aus den Befreiungskriegen (1813):
"Immer langsam voran,
Immer langsam voran,
Dass der Krähwinkler Landsturm
Mitkommen kann."

Kuhdorf/Kuhkaff. Posemuckel (Hinterposemuckel; Dorf in der ehemal. Provinz Posen).
Kuhschnappel (E. Borneman), Lummerland
Nehmersdorf (jemand ist aus Nehmersdorf für habgierig).
Pampa
Posemuckel (Pusemuckel Dorf in der ehemal. Provinz Posen. Auch Buxtehude (gibt es in Wirklichkeit).
Schnutzelbutzhausen. Schönhausen. Tölpelbach (Redensart: "Er ist aus Tölpelbach" Wander). Trippstrill.



Dorf- und Ortsnamen: Nach Tieren benannt:
Bockwiese, Bullenheim, Eselsburg, Froschhausen, Geisdorf, Hammelburg, Hasenfeld, Hengstbach, Höllhund, Hundsdorf, Hundsfeld, Hundshaupten, Kalbensteinberg, Katzenloch, Katzensteig, Katzwang, Kleinziegenfeld, Kuhfraß, Mausdorf, Mausgesees, Natterheide, Neuziegenrück, Ochsendorf, Ochsenschenkel, Rabenstein, Rattenberg, Sauen, Schafwinkel, Schlangen, Schneckengrün, Schweindorf, Schweinheim, Schweinshaupten, Stierberg, Stutensee, Viehhausen, Wolfsgruben, Wurmlingen, Wurmrausch, Ziegendorf



Dorf- und Ortsnamen: Nach Vögeln benannt:
Entenberg, Entenpfuhl, Eulendorf, Gansgrün, Geiersnest, Hennenbach, Huhnstadt, Kauzleben, Krähberg, Meisenbach, Schnepfenbach, Spatzenhausen, Vogelsang



Dorf- und Ortsnamen: Nach Pflanzen benannt:
Bohnenburg, Distelhausen, Dorndorf, Grasdorf, Haferwisch, Heudorf, Holzdorf, Kümmel, Rübenau



Dorf- und Ortsnamen: Nach Insekten benannt:
Asselheim, Fliegenberg, Floh, Grillenberg, Hummeltal, Lausheim, Wanzleben, Wespen. Zeckendorf



Dorf- und Ortsnamen: Kuriosa:
Acker, Aha, Altenspeckfeld, Boxdorf, Brunshausen, Busendorf, Dorf, Feldkahl, Filz, Hexenagger, Hodenhagen, Loch, Löffelsterz, Mostviel, Sack, Sackwitz, Schabernack, Schlappenreuth, Speckheim, Stalldorf, Strohweiler



Dorf- und Ortsnamen: Negativa, Kuriosa:
Aasbüttel, Alberndorf, Blindheim, Bösenbirkig, Bruchhausen, Deppendorf, Deppenhausen, Dörrnwasserlos, Dreckenach, Dürrbrunn, Galgenhof, Hagelloch, Heuchelheim, Hundeluft, Hunger, Husten, Hütte, Hüttendorf, Karrendorf, Käswasser, Kotzen, Kotzendorf, Lehmberg, Mistendorf, Odelshofen, Peulendorf, Pfaffendorf, Pups, Regenhütte, Schweisdorf, Sumpfohren, Steinfeld, Teufelsmoor, Wichsenstein, Würgau, Zeckendorf.



Dorf: S. auch Bauer



Dorfakademie (DDR-Deutsch): Schulungsstätte für die Landbevölkerung.



Dorfdepp: Besonders intelligenter Bauernbub, der sich auf diese Weise von beschwerlicher Arbeit drückt. "Wenn das Jahrtausend erreicht ist, Monat zwölf, in der Heimat der größten Macht, wird der Dorfdepp hervortreten, um als Führer bestellt zu werden." Mit diesen Worten soll Nostradamus 1555 die Wahl des amerikanischen Präsidenten George W. Bush vorhergesagt haben ("Der Spiegel"; im Wahlkampf 2002 auch auf den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber gemünzt).
In der Literatur: Franz Xaver Kroetz "Stallerhof" (1972, Theaterstück, das von der debilen Bauerntochter Beppi handelt). Peter Rosegger "Der Cretin" (in "Die Älpler").
Im Film /Filmtitel: "Albert – warum?" (1978). "Ryans Tochter" (1971).



Dörfer: s. auch Dorf



Dorfgeschichte: (Bauerndichtung). Literaturgattung. Wichtigste deutsche Vertreter: Anzengruber, Auerbach, Gotthelf, Immermann, Keller, Löns, Rosegger, Thoma, Waggerl, Wiechert. S. unter den einzelnen Stichwörtern.



Dorfverschönerung: Nachdem es für die Flurbereinigung nichts mehr zu bereinigen gibt, nahmen sich die Ämter die "Dorfverschönerung" vor. Als der Flurbereinigungsinspektor den Huberbauern fragte, was er zur Verschönerung beitragen könne, sagte er: "Meine Alte."



Dorn: "Das ist im Leben hässlich eingerichtet, dass bei den Rosen gleich die Dornen steh'n" (Joseph Viktor von Scheffel "Der Trompeter von Säckingen").
Dornen in den Feldern bekämpften die Römer mit Hilfe des "Deus Spiniensis". Sie können Hexen und Ungeheuer abwehren. Wenn ein Mädchen spazieren geht und es bleiben Dornen an seinen Kleidern hängen, so bekommt sie einen Witwer als Mann. Redensarten: Jemandem ein Dorn im Auge sein (4. Buch Moses. "Einem Pessimisten sind Rosen ein Dorn im Auge" Werner Mitsch). Dorn (Sinnbild für Schmerz oder Ärger, verschiedene Werkzeuge). Dornenfortsatz einer Nervenzelle, Dornenkrone (Sinnbild des Leidens Christi). Dornenreich (beschwerlich), Dornenweg (schon bei Euripides), Dornfortsatz (am Wirbelknochen), dornig, Rose unter Dornen (Hohes Lied).
Tiernamen: Dorndreher (Singvogel), Dorneidechse, Dornfingerfrosch, Dornfisch, Dorngrasmücke, Dorngrundel, Dornhai, Dornraupe, Dornrückenfisch, Dornschrecke (Heuschrecke), Dornschwanzhörnchen, Dornteufel (Agamenart), Dornzikade/Dornzirpe. Pflanzennamen: Dornapfel (Stechapfel), Dornbaum, Dornbusch (s. auch Busch), Dornfarn, Dorngras, Dornhohlzahn, Dornmirte (Mäusedorn, s.s auch Maus), Dornpolstergras.



Dorn: Sprichwörter: Alles Holz brennt in der Stille, außer den Dornen; die rufen: "Auch wir sind Holz!" (aus Persien). Das Kamel trägt Zuckerrohr und bekommt doch nur die Dornen zu fressen (arabisch). "Dornen und Disteln stechen sehr, falsche Zungen noch viel mehr" ("Des Knaben Wunderhorn"). Für die Liebe einer Rose macht sich der Gärtner zum Sklaven von tausend Dornen (Levante). Nicht der Dorn verwundet dich, sondern du selbst ritzt dir die Wunden an den Dornen (Pygmäensprichwort). Wer in Dornen steckt, muss langsam herausgehen.



Dorn: Sprüche: S. auch Gurke

"Der Rose süßer Duft genügt,
man braucht sie nicht zu brechen,
und wer sich mit dem Duft begnügt,
den wird ihr Dorn nicht stechen."
(Friedrich von Bodenstedt)

"Die Natur hat bloß Dornenhecken, die Menschen aber machen Dornenkronen" (Jean Paul). "Die Zeit, sie mäht so Rosen als Dornen, / Aber das treibt immer wieder von vornen" (Johann Wolfgang von Goethe).

"Man schafft so gern sich Sorg' und Müh',
sucht Dornen auf und findet sie
und lässt das Veilchen unbemerkt,
das uns am Wege blüht."
(Johann Martin Usteri)



Dorn: Vergleiche: "Feiner Spott ist ein Dorn, der etwas vom Duft der Blume konserviert hat" (Alfred d'Houdetot). Der griechische Dichter Lukian macht sich Gedanken über bestimmte Leute: "Muss man sie nicht mit jenen vergleichen, die an einem Rosenstock nur die Dornen wahrnehmen und darüber die Rose selbst übersehen?" Plautus vergleicht im "Grobian" Dirnen mit einem Dornbusch: Jeder, der sie berührt, muss Schmerz empfinden oder Schaden erleiden." "Das Herz einer leichtlebigen Frau gleicht der Rose, von der jeder Liebhaber ein Blatt abreißt. Dem Gatten bleibt nur der Dorn" (Sophie Arnould). "Das Leben ist ein dorniger Rosenstock und die Kunst seine Blüte" (Georg Ebers).



Dorn: Vergleiche: Der Weg zur Geliebten ist nicht dornig (Afrika). Genuss im Zorn ein Stacheldorn. Rosen und Wahrheiten haben Dornen (England). So viel Dorn ein Rosenstock, so viel Haar ein Ziegenbock, so viel Flöh ein Pudelhund, so viel Lug in Pfaffenmund. Wer Dornen sät, darf nicht barfuß gehen (Afrika). "Die Dornen, die Disteln, die stechen gar sehr, / Doch stechen die Altjungfernzungen noch mehr" (Emmanuel Geibel). "Gewiss bleibt's, dass nicht die weiblichen Laster, sondern die weiblichen Launen so viel Pferdestaub und Dornen in das Ehepaar säen, dass oft der Satan darauf liegen möchte" (Jean Paul). Optimist: "Einer, der sich nicht darüber ärgert, dass der Rosenstrauch Dornen hat, sondern der sich darüber freut, dass der Dornenstrauch Rosen trägt" (E. G. Tange). "Und kränkt die Liebe dich, sei dir’s zur Lieb ein Sporn; / Dass du die Rose hast, das merkst du erst am Dorn" (Friedrich Rückert). "Viel sind Dornen am Lebenswege; doch keine der Dornen / Ritze von Deiner Hand eines Mitwanderers Herz!" (aus dem Orient). "Wär’ auch die ganze Welt mit Dornen rings umstellt, / ein Herz, das Liebe fühlt, bleibt stets ein Rosenfeld" (Dschelal-ed-din Rumi). "Wer einen Tag nicht liest, dem wachsen Dornen im Mund" (Konfuzius).



Dorn: Kindermund:
"Es regnet große Tropfen.
Böse Buben muss man klopfen,
Die braven legt man ins Seidenbett,
Die bösen in die Dornenheck ..."

"Ein altes Weib wollte gucken geh'n.
Da war die Tür verschlossen.
Da sah sie eine Leiter steh'n
Und guckte durch die Sprossen.
Jedoch die Leiter brach entzwei
Der alten Frau zum Trotze.
Da fiel sie in den Dornenbusch
Und stach sich in den Finger, Finger."



Dorn: In Literatur: Fabeln: S. auch Apfel, Fledermaus, Tanne. Äsop "Der Fuchs und der Dornstrauch". Friedrich von Hagedorn "Das Schäfchen und der Dornstrauch". Gotthold Ephraim Lessing: "Der Dornstrauch": "Aber sage mir doch, fragte die Weide den Dornstrauch, warum du nach den Kleidern des vorbeigehenden Menschen so begierig bist? Was willst du damit? Was können sie dir helfen? Nichts! sagte der Dornstrauch. Ich will sie ihm auch nicht nehmen; ich will sie ihm nur zerreißen" (nach Äsop).
Im Gedicht: Clemens Brentano "Sei geduldig…" Wilhelm Busch: "Der Dornenstrauch". Max Dauthendey: "Der Jungrosen Dorn". Andreas Gryphius "Die geliebte Dornrose". Friedrich Hebbel "Blumen und Dornen". Georg von der Vring "Christusdorn". William Wordsworth "The Thorn.



Dorn: Im Film/Filmtitel: u. a. "Auf dornigen Pfaden" (1912). "Blätter und Dornen" (1993). "Die Dornenvögel" (TV-Film 1982). "Die Tote im Dornbusch" (1969 TV-Serie "Der Kommissar"). "Dornen der Liebe" (1993). "Dornen im Tal der Blumen" (1998). "Dorn im Auge" (1993). "Ein dorniger Weg" (1991). "Felicidat! - Dornenwege zum Glück" (1998). "Hinter dem Dornenstrauch" (1980 Kinderfilm). "Junge Dornen" (1966). "Keine Rose ohne Dornen" (1957). "Landschaft mit Dornen" (1992). "Rose unter Dornen" (TV-Film 2006). "Rosen und Dornen vom Weg des Lebens" (1911).
In der Kunst: "Dornauszieher" (Frühhellenistische Sitzfigur eines Knaben, die bis in die Renaissance herauf "kopiert" wurde).
Im Lied: "Dornröschen war ein schönes Kind". "Maria durch ein Dornwald ging".



Dornen: s. auch Dorn



Dornenkrone: Sinnbild des Leidens (Neues Testament Matthäus. "Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung" Stanislaw Jerzy Lec). Redensart: Einem eine Dornenkrone flechten.
Sprichwörter: Königskronen sind Dornenkronen.
Vergleiche: "Blumenkränze entführt dem Menschen der leiseste Westwind, / Dornenkronen jedoch nicht der gewaltigste Sturm" (Friedrich Hebbel). "Der Mensch ist die Dornenkrone der Schöpfung" (Stanislaw Jerzy Lec). "Manchmal drückt ein Lorbeerkranz mehr als eine Dornenkrone" (Wolfgang Eschker).
Im Gedicht: Angelus Silesius "Die dornene Kron". Catharina Regina von Greiffenberg "Auf meines hochverdienten Heilandes Dornen-Krone". Andreas Gryphius "Christ mit Dornen gekrönet". Emile Verhaeren "Die Dornenkrone".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Unter der Dornenkrone" (1920).
In der Malerei: u. a. Albrecht Altdorfer "Passionsaltar: Dornenkrönung" (um 1510-12). Hieronymus Bosch "Dornenkrönung Christi" ( 1508-1509). Albrecht Dürer "Dornenkrönung Christi" (Zeichnung 1504 und Holzschnitt 1509). Memling "Christus mit der Dornenkrone" (um 1470). Peter Paul Rubens "Dornenkrönung". Giovanni Battista Tiepolo "Dornenkrönung" (um 1745–1750). Tizian "Dornenkrönung" (um 1542, 1570).



Dornröschen: Im Märchen: Brüder Grimm. Die Tiefenpsychologie sieht in der Rosenblüte ein Sinnbild für das weibliche Geschlechtsteil und deutet die Dornenhecke als Schutz des pubertierenden Mädchens vor "verfrühten Penetrationsversuchen" der Bewerber. Erst nach Abschluss des hundertjährigen Reifeprozesses, wenn die jungfräuliche Knospe zu einer voll erblühten Rose geworden ist, "öffnet" sie sich dem Prinzen bereitwillig (H. Mohr).
Redensarten: Dornröschenschlaf (verträumtes, untätiges Dasein). Aus dem Dornröschenschlaf erwachen (Mädchen, das lange auf einen Freier gewartet hat). Walt Disney "Dornröschen". Iring Fetscher "Wer hat Dornröschen wachgeküsst?"
Im Gedicht: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Dornröschen".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Dornröschen" (Märchenfilm u. a. 1955, 1959, 1987, 2008, 2009). "Maleficent".
In der Musik: Engelbert Humperdinck "Dornröschen" (Oper 1902). Peter Tschaikowski "Dornröschen" (Ballett und Suite).
Im Lied: "Dornröschen war ein schönes Kind". Schlager: "Dornröschen". "Dornröschen aus'm Wedding". "Dornröschen ist aufgewacht". "Dornröschen schläft nicht mehr". "Dornröschen träumst du immer noch".



Dreck: "Materie am unrichtigen Ort" (Palmerston).
Stoff, mit dem der Landmann am intensivsten in Berührung kommt (getreu dem lateinischen Spruch "semper aliquit haeret"- "es bleibt immer etwas hängen"). Der frühkindliche Kontakt mit Dreck und Mist kann spätere Allergien verhindern. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Sie lässt sich bis auf die "Heilsame Dreck-Apotheke" von Christian Franz Paullini 1687 zurückverfolgen. Dort werden Salben und Pillen aus "Dreck" hergestellt und gegen verschiedene Krankheiten verordnet (Drecktherapie). Im alten Rom wurde Hundekot gegen den Herzinfarkt "verschrieben".



Dreck: Redensarten: An etwas kommen wie das Kind an den Dreck (für Zufallserfolg). Aus dem gröbsten Dreck heraus sein. Bis zum Hals im Dreck stecken. Das geht dich einen Scheißdreck/einen feuchten Dreck/Kehricht an. Wer Scheißdreck im Hirn hat, darf sich nicht schnäuzen, weil's sonst aufkommt. Den alten Dreck aufwühlen. Der letzte Dreck (jemanden wie den letzten Dreck behandeln). Die Karre aus dem Dreck ziehen. Dreck am Stecken haben (Spruch: Seit er am Stock geht, sieht man, dass er Dreck am Stecken hat). Dreck in den Ohren haben (etwas nicht verstehen). Dreck im Schachterl haben (leer ausgegangen sein).



Dreck: Redensarten: Dreck ist Trumpf (für Misswirtschaft). Dreckig daherreden. Einen Dreck bekommen (Wolfgang Amadeus Mozart an sein Bäsle: "... sonst wenn ich etwa schon bin weck, bekomme ich statt einen Brief einen dreck, dreck! - dreck! o dreck! o süßes Wort! ...") Einen Dreck davon verstehen. Einen Dreck wert sein. Einen Dreck wissen. Einen Dreckeimer über jemanden ausleeren. Es geht einem dreckig. Geld wie Dreck haben. Im Dreck stecken (z.B. bis über die Ohren. Plautus "Pseudolus"). Im Dreck wühlen. Jemanden/Etwas in den Dreck ziehen. In den Dreck hineinlangen. Jemanden mit Dreck bewerfen (verleumden). Seine Nase in jeden Dreck stecken. Sich einen Dreck um etwas kümmern/sich um jeden/um den eigenen Dreck kümmern. Sich wie das letzte Stück Dreck benehmen. Bärendreck (Lakritze, s. auch Süßholz). Pflanzennamen: Teufelsdreck. Geophagie (Wissenschaft von der (Un-)Sitte, Erde zu essen.



Dreck: Sprichwörter: Allzu keck liegt bald im Dreck. Frischer Kot erfreut die Fliegen (Afrika). Ich war Staub, da fiel Regen und machte mich zu Dreck (Spanien). (Scheiß-)Dreck wird nicht dadurch besser, wenn man ihn in kleine Portionen aufteilt. Wenn der Dreck Mist wird, will er gefahren werden. Wenn der Dreck zu Ehren kommt, weiß er nicht mehr, was ihm frommt (Russland). Wer andere in den Dreck zieht, macht sich selber schmutzig (England). Wer im Dreck steckt, möchte einen anderen hineinziehen (Portugal).
Sprüche: "Der Dreck hat eine noble Vergangenheit, er stammt von uns" (Billy). Der Dreck und die Sau finden immer zueinander. Dreck ist chemisch reine Substanz am falschen Ort. "Macht Eurn Dreck alleene!" (Friedrich August III. von Sachsen). "Was man so sehr prächtig Sonnenstäubchen nennt sind doch eigentlich Dreckstäubchen" (Georg Christoph Lichtenberg). Wer mit Dreck wirft, verliert an Boden.



Dreck: Schimpfworte: "Spottgeburt von Dreck und Feuer!" (Goethe im "Faust"). Dreck am Stecken (männliche Geschlechtskrankheit), Dreck und Speck (u. a. Gonorrhöe und Syphilis). Kombination mit zahlreichen Kraft- und Scheltworten (auch unabhängig von "schmutzig" gebraucht): Dreckarsch, Dreckbär, Dreckeimer, Dreckfink (schmutziges Kind), Dreckhammel, Dreckhaufen (schmutziger Mensch), dreckig (dreckiges Benehmen, Lachen), Dreckloch (schmutziges Zimmer), Dreckmaul, Drecknest (ungepflegter, langweiliger Ort), Dreckpfote (schmutzige Hand), Drecksack, Drecksarbeit, Drecksau (Ausbilderspruch Soldatensprache: Normalerweise bin ich eine Sau, aber wenn ich dich sehe, werde ich zur Drecksau), Drecksbulle, Dreckschlampe, Dreckschleuder (loses Mundwerk, Frau mit vulgären Ausdrücken; Fabrik, Auto, das die Umwelt belastet, Müllverbrennungsanlage. "Alle Mann an die Dreckschleuder!"), Dreckschwein, Drecksgesindel, Dreckskerl, Dreckspatz (schmutziges Kind), Dreckstück, Dreckwetter, Dreckszeug (minderwertige Ware), Scheißdreck (sich um jeden Scheißdreck kümmern), verdreckt.
Im Gedicht: Gustav Falke "Aus dem Dreck in den Himmel".



Dreck: Im Film/Filmtitel: u. a. "Bis zum Hals im Dreck" (1991 TV-Serie "Tatort"). "Das dreckige Spiel" (1988). "Die Dreckschleuder" (1987). "Dreck" (1994). "Dreckfresser" (2000). "Ein dreckiger Haufen" (1968). "Eine Hand voll Dreck" (1956). "Im Dreck verreckt" (1968).



Dreck: S. auch Hühnerdreck, Kuhdreck, Mist



Dreschen: "Wer das Getreide ausdrischt, der sollte zum Mittag nicht schlummern;
fallen doch mittags am leichtesten von dem Halme die Körner" (Theokrit).
Es soll nur bei zunehmendem Mond gedroschen werden. Die erste Garbe muss an eine Kuh verfüttert werden; das bringt Glück.
Redensarten: Abgedroschenes Zeug reden. Auf jemanden eindreschen, jemanden verdreschen. Aufheulen wie eine alte Dreschmaschine, wenn ein Hund reinfällt (für lärmen). Das Klavier, dreschen. Fressen wie ein Scheunendrescher (bereits bei Grimmelshausen). Den Ball über das Tor dreschen. Draufdreschen/drauflos dreschen, verdreschen (schlagen). Dresche kriegen (Prügel bekommen). Korn dreschen (koitieren). Korn in fremden Scheunen dreschen (fremdgehen). Leeres Stroh/Phrasen dreschen ("Abgedroschene Phrasen lassen auf Stroh im Kopf schließen" Gerhard Uhlenbruck). Schafkopf/Skat dreschen.
Sprichwörter: Dem dreschenden Ochsen soll man das Maul nicht verbinden (Altes Testament 5. Buch Moses). Gott beschert die Garbe, drischt sie aber nicht (sorbisch).



Dreschen: Schimpfworte: Phrasendrescher ("Wer Phrasen drischt, kann keine Lorbeeren ernten" Werner Ehrenforth). In der Fabel: Christian Fürchtegott Gellert "Der junge Drescher".
Im Gedicht: Johann Heinrich Voß "Dröscherlied".



Dreschen: S. auch Flegel, Sieb, Spreu, Stroh



Drohne: "Untätiges Pack", das "schmarotzend vom Fleiße der andern" zehrt (Vergil) und "gefräßig, dick, faul und dumm" ist (Wilhelm Busch). "Drohne" (Kampfdrohne, unbemanntes Fluggerät).
Sprüche: Bienen, die nur wohnen, nennt man Drohnen.
Schimpfworte: Drohne (Schmarotzer, Sinnbild des Nichtstuers, der von der Arbeit anderer lebt und ein Drohnendasein führt).
Im Gedicht: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.
In der Literatur: Aristophanes "Die Wespen":
"Freilich gibt es auch Drohnen unter uns. Sie sind
Stachellos, sitzen müßig herum, schau'n nur auf den Ertrag
Unserer Arbeit und verzehren faul die Früchte unseres Fleißes".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Good kill". "Invasion der Liebesdrohnen" (1977).
Schlager: "Drohne". "Millionen Drohnenlied".



Drohnen: s. auch Drohne



Drossel:
"Nenne denn dein Entchen mich,
Dein Täubchen, Hündchen, Schwälbchen, Spätzchen, Drosselchen ..."
(Plautus "Das Eselsspiel").
Drosseln kamen bei den Römern besonders häufig auf den Tisch; sie wurden in großem Stil gezüchtet. Wenn sich die Drosseln an der Spitze eines Baums niederlassen, steht ein langer, kalter Winter bevor. Leider soll sich der Teufel gelegentlich in Drosselgestalt verbergen. Drosselrohrsänger.
Wohl nicht vom Vogel: Drossel (Kehle, Elektrotechnik), Drosselader, Drosselklappe (Regelventil. "Drosseln sind Vögel, sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei"), drosseln (vermindern). Pflanzennamen: Drosselbeere (Eberesche).
Schimpfworte: (zu Frauen) Saufdrossel, Schnapsdrossel (kommt von Kehle, übermäßiger Alkoholgenuss), Spottdrossel. Heinrich Heine wurde als Spottdrossel im deutschen Dichterwald beschimpft (H. Pfeiffer). Fabeln: Äsop "Die Drossel": Eine Drossel, die in einem Myrtenhain nistete, konnte sich von den süßen Früchten nicht trennen. Doch ein Vogelsteller lauerte ihr auf und fing sie mit seiner Leimrute. Bevor sie ihr Leben aushauchte, klagte sie: "Ich Unglückselige, die ich wegen ein paar süßer Früchte mein Leben verliere!"



Drossel: In der Literatur: Ambrose Bierce "Spottdrossel". Martial "Epigramme" ("Das Zehent Drosseln"). Friedrich Schnack "Die Rohrdrossel baut ihr Nest". Horaz rühmt: "Nichts geht doch über ein Bauchstück vom Schwein und gemästete Drosseln!" Aber er warnt auch in den "Satiren" vor Völlerei: "Wenn durcheinander Braten du isst und Gesottnes und Austern zusammen mit Drosseln, wird sich in Galle der Wohlgeschmack wandeln und zähes Geschleim den Magen dir zerwühlen."



Drossel: Im Gedicht: Martin Greif "Der Ritter und die Drossel". Thomas Hardy "Die Drossel in der Dunkelheit".

"Im Walde wandl’ ich und weine,
Die Drossel sitzt in der Höh’;
Sie springt und singt gar feine:
‚Warum ist dir so weh?’

Die Schwalben, deine Schwestern,
Die können’s dir sagen, mein Kind;
Sie wohnten in klugen Nestern,
Wo Liebchens Fenster sind."
(Heinrich Heine)

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Schwarzdrossel". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Friedrich Rückert "Drosseln, freilich ihr esset die Kirsche mir …" und "Der Drosselschlag". Friedrich Schnack "Die Drossel". Theodor Storm "April" ("Das ist die Drossel, die da schlägt ...") Ludwig Uhland "Sterbeklänge. 3. Die Drossel".

"… Die frühe Zeit ist ihr vertraut;
Ein frühes Lied wird dir bewusst.
Sing’s leis' wie sie und wieder laut,
Und dass du nichts verschweigen musst."
(Georg von der Vring "Die Drossel")

Im Märchen: König Drosselbart.



Drossel: Im Film/Filmtitel: u. a. s.. auch Amsel "Es war einmal eine Singdrossel" (1970).
Schlager: "Im grünen Wald, dort wo die Drossel singt". Lied: "Zur Drossele sprach der Fink".



Drossel: S. auch Amsel (Amseln und Drosseln sind keine verschiedenen Vögel!),, Sanitätsgefreiter Neumann



Drosseln: s. auch Drossel



Dummheit: s. Intelligenz



Dünger: Die organische Düngung des Bodens wird schon bei Homer beschrieben. Redensarten: Als Dünger dienen, düngen, Dungfliege, Dungkäfer, Dungmücke.
Sprichwörter: Der Teufel scheißt immer dahin, wo schon gedüngt ist. Des Herrn Fuß düngt den Acker am besten. Dünger ist kein Heiliger, aber er wirkt Wunder. Wer den Acker aus der Westtasch düngt, die Ernte leicht in die Rocktasch bringt. Wer den Dünger schont, dem wird schlecht gelohnt.
Sprüche: "Einen Acker kannst du nicht düngen, indem du bloß durch den Zaun furzt" (Abraham Lincoln). "Rutscht dein Gefährte in den Dung, / lächle still: Entschuldigung" (Dietmar Bittrich).
Vergleiche: Geld ist wie Dünger, wenn man den nicht ausbreitet, ist er wertlos. Verrat ist schlechter Dünger" (Bertolt Brecht). Schüleraufsatz: Unter Zuhilfenahme von Unwissenheit düngen heute noch viele Bauern nicht richtig. Volksmund: "Hans düngte seine Felder schlecht, / war Ackermann, jetzt ist er Knecht." "Brennt dem Bauern mal der Kittel / Liegt’s am scharfen Düngemittel." "Scheißt der Bauer auf sein Feld, / Spart für Dünger er viel Geld."



Dünger: Im Gedicht:
...'Gott segn' euch, ihr trefflichen Vögel,
an der fernen Guanoküst' -
trotz meinem Landsmann, dem Hegel,
schafft ihr den gediegensten Mist!'"
(Joseph Viktor von Scheffel "Guano")



Dünger: S. auch Mist





Korrekturen, Ergänzungen?


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