Ergebnisliste

Anfangsbuchstabe: E




Lexikon des Landlebens



Eber:
"Gleich Ebern, wetzend ihre wilden Zähne, triefend
vom Schaum die Backen, fingen sie zu kämpfen an"
(Euripides "Die Phönikerinnen").
"Der Bespringer der Säue" (Homer), "Saubär". Adonis, der Geliebte der Göttin Aphrodite, wurde auf einer Jagd von einem Eber tödlich verwundet. "Hoch in den Bergen liegt der schöne Adonis, von der Hauer des Ebers am Schenkel grausam verwundet, verblutet und stirbt zum Kummer der Kypris" (Bion). Der berühmte erymanthische Eber wurde von Herkules eingefangen. Der kalydonische Eber ist ein Untier in der griechischen Mythologie. Der Eber war im alten Rom Bestandteil exquisiter Gastgelage und Sexorgien:
"Keiner ist so schmutzig und gefräßig als Santra.
Wenn vom Patron geladen er zum Mahl eilt,
Dem er so viele Tag' und Nächte nachstellte,
Verlangt er dreimal Eberhoden" (Martial).



Eber: Der Eber ist Begleiter des Sturmgottes Odin und Reittier der Göttin Freya. "Seine Borsten ragen hoch wie de Wald, seine Hauer sind zwölf Ellen lang". Die Kelten verehrten einen Ebergott. Bernhard von Clairvaux baute die Abtei Ebersbach an der Stelle, die ihm ein Eber gezeigt hatte. 1984 lief der Renn-Eber "Klötenjoe" die 100 Meter in 11,00 Sekunden - ungedopt! "Den ersten bekannten Kaiserschnitt führte 1500 ein Mann durch, der das Handwerk des Eberkastrierers ausübte" (H. Haefs). Ebersbrot (Johannisbrot). Tiernamen: Eberfisch. Pflanzennamen: Eberdistel (Eberwurz), Eberkraut (Weidenröschen), Eberraute.
Arme Seelen müssen als Strafe für ihre Sünden auf einem Eber reitend umherziehen und auf Erlösung warten. Eberzähne werden gerne als Amulett getragen. Ebergalle gilt als sexuelles Stimulanz. Gebratene Eberhoden sollen gegen Bettnässen wirken. Der Eber kann Glück bringen, wenn man ihm auf einer Reise begegnet. "Eberreiben" (Koitusposition im indischen "Kamasutra").
Spruch: Wenn eine Sau auch noch so schmutzig ist, / sie findet einen Eber, der sie küsst.



Eber: Schimpfworte: Eberborsten (Schamhaar des Mannes).

"Der Eber ist oft missgestimmt,
weil seine Kinder Ferkel sind.
Nicht nur die Frau,
die Sau, alleine,
auch die Verwandten ..., alles Schweine!"
(Heinz Erhardt).

In der Fabel: Friedrich von Hagedorn "Der Hirsch und der Eber". Phaedrus "Der alte Löwe, der Eber, der Stier und der Esel", "Das Pferd und der Eber" und "Der Esel, der den Eber verhöhnt".
In der Literatur: Ernst Jünger "Die Eberjagd" (1952. Knut Hamsun "Der wilde Eber". Martial "Epigramme" ("Der Eber"). Lawrence Norfolk "In Gestalt eines Ebers". Homer klagte in der "Odyssee": "Aber das Fleisch der gemästeten Eber verschlingen die / Freier, ohne die Götter zu scheuen." Doch nicht lange, denn Odysseus wurde nach der Heimkehr von seiner Amme an der Wunde erkannt, "die ihm ein Eber ehemals schlug mit leuchtender Hauer!"
Im Gedicht: Paul Celan "In Gestalt eines Ebers". Ovid "Metamorphosen". Ludwig Uhland "Der Überfall im Wildbad".



Eber: In der Malerei: u. a.. Anthonis van Dyck "Eberjagd". Peter Paul Rubens "Eberjagd" (um 1615–1616). Im Film/Filmtitel: "Hirsch & Eber".
Schlager: "Der Eber sagt zu seiner Frau hör zu du süße kleine Sau". "Legt die Sau mit ihrem Eber einen Tango aufs Parkett".



Eber: S. auch Sau, Schwein, Wildschwein



Eberesche: Vogelbeere. Sie darf nicht verpflanzt werden, sonst droht der Tod. In Irland gilt sie als Schutzbaum gegen Blitzschlag und Hexenzauber. Sänger und Redner benutzen sie, um ihre Stimmbänder geschmeidig zu halten. Baum des Jahres 1997.
In der Literatur: Hermann Löns "Die Ebereschen".
Im Gedicht: u. a. Gottfried Benn "Ebereschen". Georg Heym "Der Baum".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Rote Ebereschen" (1970).
Lied: "Die Eberesche vom Ural". "Ebereschenbaum". "Schlanke Eberesche". "Vugelbeerbaam".



Edelweiß: Mit dem Edelweiß kann man nicht nur Gespenster vertreiben, sondern sogar den Teufel. Auf österreichischen Münzen. Zahlreiche Abzeichen und Logo von Gebirgstruppen und Alpenvereinen. Edelweiß-Korps (österreich-ungarisches Armee-Korps). Unternehmen Edelweiß (Militäroperation während des Zweiten Weltkriegs).
In der Literatur: Berthold Auerbach "Edelweiß" (1861). Ludwig Ganghofer "Der Edelweißkönig" (1886). Felix Dahn "Blumenbilder in Sprüchen. Alpenrose und Edelweiß". Karl Kraus "Das Edelweiß" (Satire).
Im Gedicht: Friederike Kempner "Edelweiß".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Almenrausch und Edelweiß" (1927, auch 1957). "Das goldene Edelweiß" (1949). "Das letzte Edelweiß" (1993 TV-Film). "Der Edelweißbua" (1938). "Der Edelweißkönig" (1919, 1938/39, 1957, 1975). "Edelweiß" (TV-Film 2001). "Edelweißpiraten" (2004/05). "Sein letztes Edelweiß" (1930). "Unternehmen Edelweiß" (1954). "Zwei Herzen und ein Edelweiß" (TV-Film).
Im Lied: "Edelweiß" ("Das schönste Blümlein auf der Welt"). "Es war einmal ein Edelweiß". Schlager: "Almenrausch und Edelweiß". "Bring me edelweiss" (Mariah M). "Das Edelweiß vom Wendelstein". "Edelweiß" (Heino). " Edelweiß im Dekoll'te". " Edelweiß, Perle der Alpen". "Edelweiß-Rock". "Ein kleines Edelweiß". "Ein Straußerl Edelweiß". "Geh mit mir zum Edelweiß". "Ich schenk dir ein Edelweiß". "Mein Glück, mein Edelweiß". "Orchidee und Edelweiß". "So a Edelweiß". "Sogar das Edelweiß wird rot".



Efeu:
"Efeu und ein zärtlich Gemüt
Heftet sich an und grünt und blüht …"
(Goethe "Sprüche in Reimen").

Da der Efeu nicht bestehen kann, ohne sich anzuschmiegen, ist er seit dem Altertum Sinnbild für Freundschaft und Treue. Die Griechen trugen bei festlichen Gelagen Efeukränze. Theokrit wünscht sich in eine Biene zu verwandeln, um "durch Efeu zu schlüpfen und Farnkraut". Im Zimmer gehalten bringt die Pflanze Unglück und Ehestreit. Sie wird gelegentlich als Aphrodisiakum verwendet, zumindest zieht sie Insekten an. "Fünf oder sechs Körner bewahren den Menschen, dass er nicht leicht trunken werde" (Hieronymus Bosch). Efeuprobe (Keuschheitsprobe). Pflanzennamen: Efeuaralie, Efeupelargonie. Arzneipflanze des Jahrs 2010.
Sprüche: "Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kunden nur raten, Efeu zu pflanzen" (George Sand). "Der Arzt kann seine Kunstfehler verbrennen. Der Architekt muss seine Kunden veranlassen, Wein und Efeu zu pflanzen" (Frank Lloyd Wright). "Mich macht Efeu, der Schmuck der Dichterstirn, mit den Göttern verwandt" (Horaz "Oden").



Efeu: Vergleiche: "Leute, die Karriere machen wollen, sind wie Efeu - kriechend wachsen sie über sich hinaus" (aus "Spitze Worte").

"Herr Afeu frug Herrn Befeu:
‚Wo bleibt denn bloß Herr Cefeu?'
Da sprach Herr Befeu: ‚Cefeu?
Der sitzt mit Fräulein Defeu
Dort unten hinterm Efeu!'"
(Heinz Erhardt "Von A bis E")

Im Gedicht: Werner Bergengruen "Efeuballade" (in "Die heile Welt"). Clemens Brentano "O wie ist der Efeu treu!". Theodor Däubler "Die Epheuranke". Felix Dahn "Efeu". Ferdinand Freiligrath "An den Efeu" (nach Felicia Hemans). Johann Wolfgang von Goethe "Efeu und ein zärtlich Gemüt ..." Günter Grass "Efeu - die Zuwachsrate Unsterblichkeit". Conrad Ferdinand Meyer "Eppich". Rainer Maria Rilke "Requiem". Joseph Victor von Scheffel "Freund Efeu spricht ..."
Lied: "Das Deutsche Lied: Efeu". "Die Stechpalme und der Efeu". "Mädchenblumen. Efeu" (Richard Strauß). Schlager: "Poison ivy" (The Coasters 1959.)



Egge: Weil sie in Kreuzform konstruiert ist, werden ihr magische Kräfte zugesprochen. Wenn man Hexen vom Haus fernhalten will, muss man eine Egge mit den Zinken nach oben an die Haustür lehnen.
Sprichwörter: Soviel du erackerst, soviel musst du eggen (sorbisch).



Ehe: s. Heirat



Ehefrau: s. Bäuerin



Ehrlichkeit: "Ehrlichkeit währt am längsten", sagte der Bauer, "weil sie am wenigsten gebraucht wird."



Ei: "… eine geschissene Gabe Gottes."
S.. auch Henne. Nach einer griechischen Weltentstehungslehre soll die Erde aus einem geborstenen Ei entstanden sein. Auch Götter und Helden werden aus Eiern geboren, so schlüpft Helena aus einem Ei, das vom Mond gefallen ist. Die Farbe der Hühnereierschalen kann man an der Farbe der Ohrläppchen erkennen.
Brauchtum und Volksmedizin
Eier einer schwarzen Henne schützen vor Blitzschlag und Schlangenbissen. Eierschalen darf man nicht verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr. Will man ein Paar auseinanderbringen, schreibt man dessen Namen auf die beiden Hälften eines Eis und schneidet es anschließend durch. Eier soll man nicht auf Reisen mitnehmen; das bringt Unglück. Der Braut legte man Eierschalen ins Kleid; das sollte viele Kinder bringen. Allerdings werden Schwangere eine schwere Geburt haben, wenn sie auf Eierschalen treten. Träumt eine Frau von Eiern, wird ihr Mann sie betrügen. Wäscht man seine Hände in Wasser, in dem Eier gekocht wurden, so bekommt man Warzen. Hat man sich verirrt, muss man sich zu erinnern versuchen, wo man das erste geweihte Osterei gegessen hat; dann wird man wieder nach Hause finden. Der Genuss von rohen Eiern soll potenzfördernd wirken. Das war vielleicht der Grund, warum die alten Römer Eier als Vorspeise verzehrten. Casanova schwor auf die aphrodisische Wirkung von Eiern und Parmesankäse. In dem Film "Im Reich der sinne" platziert die Frau ein gekochtes Ei in ihrer Vagina und lässt es anschließend ihren Liebhaber verspeisen.



Ei: Eier (Geld; das kostet viele Eier). Eierbrikett (eiförmige Steinkohlen). Eierlaufen (Kinderspiel), Eierpaketler (Schabe), eiern (unrunder Radlauf), eierschalenfarben, Eierschalenporzellan (dünnwandiges Porzellan), Eierstab (Zierleiste), eiförmig, eirund, Nürnberger Ei (tragbare eiförmige Uhr des Erfinders Peter Henlein 1480 - 1542). Eierstock (Ovarium), Eieruhr, Eileiter, Eisprung (Ovulation). Eyecatcher (Blickfang in der Werbung). Werbespruch der Eierlikör Verpoorten "Ei, Ei, Ei Verpoorten". "Nix mehr putla, nix mehr jaika": Mit diesem Spruch versuchten 1945 deutsche Bauern plündernde russische Soldaten von ihren Hühnerställen fernzuhalten.
Tiernamen: Eierschlange (Natter). Pflanzennamen: Eierfrucht, Eierfruchtbaum, Eierpflanze (Aubergine), Eierpflaume, Eierschwamm (Pfifferling), Eipilz, Sumpfdotterblume.



Ei: Redensarten: "Ei – love you!"
Ab ovo (nach Horaz "Ars poetica", sehr weitschweifig. Ab ovo usque ad mala. Beim römischen Gastmahl wurden als Vorspeise Eier aufgetragen, am Schluss Früchte, z.B. Äpfel). Ach du dickes Ei (Ausbilderspruch: Da haben Sie aber ein dickes Ei auf die Schienen genagelt). Das Salz bringen, wenn die Eier gegessen sind (zu spät). Die Eier sind gelegt (die Aufgabe ist erledigt). Die Eierschalen noch hinter den Ohren haben (jung, unerfahren sein). Eier haben (Angst, Bedenken haben). Ein Ei legen (seine Notdurft verrichten, z.B. das "Morgenei" in Hans Fallada "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst". "Eiablage" = Klosett). Eier ausbrüten, die noch nicht gelegt wurden. Eier legen (Militär, Bomben abwerfen). Einen wahren Eiertanz aufführen (für Ausflüchte suchen; ursprünglich Kunsttanz zwischen ausgelegten Eiern. "Auch der Eiertanz der Gemeindebeamten vermag die am Hungertuch nagende Bevölkerung nicht mehr einzuseifen" E. Heimeran). Ergriffen sein wie ein Dutzend Rühreier. Faules Ei. Für ein Appl und Ei (fast umsonst). Friede, Freude, Eierkuchen (Scheinharmonie).



Ei: Redensarten: Jemand ist hartgesotten wie ein Zehnminuten-Ei. Jemanden wie ein rohes Ei behandeln (das "heißt nicht unbedingt, dass man sehr vorsichtig mit ihm umgeht. Es kann auch bedeuten, dass man ihn ganz einfach in die Pfanne haut" W. Mieder). Kaum aus dem Ei gekrochen (noch sehr jung, unerfahren). Man kann Eier in seinem Arsch braten (solche Angst hat er). Nicht das Gelbe vom Ei. Sein Ei dazwischenlegen (seine Meinung sagen). Seine Augen sehen aus wie hart gekochte Eier (für geschwollene Augen). Sich die Eier von anderen ausbrüten lassen (für profitieren). Sich gleichen/ähnlichsehen wie ein Ei dem andern. Sich um ungelegte Eier kümmern (voreilig sein. Bereits bei Luther. Die Eier zählen, bevor sie gelegt sind). Stinken wie faule Eier. Ungelegte Eier/Windeier ausbrüten (Unnützes tun). Wie auf Eiern gehen (vorsichtig). Wie aus dem Ei gepellt/geschält (sauber, rein). Herumeiern (unschlüssiges Hin- und Her).



Ei: Sprichwörter: S. auch Hahn, Huhn. Alte Eier, alte Freier, alter Gaul / sind gewöhnlich faul. Amtleute geben dem Herrn ein Ei und nehmen dem Bauern zwei. Das Ei soll nicht klüger sein wollen als die Henne. Das Ei von heute ist mir lieber als das Huhn von morgen (aus Italien). Des Nachbarn Henne legt immer die größeren Eier (Bulgarien). Es ist nicht gut, wenn man die Eier schon im Hintern der Henne zählt (Portugal). Lieber heute ein Ei, als morgen ihrer drei (tschechisch). Mädchen und Eier soll man nicht zu lange aufbewahren. Man kann kein Omelett machen, ohne Eier zu zerschlagen (Frankreich). "Neutral" will auf Eiern gehen und keines zertreten. Tanze nicht, wenn du einen Korb mit Eiern trägst (Afrika). Während zwei zanken um ein Ei, steckt's der Dritte bei. Wenn eine Dirne die Wahrheit sagt, wird das Ei viereckig (Japan). Wenn man genügend Eier stiehlt, kann man auch reich werden (jüdisch). Wer Eier haben will, muss das Gackern der Hühner ertragen (England). Wer Eier isst, denkt nicht an die Mühe der Henne (Afrika). Wer Eier will, darf die Hühner nicht braten. Wer ein Ei stiehlt, stiehlt auch Ochsen (Frankreich).



Ei: Sprüche: "Das weiß ein jeder, wer’s auch sei, / gesund und stärkend ist das Ei" (Wilhelm Busch). "Dass von meinen Hennen je ein Ei ich fände! / Eine legende ist wahrlich schon Legende" (Elisabeth Knauth "Hühnerzüchters Klage"). Der Hahn zur Henne: "Schau mal, in der Küche hauen sie unsere Kinder in die Pfanne" (oder Die meisten Hühner werden schon als Eier in die Pfanne gehauen). "Es ist die alte Leier, / zerbrechlich sind die Eier" (Panzerknacker-AG). "Gackern: die Geburt eines Eies feiern" (Ambrose Bierce). "Kocht die Bäurin faule Eier, / kotzt der Bauer wie ein Reiher" (R. Habeck). "Man kann keine Eierkuchen backen, ohne ein paar Eier zu zerschlagen" (Napoleon I).



Ei: Sprüche: Man sollte kein Spiegelei bestellen, bevor das Huhn nicht seine Arbeit getan hat. "Nicht ohne Grund fragte sich einst Janusz Minkiewicz, ob wohl Hennen nächtens ihrem Hahn zuflüstern, sie hätten ein süßes Geheimnis: ‚Wir kriegen ein Ei!'" (H. Haefs). Nimmt die Magd die Eier fort, schrein die Hühner: "Kindermord!" "Ob aus Fabriken oder Ställen, / ein gutes Ei braucht Salmonellen" (Dietmar Bittrich). "Soll aus dem Ei ein Huhn geraten, / darfst du es nicht zu lange braten" (Dietmar Bittrich). Spiel dich nicht so auf, Hahn, deine Mutter war doch nur eine Eierschale (Arabien)! Warum legen Hühner die Eier? Antwort: Wenn sie sie werfen würden, gingen zu viele kaputt. Wer drei Eier durch vier teilt, muss mit einem Bruch rechnen ("Sprüchekalender"). Wer ein Ei isst, will nicht unbedingt die "Henne kennenlernen, die es gelegt hat" (Alberto Savinio).



Ei: Schwierige Frage: Wer war zuerst da? Das Ei oder die Henne. Eduard Mörike weiß die verblüffende Lösung:
"… Die Sophisten und die Pfaffen
Stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen,
Wohl die Henne? Wohl das Ei.
Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward ein Ei erdacht:
Doch weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat's der Has’ gebracht."

Ein Dr. Buder kam um 1850 zu folgendem Ergebnis:
"Ohne Ei gibt’s keine Henne,
ohne Henne gibt’s kein Ei.
Ist das Ei ein Kind der Henne
Oder Henne Kind vom Ei?
War im Anfang erst die Henne.
Oder war zuerst das Ei?
Deutscher Philosoph, so trenne
dich von deiner Träumerei:
Werde endlich frisch, froh, frei!
Friss das Ei und friss die Henne!"



Ei: Vergleiche: Aus dem Ei des Mitleids ist schon oft die Henne der Liebe gekrochen (Russland). Der Mensch ist "ein Ei ohne Schale: zart, beeindruckbar und höchst empfindsam" (Jack Thommen). Ein Kritiker ist ein Mensch, der zwar kein Ei legen kann, aber trotzdem weiß, ob es gut oder schlecht ist. "Er legt Sätze wie Eier, aber vergisst, sie zu bebrüten" (Elias Canetti). "Frustrierte Politiker erkennt man daran, dass sie brüten, bevor das Ei gelegt ist" (Gino Cervi). "In der Kunst kommt es nicht darauf an, dass man Eier und Fett nimmt, sondern dass man Feuer und Pfanne hat" (Karl Kraus). "Manche Damen sind wie Ostereier: schön bemalt, aber hartgesotten" (Georg Thomalla). "Manche Frauenherzen sind wie die Oster-Eier: rot, hart und kalt!" (Moritz Gottlieb Saphir). "Manche Politiker muss man behandeln wie rohe Eier. Und wie behandelt man rohe Eier? Man haut sie in die Pfanne" (Dieter Hallervorden). "Nullen, die Eier, aus denen die übrigen Ziffern hervorgegangen sind" (Ramón Gómez de la Serna). Patriotismus: "Das Ei, aus dem man Kriege brütet" (Guy de Maupassant). Optimist: "Einer, der in der Kuckucksuhr nach Eiern sucht" (E. G. Tange). PR-Mann: "Der Mann, der gegen Honorar gackert, wenn du ein Ei legst" (E. G. Tange). "Reichtum macht ein Herz schneller hart als kochendes Wasser ein Ei" (Ludwig Börne). "Tabus gehören zur Sexualität wie das Ei zum Kuchen" (Hans Giese). Schüleraufsatz: Schon am frühen Morgen legen die Hühner ihre Eier. Daran sollten sich alle braven Kinder ein Beispiel nehmen.
Richard Wagner war nicht eben beliebt unter Kollegen und Kritikern. In mieser Stimmung schrieb er das folgende kleine Gedicht:
"Im wunderschönen Monat Mai
Kroch Richard Wagner aus dem Ei.
Ihm wünschen, die zumeist ihn lieben,
Er wäre besser drin geblieben."



Ei: Schimpfworte: Auf den Eiern sitzen (schwanger sein), Egghead (amerikanisch, Eierkopf = Intellektueller, der nur sein Fachgebiet sieht. "Eierköpfe sind in der Politik nicht sehr beliebt. Sie rollen so schlecht" Werner Schneyder). Eierdieb (kleiner Ganove), eiern (unsicher gehen, fahren), enteiern (entmannen), Eiertanz (auch Koitus), Landei (zurückgeblieben, ungebildet), Osterei (festtäglich geschminkte Frau), Kackei, Spiegelei (Spottname für das Deutsche Kreuz in Gold im II. Weltkrieg), Weichei (u. a. für Fußballspieler. Vgl. auch den Schlager "Weichei" von Udo Jürgens). Ausbrüten (z.B. Akten. Eier legen und sie andere ausbrüten lassen für unangenehme Arbeit delegieren), Brut, brüten (schwanger sein), Brutanstalt (Bräuteschule der NSDAP), Brutplatz (Schlafzimmer), schneller Brüter (Frau, die leicht schwanger wird), Brutkasten (für frühgeborene Kinder).



Ei: Kindermund:
"Liebe Henne leg' ein Ei,
Wenn es sein kann bitte zwei!"

"Hajo bumpajo,
schlägs Hühnle tot,
's legt mir keine Eier
und frisst mir mein Brot."



Ei: In der Fabel: S. auch Ratte. Äsop "Huhn und Eier".
In der Literatur: Johann Peter Hebel "Teure Eier". Jack London "Eier" (in "Kid & Co".). Martial "Epigramme" ("Die Eier"). Der Jugendschriftsteller Christoph von Schmid wurde nach seiner bekanntesten Erzählung "Die Ostereier" (1816) "Verfasser der Ostereier" genannt.
Im Gedicht: S, auch Huhn. Wilhelm Busch "Nachdem er so in seine Mütze ..." Theodor Fontane "Die Geschichte vom kleinen Ei". Johann Wolfgang von Goethe "Frisches Ei, gutes Ei" (Epigramm). Günter Grass "Im Ei". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Ostereier". Eduard Mörike "Auf ein Ei geschrieben". Joachim Ringelnatz "O Welt in einem Ei". Hans Sachs "Die Bäurin mit dem Eierschmalz". Christoph von Schmid "Der Eierdieb". Heinrich Seidel "Der Eiersegen".
Im Film/Filmtitel: u. a. "1a-Landeier" (TV-Serie "Polizeiruf 110" 1995). "Das Ei ist eine geschissene Gabe Gottes". "Eierdiebe" (2003).



Ei: Im Schlager: u. a. "Der Eiermann" und:
Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn,
Ich hätt’ nicht viel zu tun,
Ich legte jeden Tag ein Ei
Und sonntags leg ich zwei."
(1936, u. a. Die Comedian Harmonists)

In der Malerei: u. a. Paul Cézanne "Still-Leben mit Brot und Eiern" (1865). Velazquez "Eine alte Frau brät Eier" (um 1620-22).



Ei: S. auch Eierlegende Wollmilchsau



Ei: Basilisk (Mischung aus Hühnerkopf, Drachenflügeln und Schlangenschwanz):
"Jedes Huhn legt ein Ei,
Manchmal zwei, manchmal drei;
Doch der Hahn, der böse Wicht,
hat zwei Eier und legt sie nicht."

So weiß es der Kindervers. Eine Ausnahme jedoch ist der Hahn, der ein dotterloses Ei gelegt und den Basilisken, ein Fabelwesen mit dem tödlich bösen Blick, ausgebrütet haben soll. Sein griechischer Name bedeutet so viel wie "kleiner König". Hildegard von Bingen wusste von seiner Entstehung zu berichten: "Als sich die Kröte einst trächtig fühlte, sah sie ein Schlangenei, setzte sich zum Brüten darauf …" Sie brütete so lange, bis das Ei "von der Kraft der Paradiesschlange beeinflusst wurde" und der Basilisk ausschlüpfte. "Große Kraft liegt in den Augen ... Der Basilisk tötet, wenn er zuerst sieht, er stirbt, wenn er zuerst gesehen wird" (Heinrich Institoris / Jacob Sprenger im "Hexenhammer" 1487). Diese Eigenschaft kann man sich zunutze machen, indem man ihm einen Spiegel vorhält; dann stirbt er an seinem eigenen Blick. Auch Wieselgeruch und Hähnekrähen machen ihm zu schaffen.
"Die Alten nehmen an, er sei
Aus dotterlosem Hahnei
Von einer Kröte ausgebrütet;
Geheime Schätze er behütet …"
(Eugen Roth).



Ei: Basilisk: Den Basilisken kann man - ähnlich wie den Homunkulus - auch "künstlich" erzeugen. Man fülle eine Flasche mit Menstruationsblut und lasse es im Bauch eines Pferdes faulen, so wenigstens empfiehlt es der berühmte Arzt Paracelsus. Eine Goldsorte, das "spanische Gold", wurde aus rotem Kupfer, Menschenblut, Essig und dem Pulver des Basilisken zubereitet. Die Zoologie benennt die Leguane mit dem Namen "Basiliskus". Redensart: Basiliskeneier ausbrüten (Jesaja 59,5).
Sprichwörter: Basiliskeneier muss man zertreten, nicht ausbrüten.
In der Literatur: Werner Bergengruen "Der Basilisk" (Novelle).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Die Basilisken" (1963). S. auch Tierprozess.



Ei (Eier): (englisch balls, knackers, "dicke Eier"), umgangssprachlich für Hoden. Ei am Stiel. Eierwärmer (Unterhose). "Eisack" (italienisch "Isarco"). Redensarten: Das Herz schlägt ihm in den Eiern (er hat Lust auf Sex). Die Eier ausleeren (masturbieren). Die Eier einschleifen, jemandem in die Eier treten (Soldatensprache, für fertig machen). I sit on a wall / And crawl my ball. Perfide Höflichkeitsfloskel: Darf ich Ihnen ein Ei abtreten? Einen Eiertanz aufführen (u. a. Geschlechtsverkehr). Seine Eier zählen (Masturbation).
Sprichwörter: Man soll nicht alle Eier in einen Korb/in ein Nest legen (Rat für Aktenanleger). "Was ist der Unterschied zwischen einer Frau und einer Henne? Die Henne kann auf zwei Eiern ruhig sitzen" (R. Habeck).
Sprüche: Er hat die Eier in der Hose, seine Meinung zu sagen. Vielen Dank für den Korb; ich trag meine Eier im Sack. "Was will diese Hausfrau? Meine Eier auf einem silbernen Tablett?" (Jacques Chirac auf Margaret Thatcher). Ausbildersprüche: Du hast wohl nicht alle Eier im Sack. Dir ist wohl ein Ei ausgelaufen! Dir wird’ ich mal die Eier ausblasen. Ich glaub, mir fällt ein Ei aus der Hose. Kollegenschelte: Er riecht, wie wenn er seine Eier ausgebrütet hätte. Er sitzt manchmal so lange still, dass man Angst hat, er könnte seine Eier ausbrüten.



Ei (Eier): Schimpfworte: Alter Eiersack, Eierantrieb (Potenzmittel), Eierauflauf (Ejakulation), Eierbecher (Hodensack, Suspensorium, handgestrickte Eierbecher = Unterhose. "Die Metallkapsel der Ritterrüstung, die den der Familienplanung zugedachten Körperteil des Ritters vor feindlicher Schwertwirkung schützen soll." K. de Rottwinkel), Eierkognak (Sperma), Eierschaukel (Fahrrad, Motorrad), Eiertanz (Koitus), Hoden in Scheiße (Eier in Senfsoße), verlorene Eier (uneheliche Kinder).



Ei (Eier): Volksgut:
"Eins, zwei, drei, wer ist der Schuft,
Der meine Tochter hat gebufft.
Man nehme ihm das linke Ei,
Das rechte schneide man entzwei
Und fülle es sodann mit Blei,
Damit es umso schwerer sei."

Volkserotik:
"'Spass muss sein!'
sprach Wallenstein,
und schob die Eier
mit hinein."



Ei (Eier): Liedparodie auf "Alte Kameraden":
"Max Schmeling steht im Hemd,
Zwei Finger in die Futt geklemmt.
Anni Ondra steht dabei
Und schüttelt ihm das linke Ei."

"Heil dir im Siegerkranz,
Mutter mir hängt der Schwanz
Drei Meter raus.
Hol schnell die Schere raus,
Schneid mir die Eier aus,
Häng sie zum Fenster naus
Zum Ausverkauf."



Ei (Eier): Kindermund:
"Ein Jäger aus Kurpfalz,
Der riss sich seine Eier aus
Und fraß sie ohne Salz.
Allhier auf grüner Heid."



Ei (Eier): S. auch Hoden




Ei des Kolumbus: Steht für eine verblüffend einfache Lösung eines schwierigen Problems (ein gekochtes Ei kann man auf die Spitze stellen, indem man die Spitze eindrückt). Redensart: Das Ei des Kolumbus ausbrüten.
Sprüche: "Diese beiden Vorlagen ähneln einander wie ein Ei des Kolumbus dem andern" (aus einer Reichstagsrede 1932). "Ein richtiger Kolumbus sollte zwei Eier beanspruchen dürfen" (Stanislaw Jerzy Lec). "Nicht jedem Ei entschlüpft sogleich ein Kolumbus" (Stanislaw Jerzy Lec). "Ob das Ei des Kolumbus befruchtet war, wissen wir nicht, aber fest steht, dass es ungewöhnlich befruchtend gewirkt hat" (Gerhard Uhlenbruck). "Es liegen die Eier des Kolumbus zu Hunderttausenden herum, nur die Kolumbusse sind eben seltener zu treffen" (Adolf Hitler).



Eier: s. auch Ei



Eibe: Totenbaum, in der Antike den Göttern der Unterwelt geweiht. Die ältesten "Baumpatriarchen" in Mitteleuropa sind mit 2000 Jahren die Eiben. Ihr Holz wurde in der Antike zur Herstellung von Bogen und Speeren genutzt. Pflanzennamen: Eibenzypresse.



Eiche: Den Göttern Zeus und Jupiter geweiht. Philemon und Baucis wurden in der antiken Sage nach ihrem gemeinsamen Tod in eine Eiche und eine Linde verwandelt. Die berühmte Donareiche bei Geismar wurde 723 durch den hl. Bonifatius gefällt. Wer einer Eiche die Krone, das heißt den Kopf, abschlug, dem wurde nach dem Prinzip der sog. spiegelnden Strafe ebenfalls der Kopf abgeschlagen. Eichen als Baum des Gewittergotts Donar sollen den Blitz anziehen, deswegen wurden sie gleichsam als Blitzableiter in die Nähe von Häusern gepflanzt. Vielleicht auch, weil sich Judas an einer Eiche aufgehängt hat. Wenn man drei Eichenpfähle in den Garten schlägt, wird der Fuchs die Hühner verschonen. Eichenzweige an Fenstern und Türen halten Hexen fern. Der Baum hilft auch beim Übertragen von Krankheiten:
"Eichbaum ich klage dir,
Die Gicht, die plaget mir.
Ich wünsche, dass sie mir vergeht
Und in dir besteht".

Abbild auf Orden und Ehrenzeichen. Zahlreiche deutsche Münzen tragen das Bild der Eiche oder des Eichenlaubs (u. a. das 50-Pfennigstück von 1949. Frage, warum kniet die Frau auf der Münze? Antwort: Weil sie sich für 50 Pfennig nicht hinlegt). Der zeitweise geistig verwirrte englische König George III. sprach einmal eine Eiche als König von Preußen an. Es gibt mehrere Eichen in Europa, die über 1000 Jahre alt sein sollen.



Eiche: Redensarten: Stark wie eine Eiche. Was schadet es der stolzen Eiche, wenn eine Wildsau sich daran reibt?
Eiche: Das Wort Eichhörnchen jedoch kommt nicht von der Eiche. Eichenkranz (Parteiabzeichen der NSDAP). Friedenseiche (nach diversen Kriegen gepflanzt). Tiernamen: Eichenbock (Käfer), Eichengallwespe, Eichenkernholzkäfer, Eichenprachtkäfer, Eichenprozessionsspinner (Raupe, Waldschädling), Eichenspinner, Eichenwickler. Pflanzennamen: Eichapfel (Gallapfel), Eichenfarn, Eichenkastanie, Eichenmistel, Eichenmoos, Eichentramete, Eichenwirrling, Eichhase (Löcherpilz).
Sprüche: S. auch Distel. "Macht aus deutschen Eichen / Keine Galgen für die Reichen!" (Heinrich Heine). "Wir lagen unter Eichen und ließen ein sanftes Adagio streichen" (Wander).



Eiche: Sprichwörter: Eine Eiche überdauert drei Völker, ein Stein drei Eichen (sorbisch). Es fällt keine Eiche vom ersten Streiche. Nimm das Holz aus der Eiche und die Frau aus guter Familie (Albanien). Was kümmert es die Eiche, wenn sich eine Sau daran reibt! Volksmund: Bismarck-Eiche (Biskuitrolle), Eichenkrone (luxemburgischer Orden), Eichenlaub stinkt (für Eigenlob stinkt). Eichenlaub (Auszeichnung: Eichenlaub mit Schwertern). Arnold Schwarzenegger wird als "österreichische Eiche" bezeichnet.



Eiche: Vergleiche: Sappho fühlte sich von Eros geschüttelt "wie der Sturm, der vom Berge wild auf Eichen herabstürzt".
Schüttelreim (B. Papentrigk):
Auch die alten Eichen wandern;
die hier steh'n, sie weichen andern,
und die jungen werden alt.
denk es, wer auf Erden wallt!"



Eiche: In der Fabel: S. auch Holz. Äsop "Die Eiche und Zeus" und "Die Eiche und das Schilfrohr": Die Eiche und das Schilfrohr stritten miteinander, wer von ihnen der Stärkere sei. Als sich ein heftiger Sturm erhob, schwankte und beugte sich zwar das Schilfrohr, blieb aber stehen. Die Eiche dagegen widerstand wohl im Großen und Ganzen dem Sturm, wurde aber dennoch entwurzelt (auch bei Jean de la Fontaine und Johann Gottfried Herder). Gotthold Ephraim Lessing "Die Eiche" und "Die Eiche und das Schwein".
In der Literatur: Berthold Auerbach "Die Friedenseiche" (1880). Heinz Erhardt "Interview mit einer Eiche". André Malraux "Eichen, die man fällt". Alexander Solschenizyn "Die Eiche und das Kalb" (1975). Edgar Wallace "Bei den drei Eichen" (deutsch um 1930). Martin Walser "Eiche und Angora" (Schauspiel 1962).



Eiche: Im Gedicht: Ernst Moritz Arndt "Gesang zu singen bei Pflanzung einer deutschen Freiheitseiche im Jahr 1814". Felix Dahn "Eine Eiche weiß ich rauschen". Max Dauthendey "Und Orgelpfeifen sind die Eichen und Buchen im Wind". Gustav Falke "Die Mordeiche". Friedrich de la Motte Fouqué "Der Eichbaum". Emanuel Geibel "Eichbaum" und "Die Eiche". Günter Grass "Der Platz bei den Eichen". Martin Greif "Die Friedenseiche". Peter Hacks "Lebensbeschreibung der morschen Eiche Hulda, von ihr selbst". Johann Gottfried Herder "Die Eiche" und "Parallele". Hermann Hesse "Gestutzte Eiche". Georg Heym "Der Baum". Friedrich Hölderlin "Die Eichbäume" ("Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges …") Klabund "Ode XI" ("Eiche, du fassest Wurzeln ....") Friedrich Gottlieb Klopstock "Mein Wäldchen". Theodor Körner "Die Eichen". Isolde Kurz "Die Eiche von Cheruska". Nikolaus Lenau "Der Eichwald". Friedrich Rückert "Die deutsche Eiche" und "Die Eiche". Alfred Tennyson "The Talking Oak". Ludwig Thoma "Deutsche Eiche" und "Die Eiche". William Wordsworth "The Oak and the Broom" und "The Oak of Guernica".



Eiche: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Mädchen und die Eiche" (1954). "Der verzauberte Eichenwald" (1981 Kinderfilm). "Die Eiche" (1992). "Die große Eiche" (1996).
In der Malerei: u. a. Caspar David Friedrich "Abtei im Eichwald (Mönchsbegräbnis im Eichenhain)" (1810). Théodore Rousseau "Die Eichen von Apremont" (1852). Jacob van Ruisdael "Eichenwald am See mit Wasserrose" (1659).
Lied: "Die alte Eiche". "In dem Schatten einer alten Eiche". "Siehst du die uralte Eiche". "Unter dieser Eiche lasst euch nieder". "Wenn grün die Eichen stehen". "Wo im Schatten der Eiche die Wiege mir stand".



Eiche: S. auch Pflanzliche Aphrodisiaka, Sanitätsgefreiter Neumann



Eichen: s. auch Eiche



Eichel: Kirke spielte den Gefährten des Odysseus übel mit und verwandelte sie in Schweine: "Jammernd ließen sie sich in den Koben sperren." Damit sie nicht verhungerten, schüttete ihnen die Zauberin "Eicheln und Hartriegelfrüchte zum Fraß hin". In schlechten Zeiten als Kaffeeersatz verwendet. Eichel (Spielkartenfarbe, z. B. Eichelober als höchster Trumpf im bayerischen Schafkopfspiel). Vorderer Teil des männlichen Glieds, umgangssprachlich für Penis:
"Frau Wirtin hat auch einen Pastor,
Der trug um den Schwanz nen Trauerflor.
Er konnte nicht vergessen,
Dass ihm die böse Syphilis
Die Eichel abgefressen."



Eichel: Eichelbohrer (Rüsselkäfer), Eichelsau (Kartenspiel), Eichelschwein (Wildschwein, das in Eichelwäldern aufgewachsen ist), Eichelwurm. Pflanzennamen: Eichelschwamm (Stinkmorchel).
Redensarten: Da hat eine blinde Sau eine Eichel gefunden (für unverdientes Glück). Sprichwörter: In einer Eichel liegt vielleicht die Schöpfung von 1000 Wäldern (jüdisch). In der Fabel: Jean de la Fontaine "Die Eichel und der Kürbis". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Von der Eichel und dem Kürbis".
Im Gedicht: Georg von der Vring "Hab Eicheln gesät".
In der Malerei: u. a. Salvador Dalí "Don Quijote beim Betrachten einer Eichel".
Schlager: "Ich haue meinen Penis mit der Eichel auf ein Holzbrett".



Eichelhäher: In den Nestern von Eichelhähern und Zeisigen sollen sich sog. Blendsteine finden lassen, die ihren Träger unsichtbar machen. Der Dichter Grimmelshausen ist jedoch der Ansicht, dass sie ihren Besitzer in "ewiges Verderben" stürzen. Der Eichelhäher hat Judas den Aufenthaltsort Jesu verraten; er soll jeden Freitag dem Satan alles Böse erzählen, das wir Menschen während der Woche getan haben. Hähersaat (Ausbreitung von Samen durch den Eichelhäher). In der Fabel: Jean de la Fontaine "Der Häher, der sich mit Pfauenfedern schmückt". Friedrich von Hagedorn "Der Kanarienvogel und der Häher".
In der Literatur: Hermann Löns "Der Eichelhäher".
Im Gedicht: Günter Eich "Die Häherfeder" und "Tage mit Hähern":
"... Sein Flug gleicht dem Herzschlag.
Wo schläft er aber
und wem gleicht sein Schlaf?
Ungesehen liegt in der Finsternis
Die Feder vor meinem Schuh."

Johann Georg Jacobi "Der Heher". "Eugen Roth Tierleben für jung und alt" (1973).Friedrich Rückert "Der Schütz an den Häher". Georg von der Vring "Der Häher".
Schlager: "Vom Fuchs und dem Eichelhäher".



Eicheln: s. auch Eichel



Eichhörnchen: Auch Eichkätzchen, Eichkater. "Eine der Hauptzierden unserer Wälder" (Brehms Tierleben).
Römische Damen hielten sich Eichhörnchen als eine Art Spielzeug. Der heilige Albertus Magnus hat das "äußerst lebhafte Tierchen" genau beschrieben und dabei festgestellt, dass sein Fleisch "süß und wohlschmeckend" sei. "Das Eichhörnchen ist in Deutschland in der Jugend schwarz, später rötlich, im Alter sogar teilweise grau." Der Name kommt nicht von "Eiche" sondern von "aig" = schwingen.
Im Volksglauben wird es mit dem Blitz identifiziert. Um einen Fluss zu überqueren gebraucht das Eichhörnchen "seinen Schwanz anstatt eines Segels, richtet auch denselben nach dem Winde und schiffet also über das Wasser". Wie überhaupt nach Konrad Pfeffel der Schwanz zum Markenzeichen des putzigen Tierchens wird:
"Was für die junge Braut der Kranz
und für das Kirchenlicht der Kragen,
das ist auch noch in unsern Tagen
dem Eichhorn und dem Fuchs der Schwanz."



Eichhörnchen: Der Teufel verwandelte sich gern in ein Eichhörnchen, um den Menschen zu schaden, z.B. um einen Wilderer aufzuhalten, damit er die Sonntagsmesse versäumt. Aus Belgien wird Schreckliches berichtet: Ein Mädchen hatte sich aus Geldgier dem Teufel hingegeben und wurde mit zwei Eichhörnchen schwanger. Eichhörnchenbraten, von Schwangeren gegessen, soll die Kinder schwindelfrei werden lassen; auch Dachdecker, Seiltänzer und Jäger in den Alpen sollen gern zu diesem Gericht greifen. Eichhörnchen- oder Geierhirn stärkt das Gedächtnis. Erstaunlich zutraulich ist das Eichhörnchen aus wetterfestem Kunststoff, das mit den mitgelieferten Schrauben am Baum befestigt werden kann.
Berühmte Tiere: Das Eichhörnchen Ratastöskr (Ratatosk = Rattenzahn) der nordischen Sage, das sein Unwesen in der Weltesche Yggdrasil trieb.
Oachkatzlschwoaf (Sprachtest zur Unterscheidung von Einheimischen und Zugewanderten in Oberbayern).

"Unsere weißblaua Krampfsepperl
san für mi a rots Tuach,
wenn jetzt oana Oachkatzlschwoaf sang ko
schreibt er scho über Bayern a Buach"
(Roider Jackl)



Eichhörnchen: Redensarten: Aktion Eichhörnchen (Krisenmanagement). Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Eichhörnchenvorrat. Ein Eichhörnchen geschnupft haben (einen besonders buschigen Schnurrbart tragen). Flink wie ein Eichhörnchen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen (z.B. mit kleinen Stichen beim Kartenspiel).



Eichhörnchen: Sprichwörter: Was willst du gegen einen Löwen machen, wenn du ein Eichhörnchen bist!?
Sprüche: S. auch Fuchs. "Kanntest du vor Jahren eine Hyäne und begegnetest du ihr nach Jahren in der Gestalt eines Eichhörnchens wieder, dann möge dich das nachdenklich stimmen" (Stanislaw Jerzy Lec).
Vergleiche: "Ich bin geschmeidig wie ein Aal, lebhaft wie eine Eidechse und immer auf dem Sprung wie ein Eichhörnchen. Sobald man mir eine Dummheit nachgewiesen hat, setze ich schnell eine andere an ihre Stelle" (Voltaire). Inflation ist, wenn die Preise wie die Eichhörnchen klettern.



Eichhörnchen: In der Fabel: Der Fuchs hat sich ein Eichhörnchen geschnappt. Das fleht um seine Leben und erinnert ihn an die Christenpflicht eines jeden Tieres, vor der Mahlzeit zu beten. Da faltet der Fuchs seine Pfoten und das Eichhörnchen kann entfliehen.
In der Literatur: Ingeborg Bachmann "Der gute Gott von Manhattan". Hermann Löns "Das Eichhörnchen". Novalis "An Laurens Eichhörnchen". Friedrich Rückert "An das Eichhorn". Felix Salten "Die Jugend des Eichhörnchens Perri" (1942).



Eichhörnchen: Im Gedicht: Günter Grass "Ich ging in den Wald / Fotografierte Eichhörnchen..." Georg Herwegh "Eichhorn". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Eichhörnchen" und "Eines schickt sich nicht für alle" ("Eichkätzchen, machst dir große Last …") Gertrud von LeFort "Gesang aus den Bergen VIII". Robert Walser ist "ein überaus zierliches, graziöses und launiges Tierchen aus der Familie der Eichhörnchen" (Franz Blei).



Eichhörnchen: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Eichhörnchen und die Zaubermuschel" (1988 Kinderfilm). "Das rote Eichhörnchen" (1993). "Die Abenteuer von Rocky & Bullwinkle (2000). "Die Eichhörnchenbande" (Trickfilm). "Eichhörnchen fliegt nach Afrika" (1982 Kinderfilm). "Eichhörnchen und Igel schützen ihre Heimat". "Heul’ nicht Eichhörnchen!" (1988 Kinderfilm). "Hilfe, ein Eichhörnchen" (TV-Serie "Yes, Dear" 2002). "Peto, das Eichhörnchen und die Wilddiebe" (1977). "Quick, das Eichhörnchen" (1953). "Weine nicht, Eichhörnchen!" (1988). Kinderlied: " Ei ei ei ei Eichhörnchen". "Eichhörnchen" von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.



Eidechse:
"Es ernährt der Storch mit Schlangen die Jungen
und mit der Eidechse, die er auf weglosem Lande entdeckte"
(Juvenal "Satiren").
Gilt im Volksglauben als giftiges Hexentier und verbreitet Angst unter den Menschen. Heinrich Heine hingegen lobt in "Die Stadt Lucca" (1828) die zierlichen Tiere "mit ihren klugen Schwänzchen und spitzfindigen Äuglein". Eidechsen werden neben Kröten und Schlangen als Liebesmittel verwendet. Nach Plinius vergeht jedoch das "Verlangen nach Beischlaf", wenn man eine Eidechse in seinem Urin ertränkt. Ein mittelalterliches Rezept empfiehlt: "Man nehme das Gehirn einer Katze und einer Eidechse …, dazu den linken Schädelknochen einer Kröte" und die widerspenstige Geliebte wird sich fügen. Ein Sud aus grünen Eidechsen und Rhabarber verhalf im Mittelalter den Frauenhaaren zu "blondem Glanz".



Eidechse: Pulversierte Eidechsen halfen gegen Kopfgrind. Gegen Augenleiden halfen magische Handlungen mit grünen Eidechsen, die bei abnehemendem Mond gefangen wurden. Bei der Erschaffung der Tiere traten Gott und der Teufel miteinander in Wettstreit. Gott formte die Eidechse mit vier Füßen und einem Schwanz. Dem Teufel geriet der Schöpfungsakt daneben. Sein Produkt war zu lang und hatte keine Füße: Es war die Schlange. Wer eine Eidechse mit zwei Schwänzen findet, wird sein ganzes Leben lang Glück haben. Redensart: Flink wie eine Eidechse. Zufrieden sein wie eine Eidechse, die sich in der Sonne wärmt.
Sternbild. Eidechsenbund (Rittergesellschaft). Tiernamen: Eidechsenfisch, Eidechsenkuckuck, Eidechsennatter. Pflanzennamen: Eidechsenschwanz, Eidechsenwurz.
Sprichwörter: Je kleiner die Eidechse, umso größer ihre Hoffnung, ein Krokodil zu werden (Abessinien). Wen die Schlange beißt, der fürchtet die Eidechse (Italien).
Sprüche: "Das Wenigste gerade, das Leiseste, das Leichteste, einer Eidechse Rascheln, ein Hauch, ein Husch, ein Augenblick - wenig macht die Art des besten Glücks" (Friedrich Nietzsche). "Die Eidechse kannst du mit Händen fangen, und doch ist sie in den Palästen der Könige" ("Sprüche 20,28").



Eidechse: In der Fabel: Phaedrus "Die Schlange und die Eidechse".
In der Literatur: Johann Peter Hebel "Die Eidechsen".
Im Gedicht: Paul Heyse "Von Lazerten" ("Lazertenlieder"). Ovid "Metamorphosen" ("Die Eidechse").
Klapphornvers:
"Zwei Knaben fingen ein Eidachsel,
Der wo es g'fangt hat, der hieß Maxel,
Der andere packte es beim Schwanzel
Und dieser Knabe der hieß - Gabriel."

Ähnlich Karl Valentin "Das Eidachsel, das Eidachsel, / das fraß a abbräunt’s Schweinshaxel" (aus "Der Maskenball der Tiere. Parodie auf die ‚Vogelhochzeit’"). Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Schrei der Eidechse" (1990). "Geschichten von Eidechsen" (1988). "Im Wendekreis der Eidechse" (2013). "König der Eidechsen" (1989).
In der Malerei: u. a. Edgar Degas "Still-Leben mit Eidechse" (um 1858-1860). In der Plastik: Praxiteles "Apollo mit der Eidechse".
Lied: "Das Lied von der Eidechse".



Eidechsen: s. auch Eidechse



Eierlegende Wollmilchsau: Vielseitiges Wunschprodukt, z. B. Tornadokampflugzeug der Bundeswehr.



Einspannen: Einspännig (unverheiratet). Einspänner (Kaffeespezialität, Einzelkind). Abspannen, anspannen, ausspannen, spannend. Ein Werkstück einspannen.
Sprichwörter: Wer sich anspannen lässt, muss ziehen.
Sprüche: Urlaub ist die Zeit, wo man zum Ausspannen eingespannt wird. Schimpfworte: Zweispännig (bisexuell).



Eisenbahn: (auf dem Land). Vorausschauende Eigeninitiative bewies Ende des 19. Jahrhunderts der Bauer Andreas Aigner im niederbayerischen Wittibreut. Er baute einen Bahnhof, weil er darauf hoffte, dass der bayerische Staat eine Strecke von Mühldorf nach Vilshofen planen würde. Es blieb beim Plan. Der Bahnhof wird heute als Wohnhaus genutzt (W. Krämer). Feuriger Elias (spöttisch für die funkensprühende Lokalbahn; geht auf den Propheten Elias zurück, der im feurigen Wagen mit feurigen Rossen in den Himmel auffuhr).
Sprüche: Das kann doch der liebe Gott nicht gewollt haben, dass sich das Bäuerchen genauso schnell fortbewegt wie der Fürst (ein Zeitgenosse 1835).



Eisenbahn: In der Literatur: Ludwig Thoma "Die Lokalbahn" (Komödie 1902, auch Film 1972). Kurt Tucholsky "Halt auf freiem Felde".
Im Gedicht: Gustav Falke "Am Bahnübergang". Detlev von Liliencron "Auf einem Bahnhofe". Christian Morgenstern "Das Häuschen an der Bahn" und "Nächtliche Bahnfahrt im Winter". Joachim Ringelnatz "Kürzeste Liebe".
Im Film: Ludwig Thoma "Erster Klasse". Im Lied: "Auf der Schwäb’sche Eisenbohna".
In der Malerei: u. a. Paul Cézanne "Der Bahndurchstich" (1869-1871). Wassily Kandinsky "Eisenbahn bei Murnau" (1909). Auguste Renoir "Eisenbahnbrücke von Chatou (Die rosafarbenen Kastanienbäume)" (1881). William Turner "Regen" (Dampf und Geschwindigkeit" (der Zug »Great Western«" (1844 ).



Eisenhut: Giftpflanze. Der römische Kaiser Claudius wurde auf ungewöhnliche ums Leben gebracht. Er steckte sich gewöhnlich eine Pfauenfeder in den Schlund, um seinen vollen Magen zu leeren. Seine Mörder machten sich diesen Umstand zu Nutze und strichen die Feder mit Eisenhutextrakt ein.
Im Gedicht: Bernt von Heiseler "Eisenhut im Gebirge".



Eisenkraut: Im alten Ägypten Träne der Isis genannt. Schmerzende Füße kann man vermeiden, indem man Eisenkraut in die Schuhe legt. Außerdem schützt die Pflanze vor Schlangen und Blitzschlag. Sie wird auch als Liebestrank und zum Zaubern verwendet, von den "Geistlichen mehr dann bei dem gemeinen Mann" (Hieronymus Bock). Eisen enthält die Pflanze nicht.



Eligius (hl.): Patron der Pferde und Hufschmiede. Er soll nach der Legende eine spezielle Art des Beschlagens entwickelt haben. Er schnitt den störrischen Huftieren den Fuß ab, nagelte das Eisen an einem Amboss auf und setzte dann den Fuß wieder an. Der Heilige half auch einer Frau, die der Teufel verführen wollte, indem er dem Gehörnten mit der Schmiedezange in die Nase zwickte.



Elster: "Ein Vogel, dessen diebische Veranlagung jemanden auf den Gedanken brachte, man könne ihm das Sprechen beibringen" (Ambrose Bierce). Auch Plinius war bereits dieser Meinung. Allerdings trägt der Vogel nach Meinung der Ornithologen diesen Ruf zu Unrecht. In einer Fabel von Christian Fürchtegott Gellert versucht die Elster dem Fuchs weiß zu machen, er habe fünf Beine, denn "auch sein Schwanz bewege sich beim Laufen". In einer anderen Fabel verpetzt eine in einem Käfig gehaltene Elster ihre Herrin, die ihren Gemahl mit einem jungen Burschen betrügt. Im Aberglauben ist die Elster als Totenvogel, aber auch wegen ihrer Geschwätzigkeit verschrien. Fliegt sie über ein Haus, wird ein Hausbewohner bald sterben. Man kann sie mit einem Besen vertreiben. Die Elster kündigt jedoch auch Neuigkeiten und Besucher an. Das Annageln einer Elster an der Tür soll vor Hexen schützen. Eine "gesprenkelte" Elster in einem goldenen Käfig, der über dem Eingang hing, begrüßte Trimalchios Gäste. Das Gehirn der Elster zählt zu den höchstentwickelten unter den Singvögeln. Sie soll bis fünf zählen und ihr Bild im Spiegel erkennen können. "Elster" (Computer-Programm für die Steuererklärung). Nationalvogel Koreas.
Sprichwörter: Die Elster füttern (einen Gewinn unbemerkt einstreichen).
Was ist der Unterschied zwischen einem Neger und einer Elster? Antwort: Die Elster ist weiß und hat einen schwarzen Schwanz.



Elster: Schimpfworte: Elster (schimpfende Schwätzerin; schon in Ovids "Metamorphosen" wird eine Frau in eine Elster verwandelt). Diebische Elster (weiblicher Dieb. Sich wie eine Elster bedienen für stehlen). Elsterchen (Prachtfinke). In der Fabel: S. auch Adler. Aesop: Fabel von Elster und Taube. Christian Fürchtegott Gellert "Die Elster und der Sperling" und "Der Fuchs und die Elster" (nach Aesop). Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Elster-Mann und der Magister" und "Die Elster und der Uhu".
In der Literatur: Martial "Epigramme" ("Die Elster"). Wolfram von Eschenbach "Elsterngleichnis" im Parzival".
Im Gedicht: S. auch Adler. Christian Morgenstern "Die Elster" (in "Palma Kunkel"). Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Georg von der Vring "Hinschwirrende Elster" und "Schwarze Elster".



Elster: Im Film/Filmtitel: u. a. "Burglar – Die diebische Elster" (1986). "Die diebische Elster" (1958, 1987). "Eine Elster im Herz" (1988). "Graue Elster" (1914). "Herr Fuchs und Frau Elster" ("Unser Sandmännchen" Kinderfilm). "Kein Paradies für Elstern" (1974 TV-Film "Polizeiruf 110").
In der Malerei: Claude Monet "La Pie". Pieter Brueghel "Die Elster auf dem Galgen". Goya: Porträt. Der Sohn des Grafen von Altamira führt eine zahme Elster an einem Band. Graphik: s. auch Hase.
In der Musik: Gioacchino Rossini "Die diebische Elster" (Oper 1817). Im Lied: "Die Elster, die Elster, / die fragt: Na, wie gefällt's der?" (Aus der alternativen Vogelhochzeit). Schlager: Patrick Wolf "Magpie" (2007).



Elstern: s. auch Elster



Emaskulator: Gerät zum Kastrieren von Ferkeln.



Empfängnisverhütung: Der römische Schriftsteller Plinius d. Ä. empfahl zwei Würmer aus dem Kopf einer giftigen Schlange, "die sich Frauen in einer Hirschhaut vor Sonnenuntergang umbinden sollten" ("Der Spiegel"). Die schwangere Landfrau versuchte es mit Bibernelle und dem Samen der Weide. Auch Stoffe aus Flaschenkürbissen und Farnen fanden Anwendung. Weniger wirksam war das Zunähen von Hosentürln, das in manchen - zurückgebliebenen - Landstrichen geübt worden ist. Um Rat angegangene Geistliche empfahlen die Josephsehe, was den Bauern dazu veranlasste, sich bei den Mägden schadlos zu halten. Auch längere Abwesenheit der Männer half nicht immer, wie folgendes Sprichwort beweist: Es ist ein fruchtbar Land, in dem die Weiber gebären, wenn auch die Männer nicht zu Hause sind (Wander).



Empfängnisverhütung: Kondome schätzte der Landmann nicht, obwohl sie schon seit langem in Gebrauch waren. So verwendete man in Frankreich im 18. Jahrhundert geölte Blinddärme von Ziegen, Kälbern und Hammeln. Eine Marquise am Hof Ludwigs XIV. bemerkte sarkastisch: Die Verhüterli seien "ein Panzer gegen das Vergnügen, aber ein Spinnweb gegen die Gefahr". Ist es trotz aller Vorsicht doch passiert und hält sich der Verursacher bedeckt, dann braucht man für den Spott nicht zu sorgen.
"S Dirndl is schwanger,
Weiß net von wem -
Der Nachbar hat an Geißbock,
Jetzt schiebt's sie's auf den."

Weit verbreitet war das "Aussteigen" kurz vor dem Samenerguss, das schon der biblische Onan praktizierte. Auch der der Talmud empfahl, man solle "innen dreschen und außen streuen".



Empfängnisverhütung: S. auch Farn, Fledermaus, Geier, Josephsehe, Jungfräulichkeit, Walnuss, Wiesel



Ente: Bräute legen sich die geringelte Schwanzfeder eines Enterichs in den Schuh und sichern sich dadurch die "Herrschaft" über den Mann. Enten kann man an das Haus gewöhnen, indem man sie in einen Spiegel schauen lässt. Die Stockenten gehören zu den "schlimmsten Vergewaltigern" im Tierreich, da sie als einzige Vögel einen Penis haben (M. Miersch). Der Züricher Professor Konrad Gesner (16. Jahrhundert) berichtet: "Wann die Enten viel beieinander sind, so werden sie also hitzig, dass sie die Weiblein, indem einer nach dem anderen aufsitzet, ertöten." Ein geiler Erpel besprang den weißen Haarschopf des Verhaltensforschers Konrad Lorenz und versuchte mit ihm zu kopulieren. Dass der Erpel nicht immer wählerisch ist mit der Wahl seiner Geschlechtspartner, darauf weist auch der Volksmund hin: "Steigt der Erpel auf den Kater, / wird er nur ganz selten Vater" oder "Steigt der Erpel auf den Hahn, / Gibt's noch lange keinen Schwan".
Enten schlafen wie Delfine nur mit einer Gehirnhälfte, mit der anderen schwimmen sie weiter. Wetterprophetin und Hexentier.



Ente: In Grimms Märchen "Hänsel und Gretel" hilft eine Ente den beiden Kindern über den unüberwindlich scheinenden See:
"Entchen, Entchen,
da steht Gretel und Hänsel.
Kein Steg und keine Brücke,
nimm uns auf deinen weißen Rücken."

Ente (Citroën 2 CV, "der Regenschirm auf Rädern", ab 1948, wie der Käfer beliebte Automarke. Motto: "Ente gut, alles gut!"). Ente (Urinflasche für bettlägerige männliche Kranke), Kalte Ente (Getränk aus Weißwein, Zitrone und Zucker). Hot vin lon (weich gekochter Entenembryo, vietnamesisches Gericht). Entenschnabel (Schuhe im 15. Jh.), Entenwal. Dagobert Duck (die reichste Ente der Welt, Onkel von Donald Duck).
Pflanzennamen: Entenegel, Entenmuschel (Krebstier). Tiernamen: Pflanzenname: Entengras, Entengrütze (Wasserlinse), Entenlinse.



Ente: Redensarten: Kaum wirft man einen Stein ins Wasser, werden die Enten aufgeschreckt. Ablaufen wie Wasser am Entenflügel (wirkungslos). Den Hals recken wie ein Enterich auf der Suche nach seiner Braut (Ausschau halten). Kalte Ente, Entengrütze (Wasserlinse). Entenhausen (Die Mehrheit besteht aus Kyoniden - Hundeartigen; die politische Macht liegt in den Händen von Schweinen, die Justiz untersteht Eulen. Mickey-Mouse. Zeichentrickfilm "Zoff in Entenhausen" 1987). Ente: Geflügeltes (von Ente = Geflügel) Wort für eine Nachricht, die sich letztlich als falsch herausstellte. Zeitungsente ("Gestern war unsere Zeitung als einzige in der Lage, den Tod des Präsidenten zu melden. Heute ist sie als einzige in der Lage, den Tod des Präsidenten zu widerrufen." "Zeitungsenten legen zuweilen goldene Eier" Stanislaw Jerzy Lec. "Die Zeitungsente beispielsweise / Ist leider täglich unsre Speise" Eugen Roth. "Tierfreunde lesen am liebsten Boulevardzeitungen. Der vielen Enten wegen" (Markus M. Ronner).



Ente: Sprüche: "Enten legen ihre Eier in aller Stille, Hühner gackern dabei wie verrückt. Was ist die Folge? Alle Welt isst Hühnereier" (Henry Ford). Volksmund: Ente gut, alles gut (verändert zu Rente gut ...) "Vertan" sprach der Hahn und stieg von der Ente. "Zur Ente sprach der Enterich: / Im kalten Wasser steht er nich" (R. Habeck).
Sprichwörter: Die Ente lacht über das Watscheln der Gans. Fremde Enten sind immer so groß wie Schwäne. Wenn die Enten ausgehen, geht die erste voraus.
Schimpfworte: Entenarschloch, Entengang, Entenmelker (Dummkopf), Entenscheiße (Spinat), Erpelfedern (Frauenbart), hässliches Entlein (vermeintlich hässlich. Nach dem Märchen "Das hässliche junge Entlein" von Hans Christian Andersen 1843. Vokalwerk von Sergei Prokofjew 1914). "Das hässliche Entlein entwickelte sich zu einem herrlichen Schwan - und wurde unverdaulich" Stanislaw Jerzy Lec). Flügellahme, lahme Ente (u. a. langsames Auto; "lame duck" – Politikerschelte, auch Frau), kalte Ente (frigide Frau), Schnatterente, schwimmen wie eine bleierne Ente, Wackelente/Watschelente (Frau mit watschelndem Gang).



Ente: "Mir hat traamt, i waar a Antn" (Karl Valentin "Der Ententraum").
In der Fabel: S. auch Fledermaus. Jean de la Fontaine "Die Schildkröten und die beiden Enten". Christian Fürchtegott Gellert "Die Ente" und "Die junge Ente". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Schwan und die Ente".

Kindermund:
"Catherina Valente
Hat nen Kopf wie ne Ente,
Hat nen Arsch wie ne Kuh.
Raus bist du."



Ente: In der Literatur: Henrik Ibsen "Die Wildente" (1885, Theaterstück). Hermann Löns "Die Entenmutter".
Im Gedicht: S. auch Krähe. Wilhelm Busch "Die beiden Enten und der Frosch". Heinz Erhardt "Ente gut, alles gut". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Die Entenglucke". Edward Lear "The Duck And The Kangaroo". Gotthold Ephraim Lessing "Die Ente". Der Feinschmecker Martial empfiehlt, die Ente zwar ganz auftragen zu lassen. "Doch gut schmeckt die Brust nur / Und der Rücken." Den Rest schicke man einfach an den Koch zurück! (Martial "Epigramme". "Die Enten"). Christian Morgenstern "Die Enten auf dem Eis". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Lügengeschichte: Münchhausen auf Entenfang.
Im Film u. a. "Die Atomente" (1950). "Howard the duck" (1986). "Sonny, der Entendetektiv" (1998 Zeichentrickfilm).



Ente: Filmtitel: "About a boy oder Der Tag der toten Ente" (2002). "Die Ente klingelt um halb acht" (1968 mit Heinz Rühmann). "Die Millionen-Dollar-Ente" (1970). "Drei lahme Enten" (1992). Walt Disney "Donald Duck", die berühmteste aller Enten (nach der Comic-Figur von 1934. Antispruch "Donald, fuck the duck!"). "Ente auf Orange" (1975). "Ente gut, alles gut" (1961, 1988). "Entensuppe" (1933 "Marx Brothers im Krieg"). "Entenzauber" (1983). "Fitness – Pekingente" (1994). "Fröhliche Weihnachten, hässliches Entlein" (Trickfilm 1996). "Grünspan und Entendreck". "Lachkonzert in Entenhausen" (1946).
In der Malerei: u. a. S. auch Kuh. Albrecht Dürer "Ente" (Zeichnung) und "Tote Ente" (um 1502). Auguste Renoir "Ententeich" (1873).
In der Musik: Märchenoper "Die seltsamen Abenteuer des Alfred Jodocus Quak" (1985).
Im Lied: "Alle meine Entchen." "Die Gänse und die Ant'n, / Die war'n die Musikanten" (aus der "Vogelhochzeit"). Schlager "Der Ententanz".



Ente: S. auch Penis, Sanitätsgefreiter Neumann, Wildente



Enten: s. auch Ente



Enzian: Er wird im Liebeszauber eingesetzt, hilft aber auch gegen Viehseuchen und den Biss tollwütiger Hunde. Der Lungenenzian war 1980 die erste Blume des Jahres. Schnaps. Deutsche Flugabwehrrakete aus dem Zweiten Weltkrieg.
In der Literatur: Adalbert Stifter "Himmelblauer Enzian" (in "Feldblumen").
Im Gedicht: Hermann Hesse "Enzianblüte". Klabund "Enzian". Im Schlager: "Blau blüht der Enzian" (auch Film 1973).



Erbhof: Nach dem nationalsozialistischen Reichserbhofgesetz von 1933, das 1947 aufgehoben wurde.
Redensarten: Etwas ist kein Erbhof.
Schimpfworte: Erbhofhut (Arbeitsdienstmütze im Dritten Reich).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der Erbhof – Im Tal des Schweigens 2" (TV-Film 2006).



Erbse: Sie gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. Erbsen gelten im Volksglauben als Fruchtbarkeitssymbole, aber auch als Tränen der Muttergottes; deswegen dürfen sie nicht verschüttet werden. Mädchen werfen an Silvester Erbsen an die Wand. So viele kleben bleiben, so viele Bewerber werden sich im kommenden Jahr einstellen. Den Hahn muss man am Hl. Abend mit Erbsen füttern, dann wird er das ganze Jahr über kräftig krähen und die Hennen besteigen. Brautpaare werden mit Erbsen beworfen. Warzen wurden mit Erbsen vertrieben. Sie galt aber auch als Totenspeise. Wer in der Karwoche Erbsen aß, wird bald eine Leiche im Haus haben.
Redensarten: Erbsengroß. Da hat der Teufel Erbsen auf ihrem Gesicht gedroschen (sie/er hat Sommersprossen, ist pockennarbig). Erbsen auf die Stufen streuen (behindern). Etwas an der Erbse haben (nicht ganz normal sein). Erbsenbein (Hand), Erbsenprobe (die Probe edler Geburt), Erbswurst (in Wurstform gepresstes Erbsenmehl, seit 1870) , Erbsenstein (Aragonit).
Tiernamen: Erbsälchen, Erbsengallmücke, Erbsenkäfer, Erbsenmuschel, Erbsenwickler (Schmetterling). Pflanzennamen: Erbsenrost (Rostpilz), Erbsenstrauch, Erbsenstreuling. Tiername: Erbsenmuschel (Weichtier des Jahres 2016).
Sprichwörter: Lache nur nicht, Erbse! Du bist auch nicht besser als die Bohne! (aus Russland).
Sprüche: "Nachweisbar sind grüne Erbsen gesünder als blaue Bohnen" (R. Habeck). "Oft besteht der größte Unterschied des Reichtums darin, dass man grüne Erbsen vierzehn Tage früher als alle anderen essen kann" (Napoleon I). Was Männer von Frauen verstehen, kann man auf eine Erbse schreiben.



Erbse: Schimpfworte: Erbsenzähler (übergenauer, geiziger, pedantischer Mensch. Erbsenzählerei. Gregor Mendel als Entdecker der Vererbungsregeln), Kichererbse (dümmliches Mädchen), Knallerbse. Prinzessin auf der Erbse (empfindliches, zimperliches Mädchen nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen 1835, "Goldene Erbse" = Literaturpreis). Kollegenschelte: "Huber, wissen Sie, wie sie ihr Hirn auf Erbsengröße bringen können? Nein? Blasen sie es einfach auf!" Vergleiche: Sich gleichen wie zwei Erbsen in einer Schote. Sprichwort s. auch Bohne.



Erbse: In der Literatur: Astrid Lindgren "Als Lisabeth sich eine Erbse in die Nase steckte".
Im Gedicht: Heinz Erhardt "Gerüchte um Gerichte" (Hülsenfrüchte). Günter Grass "Notfalls Kichererbsen".
Im Lied: "Erbsenliedchen" (aus "Des Knaben Wunderhorn").
Im Film /Filmtitel: u. a. "Die Prinzessin auf der Erbse" (Kinderfilm 1976). "Die Prinzessin auf der Erbse" (1987 TV-Serie "Moselbrück). "Erbsen auf halb 6" (2003/04).
In der Malerei: Pablo Picasso "Taube mit Erbsen".



Erbsen: s. auch Erbse



Erdbeere: "Königin der Beeren"(obwohl sie im botanischen Sinne keine Beere ist, sondern zu den Sammelnüssen gehört). Symbol der Demut und Bescheidenheit, die Blüten verkörpern die Keuschheit. Die Göttin Frigg verknüpft. Sie soll die toten Kinder in Erdbeeren versteckt haben. Ovid beschreibt sie als Früchte des Goldenen Zeitalters. Hildegard von Bingen warnte vor dem Verzehr der Früchte, "weil sie alles Schlechte aus der Erde aufnehmen". Der schwedische Naturforscher Carl von Linné jedoch kurierte seine Gicht mit Erdbeeren. Pfarrer Kneipp setzte sie bei Leberleiden ein. Der französische Philosoph Fontanelle verzehrte Unmengen, weil er glaubte, dadurch sein Leben verlängern zu können. Er wurde immerhin hundert Jahre alt. Namengebend: "Strawberry Field" (Central Park in Ney York). Erdbeermehltau. "Erbeerschorsch" (fränkisch für Erzbischof). Tiernamen: Erdbeerfröschchen, Erdbeermilbe. Pflanzenname: Erdbeerbaum, Erdbeerklee, Erdbeerstrauch. Redensarten: Daherkommen wie Erdbeeren mit Schlagsahne (für attraktiv). Spruch: Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund (nach einer Ballade von François Villon).



Erdbeere: In der Literatur: Jeremias Gotthelf "Das Erdbeerimareili". Christoph von Schmid "Die Erdbeeren". Leo N. Tolstoi "Erdbeeren" (1906).
Im Gedicht:
Werner Bergengruen "Die letzte Erdbeere" (in "Herbstlicher Aufbruch"):
"Einsame Erdbeere
spät im Septemberwald,
wie an des Weges dämmernder Kehre
eine letzte Märchengestalt ..."

Max Dauthendey "Die winzige Erdbeerblüte". Johann Peter Hebel "Der Knabe im Erdbeerschlag". Johann Gottfried Herder "Die Erdbeeren". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Erdbeerlese". Ferdinand von Saar "Die Erdbeere".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Blutige Erdbeeren" (1969). "Erdbeer und Schokolade" (1994). "Wenn die Erdbeeren reifen" (1977). "Wilde Erdbeeren" (1957 Regie Ingmar Bergman). In der Malerei: Hieronymus Bosch "Der Erdbeerbaum" (in "Garten der Lüste").
Schlager s. auch Himbeere



Erdbeeren: s. auch Erdbeere



Erle:
"Ein saftig grünender Hain umkränzte die Grotte,
Erlen und Schwarzpappeln, auch Zypressen mit köstlichem Dufte"
(Homer "Odyssee").
Sie wächst an unheimlichen Orten. Die rote Farbe des Holzes kommt daher, weil der Teufel seine Großmutter damit geschlagen hat. Das Kreuz Christi soll aus Erlenholz gewesen sein. Der Begriff "Erlkönig" in Goethes Ballade beruht auf einem Lesefehler in Herders Volksliedern. Richtig müsste es "Elfenkönig" heißen (vgl. auch das Lied von Carl Loewe und Franz Schubert). Die Schwarzerle ist der Baum des Jahres 2003. Tiernamen: Erlenblattfloh, Erlenrüssling, Erlenzeisig. Pflanzennamen: Erlengrübling.
Im Gedicht: Annette von Droste-Hülshoff "Die Nadel im Baume". Klabund "Unter der Erle lag ich, Freund..." Novalis "Die Erlen".



Erlen: s. auch Erle



Ernte: Die Azteken köpften am Erntedankfest ein Mädchen als Opfer für die Erntegötter. Ein umgefallener Erntewagen ist die Strafe für den Geiz des Bauern. Redensarten: Der Tod hält reiche Ernte. Die Ernte einfahren/einbringen. Ernten (z.B. wo man nicht gesät hat). Schreckliche Ernte halten (Verderben bringen). "Für mich wird dort weder gesät noch geerntet" (d.h. es hat für mich keinerlei Bedeutung, Plautus "Epidicus"). Seinen Schnitt machen. "Erntedank" (Dank für eine geschenkte Zigarette der Marke "Ernte"), Erntedankfest, Erntekapitän (DDR-Deutsch Mähdrescherfahrer), Erntemond (August), Harvester (Erntemaschine im Forst, digitale Maschine zum Durchforsten des Internets), niedermähen (töten, vernichten). Tiernamen: Ernteameise, Erntemilbe, Erlenzeisig.



Ernte: Sprichwörter: Die Ernte des Weisen dauert das ganze Jahr. Die Ernte eines Jahres besteht aus zwei Jahren Mühsal (China). Hast du dir ein böses Weib erkoren, / sind deine Ernten auf hundert Jahre verloren (Japan). Kilian, der heilige Mann, stellt die ersten Schnitter an. Wenn die Felder keine Frucht tragen, ernten auch die Heiligen nicht (aus Spanien). Wer Liebe ernten will, muss Liebe säen. Wer's Ernten verschläft, den weckt der Winter auf.
Sprüche: "Beurteile einen Tag nicht danach, welche Ernte du am Abend eingefahren hast, sondern danach, welche Samen du gesät hast" (Robert Louis Stevenson). "Sorge dich nicht um die Ernte, sondern um die richtige Bestellung der Felder" (Konfuzius).
Vergleiche: "Der Tod ist kein Schnitter, der Mittagsruhe hält, er mäht zu allen Stunden und schneidet sowohl das dürre wie das grüne Gras" (Miguel de Cervantes). "Ein jeder Tag ist für den Geist ein Erntetag" (Friedrich Rückert). "Etwas Kurz-Gesagtes kann die Frucht und Ernte von vielem Lang-Gedachten sein" (Friedrich Nietzsche). "Man erntet nur gebückt" (Jean Paul).
Schimpfworte: Missernte (Fehlgeburt).



Ernte: In der Literatur: Max Halbe "Erntefest" (1936). Jonathan Swift "Gullivers Reisen" (Die Riesen beim Kornschneiden).
Im Gedicht: S. auch Säen. Johannes R. Becher "Erntefest" und "Gute Ernte". Otto Julius Bierbaum "Tanz auf der Tenne" und "Ernte". Clemens Brentano "Was reif in diesen Zeilen steht". Georg Britting "Der große Schnitter". Matthias Claudius "Erntedanklied". Max Dauthendey "Doch wer bei der Liebsten erntet" und "Die Luft ist voll Kommen und Gehen". Richard Dehmel "Ernte" und "Erntelied". Gustav Falke "Die Brüder" und "Die Schnitterin" (Ballade). Gustav Falke "Das Korn ist reif" und "Der Schnitter" (Gedichte 1912). Ferdinand Freiligrath "Zwischen den Garben" (1849). Martin Greif u. a. "Die Schnitterin" und "Vor der Ernte". Catharina Regina von Greiffenberg "Auf den Kornschnitt". Hermann Hesse "Sommerwanderung". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Erntelied" und "Zum Erntekranze". Ludwig Christoph Heinrich Hölty u. a. "Erntelied" und "Schnitterlied".



Ernte: Im Gedicht: Gerard Manley Hopkins "Erntejubel". Peter Huchel "Der polnische Schnitter". Gottfried Keller "Sommernacht"("Es wallt das Korn weit in die Runde") und "Zur Erntezeit". Henry Wadsworth Longfellow "The Reaper and the Flowers". Conrad Ferdinand Meyer "Schnitterlied" und "Vor der Ernte".

Christian Morgenstern "Erntelied" und:
"Alles fügt sich und erfüllt sich,
Musst es nur erwarten können
Und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen
Reifen Duft von Körnern spürst
Und dich aufmachst und die Ernte
In die tiefen Speicher führst."



Ernte: im Gedicht: Sandor Petöfi "Reif zum Schnitt ..." Heinz Piontek "Hurraschrein zur Ernte" (nach Gerard Manley Hopkins). Friedrich Rückert u. a. "Erntelied" und "Erntevögelein". Ferdinand von Saar "Nun ist das Korn geschnitten ..." Friedrich Schnack "Der gute Mäher". Christian Friedrich Daniel Schubart "Der Bauer in der Ernte". Upton Sinclair "Teufelsernte" (dt. 1949), Lulu von Strauß und Torney "Letzte Ernte". Theokrit "Erntefest" und "Der Schnitter". Ludwig Uhland "Die Mähderin". William Wordsworth "Die einsame Schnitterin".



Ernte: Im Film u. a. "Blutige Ernte" (Erntehelferin TV-Serie "Der Alte" 2013), "Die Erntehelferin" (2006). "Die junge Mäherin" (1953). Filmtitel: "Bittere Ernte" (1985, 1992). "Blutige Ernte" (1990, 1992). "Die Ernte der Gier" (1994). "Die Ernte der sündigen Mädchen" (1961). "Die Julika / Ernte" (1936). "Ernte" (1937). "Ernte: 3000 Jahre" (1975). "Erntedank" (1998). "Erntedankfest" (Comedyserie "Ein Herz und eine Seele" 1973). "Erntezeit" (1997). "Grüne Ernte" (1959). "Heiße Ernte" (1956). "Raue Ernte" (1947). "Schwarze Ernte" (1993). "Tödliche Ernte" (1972, 1991). "Wilde Ernte"2 (1961).



Ernte: In der Malerei: u. a. S. auch Korn. Pieter Bruegel d. J. "Sommer". Caspar David Friedrich "Rast bei der Ernte" (1835). Thomas Gainsborough "Der Erntewagen" (1767). Paul Gauguin "Ernte in der Bretagne" (1889). Vincent van Gogh "Die Ernte" und "Der Mäher". Jean-François Millet "Die Schnitter". Emil Nolde "Erntetag" (1904). Pablo Picasso "Rast der Schnitter" (1919). Camille Pissarro "Die Ernte" (1882). Auguste Renoir "Der Schnitter" (1873). Georges Seurat "Beim Mähen (Le Faucheur)" (um 1883). Carl Spitzweg "Mäherinnen im Gebirge" (1858).
Robert Schumann "Album für die Jugend. Schnitterliedchen".



Ernte: S. auch Frucht, Säen, Sense



Esche: S. auch Eichhörnchen. Baum des Jahres 2001. Schon Homer rühmt die Lanzen- und Speerschäfte aus Eschenholz. Ein Baum, wo die Hexen zusammenkommen. Man glaubte auch, dass aus Eschen die kleinen Kinder geholt würden. Yggdrasil ist die germanische Weltesche, Hort der Gottheiten und verschiedener Tiere, "der beste, größte und herrlichste unter den Bäumen". Die Menschen stammen in der nordischen Mythologie von der Esche ab. Konrad von Megenberg empfahl die Asche der Rinde zur Heilung von Knochenbrüchen. Baum des Jahres 2001. Tiernamen: Eschenbastkäfer (Blattlaus), Eschengallmilbe, Eschenzikade. Pflanzennamen: Eschenahorn.



Eschen: s. auch Esche



Esel: "Alle Achtung vor dem Grauen". Er ist das "leibhafte Bild eines Philosophen" und der "Stoiker des Tierreichs" (Carl Julius Weber).
Langohr. "Öffentlich auftretender Sänger mit guter Stimme" (Ambrose Bierce), der sich schon seit biblischen Zeiten mit Disteln und Dornengestrüpp begnügt. Eine alte Sage berichtet, dass Gott bei der Erschaffung der Tiere dem Esel den schönsten Namen gegeben hatte. Aber schon am nächsten Tag hatte ihn das Tier vergessen. Da schimpfte ihn Gott: "Esel, der du bist, dass du so schnell vergisst!" In der Antike galt der Esel als das "Tier der Armen und des friedlichen Lebens".



Esel: Die griechische Sagengestalt Oknos flocht ein Strohseil, das am anderen Ende immer wieder von einem Esel abgefressen wurde (Symbol der nie zu Ende kommenden Arbeit). Eine kleinasiatische Dynastie rühmte sich, von einem Esel abzustammen. König Midas I. wurde ursprünglich als Gott in Eselsgestalt verehrt. Der Perserkönig Darius setzte im Kampf gegen die Skythen Esel ein. Als die skythischen Pferde die Langohren sahen und ihre kreischenden Stimmen hörten, scheuten sie und ergriffen die Flucht. Hippokrates empfahl Eselsfleisch als leichte Krankenkost. Im Alten Testament taucht der Esel mindestens achtzigmal auf, z.B. als sprechendes Tier des Wahrsagers Bileam. Bei der Geburt Jesu stand er an der Krippe. Mohammed zählt ihn zu den wenigen Tieren, denen der Himmel sicher ist. Der Esel ist das Attribut des hl. Antonius.

"Voll Edelsinn, statt einem Schwert
Mit einem Eselskinn bewehrt,
Schlug Simson – ja wer kann, der kann! –
Einst die Philister, tausend Mann"
(Eugen Roth).



Esel: Der störrische "IA-Sager": Er wurde bereits im Altertum von den Dichtern als "störrisch" beschimpft. Auch beim Gang in die Arche soll der Esel gebockt haben, so dass ihn Noah mit einem Tritt in den Hintern weiter beförderte. Wilhelm Busch reimte: "Dem Esel störrisch im Geschäfte / verleiht der Knittel neue Kräfte." Das Mittelalter kannte eine besondere Art der Bestrafung, die am Chorgestühl von Bristol dargestellt ist. Gezeigt wird der Abt von Canterbury, der rücklings auf einem Esel reitet und dessen Schwanz in der Hand hält. Noch 1814 wurden in Leipzig Messdiebe auf diese Art bestraft, aber auch Frauen, die es gewagt hatten, ihren Mann zu schlagen. Im Mittelalter musste der Esel mit verbundenen Augen den Mühlstein drehen. Seinen Ruf als "Sinnbild für Sexualität schlechthin" hat er sich nicht verdient (den ungewöhnlich großen Penis sollte man ihm nicht neiden). Man hielt ihn seit dem Altertum unwidersprochen für den Lover par excellence im Tierreich; schon Lukian verlieh ihm das Attribut "geil". So haben die Römerinnen ihr Ehebett mit Eselsköpfen verziert und sich in Eselsmilch gebadet. Stuten waren besonders von Sodomiten begehrt. Juvenal lästerte über eine Bekannte (bei der er vermutlich abgeblitzt war): "Fehlt's ihr an Männern, so zögert sie nimmer; / bietet einfach ihr Fotzloch dem Esel."
Eselsmist bei Menstruationsbeschwerden:



Esel: Plinius der Jüngere empfahl Eselsmist bei Menstruationsbeschwerden ("wenn "eine Frau ihre Zeit zu sehr hat"). Er empfahl, zur Luststeigerung das "Geschlechtsteil mit einem Eselspenis" zu bestreichen. Eselsblut soll gegen Schwachsinn und Fieber, Eselsfleisch gegen Auszehrung helfen; es soll auch die verlorene Sprache nach einem Schlaganfall wiederbringen. Eselsmilch enthält mehr Zucker und Eiweiß als Kuhmilch und wird als Säuglingsnahrung eingesetzt.
Lange Zeit galt der Esel als Symbol für Dummheit und Trägheit. Doch schon Laurence Sterne mahnte: "Das Grautier ist wohl klüger als das Pferd und ein idealer Hausgefährte, ja ein Mitgeschöpf, mit dem man vernünftige Gespräche führen könne". Eine weitere Ehrenrettung hat der Nobelpreisträger Juan Ramón Jiménez in seinem Buch "Platero und ich" (1917) versucht. Er lobt seinen Gefährten als "empfindsam und zärtlichkeitsbedürftig wie ein Kind, aber stark und fest im Innern, wie aus Stein".



Esel: Kephaleonomantie (Wahrsagen durch Beobachtung von Eselsköpfen). "Amen" und "Hallelujah" sollen "bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Echos ritualisierter Eselsschreie" sein (H. Haefs). "Esel": Volkssprachig für die bäuerliche Antriebsmaschine Göpel. "Eselsbrüder" (französischer Orden), Eselsfest (parodistische Messe zu Ehren eines Esels), Eselsgeduld, Eselsohren (eingeknickte Seiten in Büchern. "Unähnlichkeit der Kinder und Väter: die Bücher haben die meisten Eselsohren, deren Väter keine haben" Jean Paul), Eselsrücken (Abart des Spitzbogens), Eselstreppe(Aufstiegsrampe für Lasttiere, Eselsturm), Eselswiese (Skihang für Anfänger), Goldesel (im Märchen), Palmesel: Früher wurde am Palmsonntag eine Christusstatue auf einem Esel durch das Dorf geführt. Wer den Esel zog, dem wurden seine Sünden vergeben. Tiernamen: Maulesel (Kreuzung aus Eselshengst und Pferdestute). Pflanzennamen: Eselsdistel, Eselsfeige, Eselsgurke, Eselshafer, Eselsohr, Eselswolfmilch.



Esel: Redensarten: Den Esel einen Esel nennen (klarstellen). Der Esel hat ihn im Galopp verloren (er ist unehelich geboren). Er führt einen Esel im Wappen. Er ist bei den Eseln in die Schule gegangen. Er ist herausgeputzt wie ein Palmesel (am Palmsonntag). Jemandem vom Esel aufs Pferd helfen (zum Erfolg verhelfen). Drahtesel (Fahrrad; von den Drahtspeichen). Zum Esel fehlen ihm nur noch die Ohren, den Kopf hat er schon.



Esel: Redensarten: "Dastehen wie Buridans Esel" geht auf den französischen Philosophen Jean Buridan (14. Jahrhundert) zurück, der Probleme der menschlichen Willensfreiheit sieht und sie in einer Parabel so erklärt: "Ein Esel, der gleich hungrig und durstig wäre, würde zwischen einen Haufen Hafer und ein Gefäß mit Wasser gestellt, unbeweglich stehen bleiben und vor Hunger und Durst sterben." Scherzhafter Kommentar: Das konnte auch nur einem Esel passieren. Jean Paul vermerkt im "Wuz" spöttisch: "So hielt er sich, wie der metaphysische Esel, den Kopf zwischen Heubündeln; aber er war kein Esel oder Scholastiker, sondern graste und rupfte an beiden Bündeln auf einmal." An anderer Stelle gesteht der Dichter, dass er sich wie "zwischen 100 Bündeln rund umher" fühle. Das Problem kennt übrigens schon Aristoteles: In "De caelo" gerät ein Mensch in eine ähnliche Lage.
In der Literatur: Günter de Bruyn "Buridans Esel" (1968) und Ulrich Plenzdorf "Buridans Esel" (Schauspiel 1976).
"Und denke, wenn’s drauf ankommt, an
Den Esel des Herrn Buridan:
Hast Du zwei Bündel Heu zur Wahl,
So bleibe keinesfalls neutral.
Das eine lass, das andre friss,
Denn sonst verhungerst Du gewiss"
(Eugen Roth).



Esel: Sprichwörter: S. auch Nachtigall. Besser ein gesunder Esel als ein krankes Ross. Das Pferd der Hoffnung galoppiert, doch der Esel der Erfahrung geht im Schritt. Das ist ein Esel, der mit einem Esel streitet. Den Esel kennt man bei den Ohren, am Angesicht den Mohren und bei den Worten den Toren. Der Esel geht nur einmal übers Eis. Der Esel wird grau geboren, der Mensch muss erst grau werden, bis er darauf kommt, dass er ein Esel ist. Die Lippen eines Esels passen nicht auf ein Pferdemaul (China). Ein Esel, der Bücher trägt, ist noch lange kein Gelehrter. Ein Esel, der mich trägt, ist mir mehr wert als ein Pferd, das nach mir schlägt (aus der Mongolei). Ein Esel scheint einem Esel schön und ein Schwein einem Schwein (lateinisch). Ein Esel schimpft/nennt den andern Langohr. Es gibt viele Esel, die keine Säcke tragen. Freuen wir uns darüber, dass Gott dem Esel keine Hörner gab (Nigeria). Gib acht, niemals vor einem Richter oder hinter einem Esel zu stehen (Indien). Hüte dich vor dem Hinterteil eines Esels, vor dem Vorderteil eines Weibes, aber vor einem Pfaffen von allen Seiten. Liebe bringt selbst den Esel zum Tanzen (aus Frankreich).



Esel: Sprichwörter: Lieber einen Esel reiten, der mich trägt als ein Pferd, das mich abwirft (England). Was der Esel als Klugheit verehrt, wird vom Fuchs für Dummheit erklärt. Weisheit reitet oft auf Eseln und kommt zu spät (Arabien). Wenn der Esel auch in den Spiegel sieht, er behält doch seine Ohren (Variante: Man schmücke den Esel ...). Wenn der Esel mit Gold beladen ist, gehen ihm alle Türen auf. Wenn der Esel zur Hochzeit geladen wird, so ist es nur darum, um Holz und Wasser zu holen. Wenn man den Esel den Kopf wäscht, vergeudet man Seife (Italien). Wenn man den Esel nennt, kommt er gerennt (auch vom Wolf). Wenn's dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis. Wer als Esel geboren wird, stirbt auch als Esel (Italien). Wer einen Esel treibt, bekommt notwendigerweise auch dessen Winde zu riechen (arabisch). Wer müde ist, besteigt auch einen Esel, wenn kein Pferd zur Stelle ist (Spanien). Wer sich zum Esel macht, / dem wird aufgepackt. Wie der Esel den Rossmarkt, so ziert der Bettelmönch den Priesterstand.



Esel: Sprüche: S. auch Pferd.

"Die Lasten dieser Welt zu tragen
Erschuf der Gott nur wenige:
Die Säulen in antiken Tagen,
Die Esel – und die Könige"
(Friedrich der Große).

"Ah, die Natur schuf mich im Grimme! / Sie gab mir nichts als eine schöne Stimme" (Matthias Claudius). Besser a g'sunder Esel als a krank's Ross (aus Österreich). "Drei Dinge können alles tragen, was man ihnen aufladet: Eines Weibsbilds Kopf, eines Esels Rücken, eines Mönchs Gewissen" (von Kaisersberg). Ein Esel, mit Reliquien beladen, / vermeinte, dass er angebetet wird." (Lafontaine). "Einem Esel ist nicht zu beweisen, dass er ein Esel ist" (Tschingis Aitmatow). Esel sind nicht störrischer als Pferde. Sie geben dir nur mehr Zeit zu überlegen, was du falsch gemacht hast. Esel sind Partner, mit welchen man Pferde stehlen kann! "Geld lasst von Herzen allen uns gönnen, / soviel die Esel nur tragen können" (Wilhelm Busch). "Gott hat die Esel geschaffen, damit sie dem Menschen zum Vergleich dienen können" (Heinrich Heine).



Esel: Sprüche: "Ist ein Esel zu erstreiten, ei, so suche dir zur Hand / einen Richter, der nicht selbsten ist dem Esel anverwandt!" (Friedrich von Logau). "Keine Mauer ist so hoch, dass nicht ein mit Gold beladener Esel sie überstiege" (Philipp II. von Mazedonien). "Kurzschluss: Der Esel hat Ohren; ich habe Ohren: Ergo bin ich ein Esel" (E. Puntsch). Liebe lässt Esel tanzen. Mein Esel freut sich, dass er einen guten Freund gefunden hat, sagte der Bauer, als der Bürgermeister fragte, warum der Esel so schreie. "Statistisch gesehen kommen Todesfälle durch Flugzeugabstürze seltener vor als durch Eselstritte" (H. Haefs).



Esel: Sprüche: Wenn dir einer auf einem Esel begegnet, so sage: Erlauchter Herr, wie schön ist dein Pferd! (arabisch). "Would you like to ride on your own ass?" (Werbespruch für Eselsritte in Thailand). Bürospruch: "I. A." Kleinster gemeinsamer Nenner zwischen Bürokrat und Esel. Chefschelte: Was kommt heraus, wenn man meinen Chef mit einem Esel kreuzt? Ein geistig behinderter Esel. Bei der Gehirntransplantation unseres Chefs gab es erhebliche Probleme. Erst als ein Esel als Spender gefunden worden war, gab es keine Abwehrreaktion.



Esel: Vergleiche: Als Junggeselle ein Pfau, verlobt ein Löwe, verheiratet ein Esel (Spanien). "An der Red' erkenne ich den Toren, / den Esel kenn' ich an den Ohren" (Freidank). "Der blinde Zufall, auf einen Esel, auf einen Schelmen oder Halbkopf zu folgen, macht oft unser ganzes Verdienst" (Wilhelm Ludwig Wekhrlin). Der Esel nennt sich selbst zuerst. Dialektik ist, wenn man aus dem Umstand, dass Esel und Mensch Ohren haben, schließt, dass der Mensch ein Esel ist. Die Pferde der Hoffnung galoppieren, doch die Esel der Erfahrung schreiten langsam voran (Russland). "Die Zukunft eines Komödianten ist für die Gesundheit einer Stadt wichtiger als ein Eselskarren voller Medikamente" (Thomas Sydenham). Ein Esel ging in die Fremde und ein Esel kam heim. Einem alten Löwen den Eselstritt verpassen (Rache an jemandem, der sich nicht mehr wehren kann). Eitelkeit ist der Tribut eines Narren an die Wertvorstellungen des nächsten Esels" (Ambrose Bierce). "Erst wenn er ins Ausland fährt, wird der freundliche Leser erfahren, zu welch ausgewachsenem Esel er werden kann" (Mark Twain). Es laufen mehr Esel auf zwei Beinen herum als auf vier. "Forschen ist das, was dir sagt, dass der Esel zwei Ohren hat" (Albert D. Lasker).



Esel: Vergleiche: "Jeder einzelne im Publikum ist ein Esel, aber alle zusammen sind sie die Stimme Gottes" (Franz von Liszt). "Jeder Esel kann den Takt schlagen, aber Musik machen – das ist schwierig" (Arturo Toscanini). "Jeder Fachmann ist in seinem Fach ein Esel" (Jean Paul). "Politik ist der Versuch, einem Esel klarzumachen, dass er keiner ist" (Thomas Niederrheuter). "Sobald der Mensch das Wort Esel hört, so steht sein Witz auf, um sogleich etwas zu sagen" (Jean Paul). "Sobald die Frau aus ihrem Mann einen Esel gemacht hat, redet sie ihm ein, er sei ein Löwe mit eisernem Willen" (Honoré de Balzac). Was ein Esel von mir spricht, / das acht ich nicht. Wer sich zum Esel macht, dem will jeder seine Säcke auflegen.



Esel: Vergleiche: Was nützt der Tiger im Tank, wenn ein Esel am Steuer sitzt ("Sprüchekalender"). Wenn einer zu dir sagt, du hast Ohren wie ein Esel – kümmere dich nicht darum; sagen es zwei – kauf dir einen Sattel (jüdisch). "Wenn ich konsequente Manndeckung spielen lasse, habe ich nicht elf Spieler auf dem Platz, sondern elf Esel" (Ernst Happel). Wenn zwei Esel einander unterrichten, wird keiner ein Doktor (Sprichwort). "Wer sich selbst zum Schüler hat, hat einen Esel zum Lehrer" Franz von Sales). "Wo die Pferde versagen, schaffen es die Esel" (Papst Johannes Paul II.) Palindrom: Ein Esel lese nie. Zungenbrecher: Esel essen Nesseln nicht, Nesseln essen Esel nicht. Dialog zwischen zwei Freunden: "Du Esel!" "Wahrscheinlich bin ich wirklich ein Esel ... Ist bloß die Frage: Bin ich ein Esel, weil ich dein Freund bin, oder bin ich dein Freund, weil ich ein Esel bin?" (S. Landmann).

Kindermund:
"Es hat ein Mann ein'n Esel,
Den Esel juckt ein Floh;
Da nahm er Schipp und Besen
Und putzt ihm den Popo."



Esel: Schimpfworte:
"Zu Haus in meiner Träume Welt,
wie hab ich ihn mir vorgestellt!
Doch ach, wie ganz betrog ich mich:
Der Esel sieht ja aus wie ich"
(Christian Morgenstern).

Begriffe, die man "Dummköpfen beilegt: Holzklotz, Stockfisch, Esel, Stumpfbock" (Terenz, ähnlich bei Plautus). "Bieresel" s. Johann Wolfgang von Goethe in "Hanswursts Hochzeit"), eselhaft. Alter Esel (z. B. älterer Mann, der jüngeren Frauen nachsteigt). Dukatenesel (reicher Verschwender), dummer Esel, Eselei (Dummheit), Eselsbank (Sitzbank für die schlechtesten Schüler), Eselseiche (schlechtes Getränk), Eselsmesse ("schwarze Messe" im Mittelalter), Eselstreiber (Muslime), Eselstritt, Maulesel (dumme, störrische Person), Packesel, Palmesel (Tölpel), Quadratesel. Muli (Militär Gebirgsjäger), Waldesel (zurückgebliebener, ungepflegter Zeitgenosse. Du stinkst wie ein Waldesel), zweibeiniger Esel (schon bei Juvenal). Antispruch: Esel sei der Mensch ...



Esel: In der Fabel: S. auch Eber, Grille, Hengst, Hirsch, Hund, Maulwurf, Müller, Ochse, Pferd, Wolf. Äsop u. a. "Der Esel auf Probe" und "Der Löwe, der Esel und der Fuchs": Der Löwe, der Esel und der Fuchs zogen gemeinsam auf Jagd. Nachdem sie reichlich Beute gemacht hatten, hieß der Löwe den Esel sie verteilen. Der machte drei Teile und bat den Löwen, sich eines auszusuchen. Da fraß ihn der auf und bat dann den Fuchs zu verteilen. Der warf alles auf einen Haufen, behielt für sich selber nur ein kleines Stückchen und bat den Löwen, den Hauptteil für sich zu nehmen. Als dieser den Fuchs fragte, wer ihn denn diese Art zu teilen gelehrt habe, erwiderte der: "Das Missgeschick, das dem Esel widerfuhr" (vgl. dazu auch Phaedrus und Martin Luther).



Esel: In der Fabel: S. auch Maultier. Christian Fürchtegott Gellert und Friedrich von Hagedorn "Der grüne Esel". Jean de la Fontaine u. a. "Die Diebe und der Esel" und "Der Löwe, der Affe und die beiden Esel". Johann Wilhelm Ludwig Gleim u. a. "Die zwei Esel, der Wiedehopf und die Gans", "Der Esel, die Nachtigall und der Star" und "Der Esel und die Löffelgans". Friedrich von Hagedorn u. a. "Der Esel, der Fuchs und der Löwe" und "Die Räuber und der Esel". Johann Gottfried Herder "Alte Fabeln mit neuer Anwendung". Gotthold Ephraim Lessing u. a. "Der Löwe mit dem Esel" (nach Phaedrus, vgl. auch Friedrich von Hagedorn) und "Der Esel und das Jagdpferd". Martin Luther "Vom Esel und Löwen" (nach Äsop). Phaedrus u. a. "Der Esel an den greisen Hirten" und "Der Esel und das Schwein". Hans Sachs u. a. "Der arm gemein Esel" (1525, Holzschnitt von Albrecht Dürer), "Der Esel fing ein Wolf" und "Der krank Esel".



Esel: In der Literatur:
"Keiner ist so dumm, dass er nicht sorgfältig den Esel auswählt, der seine Stute bespringen soll: Wählen wir aber auch unsere Schwiegersöhne so sorgfältig aus?" (Varro).
"Der genasführte Hahnrei" und "Der wiedergefundene Esel" (in "Die hundert neuen Novellen"). Ilse Aichinger "Der grüne Esel". Carl Amery "Bileams Esel". Apuleius "Der goldene Esel" (der einzige vollständige erhaltene lateinische Roman). Aristophanes "Die Wespen" und "Die Frösche". Giovanni Boccaccio "Das Dekameron". 5. und 9. Tag. Friedrich Dürrenmatt "Der Prozess um des Esels Schatten" (Hörspiel 1951). "Wie Eulenspiegel einem Esel das Lesen lehrt". Johann Peter Hebel "Seltsamer Spazierritt". Lukian "Lucius oder Der magische Esel". Plautus "Das Eselsspiel". Luise Rinser "Der schwarze Esel" (1974/1976). Moritz Gottlieb Saphir "Der Mensch denkt, der Esel lenkt" und "Die Emanzipation der Esel". Friedrich Schnack "Die Esel vom Hohentwiel". Georges Simenon "Zum roten Esel". Lawrence Sterne "Reden an Esel" (1769). Robert Louis Stevenson "Reisen mit einem Esel" (auf der Hochzeitsreise geschrieben). Jonathan Swift "Gullivers Reisen" (Der Esel). Christoph Martin Wieland " Der Prozess um des Esels Schatten".
Lieder: s. auch Kuckuck, Nachtigall, Pferd, Ross.



Esel: Im Gedicht: Wilhelm Busch "Naturgeschichtliches Alphabet" ("Der Esel ist ein dummes Tier, / Der Elefant kann nichts dafür" und "Vetter Franz auf dem Esel" ("Die hübschen Bäschen bitten sehr: / Ach, Vetter Franz! Reit mal umher! ...", ferner "Es stand vor eines Hauses Tor / Ein Esel mit gespitztem Ohr ...") Gilbert K. Chesterton "Der Esel" (in "... und alle Kreatur" Hrsg. Siegfried Scharfe).

"Hab' nichts, mich d'ran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn' Mut und ohn' Gewalt;
Mein spotten, und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;

Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muss Stroh und Disteln käuen;
Werd unter Säcken alt -
(Matthias Claudius "Der Esel")



Esel: Im Gedicht:
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts als eine schöne Stimme."

Annette von Droste-Hülshoff "Das Eselein". Johann Fischart "Ausspruch des Esels". Otto Erich Hartleben "Pierrot und der Esel". Albrecht Haushofer "Persische Legende". Heinrich Heine u. a. "König Langohr" und "Die Wahlesel". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Der Eselfasching" und "Die trauernden Esel nach Morillo". Francis Jammes "Gebet, mit den Eseln ins Himmelreich einzugehen" (in "... und alle Kreatur" Hrsg. Siegfried Scharfe). Paul Klee "Esel". Friedrich von Logau u. a. "Auf asinum" und "Des Bileams Esel". Christian Morgenstern "Die beiden Esel". Eugen Roth "Unpaarzeher" und Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Friedrich Rückert "Der verlorene Esel". Hans Sachs "Der arm gemein Esel". Stricker "Der Esel". Christoph Martin Wieland "Das Sommermärchen: des Maultiers Zaum". Märchen: Brüder Grimm "Das Eselein", "Die Bremer Stadtmusikanten", "Der Krautesel" und "Tischchen deck dich!" Heinrich Hoffmann "Prinz Grünewald und Perlenfein mit ihrem lieben Eselein".



Esel: Im Film/Filmtitel: u. a. "13 kleine Esel und der Sonnenhof" (1958, mit Hans Albers). "Bim, der Esel" (1951). "Bruder Esel" (1995ff TV-Serie). "Das Christkind und der kleine Esel" (Kinderfilm). "Der Streit um des Esels Schatten" (1989). "Die Eselshaut" (Märchenfilm 1970, 1982). "Die Nacht der wilden Esel" (1990). "Die Prinzessin mit der Eselshaut" (1982 Märchenfilm). "Ein Super-Esel auf dem Ku’damm" (1984). "Shrek – Der tollkühne Held" (2001). "Wenn dem Esel zu wohl ist" (1932). "Wie das Eselchen das Christkind suchte" (Augsburger Puppenkiste). "Wie füttert man einen Esel?" (1974). "Wie versteckt man einen Esel?" (1980 Kinderfilm).



Esel: In der Malerei: u. a. Marc Chagall "Eiffelturm und Esel" (1954). "Paradies – Der grüne Esel". Lucas Cranach d. Ä. "Der Papstesel" (Schimpfwort Martin Luthers über den Papst). Salvador Dalí "Der Eselskadaver". Albrecht Dürer u. a. "Eselsnarr" und "Glücksrad und drei Narren als Esel" (Holzschnitte 1494). Francisco de Goya u. a. "De que mal morira?" (der Esel als Arzt). August Macke "Eselreiter" (1914) und "Mann mit Esel" (1914).
In der Musik: Camille Saint-Saëns "Der Wildesel". Hans Wolf "Der provenzalische Esel" (2006 Musikstück für Klavier und Computer). Im Lied: s. auch Kuckuck, Nachtigall, Ross. Schlager: "Wenn’s dem Esel zu gut geht" (Hildegard Knef). "The donkey serenade" (Artie Shaw).



Esel: S. auch Maultier, Unzucht mit Tieren



Eseln: s. auch Esel



Eselsbrücke: lateinisch "pons asinorum"(Gedächtnisstütze, bereits bei Plinius, später in der Scholastik, s. auch das Lexikon "Pons"; auch für unerlaubte Übersetzungen fremdsprachiger Texte im Unterricht). Die Lösung einer Aufgabe so leicht machen, dass sie auch ein Esel finden kann.
Redensarten: An der Eselsbrücke stehen bleiben (für versagen).
Sprichwörter: Besser über eine Eselsbrücke gehen als gar nicht weiter kommen.
Sprüche: "Die Eselsbrücke ist die ideale Verbindung zwischen zwei Gedächtnislücken" (W. Mitsch). "Über manche Gedankenlücke / bilden Zitate die Eselsbrücke" (Ludwig Fulda). Beispiele: Jeweils die Anfangsbuchstaben. Bundeskanzler (Alle ehemaligen Kanzler bringen samstags keine Semmeln mit). Die acht Planeten (Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel).



Espe: Zitterpappel. "Espen zittern unter jedem Regime. Aber zum Kuckuck! Sie grünen auch unter jedem" (Stanislaw Jerzy Lec).
Redensarten: Zittern wie Espenlaub (Espenblätter bewegen sich schon beim leisesten Windhauch; schon bei Apuleius). In Schlesien erzählt eine Sage, dass die Espe deshalb zittere, weil sie die Kreuzigung Christi mit ansehen musste oder weil sie das Holz für das Kreuz liefern musste. Judas soll sich an einer Espe erhängt haben.
In der Literatur: Adalbert Stifter "Der Baum, der sich nicht beugte, als der Herr auf Erden wandelte".
Im Gedicht: Paul Celan "Espenbaum". Friedrich Rückert "Die Espe".
S. auch Pappel



Espen: s. auch Espe



Essen: Sprichwörter: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht ("Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden" Ulrich Martin, auch von Oliver Hassencamp). Landprodukte waren schon bei den alten Römern beliebt. Martial berichtet von Kräutern, Malven, Schnittlauch, Minze, geschnittenen Eiern auf Fisch und Sau-Euter in Thunfischsauce als Vorspeise. Im Hauptgang: Zicklein mit Bohnen, Kohl und Hähnchen. Zum Nachtisch Obst. Horaz schildert ein exquisites Menü: Leber von einer "strahlenden" Gans, mit saftigen Feigen gemästet; das Schulterstück vom Hasen; ausgelöst, weil es so feiner schmeckt. Dann Amseln und Tauben". Ferner "lukanischen Eber, bei lindem Südwind gefangen ..., ringsum garniert mit scharfen Rüben, mit Lattich und Rettich, den trägen Magen zu reizen". Auch die alten Deutschen wollten da nicht zurückstehen. Zur Zeit Karls des Großen bestand ein Menü u. a. aus Gänse- und Pfauenbraten. Wer wollte, konnte sich an Kranich, Reiher und Haubenlerche delektieren. Zur Verfeinerung gab es Fasanen- und Regenpfeiferpasteten.
In der Malerei: u. a. Diego Velázquez "Bauern beim Mahl ("El Almuerzo")" (um 1618–1619).



Etikettenschwindel: Landhähnchen aus der Hühnerfarm, frische Bauerneier aus ausländischer Agrarfabrik, Schwetzinger Spargel aus Griechenland, spanische Tomaten aus Holland, österreichischer Wein aus der Chemiefabrik, frischgeschlachtete Landgans aus polnischer Gefriertruhe.



Eule: Sie kann ihren Kopf um fast 360 Grad drehen. Paracelsus warnte vor Ärzten, die ihren Patienten Medikamente aus Pisse und Asche von Eulenköpfen verschrieben. "Wegen ihres Aufenthaltes in stillen Gemäuern und ihres nächtlichen Umherschweifens galt die Eule als Symbol des Studiums und der Weisheit." Sie ist jedoch dem Volke "seit jeher unheimlich erschienen, teils in Folge ihres ungeselligen … Lebens …, teils wegen ihres klagenden Geschreis und des wunderlichen Aussehens ihres Kopfes und Auges" (Brockhaus 1837). Sie besitzt angeblich den bösen Blick und kann damit töten. Eulengeschrei kündigt entweder eine Geburt oder Feuer an. Es erinnert den Dichter Shakespeare an das Leiden Christi.
In Shakespeares Drama "Julius Cäsar" kündigt Eulengeschrei den Mord an.
"Und gestern saß der Vogel
Der Nacht sogar am Mittag auf dem Markte
Und kreischt' und schrie."
Und Lady Macbeth hört im "Macbeth" die Eule, während ihr Mann den König ermordet:
"Still, horch! –
Die Eule war's, die schrie, der traur'ge Wächter,
Die gräßlich gute Nacht wünscht."



Eule: Totenvogel, auch Vogel der Weisheit. Die Großmutter des Teufels erscheint in Gestalt einer Eule. Eulen gehören neben Ratten, Kröten und Katzen zur Grundausstattung eines Zauberers; sie überbringen ihm Botschaften ("Harry-Potter-Lexikon"). Wer ein Eulenherz mit sich trägt, hat Glück beim Spiel. Die Eule soll ebenfalls Glück bringen, wenn sie sich in den Taubenschlag flüchtet. Einem weinenden Kleinkind legt man Eulenfedern aufs Kopfkissen. Im Mittelalter glaubte man, dass Euleneier den Alkoholismus heilen könnten. Die athenischen Münzen hießen nach dem Münzbild kurzweg Eulen. Der erste Platz unter den Mäusejägern gebührt der Waldohreule (deswegen auch Katze mit Flügeln genannt).



Eule: Redensarten: Ein Gesicht machen wie die Eule am Mittag (verschlafen aussehen). Eulen nach Athen tragen (etwas Überflüssiges tun, bereits bei Aristophanes in "Die Vögel" 414 v. Chr. Heute kann jedermann Eulen nach Athen tragen, denn auf der griechischen 1-Euro-Münze ist eine Eule abgebildet). Spruch: Er würde gern Eulen nach Athen tragen, wenn er nur wüsste, wo diese Stadt liegt). Eulenäugig (sehr gutes Sehvermögen), Eulengebirge, eulenhaft.
Tiernamen: Eule (Nachfalter, Sternbild), Eulenpapagei, Eulenschmetterling. Berühmte Namensträger: Eulenspiegel ("Dil Ulenspiegel", Schelm. Eulenspiegelei): "Held" des gleichnamigen 1515 erschienen Volksbuchs. Der Verlag Ullstein mit dem Eulensignet.



Eule: Sprichwörter: Eulen und Falken / sitzen nicht auf demselben Balken. "Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall" (Fritz Reuter). Wenn auch der Adler stirbt, die Eule wird dennoch nicht König.
Schimpfworte: Eule (unansehnliche, ungepflegte Frau, Brillenträgerin), Eulenschleier (Brautkleid), Frackeule, Nachteule (u. a. Polizistin im Nachtdienst, Prostituierte), Saufeule (trunksüchtige Frau), Schleiereule (verschlafen wirkende Frau, Brillenträgerin, Nonne). "Eule mit Weule!"
Schüttelreim B. Papentrigk: "Eumaios war ein Schweinehirt. / Die Eule nachts im Haine schwirrt."



Eule: In der Fabel: S. auch Adler, Grille. Berühmt sind die Streitgespräche zwischen Nachtigall und Eule, so in der mittelenglischen Fabel "The owl and the nightingale". Jean de la Fontaine "Die Mäuse und die Eule". Johan Wilhelm Ludwig Gleim "Die Eule und die Nachtigall".

"Der Uhu, der Kauz und zwo Eulen
Beklagten erbärmlich ihr Leid:
Wir singen; doch heißt es, wir heulen:
So grausam belügt uns der Neid.
Wir hören der Nachtigall Proben,
Und weichen an Stimme nicht ihr.
Wir selber, wir müssen uns loben:
Es lobt uns ja keiner, als wir."
(Friedrich von Hagedorn "Die Eulen")

Abraham Gotthelf Kästner "Die Eulen". Gotthold Ephraim Lessing "Der Adler und die Eule" und "Die Eule und der Schatzgräber". Franz Blei vergleicht die Dichterin Ricarda Huch mit einer Schleiereule.
In der Literatur: Edward Lear "The History of the Seven Young Owls". Hermann Löns "Die Waldohreule". Wilhelm Raabe "Eulenpfingsten". In der Buchreihe Joanne K. Rowling "Harry Potter" dienen Eulen den Hexen und Zauberern als Boten.



Eule: Im Gedicht:
"Guten Tag, Frau Eule!
Habt Ihr Langeweile? -
Ja, eben jetzt,
solang Ihr schwätzt!"
(Wilhelm Busch).

S. auch Adler. Charles Baudelaire "Die Eulen" (in "Blumen des Bösen", übers. von Stefan George). Otto Julius Bierbaum "Die Eulen schrein". Max Dauthendey "Die Eule ruft, als lacht ein Narr " und "Die Eule und ich". Heinz Erhardt "Die Eule". Ernst Jandl "Eulen". Friedrich Georg Jünger "Die Eulen". John Keats "Before he went to live with owls and bats". Edward Lear "The Owl and the Pussy-Cat". Henry Wadsworth Longfellow "Hiawathas Lied" ("Wenn er um Mitternacht die Eulen hörte …"). Rainer Maria Rilke "Duineser Elegien. X". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973).Hans Sachs "Der Ewlen Bays". Alfred Tennyson "The Owl". Georg von der Vring "Eulen schrien".



Eule: Im Märchen: Brüder Grimm "Die Eule".
In der Malerei: u. a. Albrecht Dürer "Die Eule" (auch als Käuzchen bezeichnet 1508) und "Eule im Kampf mit Vögeln" (Holzschnitt 1515/16). Pablo Picasso "Die Eule" (Zeichnung).
Im Lied: "Brautmutter war die Eule, / nahm Abschied mit Geheule". Aus der alternativen Vogelhochzeit: "Die Eule, die Eule, / Die hat am Arsch ne Beule."



Eule: Im Film/Filmtitel: u. a. "Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen" (2003). "Das Eulenhaus" (2004). "Der Schrei der Eule" (1987). "Der Tag der Eule" (1967). "Die blinde Eule" (1979). "Die Eule und das Kätzchen" (1969). "Die Rache der Eulen" (1991).



Eulen: s. auch Eule



Euter: Redensarten: Aus dem Picasso-Euter trinken (nach der "kubischen" Form der Milchtüte). Euterdrücken (Unbehagen). "Disses Tier hat ein schönes Oiter" (Ludwig Thoma in "Erster Klasse"). Schimpfwort: Euter (für die weibliche Brust, Euterfick), Euterdrücken, Euterflicker (plastischer Chirurg), volles Euter (volle Brieftasche).
Kindermund:
Mädchen saß und zupfte
An einem langen Ding,
Das zwischen zwei Beinen
An einem Beutel hing.
Sie saß daran und zupfte,
Bis sich der Strahl ergoss
Und zwischen ihren Beinen
In eine Öffnung floss;
Denn sie melkte eine Kuh.
Na, was sagste nu'?





Korrekturen, Ergänzungen?


© Hans Baier 2017