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Anfangsbuchstabe: F




Lexikon des Landlebens



Fabel: s. Tierfabel



Fabeln: s. auch Fabel



Falke: "Der schnellste der Vögel" (Homer "Odyssee").
Die Katalanen wissen eine Antwort auf die Frage, warum der Falke auf die Hühner herabstößt und sie fortträgt: Ihre Frauen schickten einst einen Falken in den Himmel, "um Gott zu bitten, auch ihnen Nachkommen zu verschaffen, die vom ersten Tag der Geburt an laufen könnten wie die Küken. Der Falke brachte eine unbefriedigende Antwort, die Frauen verweigerten ihm daraufhin den Botenlohn, worauf dieser ihn sich bis heute in Form von Hausgeflügel holt" (R. Schenda). Manchen Pilzsuchern fliegt ein Turmfalke voran und zeigt ihnen die besten Plätze. Er verrät auch dem Förster Holzdiebe. Wer in Kalabrien einen Falken erjagt, dessen Ehefrau wird ihn ein Jahr lang nicht betrügen. Geistlichen Herrschern war es im Mittelalter erlaubt, ihren Falken während der Messe auf den Hochaltar zu setzen. Der Wanderfalke gilt als schnellster Vogel der Welt; er kann beim Sturzflug bis zu 340 Stundenkilometer erreichen. Der Turmfalke ist der Nationalvogel Belgiens. Vogel des Jahrs 2007. Die Falknerei ist die älteste bekannte Jagdweise. Sie wurde 2010 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.



Falke: Redensarten: Augen haben wie ein Falke. Die Falken, die sich gegen die Tauben durchgesetzt haben (Scharfmacher und Beschwichtiger in der Politik). Die Falken (Sozialistische Jugend Deutschlands), Falkenauge (Schmuckstein. Hawk-Eye: elektronische Tortreffer-Überwachung im Fußball).Falkenorden (in verschiedenen Ländern), Falkentheorie (Literaturwissenschaft). Sokol (Name osteuropäischer Turnverbände, russische Eisenbahn).
Sprichwörter: Ein Falke mag hungern, Ähren rührt er nicht an (Japan). Ein kluger Falke verbirgt seine Krallen (Japan). Lass nicht den Falken los, bevor du den Hasen siehst (China). Solange der Falke lebt, trägt man ihn auf Händen und das Huhn geht auf dem Mist; so aber der Falke tot ist, kommt er auf den Mist und das Huhn auf den Tisch.
Vergleiche: "Der Zweifel ist ein Falk mit scharfen Klauen" (Emanuel Geibel "Juniuslieder").
Schimpfworte: Falke (Hardliner)"Du Ringsumgafferin mit deinem Falkenblick" (Plautus).



Falke: In der Fabel: S. auch Habicht. "Falke und Huhn" (in "Uralte Weisheit"). Jean de la Fontaine "Der Falk und der Kapaun". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Adler und der Taubenfalke". Friedrich von Hagedorn "Der Falke" und "Die Taube, der Falk und der Tauber". Gotthold Ephraim Lessing "Der Falke". Phaedrus "Der Falke und die Tauben".
In der Literatur: S. auch Fink. Kaiser Friedrich II. "Die Kunst, mit Vögeln zu jagen" (1244ff.) Werner Bergengruen "Die drei Falken" (1936).



Falke: In Literatur: Giovanni Boccaccio "Das Dekameron". 5. Tag. Friedrich von Alberighi liebt, wird aber nicht wiedergeliebt. Seine Liebe kostet ihm seine ganze Habe. Nur ein Falke bleibt ihm übrig. Den setzt er seiner Geliebten, als sie ihn einmal besucht, zur Mahlzeit vor, da er nichts anderes mehr zum Essen hat. Das bewegt ihr Herz so sehr, dass sie einer Heirat zustimmt.
Ludwig Ganghofer "Der Falkenfang" (in "Die Jäger"). Yasar Kemal "Memed, mein Falke". Martial "Epigramme" ("Der Falke").



Falke: Im Gedicht: Der Kürenberger "Falkenlied" (übersetzt durch Gottfried Keller):
"Ich zog mir einen Falken
Länger als ein Jahr,
Und da ich ihn gezähmet,
Wie ich ihn wollte gar,
Und als ich sein Gefieder
Mit Golde wohl umwand,
Stieg er hoch in die Lüfte,
Flog in ein anderes Land.

Seither sah ich den Falken
So schön und herrlich fliegen,
Auf goldrotem Gefieder
Sah ich ihn sich wiegen,
Er führt an seinem Fuße
Seidne Riemen fein:
Gott sende sie zusammen,
Die gerne treu sich möchten sein!"



Falke: Im Gedicht: Felix Dahn "Falkenbotschaft" und "Der Falkonier". Ferdinand Freiligrath "Der Falk". Emanuel Geibel "Herbstblätter III" ("Der Zweifel ist ein Falk mit scharfen Klauen …") Wilhelm Heinse "Der Falke". Gerard Manley Hopkins "Der Turmfalke". Rainer Maria Rilke "Falken-Beize". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Friedrich Rückert "Falke und Nachtigall" und "Der verflogene Falke". Hans Sachs "Der Edelfalk".



Falke: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Geheimnis des hohen Falken" (1950). "Das Geschlecht der Falken" (1964). "Das Haus der sieben Falken" (1959). "Das Zeichen des Falken" (1958). "Der Falke" (1981/83 und TV-Serie "J.A.G. – im Auftrag der Ehre" 2004). "Der Falke des Schreckens" (1993). "Der Falke und der Schneemann" (1985). "Der Falke von Kastilien" (1964). "Der Falkenkönig" (1989). "Der Falkner Thomas" (Märchenfilm 2000). "Der goldene Falke" (1956). "Der Malteserfalke" (1941). "Der Mann mit dem Falken" (TV-Film 1981). "Der rote Falke von Bagdad" (1951). "Der Schatz der weißen Falken" (Kinderfilm 2005). "Der schwarze Falke" (1956 Western Regie: John Ford, mit John Wayne). "Der Sommer des Falken" (1987/88). "Der Tag des Falken" (1984). "Der Wüstenfalke" (1950/51). "Die Falken" (1988). "Die Jagd nach dem Malteser Falken" (1974). "Die Malteser Falken" (1988). "Die Spur des Falken" (1941 mit Humphrey Bogart und 1968). "Falkenhorst" (TV-Film). "Finist – Heller Falke" (1975). "Flug des Falken" (1984). "Haus der sieben Falken". "Im Visier des Falken" (1970). "Islandfalken" (2002). "Katja und der Falke" (1999). "Memed, mein Falke" (1984). "Nachtfalken" (1978, 1980, 1995). "Tage des Falken" (1992).



Falke: In der Malerei: u. a. Albrecht Dürer "Falkenjäger zu Pferd" (Zeichnung). Hans Holbein d. J. "Edelmann mit einem Falken" (1542). Pierre-Auguste Renoir "Mädchen mit einem Falken" (1880).
Im Lied: In "Des Knaben Wunderhorn". Schlager: "Hawk-eye" (Chuck Miller). "The Spirit of the Hawk" (Rednex).



Falken: s. auch Falke



Falle: (Jagd). Redensarten: Er ist in die Falle gegangen. Jemandem eine Falle stellen. Jemandem Fallstricke legen (nach der aus Stricken hergestellten Wildfalle. Bereits bei Lukas 21, 35). In die Falle gehen (ins Bett gehen). Falle (Riegel am Türschloss), Fallgrube, Fallstricke (u. a. des Gesetzes), Fangeisen (Handschellen). Abseitsfalle, Radarfalle.



Falle: (Jagd). Im Film /Filmtitel: u. a. "Allein in der Falle" (1998 TV-Serie "Tatort"). "Bevor die Falle zuschnappt" (1985). "Der Mann in der Falle" (1920). "Die elektronische Falle". "Die Falle" (1932, 1959, 1965, 1967, 1974/75, 1983, 1087, 1990, 1993, 1994, 1995, 1997, 1999). "Die Falle im Puma-Gebirge" (1974). "Die Falle schnappt zu" (1975). "Die Falle – The Price of silence" (1999). "Die Falle – Tödliches Spiel zwischen den Fronten" (1998). "Die Falle von Singapur" (1966). "Die Falle von Tula" (1959). "Die Feuerfalle" (1997). "Die Hand in der Falle" (1961). "Die Junggesellenfalle" (1952). "Die Liebesfalle" (1990). "Die Menschenfalle" (1949, 1961).



Falle: (Jagd) Im Film/Filmtitel: "Die süße Falle" (1952). "Die Todesfalle" (1920, 1967). "Die Todesfalle auf dem Highway". "Die Todesfalle der Shaolin" (1979). "Die Todesfalle von Hongkong" (1958). "Die tödliche Falle" (1959, 1972). "Die unsichtbare Falle" (1997). "Die weiße Falle" (1959, 1991). "Die zarte Falle" (1955). "Ein Mann stellt eine Falle" (1973). "Eine Falle für Capra" (1973). "Eine Falle für den Banditen" (1946). "Eine Falle für den Hauptmann" (1980). "Eine Falle für den Killer" (1990). "Eine Falle für den Playboy" (1951). "Eine Falle für den Verräter" (1969). "Eine Falle für die Braut" (1946). "Eine Falle für Schakale" (1986). "Eine tödliche Falle" (1981). "Eine todsichere Falle" (1995 TV-Serie "Tatort", 1999). "Equalizer – In der Falle" (1987). "Eurocops – Die Falle" (1994 TV-Film). "Evil Dead Trap – Die tödliche Falle" (1988). "Fallen für Fra Diavolo" (1962). "Fallensteller" (1990). "Falsche Liebe – Die Internetfalle" (2000 TV-Film).



Falle: (Jagd) Im Film/Filmtitel: "Feuerfalle" (1978). "Fluchtpunkt Todesfalle" (1994). "Freitag der 13. – Todesfalle Manhattan" (1989). "Gangsterfalle" (1942). "Gridlock – Die Falle" (1995). "Große Fallen, kleine Fallen" (1998). "Haute Tension: Todesfalle" (1991). "In der Falle" (1939, 1972, 1973, 1978, 1981, 1997, 1998, 2001). "In die Falle gegangen" (1954). "In die Falle gelockt" (1930, 1940, 1958). "Kommissar Beck - Die neuen Fälle: Die Todesfalle" (1997). "Kommissar Maigret stellt eine Falle" (1957). "Liebesfallen" (1968, 1976, 1972, 1975/76). "Mein geheimer Sommer – Die Falle" (1990). "Mörderische Falle" (1957). "Stellt dem Waldgeist keine Fallen!" (1981). "The Set Up – Die Falle" (1995). "Todesfalle am Mill Creek" (1981, 1984). "Todesfalle – Der Mörder lauert im Dunkeln" (1996). "Todesfalle Esfahan". "Todesfalle Internet" (1999). "Todesfalle Pazifik" (1958). "Todesfalle Tresor 17" (1960). "Todesfalle unter dem Meer" (1974). "Todesfalle von Chicago" (1949). "Tödliche Falle" (1995). "Trapped, die tödliche Falle" (1981). "Trip trap – In der Falle" (1996). "Um Null Uhr schnappt die Falle zu" (1965). "Verführerische Falle" (1998). "Verlockende Falle" (1998). "Versteckte Fallen" (1990 Kinderfilm). "Virus X – Die tödliche Falle" (1997). "Vorsicht Falle" (TV-Serie). "Todesfalle Internet" (1999 TV-Film). "Zärtlich schnappt die Falle zu" (1967). "Zwei in der Falle" (1950).



Fallen: s. auch Falle



Farm: Farmerlunge (Drescherlunge). Sprüche: "Ein Stück Land, das einem zu Reichtum verhelfen kann, wenn man darauf auf eine Ölquelle stößt" (E. G. Tange). "Ein Junggeselle ist ein Mann, der nicht gleich eine Farm kauft, wenn er ein Hühnerei braucht" (Peter Frankenfeld). Schönheitsfarm (kosmetische Klinik). Vergleiche: "Männer sind wie Farmer: nichts scheuen sie so sehr wie eine lange Dürre" (Barbara Valentin).
In der Literatur: In George Orwells "Farm der Tiere" (1945) spielen folgende Tiere eine Rolle: der Esel Benjamin, das Pferd Boxer, verschiedene Schweine, darunter das "Agitprop-Schwein Quiekschnauz" und das "stalinistische Oberschwein Napoleon". Dieses Buch musste in Dubai aus den Schulbibliotheken entfernt werden, weil in ihm die für Muslime unreinen Schweine die Weltherrschaft an sich rissen. John Updike "Auf der Farm" (dt. 1969).
Im Gedicht: Robert Burns "Song. - In the character of a ruined Farmer".



Farm: Im Film/Filmtitel: u. a. "Animal Farm" (1999). "Aufstand der Tiere – Animal Farm" (1954 Zeichentrickfilm). "Bonanza" (TV-Serie 1962/73). "Der Farmer aus Texas" (1925). "Die Brücken am Fluss" (1995). "Die Farm der Besessenen" (1950). "Die Farm der Gehetzten" (1948). "Die Farm der Verfluchten" (1957). "Die Farmerstochter" (1947). "Die Herrin von Wildfell Hall". "Die Leute von der Shiloh-Ranch" (1962 – 1971 TV-Serie). "Die Todesfarm" (1983, 1986). "Die wilde Farm" (2010). "Eine Farm in Montana" (1977). "Farm der Träume" (1994). "Land hinter dem Regenbogen" (1993). "Meine kleine Farm" (1992). "Nacktes Land" (1984). "Open range – Weites Land" (2003). "Rebecca von der Sonnenbach-Farm" (1917). "Skip und die Farm der sprechenden Tiere" (1997 TV-Film). "Tausend Morgen" (1997). "Unsere kleine Farm" (1974ff TV-Serie). "Unsere verrückte Farm" (1988). "Zuckermanns Farm" (1972).
Schlager: "Down on the farm" (Big Al Downing). "Parchman farm" (Johnny Winter). "Home on the ranch" (Country). "Parchman farm" (Johnny Winter).



Farn: Der Farn war eine der wichtigsten Zauberpflanzen; mit ihm kann man sich unsichtbar machen oder den Teufel in die Flucht schlagen. In Hexenprozessen konnte der Besitz von Farnsamen zur Verurteilung führen. Man konnte damit Schätze heben. Gelangt Farnsamen in die Schuhe eines Wanderers, so wird er sich im Wald verirren. Potenzmittel. Leonhart Fuchs warnte in seinem Kräuterbuch 1543 vor dem Farn (und empfahl ihn dadurch indirekt als "Pille danach"): "Doch sollen sich die Weiber für dieser Wurzel hüten, dann sie verhindert die Empfängnis und tötet die Frucht im Leib." Pflanzennamen: Farneibe, Farnpalme.
Im Film/Filmtitel: u. a.: "Goldener Farn" (1963). "Wo der rote Farn wächst" (1973).



Farne: s. auch Farn



Fasan: Aristoteles lobte seine Reinlichkeit, weil er sich mit Sandbaden gegen Läuse wehrt. Symbol der Wolllust und des Hochmuts. Im Mittelalter galt der Fasan als Luxusspeise. Seit dem 15. Jahrhundert wurde er gebraten und im vollen Gefieder serviert. Fasanerie (Gehege zu Zuchtzwecken), Fasänchen (Weberfink). Pflanzennamen: Fasanbeere.
Sprüche: "Das Bessere ist der Feind des Guten", sagte der Pfaffe, ließ die gebratene Taube liegen und griff nach dem Fasan. Nationalvogel Japans.
Schimpfworte: Goldfasan (reiches Mädchen im Heiratsalter, ordengeschmückter Funktionär oder höherer Offizier).
In der Literatur: Ilse Aichinger "Kleist, Moos, Fasane". Martial "Epigramme" ("Fasan").
Im Gedicht: Georg Britting "Der Fasan". Wilhelm Busch "Dank für einen Fasan". Sarah Kirsch "Fahrt II. Im Frühjahr schreitet der Fasan vorbei ..." Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Fasanenjagd" (1990 TV-Serie "Löwengrube"). "Morgen gibt’s Fasan" (1974).



Fasane: s. auch Fasan



Fass: Früheres Hohlmaß.
Redensarten: Das brachte das Fass ins Rollen. Das Fass zum Überlaufen bringen. Das schlägt den Fass den Boden aus (alternativ: Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht). Ein Fass anstechen (mit einer dicken Frau koitieren). Ein Fass aufmachen (für Stimmung sorgen). Ein Fass ohne Boden. Fässerweise (in großer Menge). Fassbier, Fassregel (Mathematik), Fassschnecke.
Sprichwörter: Unmaß sprengt das Fass.
Schimpfworte: Fass (dicker Mensch, Bauch der schwangeren Frau). Fass zu Fuß (dicker Mensch), wandelndes Fass.



Fässer: s. auch Fass



Fauna: "Sammelname für alle Tiere, die eine bestimmte Gegend verseuchen, ausgenommen Haustiere, Wanderzoos und demokratische Politiker" (Ambrose Bierce).



Feder: Ausnahmsweise lernten die Römer einmal etwas von den Germanen - und zwar die Verwendung von Bettfedern. Federn werden im Märchen mit Schnee verglichen, z.B., wenn Frau Holle ihr Bett ausschüttelt (oder wenn Müllerbuben ihre Kittel ausklopfen). Der Teufelspakt wird mit einer Rabenfeder unterzeichnet.
Redensarten: Auf den Federball/in die Federn/nach Federhausen gehen (ins Bett gehen; nicht aus den Federn kommen). Ein Federchen in die Luft blasen (sich bei der Arbeit ausruhen). Es ist so still, dass man eine Feder zu Boden fallen hört. Federn lassen (Schaden erleiden). Jemandem die Federn lesen (schmeicheln). Jemandem eine Feder ausrupfen. Jemanden könnte man mit einer Feder umstoßen (so schwach ist er). Nicht viel Federlesens machen (kurzen Prozess machen). Sich aus den Federn machen/aus den Federn kriechen (aufstehen). Sich eine Feder an den Hut stecken. Sich mit fremden Federn schmücken (Äsop u. a. "Die Dohle und die Eule". Unter seine Fittiche nehmen (Psalmen).
Sprüche: Eine Gans, die sich mit fremden Federn schmückt. "Im Gegensatz zu manchen Menschen, muss sich ein Vogel nicht mit fremden Federn schmücken" (Marliese Zeidler). "Man kann nicht lange mit geliehenen Federn prunken" (Christina von Schweden). "Wer sich mit fremden Federn schmückt, sollte wenigstens Geschmack haben" Albert Wendt. Vgl. auch Robert Neumann "Mit fremden Federn" (Parodien 1927).

"Wie übel ständ’s um unsre Betten,
Wenn wir darin nur Wanzen hätten!
Doch so, im weichen Gänseflaum,
Umgaukelt uns mach holder Traum"
(Eugen Roth).



Feder: Feder (veraltet bzw. poetisch für Schreibgerät, Füllfeder). Federführung (Verantwortlichkeit). "Die Feder ist das mächtige Instrument des kleinen Mannes" Lord Byron. "Mit fremden Federn" - Urheberrechtsverletzung). Ein Mann der Feder (Schriftsteller). Eine flüssige Feder führen (stilistisch gewandt formulieren). Eine spitze Feder führen (kritisch schreiben). Etwas mit einem Federstrich abtun. Sich vom Tod die Feder aus der Hand nehmen lassen. Der Text stammt aus seiner Feder. Zur Feder greifen. Federfuchser (Schreiberling, Pedant. Friedrich Schiller "Kabale und Liebe"), federführend (verantwortlich), Federhalter, Federmäppchen (Etui für Schreibgeräte), Federvieh (veraltet für Schriftsteller). "Der Mensch ist ein Federvieh. Denn gar mancher zeigt, sobald er eine Feder in der Hand hält, was für ein Vieh er ist" (Johann Nestroy). "Die meisten ‚Männer der Feder’ sollten sich diese an den Hut stecken" (Wolfgang Eschker). Federzeichnung, Federkiel: "Ein Folterinstrument, das von einer Gans stammt und gewöhnlich von einem Esel betätigt wird" (Ambrose Bierce).



Feder: Die alten Römer kitzelten damit den Gaumen und leerten so den überfüllten Magen.

"Mein Schatz ist ein Schreiber,
ein Schreiber muss sein,
bald spitzt er sein' Feder,
bald dünkt er's mir ein."

Feder (Maschinenteil, z.B. in Uhren. Liebe ist die Feder im Uhrwerk des Lebens), Antriebsfeder, Federball (Kinderspiel), Federbusch (Helmzier), Federfressen (Geflügelkrankheit), Federgewicht (untere Gewichtsklasse im Kampfsport), Federkernmatratze, Federkleid, federleicht, Federmesser (feines Messer für den Schreibtisch), Federn (zurückschnellen; abgefedert, federnder Gang, schlecht gefedert), Federmosaik, Federpunktmanier (lithografische Technik), Federschlange (Fabeltier), Federspiel (beim Beizvogel), Federtaler (Münze), Federung, Federwaage, Federweiß (Farbe), Federweißer (junger Wein), Federwisch s. Flederwisch, Federwolke (Zirruswolke in hohen Luftschichten), Federzeichnung. Geteert und gefedert (Art der Folter), Nut und Feder (Holzverbindung), Triebfeder.
Tiernamen: Federflosser (Fisch), Federflügler (Käfer), Federgeistchen (Motte) , Federmücke, Federspulmilbe, Federvieh (Kleintiere mit Federn; Geflügel) , Federwild (jagdbare Vögel) , Federzüngler (Schnecke). Pflanzennamen: Federbuschgehölz, Federgras, Federkohl, Federmoos, Federnelke, Federtang (Alge).
Sprichwörter: Die Gans wird erst gegessen, dann schläft man auf ihr. Ein Vogel, der umherzieht, lässt an jedem Ort eine Feder (Portugal). Große Worte und Federn gehen viele auf ein Pfund. Spruch: Was ist der Unterschied zwischen geil und pervers? Geil ist es, wenn man eine Frau mit einer Feder befriedigt. Pervers ist es, wenn das Huhn noch dranhängt.



Feder: In der Literatur: Agnes Miegel "Der Federball" (1951). Heinz Piontek "Meine Federn". Wilhelm Raabe "Drei Federn".
Im Gedicht: Rose Ausländer "Federn". Clemens Brentano "An eine Feder". Georg Britting "Federn":
"Hier hat man Hühner gerupft -
Federn, weiß und braun,
Liegen wie hingetupft
Neben dem schwarzen Zaun ..."

Günter Grass "Im Gleichklang" ("Schwerer als Federnblasen ist die fleischliche Liebe …", in "Letzte Tänze") und "Könnte mein Atem Federn in Schwebe halten ..." Joachim Ringelnatz "Die Feder". Friedrich Rückert "Poetische Federn".
Im Märchen: Brüder Grimm "Die drei Federn" und "Frau Holle. In der Sage: "Das Federhemde" (in "Wieland der Schmied").
Im Film/Filmtitel u. a.: "Das Gefolge der schwarzen Feder" (1973). "Die Federtasche" (1989). "Die vier Federn" (1929, 2001/02). "Die weiße Feder" (1954). "Federn im Wind" (2004 Rosamunde Pilcher). "Vier Federn" (1939).



Federn: s. auch Feder



Feiertag: Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es insgesamt 124 Sonn- und Feiertage in Bayern, z.B. Josephi und Johanni. 1773 wurde diese Zahl auf 68 reduziert.



Feiertage : s. auch Feiertag



Feld:
"Der Landbevölkerung vertraut als Stätte des Kartoffelanbaus und des Fußballspiels ... Begegnet uns auch gerne noch in Gestalt des Feldschrats, der Feldflasche und des Feldsalats" (C. Lierow) und zahlreichen weiteren Zusammensetzungen: Kriegsschauplatz (Feldbett, Feldflasche, Feldgeistlicher, Feldgeschrei, Feldgottesdienst (ursprünglich militärisch), feldgrau (wie die Uniform), Feldherr, Feldjäger (vgl. auch Gottfried August Bürger "Feldjägerlied"), Feldküche, Feldmarschall, Feldpost, Feldscher (Militärarzt), Feldschlange (kleines Geschütz), Feldwebel (u. a. Ehefrau), Feldzeichen (z. B. Adler), Feldzug, im Vorfeld, Schlachtfeld. Redensarten: Auf dem Feld der Ehre fallen. Das Feld behaupten/beherrschen/räumen/streitig machen. Ins Feld führen (z.B. ein Argument). Ins Feld ziehen (in den Krieg ziehen). Jemanden aus dem Feld schlagen. Zu Felde ziehen (sich energisch für jemanden einsetzen).



Feld: Einteilung beim Wappen und beim Brettspiel (z.B. beim Schach), Teil eines Datensatzes (Datenbankbegriff). Auf freiem Feld (z.B. ohne Dach über dem Kopf übernachten). Das ist ein weites Feld (schon bei Adalbert Stifter im "Nachsommer". Vgl. auch den Roman von Günter Grass. Richtig bei Theodor Fontane "Effi Briest": "... das ist ein zu weites Feld"). Das Feld räumen. Sein Feld bestellen. Feldbett (ausklappbares Bett), Feldfieber, Feldforschung, Feldfuß (Längenmaß), Feldmesser, Feldmünze (Notgeld), Feldnephritis (Nierenentzündung), Feldrute/Feldschuh/Feldfuß (altes Längenmaß), Feldspat (Mineral), Feldstecher, Feldsterne (Milchstraße), Feldwespe. Dreifelderwirtschaft (auch drei Frauen und ein Mann). Ballsport: Feldspieler, Feldhandball, Feldüberlegenheit, Feldverweis, Spielfeld (Mittelfeld). Kraftfeld, Rollfeld, Spannungsfeld. Physik: Elektrisches Feld (u. a. Feldeffekt, Feldstärke), Magnetfeld. Sozialwissenschaft: Feldforschung, Feldstudie, Feldtheorie, Feldversuch.



Feld: Tiernamen: Feldgrille, Feldheuschrecke, Feldhummel, Feldlerche, Feldmaus, Feldschwirl (Vogel) , Feldsperling, Feldspitzmaus. Pflanzennamen: Feldahorn, Feldampfer, Felderbse, Feldkropf, Feldlattich, Feldraute, Feldrittersporn, Feldsalat (Rapunzel. Im Märchen der Brüder Grimm Verwechslung mit der Petersilie).



Feld: Sprichwörter: Der Wald hat Ohren, das Feld hat Augen. Ein Glaube ohne Tat ist ein Feld ohne Saat. Mit einem bösen Weib fängt man den Teufel im freien Feld. Suche dir deine Frau nicht beim Tanzen, sondern bei der Erntearbeit im Feld! Viel pflanzen bringt nicht so viel ein wie das Feld sorgsam pflegen (China). Wer täglich sieht nach seinem Feld, / der findet täglich ein Stück Geld.
Sprüche: "Schon sind Felder, wo einst Troja war" (Ovid "Heroides"). "Lobe die riesigen Felder, doch bestelle ein kleines!" (Vergil "Georgica"). "Ist der Bauer nicht mehr im Feld, / hat er's verkauft und versäuft sein Geld." Vergleiche: "Antiquitäten sind das einzige Feld, auf dem das Gestern noch Zukunft hat" (Harold Wilson).
Schimpfworte: Feld-, Wald- und Wiesendoktor, Feld-, Wald- und Wiesendirne (Prostituierte, die im Freien arbeitet)..



Feld: In der Literatur:
"Grabet euer Feld ins zierlich Reine,?
dass die Sonne gern den Fleiß bescheine;
wenn ihr Bäume pflanzt, so sei's in Reihen,
denn sie lässt Geordnetes gedeihen."
(Johann Wolfgang von Goethe)

In der Literatur: Ludwig Anzengruber "Feldrain und Waldweg" (1881/82). Annette von Droste-Hülshof "Feld, Wald und See". Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen "Der seltsame Springinsfeld" 1670. Friedrich Schnack "Sibylle und die Feldblumen" (1941). Felix Timmermans "Die Kreuze und die Segnung der Felder" (in "Pallieter").
Im Gedicht: Max Dauthendey u. a. "Die grüne Stube" und "Jetzt ganz im stillen die Felder reifen". Martin Greif "Mittag im Felde". Johann Peter Hebel "Die Feldhüter". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Das Ährenfeld" und "Ins grüne Feld!" Friederike Kempner "Feldarbeit". Sandor Petöfi "Was nützt es, wenn das brache Feld ..." Friedrich Rückert "Auf entlaubten Fluren". Friedrich Schnack "Feldgeist". Kurt Tucholsky "Feldfrüchte". Georg von der Vring "Felderlied".



Feld: Im Film/Filmtitel: "Das Feld" (1990). "Feld der Liebe" (1992). "Feld der Träume" 1989). "Grüne Felder" (1989). "Querfeldein" (1969). "Russisches Feld" (1971). "Wildes Feld" (1979).
In der Malerei: u. a. S. auch Mohn, Rabe, Weizen. Vincent van Gogh "Feld unter Sturmhimmel" (1890) und "Sommerabend bei Arles (Weizenfeld bei Sonnenuntergang)" (1888). Gustav Klimt "Blühendes Feld" (1909). August Macke "Baum im Kornfeld" (1907). Joan Miró "Das bestellte Feld" (1923-24). Claude Monet "Felder im Frühling" (1887). Camille Pissarro "Landschaft mit überfluteten Feldern" (1873). Peter Paul Rubens "Heimkehr vom Felde" (1640). Jacob van Ruisdael "Weizenfelder" (um 1670). Carl Spitzweg "Der Sonntagsspaziergang" (1841).
Im Lied: "Feldeinsamkeit" (vertont von Johannes Brahms). Schlager: "Greenfields" (The Brothers Four).
S. auch Acker



Felder: s. auch Feld



Feldgeschworene: (Siebener). Nicht nur durch Zukauf, sondern auch durch Versetzen der Grenzsteine und durch geschicktes Ackern konnten Felder vergrößert werden. Jedes Jahr drei Zentimeter vom Nachbarn machte bei einem 100 Meter langen Feld in 50 Jahren 150 Quadratmeter. Aufgabe der Feldgeschworenen war es, die Begrenzungssteine so zu setzen, dass Veränderungen erkannt werden konnten. Grenzsteinverletzungen wurden früher, wenn sie ruchbar wurden, mit schweren Strafen belegt, z.B. mit Enthauptung. Die Täter mussten unerlöst in den Feldern umherirren, manchmal in Form glühender Gerippe. Bereits im Alten Testament warnte Salomon: "Verrücke nicht die uralte Grenze und mache keinen Eingriff in der Verwaisten Äcker!"

"Besser lebt da der Skythe noch, ...
wo der Acker noch frei Frucht und Getreide trägt
und kein Grenzstein die Fluren teilt"
(Im Gedicht: Horaz "Oden")

Dass Grenzsteine auch zweckentfremdet werden können, davon berichtet uns der griechische Dichter Nonnos in "Leben und Taten des Dionysos": "Er riss aus dem Acker einen Grenzstein heraus, benutzte ihn als Wurfgeschoß, traf und zerschmetterte den Kopf des Drachens." In der Sage: Brüder Grimm "Der verrückte Grenzstein".
S. auch Betrug



Feldkreuz: Im Gedicht:
"... Liest sie, als früh der Hahn gekräht,
Was Lieb' erhielt, was Leid verweht,
Ans Feldkreuz angeschrieben,
O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb', Leid und Zeit und Ewigkeit!"
(Clemens Brentano "Was reif in diesen Zeilen steht").

Werner Bergengruen "Das Feldkreuz (in "Figur und Schatten"). Felix Dahn "Das Steinkreuz und die Rose". Nikolaus Lenau "Das Kreuz".



Feldweg: "Aber der Zuspruch des Feldweges spricht nur so lange, als Menschen sind, die in seiner Luft geboren, ihn hören können. Sie sind Hörige ihrer Herkunft, aber nicht Knechte von Machenschaften" (Martin Heidegger: "Der Feldweg"). An Feldwegkreuzungen wurden Katzen lebendig begraben, "um den Geist des Korns zu erhalten".



Feldwege: s. auch Feldweg



Fensterln: "Eine inzwischen fast bedeutungslos gewordene Aktivität der Brautwerbung" in Bayern und Österreich (Wikipedia). Nächtliches Besteigen einer mannbaren Bauerntochter auf dem Umweg über eine ans Schlafzimmerfenster gelehnte Leiter. Nicht selten gibt es Komplikationen: Das Zimmer ist schon von einem Konkurrenten besetzt oder man wird mit dem gefüllten Nachttopf empfangen. Beim geplanten Abstieg ist die Leiter weg und unter dem Fenster steht der Bauer samt Ochsenfiesel und Hofhund. Der Spezialist für bayerisches Brauchtum McCormack berichtet von einem bemerkenswerten Unfall: Der Liebhaber sprang in die Kammer des Mädchens und brach dabei durch eine Bohle, "weil dort seit alters der Nachttopf gestanden hatte und das Fußbodenbrett morsch geworden war". Gibt es keinerlei Hindernisse, weiß man, dass man sich in Zukunft die Leiter sparen und durch den Hausflur ein- und ausgehen kann.
Im Lied: "Geh' mach' dei' Fensterl auf".



Fensterln: Mögliche Ausrede der Angebeteten:
"Bin hoch aufi g'stiegn,
Habs Mensch g'fragt ums Liegen;
Hat grad außi g'redt:
I han Flöh in mein Bett."

"Geh weg von mei'm Fenster,
Geh weg von mei'm Bett,
I bin a jung's Diandl,
Werd' gar leicht überred't."

"Geh weg von mei'm Fenster,
Hör auf mit dein Singa,
Wenn du a rechter Bua warst,
Warst lang scho' herinna."



Fensterln: Ballade vom Fensterstockhiasl:
"Und wia-r i beim Fenster bin aussikrocha,
Do is ma da Fenstastog nochibrocha, ...
Do schreit glei da Baua: Geh, Hiasl, hoho,
Geh lass ma do dengascht mein Fenstastog do."

Gelegentlich gab es Orientierungsprobleme:
"Aufs Gass'l bin i ganga,
Hab's Fenster nöt g'wisst,
Bin dorten hinkemma,
Wo's Saustallerl is."

Drinnen heißt noch lange nicht drinnensein:
"Geh nunter vom Boden,
Geh weg von mei'm Bett,
Du könnt'st mer was machen,
Was Händ und Fuß hätt."

Schnaderhüpfl:
Und’s Fensterln is’ sündhaft
Und i wer’s nimmer toa;
Und weil d’ Köchin fort is’
Schlaft der Pfarrer alloa."

Nach Karl Valentin:
"Und die Frau vom Rittersmann
hot aus Blech a Hos’n an.
Wollt ein Ritter fensterln gehen,
mußt‘ er mit der Blechscher gehen.
Ja, so warn's, ja so warn's,
ja, so warn's die alten Rittersleut'.."



Fensterln: S. auch Probenächte



Ferien auf dem Bauernhof: s. Urlaub auf dem Bauernhof



Ferkel: Spanferkel. Redensarten: Das Messer im Ferkel stecken lassen (Arbeit unbeendet lassen). Tiernamen: Ferkelfrosch, Ferkelratte. Pflanzennamen: Ferkelkraut, Ferkelnuss.
Sprichwörter: Gib dem Ferkel, wenn es grunzt, und dem Kind, wenn es weint, so ziehst du eine gute Sau und ein schlechtes Kind groß (Litauen). Man sieht ihn so gern wie ein Ferkel in der Judenküche. Von der Sau lernen die Ferkel grunzen. Jede Sau nennt ihre Ferkel schön.
Sprüche: "Ein Ferkel blickt traurig ins himmlische Blau: / Man sagt, seine Mama, die sei eine Sau" (R. Habeck). Zungenbrecher: Fünf Ferkel fressen frisches Futter.
Vergleiche: "Das ist wie die Schur eines Ferkels: viel Quieken, aber wenig Wolle" (Putin). "Der Lyriker bringt seine Gefühle zu Markt wie der Bauer seine Ferkel" (Wilhelm Busch). "Es ist befreiend zu erfahren, dass man nicht das einzige Ferkel auf der Welt ist" (Lilo Wanders).
Schimpfworte: Ferkel (analog zu Sau und Schwein): schmutziger Zeitgenosse (auch sexuell abwertend. Goethe: "Der Mensch ist doch au fond ein großes Ferkel." - "Erde: Wer sich hier wohlfühlt, ist ein Ferkel" August Strindberg). Abferkeln (Junge werfen), Erdferkel (Auto im Pilotenjargon), Ferkelei (Sauerei, Schmutz), Ferkelstecher (Winkeladvokat), Spanferkel (junges Mädchen). Das Wort Porzellan kommt vom lateinischen porcella = Ferkelchen. "Spanferkel" kommt nicht vom Holzspan, sondern von "spänen" = säugen.



Ferkel: Fabeln: Äsop "Das Ferkel und die Schafe": In eine Herde Schafe geriet ein Ferkel und weidete mit ihnen. Als es einmal der Hirt packte, da jammerte es laut und widersetzte sich. Die Schafe machten ihm Vorhaltungen: "Packt er uns nicht ständig, ohne dass wir deswegen schreien?" Doch das Ferkel meinte: "Das ist nicht dasselbe, ob er euch oder mich packt. Euch packt er nämlich wegen der Wolle oder wegen der Milch, mich aber wegen des Fleisches."



Ferkel: Im Gedicht: Georg Britting "Das Ferkelgedicht". "Das Testament des Ferkels" (anonyme römische Satire):
"Von meinem Körper werde ich geben und werde ich schenken:
Den Flickschustern meine Borsten;
den Malern meine Kopf- und Rückenborsten;
den Leuten, die nichts hören, meine Ohren;
den Advokaten und Vielrednern meine Zunge;
den Wurstmachern meine Innereien;
den Hackfleischmachern meine Haxen;
den Frauen meine Lendchen;
den Bettnässerkindern meine Blase;
den Mädchen meine Rute;
den Schwulen mein Mäuschen;
den Läufern und Jägern meine Knöchel;
den Straßenräubern meine Klauen."

Im Film/Filmtitel: u. a. "Ferkel Fritz" (1997). "Ein Glücksschwein muss kein Ferkel sein" (1973). "Ferkels großes Abenteuer" (Zeichentrickfilm 2003).



Fernsehen: Es hat ganze Legionen von ländlichen Gastwirtschaften ruiniert. Die Bauern schauten ununterbrochen und vergaßen das Trinken. Als die Wirte den Fernseher aus dem Gastzimmer verbannten, rächten sich die Bauern, indem sie sich selbst ein Gerät kauften und ihr Bier aus dem Getränkemarkt besorgten.



Fest: "Gewöhnlich gekennzeichnet durch Völlerei und Trunksucht; häufig zu Ehren eines Heiligen, der sich durch Enthaltsamkeit auszeichnete" (Ambrose Bierce).
Im Gedicht: Wilhelm Busch "Ländliches Fest" (in: "Die Knopp-Trilogie"). S. auch Christi Himmelfahrt, die einzelnen Heiligen, Kirchweih, Mariä Himmelfahrt, Mariä Lichtmess.



Feste: s. auch Fest



Fette Henne: Eine Pflanze, die gern als Orakel verwendet wurde. Ihr volkstümlicher Name Knaben- oder Bruchkraut kommt daher, weil sie Leisten- und Nabelbrüche bei Kindern heilte. Weil ihre unterirdischen Knollen bei genauem Hinsehen an Hoden erinnern, wurden sie bereits in der Antike als Liebesmittel verwendet; daher auch der Name Venusblume. Pflanzennamen: Fette Henne (Krause Glucke). Schimpfworte: Fette Henne (übergewichtige Frau, Bundestagsadler).



Feuer: s. auch Brandstiftung



Feuerwehr: Vor Zeiten auch in kleinsten Ortschaften anzutreffen. Sie bestand mindestens aus zwei Personen, dem Kommandanten (Feuerwehrhauptmann) und dem Maschinisten. Je nachdem, ob das Anwesen versichert war oder nicht, funktionierte die Spritze - oder nicht. In einem Ort in Iowa (USA) muss die Feuerwehr vor einem Brand zunächst eine Viertelstunde lang üben, bevor mit dem Löschen begonnen werden darf.



Feuerwehr: St. Florian ist der Schutzheilige der Feuerwehr ("Heiliger Sankt Florian / Schütz unser Haus zünd's andre an"; daraus entstand das sog. Floriansprinzip).
Redensarten: Die Spritze kommt, wenn das Haus abgebrannt ist (für zu spät). Schnell wie die Feuerwehr.
Sprüche: 110 Polizei: Männer, die man ruft!!! - 112 Feuerwehr: Männer, die kommen!!! Ein Feuerwehrmann stirbt nicht! Er geht in die Hölle und fährt dort denn nächsten Einsatz. Feuerwehr ist eine Organisation, die mit Wasser ruiniert, was die Flammen verschont haben. Feuerwehr im Kindermund: "Links, links! / Hinterm Hauptmann stinkt's" oder "Wasser marsch, Wasser marsch, / der Hauptmann hat ein Loch im Arsch!" Schüleraufsatz: Es brannte im Dorf. Mit scharfem Strahl gaben die Feuerwehrmänner ihr Wasser ab. Als die Feuerwehr eintraf, war das Haus schon ohne ihre Hilfe abgebrannt.
Vergleiche: Eine Feuerwehr muss wie eine alte Jungfrau sein, stets bereit und nie gebraucht.
In der Literatur: Georg Queri "Die freiwillige Feuerwehr zu Polykarpszell".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der Feuerwehrball" (1967, 1997). "Peggy geht zur Feuerwehr" (1991 TV-Serie "Neues vom Süderhof"). "Zünd an, es kommt die Feuerwehr!" (1979).



Fichte: "Das Mastschwein unter den Bäumen" (H. Sussebach). Ursprünglich der Weihnachtsbaum. In hohen Fichten sollen sich nach dem Volksglauben Geister aufhalten, z.B. feurige Männchen. Auch gegen Gicht, Warzen, Hühneraugen und Beilwunden (wohl solche, die beim Fichtenschlagen entstanden) sollen ihre Nadeln geholfen haben. Das beweist der Spruch: "Guten Morgen Frau Fichte, / da bring ich dir die Gichte." Wasser aus gekochter Fichtenrinde hilft gegen feuchte Hände.
Redensarten: Jemanden hinter die Fichte führen. Fichtelgebirge, "De Randfichten" (Volksmusikgruppe), Fichtennadelextrakt (Badezusatz). Tiernamen: Fichtenbaumlaus, Fichtenblattwespe, Fichtenborkenkäfer, Fichtengallenlaus, Fichtenkreuzschnabel, Fichtenmarder, Fichtenmaus, Fichtenrüsselkäfer, Fichtenspinnmilbe. Pflanzennamen: Fichtenspargel.



Fichte: Im Gedicht: Properz "Elegien" (vielleicht dem Dichter Walther von der Vogelweide bekannt: "Tief im wogenden Gras fand die Liebe ihr Bett; / darüber gebreitet der Fichte kühlender Schatten"). Theodor Däubler "Die Fichte".

"Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh’.
Ihn schläfert: mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,
Die, fern im Morgenland
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand."
(Heinrich Heine)

Johann Gottfried Herder "Die schöne Fichte" (aus dem Griechischen). Friedrich von Logau "An die Fichte auf meinem Gute". Friedrich Schnack "Fichte im Regen".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Am Berg wächst eine grüne Fichte" (1971). "Die fröhlichen Holzfäller der nickenden Fichten" (1973).
In der Malerei: u. a. Albrecht Altdorfer "Landschaft mit Fichte" (1523). Albrecht Dürer (Zeichnung).



Fichten: s. auch Fichte



Filzlaus: "Abschiedsbrief an Leontine … Sie hat mich von neuem mit Filzläusen beschenkt. Ich habe ihre Schweinerei gründlich satt" (Frank Wedekind).
Kavaliersbiene, Pelzkrabbler, "papillons d'amour" (Liebesschmetterlinge, weil sie durch sexuellen Kontakt übertragen werden).
Vergleiche: Er sieht so ungepflegt aus, als würde er alles, worauf er sitzt, mit Filzläusen infizieren. Schimpfwort: Filzlaus (aufdringlicher Mensch, Beischlafdiebin), Filzlausbrühe (Grießsuppe), Sackratte: Müller sehen sie gerne in ihren Schamhaaren, weil sie vor Leistenbrüchen schützen.



Filzlaus: Im Gedicht:
"Wenn Filzläus das Venusbürstlein jucken
Und Schwalben auf dem Wasser zucken
Und mit den Flügeln schlagen drein,
So muss nit fern der Regen sein."
(Johann Fischart)

"Aus einem Kaffeehaus
Warf man ein Mädchen raus,
Sie hat 'ne Filzlaus.
Da kam ein Offizier,
Der zog den Degen raus
Und stach der Filzlaus
Die Augen aus."
(Joachim Ringelnatz)

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg (?) "Wahl meiner künftigen Gattin und ihrer Eigenschaften":
"… Ein schlaffer Bauch gehängt auf zweien spitzen Hüften,
Filzläuse weiden hier in unzählbaren Triften …



Filzlaus: Wie kaum ein anderes Insekt ist die Filzlaus von der Pornoliteratur vereinnahmt worden.
Im Gedicht: In der Parodie auf "Schillers Glocke" heißt es:
"Wanzen beißen
An den Steißen!
Alles geht in Trümmer, Fetzen,
Filzläus sieht man Flöhe hetzen ..."

Und im "Goldenen Alphabet":
"Der Fixstern glänzt am Firmament.
Die Filzlaus längs der Sacknaht rennt."

Der Sanitätsgefreite Neumann hingegen weiß, wie man sich ihrer entledigt:
"Ein Hoch, ein Hoch, ein dreifach Hoch,
Dem Sanitätsgefreiten Neumann,
Der die graue Salbe hat erfunden.
Früher musste man sich plagen,
Jede Filzlaus selbst erjagen.
Heute wendet jedermann
Neumanns graue Salbe an."

Im Film/Filmtitel: "Die Filzlaus" (1973). "Die Filzlaus kehrt zurück" (1970).
Schlager: Dr. Sohmer "10 kleine Filzläuse".



Filzläuse: s. auch Filzlaus



Filzlaus: S. auch Rattenfänger



Fingerhakeln: Neben dem "Fensterln", Maßkrugstemmen und "Steinlupfn" alpenlänndischer Nationalsportart, "Stubenduell", das meist im Wirtshaus ausgetragen wird - heute mit regelrechten deutschen und alpenländischen Meisterschaften. "Am stärksten ist das Hakeln zwischen Isar und Inn zu Hause, wo schon die Schulkinder sich darin üben und mancher Geißbub in Ermangelung von Kameraden mit seinem Geißbock hakelt" (H. Reidelbach). Hat sich von Bayern aus bis nach Amerika verbreitet. Dass der Brauch nicht ausstirbt und die Regeln eingehalten werden dafür sorgt der Landesverband Bayerischer Fingerhakler.
Redensarten: Jemanden über den Tisch ziehen.



Fingerhut: Hera, die Gattin des Göttervaters Zeus, verlor beim Nähen ihren Fingerhut so ungeschickt, dass er vom Olymp auf die Erde fiel. Zeus tröstete Hera damit, dass er das Nähwerkzeug in eine Pflanze verwandelte. Pflanze. Früher als Anaphrodisiakum verwendet. Wird heute bei Herzinsuffizienz eingesetzt.
In der Literatur: Friedrich Schnack "Sibylle und die Feldblumen" (1941). Adalbert Stifter "Purpurrotes Fingerhütlein" (in "Feldblumen"). In Theodor Fontanes Roman "Der Stechlin" taucht der Fingerhut als Symbol des ´nahen Todes auf:
Im Gedicht: Conrad Ferdinand Meyer "Fingerhütchen". Joseph Viktor von Scheffel "Des Meisters Geheimnis. 4. Fingerhut" (in "Frau Aventiure"). Georg von der Vring "Digitalis".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Bienzle und der süße Tod" (Tatort 2002).



Fingerkraut: Wer das Fingerkraut mit sich trug, der hatte immer eine volle Geldbörse. Die "Herrschaft in der Ehe" erlangte, wer es bei der Hochzeit im Schuh versteckte. Fünffingerkraut (für Ohrfeige).



Fink: Der Wagen der Aphrodite, der Tochter des Göttervaters Zeus, wird von "schönen schnellen Finken" gezogen, "mitten durch den Äther, schwirrenden Flugs". Finkenherd (früher Vorrichtung zum Fangen von Finken). Tiernamen: Finkenzeisig. Pflanzennamen: Finkensame. Finkler (Beiname Königs Heinrich I.)
Sprichwörter: Jeder Vogel singt an seinem Ort, der Fink im Wald, der Pfaffe in der Kirche. Wenn die Finken fleißig schlagen / künden sie von Regentagen. Schimpfworte: Dreckfink, Mistfink, Optimistfink, Schmierfink, Schmutzfink. Buchtitel: Werner Finck "Finckenschläge". Zungenbrecher: Hinter dichtem Fichtendickicht, picken dicke Finken tüchtig.
In der Literatur: Marie von Ebner-Eschenbach "Der Fink". Arthur Schnitzler "Fink und Fliederbusch" (Komödie 1917).



Fink: Im Gedicht: Ernst Moritz Arndt "Das Finkenlied" und "Das Finkenrätsel". Ludwig Bechstein "Die Finkenschläge" (in P. Köhler Hrsg.) Clemens Brentano "Finkenlied" und "Finkenlied, von neun Groschen Münze, Kamelgedanken und Überbeinen". Wilhelm Busch "Fink und Frosch", "Das Lied vom Finken und dem Jägersmann" und "Naturgeschichtliches Alphabet" ("Im Süden fern die Feige reift, / Der Falk am Finken sich vergreift"). Joseph von Eichendorff "Ein Fink saß schlank auf grünem Reis ..." Heinz Erhardt "Das Finkennest". Friedrich Güll "Wie das Finklein das Bäuerlein im Scheuerlein besucht". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Der Fink" und "Finkenlied". Nikolaus Lenau "Das Lied vom armen Finken". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Friedrich Rückert "Herr Finke". Georg von der Vring "Die Finken" und "Finkengezwitscher beim Aufbrechen der Knospen".
Im Film "Fink!" (2005).
Im Lied: Aus der "Vogelhochzeit" ("Der Finke, der Finke, / der bringt der Braut die Strümpfe" oder "Das Finkelein, das Finkelein, / das führt das Paar zur Kammer hinein").



Fink: S. auch Gimpel, Stieglitz, Valentin (hl.), Zeisig



Finken: s. auch Fink



Fisch: "Lebewesen, das immer dann auf Urlaub geht, wenn auch die Angler gerade auf Urlaub gehen" (E. G. Tange).

"Lachse, Gründling, Bürschling, Hecht
sind im Januar nicht schlecht,
doch Bedingung ist zumeist:
Erst erwischen, eh' man speist."

Fische sind besonders schlau, verfügen über ein Langzeitgedächtnis und benutzen Werkzeuge. Die alten Ägypter glaubten, dass ein Fisch den Phallus des Gottes Osiris verschlungen habe. Erfindung der Lehnsherren und Geistlichkeit, um die Unbilden der Fastenzeit (es gab immerhin über 100 Fasttage im Jahr) besser zu überstehen. Der St.-Gallener Mönch Ekkehard zählte einmal die Fische auf, die im Refektorium serviert wurden: Lachs, Hecht, Forelle, Saibling, Aal, Barsch, Waller und Biber (weil er im Wasser schwamm, wurde er zu den Fischen gezählt).



Fisch: Ein 1449 bei Heilbronn gefangener Fisch soll 262 Jahre alt geworden sein. Fischschuppen im Geldbeutel sollen verhindern, dass dieser jemals leer wird. Getrocknete Fische waren lange Zahlungsmittel in Island. Fischträume bedeuten den Tod eines Familienmitglieds. Mrs. Dards verbrachte in London ihre Zeit damit, Sträuße aus Fischgräten herzustellen und schuf damit eine einzigartige Sammlung; für die Blüten des Maiglöckchens verwendete sie die Kopfgräten des Steinbutts. Es gibt zahlreiche Sagen von Fischen, in deren Magen wertvolle Ringe gefunden wurden. Den Fisch des Jahres gibt es seit 1984: u. a. Schleie 2007, Bitterling 2008, Aal 2009, Forelle 2013, Stör 2014



Fisch: Babelfish (Übersetzungssoftware), Backfisch: Junges Mädchen; vermutlich ursprünglich ein junger Fisch, der nur zum Backen taugte, oder eine Verballhornung des untersten akademischen Grads "Baccalaureus". Backfischhaft, Backfischaquarium (Mädchenpensionat).
Im Gedicht: Klabund "Der Backfisch".

"Mit dreizehn Jahren und zwei Wochen,
Da ist der Backfisch ausgekrochen
Mit siebzehn Jahren, zehn Sekunden,
Da ist der Backfisch schon verschwunden."
(H. Pfeiffer: Das große Schimpfwörterbuch).



Fisch: Volkserotik:
"Wenn d' Sonne scheint am Plattensee,
Da recken d Fisch' die Schwänz' in d Höh'.
Und wenn ich Sie, mein Fräulein, seh'
Da geht's mir wie dem Fisch im Plattensee."

Fisch (in der Druckersprache Buchstabe einer anderen Schrifttype), Fischadler, Fische (Sternbild, Tierkreiszeichen), fischartig, Fischauge, Fischband (Scharnier), Fischbein (Hornstäbchen), Fischgrätenmuster, Fischkäse, Fischkocher (längliche Pfanne), Fischlupe (Echolot), Fischschuppenkrankheit, Fischtreppe, Fischwirbel (Osteoporose), Fischzug (Beutezug), Goldfisch (Gönnerin. Einen Goldfisch angeln = ein reiches Mädchen heiraten), kleine Fische (Nichtigkeiten. Gesetz: eine Reuse für die kleinen Fische). Eiserner Fisch (Unterseeboot, u. a. 1555 bei Nostradamus). Fischblase (Ornamentform). Ichthyomantie: Weissagung mithilfe von Fischen.
Pflanzennamen: Fischkraut, Fischschwanzpalme. Tiernamen: Fischbandwurm, Fischchen (Insekt), Fischechse, Fischegel, Fischeule, Fischlaus, Fischmarder, Fischmolch, Fischotter (Marderart), Fischratte, Fischreiher, Fischsaurier, Fischvogel, Fischzecke (Ruderfußkrebs), Silberfischchen (Haushaltsschädling), Silberfischchen (Haushaltsschädling).



Fisch: Redensarten: Der Fisch ist gegessen (erledigte Aufgabe). Der Fisch muss schwimmen (bereits bei Petronius. Trimalchio forderte mit diesen Worten seine Gäste zum Trinken auf). Der Fisch hat angebissen. Die Fische füttern (sich auf einer Seefahrt erbrechen). Die Kiemen nicht auseinander bringen (schweigen). Ein dicker/kleiner Fisch (Verbrecher). Ein leichenfahles Fischgesicht haben (blass aussehen). Einen Fisch machen (verschwinden, fliehen). Fischblut haben (kalt sein, keine Lust haben). Frigid wie ein Fisch aus dem Eismeer. Jemand hört die Fische im Wasser singen (für eingebildet). Jemand schnappt danach wie der Fisch nach Wasser. Kalt/munter/stumm wie ein Fisch (es gibt jedoch auch Fische, die Laute von sich geben, z. B. der Knurrhahn). Nicht Fisch noch Fleisch (zweideutig, unentschieden. "Weder Fisch noch Fleisch ist die Wissenschaft" Petronius. Auch bei Erasmus von Rotterdam). Schwimmen wie ein (bleierner) Fisch.



Fisch: Sprichwörter: Auch des Königs Fisch haben Gräten (Italien). Bei Fischen und Weibern ist der Bauch das Beste. Der Fisch fängt am Kopfe an zu stinken (altdeutsch, Ursache von Missständen). Der Fisch, den man nicht gefangen hat, ist immer groß (China). Der Fisch gehört ins Wasser, der Mönch ins Kloster. Der Fisch will dreimal schwimmen: im Wasser, im Schmalz und im Wein (Italien). Dreitägiger Fisch taugt auf keinen Tisch, dreitägiger Gast wird einem schnell zur Last. Die besten Fische halten sich am Grund (England). Ein kleiner Fisch im Bauch ist besser als ein großer im Bach (Litauen). Eine Frau und ein Fisch sprechen so viel wie zwei Männer. Iss den Frisch, solange er frisch ist; verheirate die Tochter, solange sie jung ist (Dänemark). Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom (China). Starrt der Bösewicht ins Wasser, sterben die Fische (jüdisch). Wenn Du ins Wasser gesprungen bist, solltest Du dich wie ein Fisch benehmen.



Fisch: Sprüche: S. .auch Vogel. "Alle Fische wollen bumsen, nur der Flipper, der hat Tripper" (Schülerspruch). "Befragungen von Fischen bestätigen inzwischen: die meisten Fische träumen vom Leben auf den Bäumen" (Frantz Wittkamp). Bei dem daheim ist es im Haus so feucht, dass einmal einen Fisch in der Mausefalle fanden. "Beobachte das Schwimmen der Fische im Wasser, und du wirst den Flug der Vögel in der Luft begreifen" (Leonardo da Vinci). Die Sache hat einen Haken, sagte der Fisch als er an der Angel hing. Ein Fisch ist umso delikater, je weniger er nach Fischs schmeckt. "Für die toten Wein, für die lebenden Wasser: das ist eine Vorschrift für Fische" (Martin Luther). Gräten sind die "Rache des Fisches" (E. G. Tange). "Ich glaube nicht, dass die Fische nicht wissen, was rings um sie geschieht. Sie würden sonst nicht so hartnäckig schweigen!" (Stanislaw Jerzy Lec). "Ich weiß nicht, ob die Fische stumm wären, wenn sie so viel Geheimnisse hätten wie wir" (Lec). In die Zeitung von heute werden morgen die Fische eingewickelt.



Fisch: Sprüche: "Kann der Fisch einen Fischer lieben?" (Martial warnt so Marianus, der einer Person nachstellt, die ihn offensichtlich nur beerben will). Fischteich: "ein von Lügnern umgebenes Gewässer" (E. G. Tange). "Kann man’s wissen, ob Fische küssen? Unterm Wasser sieht man’s nicht, und überm Wasser tun sie’s nicht" (R. Habeck). Kotzt der Opa unterm Tisch, / war der Fisch wohl nicht mehr frisch (Sprüchekalender). Man sucht von Weibern und von Fischen das Mittelstück zu erwischen. Mitgehangen, mitgefangen, sprach der Wurm zum Fisch. Nur, wer den Himmel im Wasser betrachtet, kann Fische auf den Bäumen sehen! Was ist der höflichste Beruf? Der Fischräucherer; er macht Bücklinge. Wenn Sie den Inhalt Ihrer Zeitung selbst bestimmen wollen, müssen Sie ab jetzt nicht mehr zum Fischhändler (Werbespruch einer neuen Zeitung). "Wir haben beobachtet, dass Fische sich lange küssen. Man weiß aber noch nicht, was das zu bedeuten hat" (Bernhard Grzimek). Schüleraufsatz: Die Fische schlafen auch. Dafür haben sie das Flussbett.



Fisch: Vergleiche: Das Glück ist glitschig wie ein Fisch, man muss es mit beiden Händen festhalten. Die Frau ist ein Fisch, "der den Angler fängt" (Mark Twain). "Die Politik ist wie eine große Forelle, welche die kleine Forelle auffrisst; denn die Forellen gehören zu den Raubfischen, wie Sie wissen" (Otto von Bismarck). Ein Mann, der heiratet, gleicht einem Fisch, der angelockt durch einen Köder die Freiheit des Ozeans aufgibt und sich in die Gefangenschaft eines Netzes begibt. "Der Mensch ist nicht nur ein Säugetier, der Mensch ist auch ein Fisch, denn er tut oft Unglaubliches mit kaltem Blut, und hat auch Schuppen, die ihm zwar plötzlich, aber doch g'wöhnlich zu spät von den Augen fallen" (Johann Nestroy). Die Zeitung ist eine "Sache, in die man Fisch einwickeln kann" (Art Buchwald). "Der Gast ist wie ein Fisch, / Er bleibt nicht lange frisch." Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad (Gloria Steinem). "Er lebt wie ein Fisch im Wasser, das kocht (Jean Paul). "Kritiker ohne Arroganz sind heutzutage so selten wie Fische ohne Flossen" (Harold Pinter). Pessimisten finden auch in der Fischsuppe ein Haar. "Wäre der heutige Tag ein Fisch, ich würde ihn wieder reinwerfen" ("Sprüchekalender").



Fisch: Schimpfworte: "Vettelnbeschäler, abscheuliche, bocksduftige Fischmarktumwühler!" (Aristophanes). Blindfisch (Versager), faule Fische (Martin Luther: "Bleib dahymen mit deinen faulen Fischen"). Fischbüchse (ungewaschene Scheide), Fischkopf (norddeutscher Küstenbewohner, speziell Hamburger), Fischmaul, Fischweib (geschwätzige Marktfrau), Laichplatz (Entbindungsheim), Stockfisch (schweigsamer Mensch), Tintenfisch (Schriftstellerin).



Fisch: In der Literatur: "Ich war bereits einmal Knabe, Mädchen, Pflanze, Vogel und flutentauchender, stummer Fisch" (Empedokles).
Fabeln: S. auch Fischer. Jean de la Fontaine "Die Fische und der flötende Schäfer" und "Die Fische und der Seerabe".
In der Literatur: "Die Fische, so glaub ich, die ihr ganzes Leben lang sich baden, verbringen nicht so viel Zeit im Wasser zu wie die Phronesion schon im Bade sitzt. Liebte man die Frauen so lang wie sie baden, wir Liebhaber müssten alle Bader sein" (Plautus "Der Grobian"). Stefan Andres "Der Mann im Fisch" (1971). Georg Britting "Der Fisch". Theodor Däubler "Der Fischzug" (1930). Günter Grass "Der Butt" (1977; Grass zeigt übrigens eine bemerkenswerte Vorliebe für Tiere bei seiner Titelgestaltung: Katze, Krebs, Maus, Hund, Ratte, Schnecke, Unken und "Windhühner" geben sich ein Stelldichein). Halldór Kiljan Laxness "Das Fischkonzert" (1957, dt. 1961). Franz Xaver Kroetz "Nicht Fisch, nicht Fleisch". Edward Lear "The History of the Seven Young Fishes". Siegfried Lenz "Frische Fische". Wilhelm Raabe "Prinzessin Fisch". Ruth Schaumann "Der singende Fisch" (1934). Karl Heinrich Waggerl "Liebe Dinge".



Fisch: Im Gedicht: Hans Magnus Enzensberger "Anrufung des Fisches". Heinz Erhardt "Das Fischchen" und "Esst mehr Fisch". Günter Grass "Bei Kochfisch Agnes erinnert" und "Kleine Zutat". Gottfried Keller "Ein Fischlein steht im kühlen Grund". Karl Krolow "Fische". Elisabeth Langgässer "Tierkreisgedichte. Detlev von Liliencron". Fische". Friedrich von Logau "Fische sind nicht Fleisch". Hermann Löns "Der schöne Fisch". Martial "Epigramme". Christian Morgenstern "Fisches Nachtgesang" (in "Galgenlieder"). Ovid "Die Liebeskunst" ("Halte den Fisch nur fest, wenn er erst von der Angel verletzt ist; / Gib der Verführten den Rest, stehe nicht ab, bis du siegst"). Rainer Maria Rilke "Die Auslage des Fischhändlers". Joachim Ringelnatz "Schwerer Fisch am Nagel". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Friedrich Rückert "Der Fisch im Traume". Ferdinand von Saar "An einen kleinen Fisch in meinem Aquarium". Friedrich Schnack "Zauberfische". Theokrit "Die Fischer".

"Die Sonn im Wasser trägt ihn nicht,
Die Brombeerranke regt ihn nicht.

Er ruht wie ein verwünscht Metall
Aus Gold und Silber und Verfall …"
(Georg von der Vring "Der tote Fisch")

Fisch: Im Märchen: S. auch Lamm.



Fisch: Im Film u. a. "Der 100.000-$-Fisch – Zwei Freunde gehen baden" (1997). "Der Rächer der toten Fische" (1980 Kinderfilm). "Der Regenbogenfisch" (TV-Trickserie). "Der Tag, an dem die Fische kamen" (1967). "Der Zauberfisch" (1938 Kinderfilm). "Die Rache der Killerfische" (1978). "Emelya und der Zauberfisch" (1992). "Fickende Fische" (2001/2002). "Findet Nemo". "Gift im Fischteich" (1976). "Große Haie – kleine Fische" (Zeichentrickfilm 2003).
Filmtitel: "Auf Fischfang in der Großstadt" (1940). "Big fish" (Fantasy 2003/04). "Buddy fängt nur große Fische" (1973). "Den letzten schnappen die Fische" (1984). "Der dritte Frühling – Freunde, Feinde, Fisch und Frauen" (1995). "Der Fisch" (1989). "Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch" (1991). "Der große Fisch" (1993). "Der mit den Fischen fliegt" (1995). "Der Tag, als die Fische das Aquarium erließen" (1996). "Die toten Fische" (1989). "Doppelter Einsatz – Kleine Fische" (TV-Serie "Adelheid und ihre Mörder" 1993). "Dream with the fishes" (1997). "Ein Fisch namens Ärger" (1999). "Ein Fisch namens Wanda" (1987/88). "Ein Fischzug für 300 Millionen" (1970). "Ein Fressen für die Fische" (1952). "Ein verrücktes Paar – Freunde, Feinde, Fisch und Frauen" (1995).



Fisch: Im Film: "Eine Frau wie ein Fisch" (1982). "Felix und die Fische" (1985). "Fisch" (1989). "Fisch oder Fleisch" (1957/58 mit Louis de Funes). "Fisch und Chips" (1996). "Fisch zu viert" (1970). "Fische im August" (1997). "Fischkonzert" (1973). "Fischsuppe" (1991). "Fischtag" (1989). "Fischzüge" (1974). "Gott ist ein toter Fisch" (2001). "Haie und kleine Fische" (U-Bootfilm 1957). "Hilfe! Ich bin ein Fisch" (2000). "Justitias kleine Fische – Wer im Trüben fischt" (1988). "Kampf der Fische" (TV-Serie "Küstenwache"). "Kleine Fische" (1993 TV-Serie "Adelheid und ihre Mörder" und 1996). "Kleine Fische, große Fische" (1992). "Kleine Fische, großes Geld – Shooting fish" (1997). "Mutter isst keinen Fisch" (1995). "Nicht Fisch, nicht Fleisch" (2002). "Stumm wie ein Fisch" (1987). "The Big Kahuna – Ein dicker Fisch" (1999). "Zwei Fische auf dem Trockenen" (1984).



Fisch: In der Malerei: u. a. Paul Gauguin "Still-Leben mit Fischen" (um 1878). Paul Klee u. a. "Fischzauber" (1925) und "Der goldene Fisch" (1925). Oskar Kokoschka "Fische am Strand von Djerba" (1930). Henri Matisse "Fische" (1952) und "Stillleben mit roten Fischen" (1911). Joan Miró "Der singende Fisch" (172). Raffael "Madonna mit dem Fisch".
Im Lied: "Des Antonius von Padua Fischpredigt" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Ich möchte gerne wissen, ob sich die Fische küssen" (Max Hansen). Schlager: u. a.. "Da liegt a toter Fisch im Wasser". "Fische sind zum Fischen da." "How Much is the Fish" (Scooter). "Small fry" (Bing Crosby)



Fisch: S. auch Aal, Aberglaube, Angeln, Forelle, Gründling, Hecht, Karpfen, Netz, Stör



Fische: s. auch Fisch



Fischer: "Ein gewandter Fischer sichert sich die Mitarbeit der Fische" (Stanislaw Jerzy Lec).
"Missionare fischen lieber Perlen als Menschen" (Jean Paul).
Fischfang als Sport betrieben bereits die römischen Kaiser Augustus und Marc Aurel. Die größten Feinde der Fischer sind Wassernixen, wie zahlreiche Sagen berichten.
Redensarten: fischen (z. B. einen Gegenstand aus dem Wasser holen), Fischzug, fishing for compliments, abfischen, jemanden auffischen. Phishing (Abfangen von Kundendaten beim Oneline-Banking). Geldschein Deutsches Reich 50 Mark.
Fischerring (Siegelring des Papstes), Fischerstechen (Volksbelustigung, z.B. in Bamberg). Menschenfischer (der Apostel Petrus, "Petri Fischzug"; davon auch "Petri Heil". "Wer Menschen fischen will, muss sein Herz an die Angel hängen" Don Bosco).
Sprichwörter: Es gibt Menschen, die Fische fangen und solche, die nur das Wasser trüben (aus China). Mancher fischt im Wasser nach dem Mond (China). Wer einem einen Fisch gibt, gibt ihm einmal zu essen; wer ihn fischen lehret, gibt ihm immer zu essen (Variante: "Wenn du einen Freund hast, schenke ihm einen Fisch. Aber wenn du ihn wirklich liebst, lehre ihn fischen" André Kostolany).



Fischer: Zungenbrecher: Fischers Fritz fischt frische Fische. Oder: Früh in der Frische fischen Fischer frische Fische in der Fischach.
Sprüche: Der Fischer sagt nur dann die Wahrheit, wenn er einen anderen Fischer einen Lügner nennt. "Die Welt ist wie ein Meer; ein jeder geht und fischt, / nur dass den Walfisch der, den Stockfisch er erwischt" (Friedrich von Logau). "Fischen: ein Wurm an einem Ende und ein Idiot am anderen" (Samuel Johnson). Wussten Sie übrigens schon, was Kannibalen am Freitag essen? Fische? Falsch: Fischer!
Vergleiche: "Man nehme sich vor allen Personen in acht, welche das bittere Gefühl des Fischers haben, der nach mühevollem Tagwerk am Abend mit leeren Netzen heimfährt!" (Friedrich Nietzsche).

"Fischerin, du kleine,
schiffe nicht alleine
in das große Meer."
(Wilhelm Müller).

Volkserotik:
"Fischerin, du kleine,
zeig' mir deine Beine,
zeig' mir, was dazwischen ist,
ob's ein schönes Schiffchen ist."

Schimpfworte: Ködern. Im Trüben fischen (undurchsichtige Geschäfte betreiben). Franz Grillparzer:
"Sie sehn die Flut den Schlamm vom Grund auf mischen,
Und jeder zittert selbst vor der Gefahr,
Sie alle möchten gern das Wasser klar,
Doch vorher noch im Trüben fischen."



Fischer: Fabeln: Äsop u. a. "Der Fischer" und "Der Affe und der Fischer". Jean de la Fontaine "Der kleine Fisch und der Fischer" und "Der Spötter und die Fische". Friedrich von Hagedorn "Der Fischer und der Schatz".
In der Literatur: "Der Fischer und der Dämon" (in "Märchen aus tausendundeiner Nacht"). Stefan Andres "Das Fest der Fischer" (1973). Ernest Hemingway "Der alte Mann und as Meer". Rudyard Kipling "Fischerjungs" (dt. 1930). Lukian "Der Fischer oder Die wieder auferstandenen Philosophen". Anna Seghers "Aufstand der Fischer von St. Barbara" (1928).



Fischer: Im Gedicht: Abraham a Sancta Clara "Antonius predigt den Fischen". Johannes Bobrowski "Nachtfischer". Clemens Brentano "Ein Fischer saß im Kahne ..." Annette von Droste-Hülshoff "Wasser. Der Mittag, der Fischer" und "Geistliches Jahr. Ev.: Vom Fischfang Petri". Heinz Erhardt "Der Fischer". Gustav Flake "Ein Gang durchs Fischerdörfchen". Theodor Fontane "Das Fischermädchen". Théophile Gautier "Lied des Fischers". Johann Wolfgang von Goethe "Der Fischer" (Ballade). Franz Grillparzer "Tristia ex Ponto. Der Fischer". Georg Philipp Harsdörffer "Der Fischer". Heinrich Heine "Du schönes Fischermädchen". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Beim Fischen". Karl Immermann "Fischers Traum". Theodor Körner "Das Fischermädchen oder Hass und Liebe" ("Lyrisches Drama"). Hans Leip "Atje geht mit auf Fischfang". Detlev von Liliencron "Der Fischzug". Li-tai-po "Der Fischer im Frühling" (u. a. übersetzt von Klabund). Henry Wadsworth Longfellow "The Song of Hiawatha. Hiawatha's Fishing". Hermann Löns "Sämtliche Werke". Christian Morgenstern "Fisch und Wind".



Fischer: Im Gedicht: Börries von Münchhausen "Die Fischer vom Svendaland" (Ballade).

"Harte, wetterfarbne Planken
und die Tür im Sommer offen.
Auf der Eschenschwelle steh ich,
von der Finsternis betroffen ..."
(Heinz Piontek "Fischerhütte")

August von Platen "Fischerknabe". Ezra Pound "Fisch und Schatten" (1954). Friedrich Rückert "Das Fischen in großen Wassern". Hans Sachs (in J. Amman "Ständebuch"). Friedrich Schiller u. a. "Lied des Fischerknaben" (in "Wilhelm Tell") und "Der Ring des Polykrates". Gustav Schwab "Des Fischers Haus". Theokrit "Die Fischer". Ludwig Tieck "Der Fischfang".
Im Märchen: Brüder Grimm "Die Goldkinder" und "Von dem Fischer und seiner Frau" (auch Film 2005). In der Sage: Brüder Grimm "Der Fisch auf der Tafel" und "Der Knabe im Fischteich".



Fischer: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Fischermädchen von Manholm" (1914). "Das Fischernetz" (1994). "Das verhexte Fischerdorf" (1962). "Der Aufstand der Fischer" (1931). "Der Aufstand der Fischer von St. Barbara" (1987/88). "Der Fischer der goldenen Insel" (1955). "Der Fischer und seine Frau – Warum Frauen nie genug bekommen" (2005). "Der Fischer vom Heiligensee" (1955). "Der Fischer von Galiläa" (1959 Bibelfilm). "Der Fischer von Louisiana" (1950). "Der Fischer vor Island". "Der Fischerkrieg" (1998). "Der Fischerkrieg am Bodensee" (1996). "Der Kampf der Fischer" (1997 TV-Serie "Küstenwache"). "Der König der Fischer" (1991). "Der Menschenfischer" (1973). "Die Fischerin vom Bodensee" (1956). "Die Liebe eines Fischers" (1981). "Eine Robbe zum Verlieben" (TV-Film 2006). "In den Schuhen des Fischers" (1968 mit Anthony Quinn, 1994 TV-Serie "Gegen den Wind"). "Krabbenfischer" (1994). "Manuel, der Fischer" (1937). "Mondscheinfischerin" (1914). "Raubfischer in Alaska" (1938). "Raubfischer in Hellas" (1959 mit Maria Schell). "Zeit der Fische" (TV-Film 2005).



Fischer: In der Malerei: u. a. Eugène Delacroix "Still-Leben mit Hummer und Trophäen der Jagd Fischfanges" (1826-1827). Thomas Gainsborough "Fischerfamilie am Strand". Vincent van Gogh "Fischerboote am Strand" (1888) und "Fischfang im Frühling". Frans Hals "Fischermädchen" (um 1633–1635). August Macke "Mädchen mit Fischglocke" (1914). Hans von Marées "Ausfahrt der Fischer" (1873). Frans Masereel "Fischer am Strand" (1929) und "Fischerboote am Strand". Claude Monet "Fischer auf der Seine bei Poissy" (1882). Pablo Picasso "Nächtlicher Fischfang in Antibes" (1939). Raffael "Fischzug Petri". Théodore Rousseau "Der kleine Fischer" (um 1848–1849). William Turner u. a. "Im Morgendunst aufgehende Sonne" (Fischer beim Reinigen und Verkauf des Fangs" (1807) und "Fischer auf dem Meer" (1796).
In der Musik: Benjamin Britten "Peter Grimes" (Oper). Im Lied: "Der klagende Fischer" (Johann Gottfried Herder). "His em op und Holmer Fischerlied". Schlager: u. a. "Die Fischerin vom Bodensee" (1951). "Gone fishing" (Bing Crosby). "Verliebte Fischer".



Fischer: S. auch Netz, Petrus (hl.), Ulrich (hl.)



Flachs: (auf dem Feld Lein). "Ach Gott, ach Gott, mein Flachs! Ich ließ daheim ihn ungehechelt" (Aristophanes "Lysistrata").
Sie hat gespart und hat gesonnen
Und Flachs gekauft und Nachts gewacht,
Den Flachs zu feinem Garn gesponnen
Das Garn dem Weber hingebracht.
(Adelbert von Chamisso "Die alte Waschfrau").
Hildegard von Bingen behandelte Verbrennungen mit Leinsamen. In Mecklenburg ging in früheren Zeiten die Bäuerin mit aufgehobenen Röcken über das Feld und rief: "Wenn der Flachs das Unterhemd sehen tut, dann wächst er gut." Auch Männer versuchten sich auf ähnliche Weise. Ihr Spruch lautete: "Flachs, wachs bis an den Sack!" Leinsamen galt als Potenzmittel. An bestimmten Tagen unters Kopfkissen gestreut lässt den zukünftigen Bräutigam im Traum erscheinen. Dazu sollte man folgendes Sprüchlein aufsagen:
"Ich säe Leinsamen
In Gottes Namen,
In Abrahams Garten
Will ich mein Liebchen erwarten."



Flachs: Redensarten: Flachsen (spotten, albern, Zoten reißen), Flachsseide. Tiernamen: Flachsblasenfuß (Fliege), Flachserdfloh, Flachsfink (Hänfling), Flachsknotenwickler. Pflanzenname: Flachslilie, Leinblatt.
Haar (flachsblond, Flachskopf).
"Du flachshaarets Dirndl,
I hab' di so gern,
I möcht' weg'n dein Flachshaar
A Spinnradl wern."

Sprichwörter: Im Mai blüht der gute wie der schlechte Flachs (Spanien).
Sprüche: "Gute Weiber gönnen einander alles, ausgenommen Kleider, Männer und Flachs" (Jean Paul).
Im Gedicht: Justinus Kerner "Lob des Flachses". Friedrich von Logau "Scherz vom Flachs-Nutze". Johann Heinrich Voß "Beim Flachsbrechen". Märchen: Hans Christian Andersen "Der Flachs".
In der Musik: Albert Lortzing "Caramo oder Das Fischerstechen" (Oper 1839).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der Flachsacker" (1943, 1983). "Flachskopf" (1960, 1980).
In der Malerei: u. a. Max Liebermann "Flachsscheuer" (1887).



Flachs: S. auch Hechel



Fledermaus: "Kopf hoch, nur die Feldermäuse lassen ihn hängen!"
Das einzige Säugetier, das fliegen kann. Ovid berichtet in den "Metamorphosen", dass die Töchter des Königs von Böotien zur Strafe in Fledermäuse verwandelt wurden, weil sie sich weigerten, an den Festlichkeiten zu Ehren Bacchus’ teilzunehmen. Sie wurde in der Bibel zu den Vögeln gezählt, aber auch als fliegende Maus angesehen, daher der Name. "Wesen zwischen Tag und Nacht", "Vorbote des Todes" und "Tier des Teufels". Eingeweide einer Fledermaus waren ein sicheres Mittel, um die Liebe eines Menschen zu gewinnen. Fledermausblut soll "paarungsunwillige Weiber geil machen", so wenigstens weiß Plinius zu berichten – aber auch die Empfängnis verhüten, wie das Schnaderhüpfl beweist:
"Neun Seidl Wein
Gib i mein Dirndl ein
Und a Fledermausblut,
Dass ihrs Mausn nix tut."

Fledermäuse gelten in Afrika und Asien als Delikatesse; sie wurden z. T. eingesalzen. In Posen brieten eifersüchtige Frauen Fledermäuse bei lebendem Leibe, weil sie glaubten, dass der "untreue Mann gleiche Schmerzen empfand" wie die gequälten Tiere. Im Mittelalter rieben Frauen ihr Haar mit Fledermausblut ein, weil sie Angst hatten, dass sich die Tiere in ihren Haaren verfangen könnten (diese Angst ist schon deswegen unbegründet, weil Fledermäuse Ultraschallwellen zu ihrer Orientierung benutzen).



Fledermaus: Mädchen in Mecklenburg beschwören das Tier mit folgenden Versen:
"Fledermaus, Fledermaus,
rauf' mir nicht die Haare aus,
Lass’ mir meine Zöpfe steh'n,
dass ich kann zum Tanze geh'n!"

Auch unerwünschten Haarwuchs konnte man mit Fledermausblut behandeln. Ihr Ausfliegen am Abend kündet schönes Wetter an. Nach einer alten Zigeunersage entstand die Feldermaus aus einem Kuss, den der Teufel einer schlafenden Frau gab. Vielleicht war es ganz anders: "Eine Fledermaus könnte als eine nach Ovids Art verwandelte Maus angesehen werden, die, von einer unzüchtigen Maus verfolgt, die Götter um Fliehflügel bittet, die ihr auch gewährt werden" (H. Haefs). Fledermäuse treiben es als wahre Akrobatikweltmeister mit dem Kopf nach unten. Sie verpassen ihrer Partnerin nach dem Verkehr eine Art Keuschheitsgürtel und befinden sich dabei in guter Gesellschaft mit Schlangen, Schmetterlingen und Eichhörnchen. Albertus Magnus empfahl im 13. Jahrhundert, sich das Gesicht mit Fledermausblut einzureiben, "wenn man auch in der Nacht besser sehen möchte". Vampirfledermäuse (einfache Vampire) saugen das Blut von Säugetieren. In Bram Stokers "Dracula" (1897) schlüpft die historische Gestalt des Fürsten Vlad Tepes, Mitglied des Drachenordens (daher der Name), in die Gestalt einer Vampirfledermaus und treibt ihr Unwesen seither in Film und Literatur (vgl. auch den Film "Tanz der Vampire" 1967). Batman (Fledermausmann). "Fledermaus" (Wiener Kabarett). Fledermaus (Münze), Fledermausfenster (Giebelfenster). Tiernamen: Fledermausfisch, Fledermausfliege. In Stillwater (Missouri) darf man Fledermäuse nicht als Haustiere halten.



Fledermaus: Sprichwörter:
"Fliegen, Flöhe und Fledermäuse,
Huren, Buben und Filzläuse,
Wo die nehmen überhand,
Verderben sie ein ganzes Land."



Fledermaus: Sprüche: Nur Fledermäuse lassen sich hängen. Vergleiche: "Der Argwohn ist unter den Gedanken, was die Fledermäuse unter den Vögeln sind: sie flattern stets im Dämmerlicht" (Francis Bacon).
Schimpfworte: Fledermaus (Beischlafdiebin), Fledermausohr (übergroßes Ohr; auch feines Gehör).
Fabeln: Äsop u. a. "Die Fledermaus, der Dornstrauch und der Tauchervogel" und "Die Fledermaus und das Wiesel". Jean de la Fontaine "Die Fledermaus, der Busch und die Ente" und "Die Fledermaus und die beiden Wiesel" (nach Äsop): Die Fledermaus wurde einmal von einem Wiesel bedroht, das gerne Vögel fraß. Da erklärte die Fledermaus, sie sei doch kein Vogel, sondern eine Maus. Als ein anderes Wiesel Appetit auf Mäuse verspürte, wollte die Fledermaus plötzlich wieder ein Vogel sein. Der Dichter zog einen Vergleich mit sog. "Wendehälsen", die je nach politischer Lage riefen "Es lebe der König" oder "Es lebe die Republik!" (Vgl. auch Friedrich von Hagedorn). Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Die Fledermaus".



Fledermaus: In der Literatur: "Wie wenn Fledermäuse im Winkel der göttlichen Höhle
aufschwirren, wenn ein Tier aus der Reihe des Schwarmes herabsinkt
von der Felswand, und flatternd nebeneinander sich halten,
derart entschwirrten im Haufen die Seelen" der Freier (Homer "Odyssee").
Friedrich von Hagedorn "Die Fledermaus und die zwo Wiesel".
In der Literatur: Günter Kunert "Die Schreie der Fledermäuse" (1979). Gustav Meyrink "Fledermäuse" (1916). Jonathan Swift "Gullivers Reisen" (Die Fledermaus).
Im Gedicht: S. auch Eule. Max Dauthendey "Fledermäuse". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Die Fledermaus". Victor Hugo "Die Feldermaus". David Herbert Lawrence "Bats". Joachim Ringelnatz "Kniehang" ("Ich wollte, ich wär’ eine Fledermaus …"). Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Friedrich Rückert "Die Fledermaus".



Fledermaus: Im Film/Filmtitel: u. a. "Ace Ventura – Jetzt wird’s wild" (1995). "Bat attack – Angriff der Fledermäuse" (2001). "Die Fledermaus" (1923, 1931, 1937, 1945, 1955, 1958, 1961, 1962, 1972, 1995). "Die Fledermäuse" (1921). "Eh’ die Fledermaus ihren Flug beendet" (1988). "Geschwader Fledermaus" (1958). "Skandal um die Fledermaus" (1936). "The Batman" (Serie u. a. "2004 Wie Katz und Fledermaus"). "Wenn die Fledermäuse schweigen" (1985).
In der Malerei: u. a. Francisco de Goya "Der Schlaf der Vernunft". Johann Strauß (Sohn) "Die Fledermaus" (Operette 1874).
Im Lied: "Die Fledermaus, die Fledermaus, / die zieht der Braut die Strümpfe aus" (aus der "Vogelhochzeit").



Fledermäuse: s. auch Fledermaus



Flederwisch: (Federwisch). Gänseflügel, der als Besen zum Abstauben und zum Verjagen von Fliegen verwendet wurde.
"Heraus mit Eurem Flederwisch! Nur zugestoßen! Ich pariere" (Goethe "Faust").
Schimpfworte: Unruhiger, unordentlicher, flatterhafter Mensch, meist weiblich. Schwäbisches Volkslied: "Lieber will i gar koi Schätzle, als en sotte Fledrawisch".



Flegel: Dreschgerät. Der heilige Isidor hat bei Madrid eine Quelle mit dem Dreschflegel aus dem Boden geschlagen.
Redensarten: Den Flegel an die Wand hängen (impotent sein.
Sprüche: Ausnahmen bestätigen die Flegel. Westfälischer Schwankspruch einer Bäuerin: "Wenn du den Flegel an die Wand hängst, mach' ich die Haustür auf, und dann dresche wer will").
Sprichwörter: Ein dummer Flegel drischt nur Mist (Lausitz). Zum Flegel gehört auch der Schlegel (auf eine Grobheit grob reagieren).



Flegel: Schimpfworte: Flegel (ungezogener Kerl; Flegelalter – Flegeljahre = Beginn der männlichen Pubertät. In die Flegeljahre kommen. Flegelei, flegelhaft, flegeln (sich nachlässig hinstellen/-legen). Vgl. auch Friedrich Rückert "Ein Flegel". "Da kommt ein Flegel ihm auf den Leib, / Frisst seine Äpfel, beschläft sein Weib" (Johann Wolfgang von Goethe. Jean Paul "Fibels ABC-Merkverse": "Der Frosch Coax schreit Tag und Nacht. / Der Flegel gar sehr müde macht". Buchtitel: Jean Paul "Flegeljahre" 1804f). Hermann Löns "Der eiserne Flegel".
Im Märchen: Brüder Grimm "Der Dreschflegel vom Himmel".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Flegelalter" (1964). "Ein charmanter Flegel" (1950). "Laurel und Hardy im Flegelalter" (1928/29). "So ein Flegel" (1934). "Zwei Dreschflegel schlagen alles kurz und klein" (1978).
S. auch Dreschen



Flieder: Holunder. Fünfblättrige Fliederblüten verheißen Glück und schützen vor Krankheit, wenn man sie isst. Fliederfarbig (zartlila), Tiernamen: Fliedermotte, Fliedertee (Holundertee).
Sprüche: "April ist der grausamste Monat, Flieder zeugend aus dem toten Land, Erinnerung und Begierde mischend" (T. S. Eliot).
Alter Zauberspruch:
"Flieder, ich hab' die Gicht,
Und du hast sie nicht.
Nimm sie mir.
Ich geb' sie dir."

In der Literatur s. auch Fink.
Im Gedicht: S. auch Tulpe. Luis Aragon "Der Flieder und die Rosen". Otto Julius Bierbaum "Flieder". Marie Luise Kaschnitz "Flieder". Karl Kraus "Flieder". Hermann Löns "Er hat nicht Medizin studiert, / hat nicht zum Doktor promoviert; / mit einer Flasche Fliedertee / kuriert er jedes Ach und Weh..." Börries von Münchhausen " Weißer Flieder". Georg von der Vring "Nochmals der Flieder" und "Weißer Flieder".
Im Märchen: Hans Christian Andersen "Fliedermütterchen".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Die Lok hinterm Fliederbaum" (1990). "Fink und Fliederbusch" (1969). "Weißer Flieder" (1939/40). "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (1929, 1953).



Flieder: In der Musik: Paul Hindemith "Als Flieder jüngst mir im Garten blüht’" (Chorwerk 1946). Im Lied: "Draußen in Sievering blüht schon der Flieder" (Johann Strauß). Schlager "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (1928).
In der Malerei: Marc Chagall "Die Liebenden im Flieder" (1931). Lovis Corinth "Flieder und Tulpen" (1922). Edouard Manet "Flieder in einer Vase mit drei Füßen" und "Still-Leben (Flieder und Rosen)" (1883). Claude Monet "Flieder, graues Wetter oder Entspannung unter dem Flieder" (1872/73) und "Flieder in der Sonne" (1873). Max Slevogt "Blühender Flieder" (ca. 1921).



Flieder: s. auch Holunder



Fliege: (Mücke). Die drei Tiere, die das meiste für ihr Äußeres tun, sind Katzen, Fliegen und Frauen. Enthaltsamkeit der Männchen verlängert deren Leben. Es gibt an die 90000 Arten. Fliegen starten rückwärts, schlagen problemlos Salti und landen anschließend mit den Beinen voraus an der Zimmerdecke. Die Stubenfliege ist laut Ambrose Bierce die "Königin" des Tierreichs. Laut Karl von Linné können Fliegen den Kadaver eines Pferdes genauso schnell verzehren wie ein Löwe. Diese Eigenschaft wird von der modernen Medizin zur Wundsäuberung eingesetzt (Maden fressen nur totes Gewebe und schonen das gesunde). Diese Wundbehandlung war bereits in den Napoleonischen Kriegen und im amerikanischen Bürgerkrieg bekannt. Eine Stubenfliege kann in einem Jahr fast 6 Milliarden Nachkommen auf die Welt bringen. Wenn sie nicht rechtzeitig sterben würden, könnte man damit ganz Deutschland mit einer 15 Meter dicken Schicht bedecken. Die älteste Abbildung einer künstlichen Fliege stammt aus dem Jahr 1652 (Fliegenfischen im Film: "Aus der Mitte entspringt ein Fluss").



Fliege: (Mücke) Baal ist als Beelzebub "der Gott der Fliegen, die durch Sonnenstrahlen auf stehendem Wasser gezeugt werden"(vgl. auch Kurt Tucholsky "Der Fliegengott"). Im Altertum galten sie "als unverschämt, zudringlich und gierig naschhaft", "Fliegen im Kopf" war eine Umschreibung für Wahnsinn. Der römische Dichter Vergil hingegen ließ in seinem Garten ein prachtvolles Mausoleum bauen: zu Ehren der gemeinen Stubenfliege. Damit trickste er die Steuerbehörde aus, denn Grabstätten waren von der Grundsteuer befreit. Der hl. Bernhard vertrieb dämonische Fliegen, die ihn auf der Kanzel angegriffen hatten, mit einem Bannfluch. Mahatma Gandhi empfahl, die Bettwäsche mit dem Aromaöl "Citronella" einzureiben. Wer gähnt, dem kann der Teufel in Fliegengestalt "ins Maul fahren". Das kann man verhindern, indem man ein Kreuz schlägt. Neben Starkbier war den Mönchen in der Fastenzeit auch Schnaps erlaubt; als Grund wurde angegeben, das hochprozentige Getränk vertreibe Fliegen. In dem norditalienischen Ort San Nazzaro Sesia gibt es einen Mückenfangwettbewerb. Die erlegten Plagegeister werden in Mückensärgen deponiert. Insekt des Jahres war die Schwebfliege.



Fliege: (Mücke) Die dressierte Fliege des heiligen Koloman. Zum bescheidenen Haushalt des Heiligen gehörte neben einem Hahn auch eine Fliege. Sie hatte eine anspruchsvolle Aufgabe zugeteilt bekommen. Sobald der Gottesmann bei der Lektüre frommer Bücher gestört wurde, hieß er die Fliege sich exakt auf dem Wort niederzulassen, bei dem er das Lesen unterbrochen hatte. Sobald er die Lektüre wieder aufnahm, durfte die Fliege wieder ihre gewohnten Runden im Zimmer drehen.



Fliege: (Mücke) Fliegenmarmelade als Delikatesse:
Die Eskimos lieben Fliegenmarmelade, die sie jedoch nicht aufs Brot schmieren, sondern als Beilage zum Robbenfilet verzehren. Goethe beschrieb die Meisterschaft, mit der sein Vater die Fliegenklatsche handhabte. "Fliegenköpfe, frisch auf die kahle Stelle gebracht, sind ein gängiges Mittel" gegen Kahlköpfigkeit, stellte Plinius der Ältere fest. Auch Bienen wurden zu entsprechenden Präparaten verarbeitet. Auch der Kräuterkenner Lonicerus empfahl 1679 Fliegen als Mittel gegen Haarausfall, "gebrannt und mit Honig auf die kahlen Stätten gelegt".
Spanische Fliege



Fliege: (Mücke) Casanova schwor auf die "Spanische Fliege", einen giftigen Ölkäfer. Der Marquise de Sade wurde 1772 angeklagt, mehrere Prostituierte vergiftet zu haben, denen er die Spanische Fliege als Stimulans der sexuellen Lust verabreichte. "Alle, die davon gegessen hatten, wurden von schamloser Leidenschaft und Lust gepackt ... Selbst die züchtigsten Frauen wussten sich nicht mehr zu beherrschen", berichtet ein Zeitgenosse (vgl. auch den Film "Spanische Fliege – Den Machos auf der Spur" 1998 und "Dr. Dracula und die spanische Fliege" in der TV-Serie "Harrys Nest"). Schon Plinius berichtete, dass man sich nur unter einem Baum, der von diesen Käfern bevölkert war, legen musste, und schon wurde man entsprechend stimuliert.

"Die Fliege, die uns spanisch kommt,
Zu ganz verschiednen Zwecken frommt.
Als Pflasterkäfer bringt sie Heil,
Als Liebesmittel macht sie geil"
(Eugen Roth).



Fliege: (Mücke)Unter den vielen Mitteln, sich der lästigen Unruhestifter zu erwehren, nennt ein altes Lexikon Milch mit Pfeffer abgekocht, Tabakslauge und Vogelleim.
Fliege (Schlips/Krawatte in Querschleifenform; Sternbild, Angelköder), Fliegendraht (feiner Draht), Fliegendreck (Kleinigkeit. "Die Urform der Interpunktion" Ambrose Bierce. Sich um jeden Fliegendreck kümmern), Fliegengewicht (untere Gewichtsklasse im Kampfsport), Fliegengitter/Fliegenfenster ("Eine Vorrichtung an Fenstern, die Fliegen daran hindert, das Zimmer zu verlassen" E. G. Tange. Durchscheinend wie ein Fliegengitter), Fliegenkopf (Buchdruck: auf dem Kopf stehender Buchstabe), Fliegenlarvenkrankheit, Fliegenpatsche (Redensarten: Jemandem aus der Patsche helfen; Patsche, Patschhändchen, patschnass). Fliegenschimmel, Fliegenstein (Arsen). Mouches volantes (französisch, das "Mückensehen" bei Glaskörpertrübung). "Orden der Fliege" (altägyptische Tapferkeitsauszeichnung). Eichborn-Signet: "Der Verlag mit der Fliege". Toilettenfliege (soll die Trefferquote der Männer an der Urinalen erhöhen. Nach der Fußballweltmeisterschaft durch Mini-Plastiktore ersetzt).
Tiernamen: Fliegenschnäpper (Singvogel). Pflanzennamen: Fliegenblume, Fliegenragwurz, Venusfliegenfalle.



Fliege: (Mücke) Redensarten:
Am Fliegenfänger hängen (sich in aussichtsloser Lage befinden). Angeben wie eine Tüte Mücken. Aus einer Mücke einen Elefanten machen (u. a. bei Lukian. Der Elefant ist das größte Tier, das sich aus einer Mücke machen lässt; das ist das tägliche Brot eines Werbeleiters. "Wer in einem Porzellanladen ist, sollte aus einer Mücke keinen Elefanten machen" Gerhard Uhlenbruck. "Normalerweise heißt es doch immer, dass eine kleine Mücke gegen einen großen Elefanten gar nichts ausrichten kann. Aber wenn er die Mücke im Auge hat, muss auch ein Elefant weinen" G. Drews).

"Die Presse, die oft voller Tücken,
Macht gern Elefanten aus Mücken.
Noch lieber verfährt
Sie umgekehrt,
Gilts Wahrheit zu unterdrücken."
(Eugen Roth "Zeitung")



Fliege: (Mücke) Die Mücken zur Ader lassen (damit wird Überklugheit verspottet). Er kann keiner Fliege etwas zuleide tun (bereits bei Seneca). Es ist so heiß, dass die Mücken durch die Socken stechen. Etwas ist so überflüssig wie Fliegen in der Suppe. Fliegenbeine zählen (für kleinlich sein). Hände wie Fliegenfänger haben (bestechlich sein). Ihn ärgert die Fliege an der Wand (er ist sehr reizbar). Mach die Fliege (Aufforderung zum raschen Verschwinden)! Sich über jeden Fliegenschiss ärgern. Sieben auf einen Streich. Wie Fliegen (massenweise. Wie die Fliegen sterben). Zwei Fliegen mit einer Klappe/mit einem Streich schlagen (durch eine einzige Handlung zwei Ziele erreichen. "In einem Waldtal zwei Eber fangen" Plautus "Casina"). Sonderform: Mücke. Aufmucken (aufbegehren). Keinen Mucks machen. Mucken haben (Launen; vielleicht weil man früher dachte, eine Fliege im Hirn wäre die Ursache von Geistesstörungen. Muckenfang = Psychoanalyse). Jemandem die Mucken austreiben. Jemandem Mückenfett besorgen lassen (in den April schicken). Mückenschiss (unbedeutende Angelegenheit, Sommersprossen).



Fliege: (Mücke) Sprichwörter: "Beinahe" bringt keine Mücke um. Die Eile taugt nur, um Fliegen zu fangen (Portugal). Die Fliegen kennen den Bart des Sirupverkäufers (arabisch). Eine Mücke im Auge kann einen Elefanten zum Weinen bringen. In der Not frisst (fickt) der Teufel Fliegen (und fängt sie wohl noch selber). Mit Geduld und Spucke / fängt (vertreibt) man eine Mucke. So viele Fliegen in der Bauernstube überwintern, so viele Taler werden gespart. Sogar eine Fliege wirft einen Schatten (Spanien). Wenn die Elefanten sich aneinanderreiben, ist es um die Mücken geschehen. Wer krank ist, den ärgert die Fliege an der Wand. Wer den Versprechungen der Menschen glaubt, dem bleibt eine Handvoll Fliegen (Italien). Wer sein Maul hält, der schluckt auch keine Fliegen (Spanien). Wer Sommer haben will, muss die Mücken ertragen (sorbisch).



Fliege: (Mücke). Sprüche:
"Fortuna lächelt, doch sie mag
nur ungern voll beglücken.
Schenkt sie uns einen Sommertag,
so schenkt sie uns auch Mücken."
(Wilhelm Busch)

"Alle Themen sind für mich gleichermaßen fruchtbar; mir reicht als Gegenstand eine Fliege (Michel de Montaigne). "Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die Klappe selbst" (Georg Christoph Lichtenberg). "Die leise Fliege den oft stört, / Der kaum den lauten Flieger hört" (Eugen Roth). Eine Fliege sollte nie kommentieren, wenn die Elefanten tanzen. "Es gibt Leute, die keiner Fliege etwas zuleide tun, weil sie nicht imstande sind, eine zu fangen" (Helmut Qualtinger). "Fliegen können sich nicht irren, / schon gar nicht, wenn sie dich umschwirren" (Dietmar Bittrich). Fliegen soll man nichts zu Leide tun, denn wenn man eine tötet, kommen hundert zur Beerdigung. "In jeder Mücke, die dich sticht, ertappst du Gott auf frischer Tat" (Lappland). Leute esst Scheiße, Millionen Fliegen können sich nicht irren. "Lieber eine Fliege im Porzellanladen als einen Elefanten in der Suppe" ("Sprüchekalender"). "Fliegen und Menschen haben eines gemeinsam: man kann beide mit der Zeitung erschlagen" (Dieter Hildebrandt).



Fliege: (Mücke). Sprüche: "Man kann nicht immer nur auf Fliegen Jagd machen" (Heinz Piontek). "Schon wer nur ein kleines Lichtlein in der Dunkelheit anzündet, lockt die Mücken an" (Franz von Sales). "Solange man mit dem Fernsehapparat keine Fliege totschlagen kann, solange kann er die Zeitung nicht ersetzen" (Manfred Rommel). "Tausend Fliegen hatt’ ich am Abend erschlagen, / Doch weckte mich eine beim frühsten Tagen" (Johann Wolfgang von Goethe "Sprichwörtlich"). "Warum wurde der Mensch erst am letzten Tag erschaffen? Damit er, wenn er zu eitel wird, ermahnt werden kann: "Die Mücke ist älter als du" (Talmud). "Was Fliegen lockt, das lockt auch Freunde her" (Christoph Martin Wieland). "Was ist der Mensch am Badestrand? Eine Zielscheibe für die Artillerie der Sonne und eine Tankstelle für die Mücken" (Vittorio de Sica). "Weißt Du nicht, wie der Mücke Dir unterm Fuße zu Mut sei? Eben wie Dir, wenn Dich ein Elefant zertritt" Johann Gottfried Herder (aus dem Orient). "Wer sagt, man solle sich nicht wegen jeder Kleinigkeit aufregen, die nicht größer als ne Mücke wäre, hat noch nie ne Mücke im Schlafzimmer gehabt" (G. Drews). Nonsensspruch: "Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach". Kollegenschelte: Wenn der eine Fliege verschluckt, hat er im Magen mehr Hirn als im Kopf.



Fliege: (Mücke) Vergleiche: "Das Schachspiel ist ein See, in welchem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann" (aus Indien). "Der von Schaffensfreude spricht, hat höchstens Mücken geboren" (Marie von Ebner-Eschenbach). "Ich denke Gott mir, sprach die Mücke, viel tausendmal so groß wie mich" (Joseph Viktor von Scheffel). Optimist: "Ein Mensch, der glaubt, dass die Fliege, die nachts in seinem Zimmer summt, nur einen Weg nach draußen sucht" (George Jean Nathan). "Regierungswechsel: Die Scheiße ist dieselbe geblieben, nur die Fliegen haben gewechselt" (anonym). "Fortuna ist eine Fliege, die auf den Leim der Leistung kriecht" (Hans Kasper). "So wie viele Schwärme von dicht gedrängten Fliegen, die auf einem Viehhof umherschwirren zur Frühlingszeit, wenn von Milch die Gefäße triefen: ebenso viele Achaier standen gegen die Troer im Feld" (Homer "Ilias"). "Was Fliegen sind / den müßigen Knaben, das sind wir den Göttern. /Sie töten uns zum Spaß" (Shakespeare "König Lear").
Eines der berühmtesten lateinischen Palindrome (Sätze, die vorwärts und rückwärts gelesen gleich lauten) handelt von den Fliegen: "In girum imus nocte et consumimur igni" (auf Deutsch: Wir fliegen nachts ins Licht und werden vom Feuer verzehrt).



Fliege: (Mücke) Schimpfworte: Eintagsfliege (Person mit kurzzeitigem Erfolg. "Die Eintagsfliege, die den Anbruch des zweiten Tages erlebte, glaubte sich unsterblich" Nikolaus Cybinski. Sie kann ihr ganzes Leben lang Geburtstag feiern). "Hüte dich vor Eintagsfliegen! Ihre Zeit ist begrenzt" Stanislaw Jerzy Lec. Die Eintagsfliege ist ein "Tier, von dem man lernen kann, was sich in 24 Stunden alles machen lässt" E. G. Tange. "Es sind die Schwärme von Eintagsfliegen, die den Pophimmel verdunkeln" (Lothar Peppel). "’Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben’, sagte die Eintagsfliege, als es dunkelte" (Markus M. Ronner). Eintagsfliegen, die bei schlechtem Wetter geboren werden, wissen überhaupt nicht wie schön die Welt sein kann. "Eintagsfliegen leben länger" Ephraim Kishon. Keineswegs: Der Name täuscht, in Wirklichkeit leben sie nicht einen ganzen Tag).



Fliege: (Mücke) Schimpfworte: Fliegenschiss (Kleinigkeit), matte/müde Klosettfliege (einer Aufgabe nicht gewachsen), taube Mücke, philologische Fliegenbeinzählerei, Fliegenfänger (Nichtstuer, Fußballtorwart, der mit seinen Händen ins Leere greift. "Das der Fahrtrichtung zugewandte Gebiss des Motorrad- oder Kabrioletanwenders" K. de Rottwinkel), Fliegengewicht (kleiner Mensch, der leicht umfällt), Fliegenhirn, Geschmeiß, Kotfliege (Homosexueller), lackierte Fliegenbeine (getuschte Wimpern), Schmeißfliege (Franz Josef Strauß über deutsche Schriftsteller 1978: "Mit Ratten und Schmeißfliegen führt man keine Prozesse"). Schmeißfliege/Steißfliege (Homosexueller, Prostituierte), Stubenfliege (Prostituierte, die in ihrer eigenen Wohnung "arbeitet").



Fliege: (Mücke). Kindermund:
"Du kleine Fliege!
Wenn ich dich kriege
Dann reiß' ich dir die Beine aus.
Dann kommst du in das Krankenhaus."

Es war einmal ein Mann,
Der hieß Pupann.
Pupann hieß er,
Einen großen Pup ließ er ..."

Der "Pup" verwandelte sich schließlich in ein Kind:
"Das Kind legt er in die Wiege.
Da ward's zur Fliege.
D Die Fliege flog zum Fenster raus
Und damit ist die Geschichte aus."



Fliege: (Mücke): Fabeln: S. auch Ameise, Fuchs, Kutsche, Wiedehopf. Äsop u. a. "Die Fliegen" und "Die Mücke und der Stier": Eine Mücke setzte sich auf ein Horn des Stieres und ruhte dort einige Zeit. Als sie nun fortfliegen wollte, fragte sie den Stier, ob es ihm recht sei, dass sie sich entferne. Doch der Stier brummte nur: "Ich, ich habe nicht bemerkt, dass du kamst, und werde auch nicht merken, wenn du fortgehst." Jean de la Fontaine "Der Löwe und die Mücke" (vgl. auch Friedrich von Hagedorn). Christian Fürchtegott Gellert u. a. "Der Tod der Fliege und der Mücke" und "Der Knabe und die Mücken". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Das Mückchen und der Weise". Gotthold Ephraim Lessing "Der Löwe und die Mücke". Phaedrus "Die Fliege und das Maultier" und "Der Kahlkopf und die Fliege".

"Was macht ein kleines Mückentier
Doch für verfluchte Tücken mir!
Ich spüre Mück- um Mückenstich,
Sie stechen noch zu Stücken mich.
(Benno Papentrigk)



Fliege: (Mücke) Literatur: Elias Canetti "Die Fliegenpein" (dt. 1992). William Golding "Lord of the flies" (deutsch "Herr der Fliegen", 1954, Nobelpreis 1983). Knut Hamsun "Eine ganz gewöhnliche Fliege mittlerer Größe" und Walter Foitzick "Die Nachmittagsfliege" (in Helmut Leonhardt). Manfred Hausmann "Isabel rettet eine Fliege". Lukian "Lobrede auf die Fliege" ("In ihren Liebeshändeln und Vermählungen genießen sie eine große Freiheit"). Selbst im Flug lassen sie sich in "diesem angenehmen Geschäfte" nicht unterbrechen). Martin Luther "Fliegen sind ein Bild des Teufels und der Ketzer" ("Tischreden"). Katherine Mansfield "Die Fliege". Martial "Epigramme" (u. a. "Der Fliegenwedel vom Rindsschweif" und "Der Fliegenwedel aus Pfauenfedern": "Er, der dein Frühmahl schützt vor den naschenden garstigen Fliegen ...") Robert Musil "Fliegenpapier". Alfred de Musset "Die Fliege". Luigi Pirandello "La mosca". Friedrich Rückert "Die Eintagsfliege am Johannistag". Moritz Gottlieb Saphir "Der Deklamator und die Fliege". Jean-Paul Sartre "Die Fliegen" (1943). Mark Twain "Die Stubenfliege" (in Martin Beheim-Schwarzbach). Franz E. Brückmann "Die neu erfundene curieuse Fliegen-Falle. Zu gänzlicher Ausrottung der unverschämten Fliegen". 1735. Werner Ehrenforth "Die unsterbliche Eintagsfliege".



Fliege: (Mücke) Im Gedicht: S. auch Schwalbe, Spinne, Wanze. Charles Baudelaire "Ein Aas". Samuel Beckett "Die Fliege". William Blake "Die Fliege". Gottfried August Bürger "Stutzertändelei". Wilhelm Busch "Die Mücken" und "Die Fliege":
"Dem Herrn Inspektor tut's so gut,
Wenn er nach Tisch ein wenig ruht.
Da kommt die Fliege mit Gebrumm
Und surrt ihm vor dem Ohr herum ..."

Felix Dahn "Mit einem Stück Bernstein" ("Eine schöne goldne Mücke ..."). Hans Magnus Enzensberger "Zur Frage der Reinkarnation". Heinz Erhardt u.. a. "Die Fliege" und "Heimliche Liebe". Christian Fürchtegott Gellert "Früher Verdacht". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Die Fliege". Johann Wolfgang von Goethe u. a. "Fliegentod" und "Die Musageten".

Günther Grass "Eintagsfliegen" (2012). "Die Mückenplage":
"In unserem Bezirk wird es von Jahr zu Jahr schlimmer.
Oft laden wir Besuch, um den Schwarm etwas zu teilen.
Doch die Leute gehen bald wieder, -
nachdem sie den Käse gelobt haben ..."



Fliege: (Mücke) Im Gedicht: Franz Grillparzer "An eine matte Herbstfliege". Heinrich Heine "Babylonische Sorgen" und "Die Launen der Verliebten". Hermann Hesse "Mückenschwarm". Paul Heyse "Die Fliege".. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben u. a. "Sterbelied einer Fliege" und "Der Fliegenfänger". Christian Hofmann von Hofmannswaldau ""Poetische Grabschriften: Einer Fliegen":
"In einer Butter-Milch verlor ich Geist und Leben.
Ein zarter Weiber-Bauch hat mir das Grab gegeben.
Sei nicht Domitian, vergönne mir die Ruh
und schleuß in dieser Gruft die förder Türe zu."

Arno Holz "Nächtlicher Besuch". Karl Immermann "Tulifäntchen Fliegentöter". Ernst Jandl "die morgenfeier, 8. sept. 1977" und "im bett, beim erwachen". Gottfried Keller "Die kleine Passion". Karl Kraus "Wie man's macht, ist's nicht recht". Edward Lear "The Daddy Long-Legs and the Fly". Friedrich von Logau "Fliegen" und "Von einer Fliege". Christian Morgenstern "An eine Fliege" und "Auf dem Fliegenplaneten" (in "Palma Kunkel"):
"Auf dem Fliegenplaneten,
da geht es dem Menschen nicht gut:
Denn was er hier der Fliege,
die Fliege dort ihm tut ..."



Fliege: (Mücke) Im Gedicht: Heinz Piontek "Langbeinige Fliege" (nach William Butler Yeats). Joachim Ringelnatz u. a. "Ein ganzes Leben" ("'Weißt du noch', so frug die Eintagsfliege ..."), "Die Fliege im Flugzeug" und "Die Leipziger Fliege":
"Ob wohl die Fliegen Eier in uns legen,
Wenn sie so lange auf uns sitzen bleiben,
Und wir sie, weil wir schlafen, nicht vertreiben? ..."

Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München", "Forscherdrang" und "Die Stubenfliege":
"Ein Mensch von einem wilden Brummer
Gekitzelt aus dem Mittagsschlummer
Kriegt auf das Mistvieh eine Wut ..."



Fliege: (Mücke) Im Gedicht: Friedrich Rückert "Die Eintagsfliege am Johananistag" und "Kleines Denkmal einer kleinen Fliege". Joseph Viktor von Scheffel "Der Mönch von Banth. Bericht von den Mücken" (in "Frau Aventiure"). Johannes Schlaf "Die blaue Fliege". Heinrich Seidel "Winterfliegen". Christian Felix Weise "Die Mücke".
Limerick:
"Es war ein Mann aus Toulouse,
Der haute sechs Fliegen zu Mus.
Die siebte blieb leben,
Da schlug er daneben,
Dann sagte zur Frau er: Tu du's."

"Einst ließ der Pfarrer von Düren
sich von einer Fliege entführen.
‚Das ist ja famos!
Jetzt sind wir ihn los’,
rief die Gemeinde von Düren."
(Hans Magnus Enzensberger: "Edward Lears Kompletter Nonsens")

In der Sage: Brüder Grimm "Die Fliege vor dem Fenster".



Fliege: (Mücke) Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Herr der Fliegen" (1963/1989). "Der Preis des Verbrechens – Herr der Fliegen" (TV-Film 1998). "Der Tod der Fliege" (1976). "Die Fliege" (Filmentwurf von Bertolt Brecht). "Die Fliege" (1958, 1985/86, 1998). "Die Fliege 2 – Die Geburt einer neuen Generation" (1988). "Die Fliegen" (1966). "Die goldene Fliege" (1913). "Die Rückkehr der Fliege" (1959). "Die spanische Fliege" (1931, 1955). "Eine Fliegenjagd oder die Rache der Frau Schultze" (1905). "Fliegenfänger" (1997). "Fliegenpapier" (1995). "Jagd auf Fliegen" (1969). "Vier Fliegen auf grünem Samt" (1972). "Zwei Fliegen mit einem Schuss" (1996 TV-Serie "Ein Fall für zwei").
Im Lied: "Zudringlicher Liebhaber" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). Aus der alternativen Vogelhochzeit: "Die Mücke, die Mücke, / Die scheißt dem Pfarrer ins Genicke." Schlager: "Elefant und Mücke".



Fliege: S. auch Bauernregel, Margarete (hl.), Stechmücke



Fliegen: s. auch Fliege



Fliegenpilz: So stellt sich der "kleine Moritz" einen Pilz vor; der "Pilzstar in den Kinderbüchern". Der Prototyp des Glückspilzes, zeitweise als Christbaumschmuck verwendet. Der Name rührt daher, weil mit dem Pilz früher Fliegen getötet wurden; das wusste schon Albertus Magnus im 13. Jahrhundert. Fliegenpilze wurden früher zur "Verfeinerung" des Biers eingesetzt. Vermutlich das älteste Rauschmittel der Menschheit. Russen schätzten in Wodka eingelegte Fliegenpilze ("das materiell gewordene göttliche Fleisch, das den Konsumenten mit der spirituellen Welt verschmelzen lässt"). Auch in Japan gilt er als Spezialität. Hieronymus Bosch soll seine Bilder unter dem Einfluss des Konsums von Fliegenpilzen gemalt haben. Potenzmittel. "Fliegenpilz" (rote Mütze der Bahnbediensteten). "Fliegenpilzeier" (früher Bestandteil eines kalten Büffets). "Wenn er essbar wäre, hätten wir hin" (Kaufhauswerbespruch).
In der Literatur: Günter Grass "Der Butt". Gustav Meyrink "Bal macabre" (1913). Dorothy L. Sayers "Die Akte Harrison". H. G. Wells "Der purpurrote Pilzhut".
Im Gedicht:
"... Ich merk's, der Wald ist verhext.
Wer vom Fliegenpilz isst,
Der wird verrückt, der tanzt,
Singt, fliegt und vergisst."
(Friedrich Georg Jünger "Fliegenpilze")

Lied: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: "Ein Männlein steht im Walde, / ganz still und stumm …" Vgl. auch Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel". Dieses "Rätsel" soll sich auch auf die Hagebutte beziehen.



Floh: Sein Name leitet sich von "fliehen" ab. Flöhe gibt es seit etwa 35 Millionen Jahren und in etwa 1.900 Arten. Der größte misst ca. 7,6 mm. Gerühmt wird seine enorme Sprungkraft; verglichen mit ihr müsste ein Mensch 250 Meter hoch springen. Er kann dabei auf das 135fache der Erdbeschleunigung kommen. Der beste Hüpfer ist mit 34 cm der "Katzenfloh"; diese Weite schafft er mit einem einzigen Sprung. Das ist das 130fache seiner Körpergröße. Flöhe suchen überwiegend Frauen heim. Die Flohsuche war in früheren Zeiten ein beliebter Einleitungsritus für Liebeskontakte. Der Volksglaube meint, dass Mondlicht die Flöhe anzieht; es ist daher zweckmäßig, bei Mondschein nach ihnen zu suchen. In einem Schwank aus dem 16. Jahrhundert preist ein Prediger die Vorzüge von Flöhen und Läusen: Sie seien "von Gott geschaffen, dass sie die Weiber plagten, dass sie ihres unnützen Geschwätzes und bösen Gedanken vergessen, ...und sonderlich, dass sie die faulen Mägde in der Predigt aufwecketen und dieselbigen erinnerten und vermahneten ..." Man kann sie mit Kümmel vertreiben. Spruch: Kratz dich nicht, lass ihn sitzen, ich zahl dir, was er frisst!



Floh: Das deutsche Reichspatent Nr. 55 538 beschreibt einen Apparat zum Flöhefangen. Hilft es nichts, kann man den Floh aus den Betten "sehr leicht vertreiben, wenn man statt der Strohsäcke, worin er sich sehr gern aufhält, Matratzen von trockenem Waldmoos gebraucht, von welchen er ein abgesagter Feind ist". Hundehütten bestreue man mit frischem Schnupftabak (Brockhaus 1837). Japan warf im II. Weltkrieg pestverseuchte Flöhe über China ab.



Floh: Redensarten:
"Ach Floh, ach wär’ ich doch wie du,
Ich hüpfte meinem Mädchen zu."

Abflöhen (abbetteln, abnehmen, abschwatzen, auch betrügen, stehlen), durchflöhen/flöhen (durchsuchen). Angeben wie ein Sack Flöhe. Angenehmes Flohbeißen! (Gute-Nacht-Gruß). Die Flöhe husten/niesen hören (besonders gut informiert sein). Das ist schlimmer als einen Sack Flöhe hüten (undurchführbare Aufgabe. Um 1500 sagte ein Abt, er wolle "lieber eine Wanne Flöhe als die liederlichen Nonnen des Klosters Frauenthal hüten"). Einen Floh im Ohr haben (verrückt sein). Er hat Schulden wie ein Sack voll Flöhe. Er steckt voller Streiche wie ein alter Weiberpelz voll Flöhe. Etwas abschütteln wie der Hund die Flöhe. Jemandem einen Floh ins Ohr setzen (unerfüllbare Wünsche wecken. Schon bei Terenz; "Wem ein Floh ins Ohr gesetzt wird, der muss stochern" Wilhelm Busch).



Floh: Chaussee-Floh/Straßenfloh (Kleinauto), Flöhe (Geld), "Floh de Cologne" (Kölner Kabarett, Polit-Rock-Band), Flohkino (kleines unhygienisches Lichtspielhaus), Flohkiste (Bett), Flohleiter (Laufmasche), Flohmarkt/Flohmarktpreise ("Programme sind kein Flohmarkt, auf dem jeder nur sucht, was ihm gefällt" Norbert Blüm. Wer sich in früheren Zeiten auf dem Altkleidermarkt bediente, konnte mit der Kleidung gleich auch neue "Haustiere" mit heim nehmen), Flohwalzer (leichtes Klavierstück), Flohzirkus (sie durften dort z.B. winzige Wägelchen ziehen. "Wenn man einen Flohzirkus besucht, hat man die Chance, die Artisten mit nach Hause zu nehmen" Georg Thomalla; auch Kindergartengruppe. Flohzirkus des kleinen Mannes: Männerbart), Wasserfloh (gute Schwimmerin). Ukulele ("hüpfender Floh", Hawaigitarre).
Tiernamen: Flohkäfer (Erdfloh), Flohkrebs. Pflanzennamen: Flohgras, Flohknöterich, Flohkraut.



Floh: Sprichwörter: Auch der Kaiser kann sich der Flöhe nicht erwehren. Auch der Tiger ärgert sich über einen Floh in seinem Fell (China). Die Flöhe sind lieber bei den Weibern, denn so sie gefressen haben, können sie auch im Bächlein baden. Ehrgeiz und Flöhe springen gern in die Höhe. Ein Floh kann einem Löwen mehr zu schaffen machen als ein Löwe einem Floh (Kenia, auch Fliege). Ein morgens geborener Floh ist mittags schon Großmutter (Frankreich). Es ist leichter, einen Sack voll Flöhe zu hüten als junge Mädchen. Mit dem Hund musst du auch seine Flöhe lieben (Afrika). Nur von dem Bett, in dem du gelegen hast, kennst du die Flöhe (Suaheli). Wenn der Floh steigt übers Knie, so wird ihm gleich, er weiß nicht wie. Wer sich mit Hunden schlafen legt, wacht mit Flöhen wieder auf (Frankreich).



Floh: Sprüche: "Auch Flöhe und Wanzen / sind ein Teil vom Ganzen" (Johann Wolfgang von Goethe). "Die Philosophie hilft wohl gegen die Todesangst aber nicht gegen Flohstiche" (Arthur Schnitzler). Ein Floh kann einem Löwen mehr zu schaffen machen als ein Löwe einem Floh. "Eine vernünftige Anzahl von Flöhen ist gut für einen Hund; sie hält ihn davon ab, darüber nachzudenken, dass er ein Hund ist" (Brooke Foss Westcott). "Es ist keiner unter uns, der nicht vom Kriegführen bis zum Hundeflöhen alles besser verstände als sämtliche gelernten Fachmänner" (Otto von Bismarck). Floh: Nutztier, das uns Arbeit abnimmt, indem es den Polizeihund beißt. "Im Land Italien lebt man froh, / Hoch hüpft das Herz und hoch der Floh" (Wilhelm Busch). Leb' so glücklich, leb' so froh / wie der Floh in Mexiko! "Schnelligkeit ist notwenig, um Flöhe zu fangen, aber nicht, um Bücher zu schreiben" (Michail Scholochow).
Vergleiche: "Gedanken hüpfen wie Flöhe von einem Menschen auf den anderen. Aber sie beißen nicht alle" (Stanislaw Jerzy Lec. Auch von George Bernard Shaw nachgewiesen). Lieber einen Floh im Ohr, als eine Wanze im Telefon ("Sprüchekalender"). "Mann kann die Worte einspannen wie Zirkusflöhe und sie andere Flöhe hin- und herkarren lassen" (Vladimir Nabokov).



Floh: Kinderreim:
"Gute Nacht, angenehme Ruh
Und Flohbeißen dazu!"

"Was ist denn da passiert?
Ein Floh ist übers Bett marschiert.
Der Floh hat gelacht,
Das Bett hat gekracht."

"Munter und froh
Hüpft der Floh
Über den Popo."

Volkserotik:
"Zwei Mädchen suchten einen Floh,
die eine sucht ihn am Popo,
die andre an der Pumpe ..."

In einem mecklenburgischen Gedicht heißt es: "Er hüpft am weißen Strumpf empor,
Und kommt an des Paradieses Tor;
Was manchem Mann verborgen war,
Das liegt vor ihm so hell und klar."



Floh: "Der Floh oder Die gestörte und wieder gefundene Nachtruhe" (Bildergeschichte von Wilhelm Busch). Busch spricht vom "Musikalischen Floh im Ohr". Er ist auch der Ansicht: "Die Geschichte mit einem Floh kann so interessant sein wie die Geschichte Griechenlands".
Eisik kann nicht einschlafen, weil ihn ein Floh plagt. "Floh", sagt er streng, "entweder du bist gesund: Was suchst du dann in meinem Bett? Oder du bist krank: was hüpfst du dann?" (S. Landmann).
Schimpfworte: Flohfänger (Schamhaar, Damenrock, Unterrock).



Floh: Fabeln: Äsop "Der Floh und der Athlet". Jean de la Fontaine "Der Mann und der Floh" (ein Mann fleht wehleidig den Gott Jupiter um Hilfe gegen das lästige Insekt an). Hans Sachs: "Der frörer und der floch". Buchtitel: E. T. A. Hoffmann "Meister Floh" (Märchen 1822). Frank Wedekind "Die Flöhe oder Der Schmerzenstanz" (1892).
In der Literatur: Franz E. Brückmann "Die neu erfundene curieuse Floh-Falle zu gänzlicher Ausrottung der Flöhe" (1729). "Juristische Abhandlung über die rechtlichen Verhältnisse der gemeinsamen Freunde der Frauen, der Flöhe" (1768, das Werk wurde Goethe unterschoben). Nikolai Lesskow "Der stählerne Floh" (1881). Martial "Epigramme" ("Das Kratzwerkzeug": "Eine Verteidigerin sei diese Hand für den Rücken, / Beißt dich der lästige Floh oder noch Garstigeres"). Kurt Tucholsky "Der Floh".



Floh: Im Gedicht: S. auch Laus. Guillaume Apollinaire "Die Flöhe". Aloys Blumauer "Lob des Flohs". Wilhelm Busch "Der Floh". Johannes Fischart "Flöhhatz, Weibertratz" (1573/77. Dort finden sich verschiedene Namen: u. a. Schleichinstal, Zwicksi und Springinsröckel). Johann Wolfgang von Goethe "Das Lied vom Floh" in "Faust". Peter Hacks "Der Flohmarkt" (1965).

"Viele Weiber, viele Flöhe,
Viele Flöhe, vieles Jucken -
Tun sie heimlich dir ein Wehe,
Darfst du dennoch dich nicht mucken.

Denn sie rächen, schelmisch lächelnd,
Sich zur Nachtzeit - Willst du drücken
Sie ans Herze, lieberöchelnd,
Ach, da drehn sie dir den Rücken."
(Heinrich Heine "Zum Hausfrieden")



Floh: Im Gedicht: August Kopisch "Frei nach einem alten Dichter" ("Wird bei Nacht dir die Ruhe geraubt durch hüpfender Flöhe / Piekende Schar …" Friedrich von Logau "Flöhe", "Hofe-Flöh und Läuse"und "Verlorne Jungfernschaft durch Flöhe". Christian Morgenstern "Der Sündfloh". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt":
"Doch, ohne dass er uns was tut,
Im Zirkus macht der Floh sich gut.
Das achtzigfache, als wär’s nichts,
Zieht er des eigenen Gewichts."

Theodor Storm "Die Flöhe und die Läuse".



Floh: Im Märchen: S. auch Laus. Hans Christian Andersen "Der Floh und der Professor".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Floh" (1990). "Der Floh im Ohr" (1980). "Der Tod des Flohzirkusdirektors oder Ottocaro weiß reformiert seine Firma" (1975). "Ein Floh im Ohr" (1968 Kinderfilm). "Ein Sack Flöhe" (1962). "Ein Sack voll Flöhe" (1979). "Floh im Ohr" (1942, 1980).
In der Malerei: u. a. William Blake "Das Gespenst eines Flohs" (1819-1820).
In der Musik: Ludwig van Beethoven "Flohlied".



Floh: S. auch Bauernregel, Frau Wirtin



Flöhe: s. auch Floh



Fluchen: Heilige Personen und Zeichen werden in beliebiger Reihenfolge kombiniert. Geflucht wird, obwohl bekannt ist, dass der Teufel einen fluchenden Bauern mit sich nehmen kann. Man beginnt meist mit harmlosen Formulierungen wie Birnbaum und Hollerstauden, Donnerkeil, Donnerwetter, Himmeldonnerwetter, Herrgott noch mal, Himmel, Arsch und Zwirn (Himmel, Arsch und Wolkenbruch), kramentisch, verflixt, Zefix, Kreizsacklzement! Sackerment, Sackimhemd, sackra, sakrawult, sapperment, sapralot, saprament, verflucht und zugenäht. Dann die Steigerung, falls der gewünschte Erfolg ausbleibt: Kruzitürken, Kreiz Kruzifix, Himmelhund, Himmelkreuzdonnerwetter, Himmel Herrgott Sakrament. Verflucht werden auch Familienmitglieder, z. B. der Sakramentsbub, wenn er in der Schule durchgefallen ist, oder die Bäuerin mit Kreiz-Kruzifix-Hallelujah, wenn sie schon wieder ein Mädchen auf die Welt brachte, anstatt des gewünschten Hoferben. Flüche und unkeusche Gedanken, sind die Sünden, für die es bei der Beichte die schärfste Buße gibt, noch vor Mord und Totschlag.



Fluchen: Ludwig Thomas Engel Aloisius fluchte: "Sacklzementhalehluja ... zäfix!". Bayerns längster Fluch lautet nach H. Haefs: "Himmiherrgottsakramentzefixallelujamilecktstamarschscheißglumpvarregtz".
Redensarten: Das ist der Fluch der bösen Tat. Fluchen, dass die Balken krachen. Fluchen wie ein Pferdeknecht. Fluch, fluchbeladen, jemand verfluchen.

"Unbequemer neuer Glauben!
Wenn sie uns den Herrgott rauben,
Hat das Fluchen auch ein End.
Himmel-Herrgott-Sakrament!
(Heinrich Heine)

Sprichwörter: Die Katzen sterben nicht daran, dass die Hunde sie verfluchen (Arabien). Ein aufrichtiges Donnerwetter ist besser als ein falsches Vaterunser. Flüche wie Prozessionen kehren zu ihrem Ausgangspunkt zurück (Italien). "Fluchen bringt uns solche Erleichterung, welches uns kein Gebet geben kann" (Mark Twain).
Sprüche: "Bist du zornig, so zähle bis vier; bist du sehr zornig, so fluche!" (Mark Twain). "Warum zum Teufel fluchen die Menschen eigentlich?" (Werner Mitsch).
Im Gedicht: Wilhelm Busch "Wer Bildung hat, der ist empört, / Wenn er so schrecklich fluchen hört..."



Fluchen: S. auch Birnbaum



Flur: Feld (auch Hausflur), Flurschaden, Flurschadentreter (übergroße Schuhe), Flurumgang (Bittgang).



Flurbereinigung: Ausmerzen von Heckenschützen von Amts wegen. Damit man in Ostfriesland schon am Samstag sieht, wer sonntags zu Besuch kommt. Flurbereinigungsweg: Kürzeste Verbindung zwischen zwei Wirtshäusern - besonders nützlich für betrunkene Autofahrer. Off limits for police! Auf diesem Gebiet hatten die Südstaatler ausnahmsweise einmal die Nase vorn, wie das königlich-bayerische Gesetzt von 1886 beweist.



Forelle: Deutsches U-Boot von 1902. Sprichwörter: Man muss eine Fliege opfern, um eine Forelle zu fangen. Sprüche: Der Fischhändler warf die Forellen dem Angler über den Ladentisch, damit der zu Hause sagen konnte, er hätte sie gefangen. Die letzten Worte der Forelle: Alles in Butter. "Mit den Leidenschaften verhält es sich wie mit den Forellen in meinem Teich: eine frisst die andere auf, bis nur mehr eine dicke alte Forelle übrig bleibt. Bei mir hat im Laufe der Zeit die Leidenschaft zur Politik alle anderen Leidenschaften aufgefressen" (Otto von Bismarck).
Beim Fisch kann man bei einiger Phantasie den Kopf als Schweinchen ansehen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum Fischknochen als Amulette verwendet werden. Fischblut soll gegen Muttermale helfen, die Galle gegen Schwerhörigkeit und Hexenschuss.
Redensarten: Gefährdet sein wie eine Forelle unter zehn Hechten. Forellenbarsch, Forellenstein, Forellenstör.
In der Literatur: Hans Carossa "Die Forelle".



Forelle: Im Gedicht: Eugen Roth "Tierleben für jung und alt". Andreas Okopenko "Nochmals Forelle". Christian Friedrich Daniel Schubart "Die Forelle" ("Forellenquintett", Melodie Franz Schubert):
"In einem Bächlein helle,
Da schoss in froher Eil'
Die launige Forelle
Vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade,
Und sah’ in süßer Ruh'
Des muntern Fisches Bade
Im klaren Bächlein zu …"

Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Forellenhof" (1965 TV-Serie). "Die Forellen" (1978).
In der Malerei: u. a. Carl Spitzweg "Forellenangler" (um 1875).
In der Musik: Franz Schubert "Das Forellenquintett" (1819).



Forellen: s. auch Forelle



Förster: Redensart: Aufforsten, durchforsten (durchsuchen).
Schimpfworte: Oberförster (ungepflegter Bart).
"'Ich bin über die Wurzeln des Baums gestolpert, den ich gepflanzt hatte.' Das muss ein alter Forstmann gewesen sein, der dies gesagt hat" (Johann Wolfgang von Goethe "Maximen und Reflexionen").
In der Literatur: Berthold Auerbach "Der Forstmeister" (1879). David Herbert Lawrence "Lady Chatterly's lover". Siegfried Lenz "Nicht alle Förster sind froh" (1970). Otto Ludwig "Der Erbförster" (Tragödie, 1850). Peter Rosegger "Die Försterbuben" (1908).
Im Gedicht: S. auch Hirte, Rotkehlchen. Achim von Arnim "Der Förster". Wilhelm Busch "Der alte Förster Püsterich ..." Felix Dahn "Zur Hochzeit eines Försters". Max Dauthendey "Das Forsthaus". Emanuel Geibel "Aus dem Walde" ("Mit dem alten Förster heut / bin ich durch den Wald gegangen"). Christian Morgenstern "Das Forsthaus" (in "Palma Kunkel"). Hans Sachs "Des Forsters Sun".
Grabsspruch:
"Hier liegt der Förster Rupert Huss,
Er starb an einem Büchsenschuss,
Der auf der Jagd von ohngefähr
Ihn hat getroffen folgenschwer..."



Förster: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das alte Försterhaus" (1956). "Das Forsthaus in Tirol" (1955). "Der Erbförster" (1915, 1944). "Der Förster vom Silberwald" (1954). "Die Försterbuben" (1955, 1984). "Die Försterchristl" (1926, 1930, 1952, 1962). "Die Försterliesl" (1956). "Die Nacht im Forsthaus" (1933). "Eigentlich wollte ich Förster werden …" (2002). "Förster Horn" (TV-Serie 1966ff). "Forsthaus Falkenau" (TV-Serie). "Forstinspektor Buchholz" (1990/93).
Operette "Die Försterchristel" (1903). Schlager: u. a.. "Ach lass mich doch in deinem Wald der Oberförster sein". "Das alte Försterhaus" (1954/56). "Die Försterliesel" (1953).



Förster: S. auch Jäger



Frau: So wie sich der Mann bei seinen Schimpfworten reichlich bei den Landtieren bedient, so hält er es auch mit seinen Schmeicheleien. G. H. Mostar zählt sie auf:
"... Mein Mäuschen,
Mein Häschen, Kälbchen, Schäfchen, Kätzchen,
Mein Täubchen, Vögelchen und Spätzchen,
Mein Schmetterling, mein Zuckerflöhchen,
Im schlimmsten Fall mein Rehpopöchen."

Im Lauf der Jahre werden dann die Tiere immer größer, z. B. Kuh, Sau etc. S. auch die Schimpfwörter bei den einzelnen Tieren und unter Bäuerin.



Frau Wirtin: "Jeder deutsche Dichter wird Wirtinnenverse machen. Ich habe das Meine getan" (Bertolt Brecht).

(Auswahl).
Es steht ein Wirtshaus an der Lahn,
da halten alle Fuhrleut’ an.
Frau Wirtin schlägt die Leier,
die Gäste sitzen um den Tisch
und kratzen sich die Eier."

Frau Wirtin stellte sich in schlechten Zeiten dem Landvolk gegen Naturalien zur Verfügung; vor allem Bauernknechte gingen im Wirtshaus an der Lahn ein und aus und strengten sich hier oft mehr an als auf dem Bauernhof. Die "gnädige" Frau erwarb sich durch regelmäßigen "Verkehr" mit dem Landvolk ein agronomisches Wissen, das seinesgleichen sucht. Der Autor dieses Lexikons hat gerne auf diesen Schatz zurückgegriffen. Hirten, Knechte, Mägde und ein Schmied, ferner verschiedene Tiere standen Frau Wirtin zu Diensten, so z.B. ein Uhu, ferner ein "bunter" Hund, eine missglückte Kreuzung zwischen Dackel und Pudel:
"Der roch auf hundert Meter,
Mit unfehlbarer Sicherheit,
Dem hängt er und dem steht er."



Frau Wirtin:
"Frau Wirtin hat auch einen Floh,
Der kroch ihr immer um n Popo,
Und kam er an die Spalte,
So freuten alle Filzläus' sich,
Besonders eine alte."

"Frau Wirtin hatt' auch einen Hahn,
Der konnte, was nicht jeder kann,
Er vögelt' zwanzig Hennen,
Und lief dann auf dem Hof herum;
Das würde ich nicht können."

"Frau Wirtin hatte auch ein Huhn,
Das tat nicht, was sonst Hühner tun,
Es gackerte und pickte,
Und stellte stets dem Hahn ein Bein,
Wenn er ne andre fickte."

"Frau Wirtin hatt' auch eine Kuh,
Der ging die Votze nicht mehr zu,
Bis dass man einst entdeckte,
Dass stets der kleine Benjamin,
Die Äpfel d'rin versteckte."



Frau Wirtin:
"Frau Wirtin hatt' auch einen Star,
Der ein possierlich Tierchen war,
Er kroch ihr in die Möse
Und steckt' den Kopf zum Arschloch raus
Und pfiff die Marseillaise."

"Frau Wirtin hatt' auch einen Stier,
Das war ein wunderbares Tier,
Dem hielt sie viel zugute
Und alle Tage ging sie hin
Und leckte ihm die Rute."

"Frau Wirtin hatte einen Schlächter,
der war kein Kostverächter.
Wenn den die Stimmung packte,
dann sprang er auf den Ladentisch
und fickte das Gehackte."

Frau Wirtin hat auch eine Magd,
Die sitzt im Garten und pflückt Salat.
Sie kann es kaum erwarten
Bis dass das Glöckchen zwölfe schlagt,
Da kommen die Soldaten.

Frau Wirtin hat auch einen Schmied,
Der hat ein wahres Vierkantglied.
Doch Liebe macht erfinderisch,
Er spannt es in den Schraubstock ein
Und feilte es zylinderisch.

Im Film/Filmtitel: Zahlreiche Sexfilme (u. a. "Die Wirtin von der Lahn").



Frau Wirtin: s. auch Eichel, Gastwirt, Hirte, kalter Bauer, Selbstbefriedigung, Unzucht mit Tieren, Wirtshaus



Fremdarbeiter: Im II. Weltkrieg Gefangene, die zur Mitarbeit auf Bauernhöfen etc. abgeordnet wurden. Sie stellten nicht nur in der Landwirtschaft ihren "Mann". Besonders engagiert war der charmante Franzose, dem bald Küche, Keller und Schlafzimmer geöffnet wurden.



Fremdenverkehr: Fremdenverkehr ist, "wenn das abgelegene, stille Dorf, das keiner kennt, völlig ausgebucht ist" (nach "Stegreifblüten"). Auch euphemistische Umschreibung von Geschlechtsverkehr zwischen Einheimischen und Touristen. Besonders ideale Kombination: Pfälzische Bauerntochter und Berliner Buchhalter. Produkte aus diesen Kombinationen sind heutzutage - gegenüber früher - selten, dank Pille und verbesserter Abtreibungstechniken. Die Auswirkungen des "Fremdenverkehrs" auf die dörfliche Moral sind verheerend. In manchen Orten bittet man die Touristen, wenigstens die Jungfrauen unter dreizehn zu verschonen. In Bayern werden alle als Fremde bezeichnet, die aus den Gegenden nördlich der Mainlinie zureisen. Für sie haben die Einheimischen das Universalschimpfwort "Saupreiß, japanischer" gefunden.
Sprüche: "Der Fremdenverkehr ist die Heuschreckenplage unserer Zeit" (Anke Engelke, auch von Oliviero Toscani). "Fremdenverkehr besteht hauptsächlich darin, dass die Touristen die Einheimischen fotografieren, und die Einheimischen die Touristen" (Jacques Tati). Ist die Viehzucht aufgegeben, heißt es von Touristen leben.
Im Film /Filmtitel: u. a. "Endlich Urlaub!" (TV-Film 2005). S. auch Tourismus, Urlaub auf dem Bauernhof



Fremdsprachen: Bedingt durch den Fremdenverkehr haben sich die Bayern zahlreiche Fremdsprachen angeeignet – wenigstens rudimentär: Italienisch: Sel voasiano, sessantaotto (Sell woaß i a no, sö san der Otto). Französisch: Ceux sans haut gout und dans du fils d'avec si laquelle, sie dame y chére (Sö sans so guot und tans di Fieß do weg, sie Lackl, sie damischer!) Indisch: Ramadauri, ramadama, ramadans (Schnee-Räumen tu ich, räumen tun wir, räumen tun sie). Chinesisch: Tsun Tscheint Tsche (die Sonne scheint schön). Japanisch: Kemma kon i kam. Kunt i kemma, kam i. Kon kam kemma (Kommen könnt' ich kaum. Könnt ich kommen, käm' ich. Kann kaum kommen). S. auch Latein



Frettchen: Iltisart, bereits im Altertum zur Kaninchenjagd eingesetzt. Schwellen seine Hoden vergrößert sich auch das Hirn.
Im Gedicht: Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973).



Friedhof: Redensarten: Jemand ist so tief verankert wie ein Grabstein auf einem Bergfriedhof (für traditionsbewusst). Friedhofsruhe.
Sprichwörter: Auf einem jagenden Pferd kommt man schnell auf den Kirchhof. Schimpfwort: Knödelfriedhof (dicker Bauch).
Im Gedicht: Gustav Falke "Auf dem Friedhof". Thomas Gray "Elegie, geschrieben auf einem Dorfkirchhof". Martin Greif "Dorffriedhof bei Nacht". Thomas Gray "Elegy Written in A Country Church Yard". Anastasius Grün "Der Friedhof im Gebirge" und "Ein Friedhofkranz". Andreas Gryphius "Als er ohngefehr auf dem Kirchhofe mit seiner Leonore zusammenkam" und "Gedanken über den Kirchhof und Ruhestätte der Verstorbenen". Thomas Hardy "The Levelled Churchyard". Hermann Hesse "Dorfkirchhof" und "Ländlicher Friedhof". Friedrich Hölderlin "Der Kirchhof". Ludwig Christoph Heinrich Hölty "Elegie auf einen Dorfkirchhof". Johann Georg Jacobi "Die Linde auf dem Kirchhofe". Klabund "Auf dem Friedhof von Zeesen". Detlev von Liliencron "Auf dem Kirchhofe" (vertont von Johannes Brahms). Henry Wadsworth Longfellow "God's-Acre". Eugen Roth "Bergfriedhof".



Friedhof: Im Gedicht: Johann Gottfried Seume "Elegie. Geschrieben auf einem Dorfkirchhofe". Friedrich Rückert "Einen Gottesacker in der Wildnis…" "Mit dem Kirchhof auch vertraut …" und:
"Im ganzen Dorf ist nichts so grün,
Kein Fleck, wo soviel Blumen blüh’n,
Als hinter jenen Mauern,
Wo friedlich unsre Toten ruh’n,
Da freut sich still die Blume nun,
Und lässt die Menschen trauern."



Friedhof: Im Gedicht:
"Ringsum ist Felseneinsamkeit.
Des Todes bleiche Blumen schauern
Auf Gräbern, die im Dunkel trauern -
Doch diese Trauer hat kein Leid …"
(Georg Trakl "St.-Peters-Friedhof")

Georg von der Vring "Alter Friedhof" und "Ländlicher Friedhof". William Wordsworth "The Excursion. The Churchyard Among the Mountains".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Friedhof der Lebenden" (1921). "Friedhof der Träume" (1996). "Friedhof des Satans" (1985). "Friedhof ohne Kreuze" (1968). "Wo, bitte, geht’s zum nächsten Friedhof?" (1975).



Friedhof: S. auch Grabsprüche, Tierfriedhof.



Frosch: "Ein Reptil mit essbaren Schenkeln" (Ambrose Bierce), das oft mit der Kröte verwechselt wird, ein "Haustier, auf dessen Wettervorhersage Meteorologen achten ,wenn sie in Urlaub fahren" (E. G. Tange).
Die Ägypter hielten den Frosch für so wichtig, dass sie ihn nach seinem Tod einbalsamierten. Moses droht dem Pharao, wenn er die Kinder Israels nicht aus Ägypten ziehen lasse, dann werde Gott ihm eine Froschplage schicken, "dass der Strom soll von Fröschen wimmeln; sie sollen heraufkriechen und kommen in dein Haus, in deine Schlafkammer, auf dein Bett, auch in die Häuser deiner Knechte, unter dein Volk, in deine Backöfen und in deine Teige; und sollen die Frösche auf dich und auf dein Volk und auf alle deine Knechte kriechen". Untote stiegen als Vampire, Frösche, Pferde oder Mäuse aus dem Grab. Sie konnten mit Knoblauch und Weihwasser vertrieben werden. Der heilige Adalbert soll den Fröschen das Quaken verboten haben, weil sie ihn beim Beten störten. Auch den antiken Göttern und Helden wurde ihr Geschrei lästig; ebenso verfluchte Luther die lautstarken Störenfriede. Früher brachte man ihr Quaken mit dem Weinen ungeborener Kinder in Verbindung. Als der hl. Pirmin 724 das Kloster Mittelzell auf der Reichenau gründete, sollen alle Frösche fluchtartig die Insel verlassen haben.

"Ein Frosch saß auf dem Baum und sang,
Dasselbe tat er stundenlang;
Das ist auch gar nicht sonderbar,
Weil dieser Frosch ein Vogel war."
(Heinz Erhardt?)



Frosch: Der erste Frosch, den man im Frühling sieht, kann Unglück bedeuten, aber nur wenn man ihn außerhalb des Wassers antrifft. Prinzen und Prinzessinnen werden oft in Frösche verwandelt; man kann sie erlösen, indem man sie küsst. Die Frösche in Nachbars Garten rauben einem den Schlaf; quaken sie jedoch im eigenen Teich, ist die Nachtruhe nicht gestört.
Froschherzen gegen Fieber:
Plinius empfiehlt Froschherz gegen Fieber, Ruhr und Zahnschmerzen. Es gibt eine recht ungewöhnliche Art, Schlösser ohne Schlüssel zu öffnen: Man töte einen Laubfrosch, lege ihn drei Tage lang in die Sonne, zerstoße ihn dann zu Pulver und streue es in das Schloss. "Sogleich springt es von selbst auf." Froschschenkel (ob gedünstet oder gebraten, ist nicht bekannt) sind ein wirksames Aphrodisiakum. Ein wahrer Überlebenskünstler ist der nordamerikanische Waldfrosch. Frost macht ihm nichts aus; er lässt sich einfach für einige Tage tiefgefrieren und anschließend wieder auftauen. Eines der ersten künstlichen Produkte aus dem Bioreaktor waren kleine Polymere gefüllt mit Krallenfroschzellen. Der Minifrosch Paedophryne amauensis ist das kleinste Wirbeltier der Welt.



Frosch: Frosch (Feuerwerkskörper, Teil des Geigenbogens, junges Mädchen), Schuhcreme-Marke Erdal mit dem Erdal-Frosch. Froschbauch (u. a. Rachitis), Froschgeschwulst (Pferdekrankheit), Froschklemme, Froschlaichgärung, Fröschleingeschwulst, Froschmann (Taucher), Froschmaul (Landsknechtsspieß, Dachfenster, Schwalbe), Froschmäulchen (Randverzierung an Stoffen), Froschtest (Schwangerschaftsreaktion). Laubfrosch (Wetterprophet, Polizist). "Laubfrosch" wurde der ab 1924 gebaute grüne offene Zweisitzer der Autofirma Opel genannt. Nackerfrosch (nacktes Kind). Tiernamen: Froschfisch, Froschkopfschildkröte, Froschlurch, Froschquappe (Dorschart). Pflanzennamen: Froschbiss, Froschkraut, Froschlaichalge, Froschlöffel.
Ein Fischzüchter musste immer wieder Badende von seinem Teich vertreiben, obwohl er ein Schild "Baden bei Strafe verboten" aufgestellt hatte. Eines Tages schrieb er auf das Schild: "Vorsicht Ranae esculantae. Baden auf eigene Gefahr!" Seitdem ward kein Badegast mehr gesehen; dabei sind Ranae ganz einfach Frösche (nach E. P.)



Frosch: Redensarten: Den Fröschen zu trinken geben (Überflüssiges tun). Einen Frosch im Hals haben (heiser sein, von medizinisch "ranula" – kleiner Frosch – eine Zyste im Mundboden). Er sieht aus, als hätte er einen Frosch verschluckt. Er sitzt da wie ein Frosch auf der Gießkanne. Etwas froschartig überspringen. Etwas ist so unmöglich wie einem Frosch eine Feder auszureißen. Gefährdet sein wie der Frosch im Storchenschnabel. Hell wie der Bauch eines Frosches. Hilflos wie der Frosch im Butterfass. Jemand hat Geld wie ein Frosch Haare (für arm sein). Jemand singt wie ein Ochsenforsch mit Mandelentzündung. Sei kein Frosch! (sei kein Spielverderber, zier dich nicht!) Sich aufblasen wie ein Frosch (eingebildet sein. Nach der Fabel des Phaedrus).



Frosch: Froschperspektive (Realismus ist die "Kunst, die Natur aus der Froschperspektive abzubilden" Ambrose Bierce). Froschmann (Taucher).
Sprichwörter: Dem Frosch brauchst du zum Quaken nicht vorspielen (Russland). Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand (Mongolei). Der Frosch hat ein wasserdichtes Gemüt. Der Frosch im Brunnen weiß nichts vom großen Ozean (Japan). Die Frösche quaken wohl, aber das Wetter machen sie nicht. Man muss einen Frosch nicht überreden, ins Wasser zu springen (Kroatien). Setzt den Frosch auf einen Stuhl, er springt zurück in seinen Pfuhl. Wer zuviel Wasser trinkt, bekommt Frösche im Bauch. Wo Frösche sind, da sind auch Störche.



Frosch: Sprüche: Alles geht, nur der Frosch hüpft. "… die wissen nicht einmal, dass im Ball Luft ist; die glauben doch, der springt, weil ein Frosch drin ist" (Max Merkel über Fußballfunktionäre). "Mädchen küsst Frösche; wer weiß wie lange es die noch gibt" ("Dumme Sprüche für Frauen"). "Wie wollten die Fischer sich nähren und retten, / Wenn die Frösche sämtlich Zähne hätten?" (Johann Wolfgang von Goethe). "Dem Storch gegenüber haben die Frösche begrenzte Souveränität" (David Frost). Man muss sehr viele Frösche küssen, bis ein Prinz darunter ist. Man sollte nicht die Frösche mit dem Trockenlegen von Sümpfen beauftragen. "Mit einem Brunnenfrosch kann man nicht über das Meer reden, er ist beschränkt auf sein Loch" (Dschuan Dse).
Vergleiche: Frauen sind mit einem Frosch zu vergleichen: Sie quaken den ganzen Tag, haben kalte Füße und Angst vor dem Storch.
Vergleiche: Humor zu analysieren ist wie das Sezieren eines Frosches - niemand tut es gern und am Ende ist der Gegenstand der Analyse tot.



Frosch: Schimpfworte:
"Drei Frauen, drei Gäns'
und drei Frösche dabei,
machen ein Jahrmarkt
mit ihrem Geschrei."
(Altdeutsch).

Aufgeblasener Frosch (Prahlhans, nach der Fabel von Phaedrus), Froschauge (missgestaltetes Auge, Voyeur; auch Scheinwerfer beim Auto. Froschaugen machen = anstarren), Froschfresser (Franzose), froschmäulig, Froschschenkel (Mädchenbeine), Knallfrosch (auch Feuerwerkskörper. Bei Henry Miller Ausdruck für Penis), Nacktfrosch (Aktmodell, Stripperin), Wetterfrosch (Meteorologe). Mit "frog" oder "froggie" beschimpfen die Engländer die Franzosen ("Was kann man von Leuten erwarten, die Frösche essen?" Samuel Johnson).



Frosch: In der Fabel: S. auch Hase, Maus, Stier. Äsop u. a. "Die Frösche verlangen einen König" und "Die Hasen und die Frösche". Jean de la Fontaine u. a. "Der Frosch und die Ratte" und "Vom Frosch, der so groß sein wollte wie ein Ochse":
"Wie viele gibt's, die so nach Größe gieren!
Die Bürgerhäuser wollen Schlösser imitieren.
Gesandte hält sich jeder kleine Fürst am Hofe,
Und jeder Herr Marquis will eine Kammerzofe."

Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Stierkampf und die Frösche" und "Die Fabel von den Fröschen". Johann Gottfried Herder "Alte Fabeln mit neuer Anwendung". Martin Luther "Vom Frosch und von der Maus" (nach Äsop): "Eine Maus wäre gern über ein Wasser gekommen und konnte nicht und bat eine Frosch um Rat und Hilfe. Der Frosch war ein Schalk und sprach zur Maus: Binde deinen Fuß an meinen Fuß, so will ich schwimmen und dich hinüberziehen. Da sie aber aufs Wasser kamen, tauchte der Frosch hinunter und wollte die Maus ertränken. Indem ab er die Maus sich wehrte und mühte, flog eine Weihe daher und erhaschte die Maus, zog den Frosch auch mit heraus und fraß sie beide." Phaedrus u. a. "Der geplatzte Frosch und das Rind" und "Die Frösche, die den Kampf der Stiere fürchten". Hans Sachs u. a. "Fabel mit den Fröschen und dem Storch" und "Der untreue Frosch". Christian Friedrich Daniel Schubart "Froschkritik".



Frosch: In der Literatur:
"... da sind nun also die Würmer. Die Würmer werden von den Fröschen gefressen; die Frösche von den Störchen, die Störche bringen Kinder, und die Kinder haben Würmer. So schließt sich der Kreislauf der Natur" (Kurt Tucholsky).
Homer erwähnt den Kampf der Frösche gegen die Mäuse im "Frosch-Mäuse-Krieg", in dem die Frösche mithilfe der Krebse schließlich den Sieg davon tragen. Böse Mücken und die Frösche im Sumpf "verscheuchen den Schlummer", beklagt sich Horaz in den "Satiren". Auch Ambrose Bierce hält offenbar nicht viel von der Musikalität des "Quäkers". Er verspottet ihn als eifrigen Sänger ("Das Libretto seiner Lieblingsoper wurde von Aristophanes verfasst"; die Musik stammt "von Richard Wagner").
Herbert Achternbusch "Der Frosch" 1981. Aristophanes "Die Frösche" (vertont von Engelbert Humperdinck 1886). Jacob Balde "Batrachomyomachia" (Froschmäusekrieg 1637, ursprünglich eine unter dem Namen Homers überlieferte Parodie). Mo Yan "Frösche". Jonathan Swift "Gullivers Reisen" (Gulliver und der riesengroße Frosch). Mark Twain u. a. "Der Springfrosch" und "The Notorious Jumping Frog of Calaveras County". Edgar Wallace "Der Frosch mit der Maske" (auch als Film 1959). Mo Yan "Frösche" (2013).

"Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum,
schon meint, dass er ein Vogel wär,
so irrt sich der"
(Wilhelm Busch "Der fliegende Frosch").



Frosch: Im Gedicht: S. auch Ente, Fink. Wilhelm Busch "Die fromme Helene" und "Die beiden Schwestern". Johann Wolfgang von Goethe "Die Frösche" ("Ein großer Teich war zugefroren ...") . August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Der Laubfrosch" und "Nachtigallen und Frösche". August Kopisch "Das grüne Tier und der Naturkenner". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Hans Sachs "Der Doctor-Frosch". Märchen: Brüder Grimm "Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich" und "Eine spaßhafte Geschichte von den Fröschen".



Frosch: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Geheimnis der Frösche" (2003/04 Zeichentrickfilm). "Das Tal der fröhlichen Frösche" (1973). "Der Frosch" (1971/73). "Der Frosch mit der Maske" (1959). "Der Froschkönig" (1952, 1954, 1987, 1990 Märchenfilm). "Der Killer mit den Froschaugen" (1959). "Der kleine Virgil und Orla, der Froschschnapper" (1979 Kinderfilm). "Der Mann mit dem Laubfrosch" (1928). "Die Frösche" (1985). "Die Froschintrige" (1990). "Die Geschichte der Frösche" (1984 "Der Clan"). "Ein Frosch, der Kuss, zwei Könige" (1994). "Ein Frosch im Hals". "Ein Frosch in Manhattan" (1968). "Freddie – Der Superfrosch" (1992). "Frogs – Killer aus dem Sumpf" (1972). "Frösche" (1971). "Frösche sind auch nur Menschen" (1991). "Froschkonzert" (1990). "Jonathan, der tapfere Frosch" (1985 Zeichentrickfilm). "Kermit, der Frosch" (2002). "Küss den Frosch!" (2009 Walt Disney). "Küss mich, Frosch" (Märchenfilm 2000). "Muppets most wanted" (Kermit 2014) "The princess and the frog" (Zeichentrickfilm 2009). "Zwei Frösche auf der High School" (1991).
In der Malerei s. auch Heuschrecke. Claude Monet "Froschtümpel" (1869).
Schlager: "Frog legs" (Lloyd Price).



Frosch: S. auch Kröte



Frösche: s. auch Frosch



Frucht: Redensarten: Die Frucht langjähriger Arbeit. Die Früchte seines Schweißes/seines Tuns genießen. Die verbotene Frucht essen (unerlaubten sexuellen Umgang haben, bezieht sich auf den Sündenfall im Paradies). Ein sauberes Früchtchen sein. Etwas wird reiche/hundertfältige Frucht tragen (Matthäus 13, 8). Frucht/Kind der Liebe (uneheliches Kind), fruchtbar, fruchtbringend (ergiebig), Fruchtbringende Gesellschaft (deutsche Sprachgesellschaft, 1617 gegründet). Früchte des Zorns (vgl. auch John Steinbeck 1939, deutsch 1940, auch als Film, Regie John Ford), fruchten (es fruchtet nichts), Fruchtfleisch, fruchtig, fruchtlos (vergeblich), Fruchtsaft, Fruchtzucker, Leibesfrucht (ungeborenes Kind; Fruchtblase, Fruchtwasser), Lesefrüchte, verbotene Frucht.
Sprichwörter: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen (Matthäus 7,16. An ihren Früchtchen werdet ihr sie erkennen – Eltern ihre Kinder. "An ihren verbotenen Früchten werdet ihr sie erkennen" Wieslaw Brudiznski). Bei Feldfrüchten hält man die des Nachbarn für die besten, bei Kindern die eigenen (China).

Schlager (1952):
"Die süßesten Früchte
Fressen nur die großen Tiere.
Und weil wir beide klein sind
Und diese Bäume hoch sind,
Erreichen wir sie nie."



Frucht: Fruchtfliege, Fruchtfolge (Aufeinanderfolge verschiedener Feldfrüchte), Fruchtfresser (Vogel), Fruchthöfe (Biologie), Fruchthülle (Eihaut), Fruchtkuchen (Plazenta), Fruchtsaft, Fruchtschalenwickler (Schmetterling), Fruchtschmiere (Haut des Neugeborenen), Fruchttaube, Fruchtwasser, Fruchtzucker.
Sprichwörter: Der eine stets den Baum begießt, / der andere seine Frucht genießt" (jüd. Sprichw.) Die späten Bäume tragen die besten Früchte.
Sprüche: "Alten Freund für neuen wandeln, heißt für Früchte Blumen handeln" (Friedrich von Logau). Vergleiche: "Das Talent des Menschen hat seine Jahreszeiten wie Blumen und Früchte" (François La Rochefoucauld).
Schimpfworte: Frucht der Liebe (uneheliches Kind), Früchtchen (leichter Junge/leichtes Mädchen. Spruch: Hallo, mein süßes Früchtchen! Darf ich dich vernaschen?).



Frucht: Im Gedicht: Werner Bergengruen "Die verborgene Frucht" (1938). Otto Erich Hartleben "Von reifen Früchten". Rainer Maria Rilke "Die Frucht".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Bittere Frucht der Liebe" (1959). "Das fruchtbare Land" (1980). "Die Frucht deines Leibes" (1996). "Die verbotene Frucht" (1994). "Frucht der Gewalt" (1997). "Embryo – Frucht des Schreckens" (1975). "Frucht ohne Liebe" (1956). "Verbotene Frucht" (1952, 1984).
Schlager: u. a.. "Tutti frutti" (1957 Pat Boone).
In der Malerei: u a.. Paul Klee "Früchte auf Blau" (1938).



Früchte: s. auch Frucht



Fruchtfolge: Die sog. fünfte Fruchtfolge besagt: Aus brachliegendem Ödland, Verkaufspreis à 50 Cent den Quadratmeter, mit Hilfe von findigen Bürgermeistern und Gemeinderäten Bauland à 500,00 € machen.



Fuchs: "Scharf und behänd im Verstand" (Archilochos).
Das schlaueste Tier, mit dem es der Landmann zu tun hat. "Er stellt sich, wenn er Hunger hat, tot, damit sich die Vögel auf ihn setzen, um ihn zu fressen, und er sie so fangen könnte" (Physiologus). Seine Verfolgung als Hühner- und Gänsedieb, rächte er damit, dass er über den Fuchsbandwurm ganze Bauernsippen vorzeitig ins Grab gebracht hat. Conrad Gesner schrieb in seiner "Historia animalium" , der Fuchs überliste Igel, indem er auf sie pinkle. Inzwischen hat der Fuchs die Städte erobert. "Auf einem Spaziergang nach Mitternacht durch die Straßen Südost-Londons begegnet man wahrscheinlich in zwei bis drei Stunden mehr Füchsen als auf dem Land in einem Jahr" (St. Harris). Füchse hängen wie Hunde fast eine halbe Stunde (qualvoll) zusammen, bis der Penis abgeschwollen ist. Harry Potter wohnte in seinen ersten Sommerferien in einem Fuchsbau.



Fuchs: Brauchtum: Der Fuchs brachte im Volksglauben sowohl Glück als Unglück. Man sah in ihm ein Hexen- und Teufelstier, wusste aber Geschichten zu erzählen, in denen er dem Menschen half. Fell und Haut wehrten den bösen Blick ab. Flöhe konnte man fangen, indem man einen Stock mit Fuchsschmalz bestrich. Nicht nur Jäger, sondern auch Auto- und Motorradfahrer schmücken sich mit seiner Rute. Alle Körperteile des Fuchses finden in der Volksmedizin Verwendung. Der Verzehr von Fuchsgenitalien diente zur sexuellen Stimulation.



Fuchs: Redensarten: Auf etwas eingefuchst sein. Dem Fuchs den Hühnerstall anvertrauen / in den Hühnerstall schicken. Ein Fuchs sein (bereits bei Homer). Ein Fuchs, der jeden Hühnerstall kennt. Er ist ein alter Fuchs. Es fuchst mich (ärgert mich, wohl nicht vom Fuchs, sonder von althochdeutsch "fucken" = hin- und herbewegen). Seine Augen sind so lebhaft wie die eines ausgestopften Fuchses (für apathisch). Stinken wie ein nasser Fuchs. Füchse mit Füchsen fangen ("Freidank"). Wohnen, wo Fuchs und Hase einander gute Nacht sagen (in einer abgelegenen Gegend). Dem Fuchs sind die Trauben zu sauer (nach Äsop).

"Wollt ihr nicht die schönen Trauben essen,
Mein königlicher Fuchs? Oh ja, ihr wollt
Wenn nur mein königlicher Fuchs
Die Trauben erreichen könnt."
(William Shakespeare)



Fuchs: Accademia dei Lincei (Akademie der Luchsäugigen, berühmte italienische Gelehrtengesellschaft), ausgefuchst (geschickt), Fuchs (u. a. Studienanfänger, Verbindungsstudent in den ersten Semestern, Fuchsmajor, Pelz aus Fuchsfell, rothaariges Pferd, Schmetterling, Sternbild), Fuchsenzephalitis, Fuchsgeschmack (Weintraube), fuchsig (ärgerlich), Fuchsjagd, fuchsrot (fuchsfeuerrot), Fuchsschwanz (Säge, Blume. "Glied eines rothaarigen Mannes oder Jünglings" K. de Rottwinkel), fuchsteufelswild (besonders wütend), Goldfüchse (Goldmünzen), alter/schlauer Fuchs. Harzer Fuchs (Hütehund). Die Fuchsie ist nicht nach dem Tier, sondern nach dem Botaniker Leonhart Fuchs benannt. Wüstenfuchs (General Manfred Rommel).
Pflanzennamen: Fuchsbeere (Preiselbeere), Fuchsbohne, Fuchsrebe, Fuchsschwanz, Fuchsschwanzgras.



Fuchs: Sprichwörter: Alle Füchse kommen endlich beim Kürschner zusammen (altdeutsch). Alte Leute, alte Ränke, / junge Füchse, neue Schwänke. An dem Füchslein siehst du schon, dass er eines Fuchses Sohn ist (jüdisch). im Fuchs muss man schlau wie ein Fuchs sein (Italien). Der Arme fängt den Fuchs, der Reiche trägt den Pelz. Der Fuchs glaubt, jedermann fresse Hühner wie er (Frankreich). "Ein Fuchs wechselt den Balg, nicht den Charakter" (Sueton "Vespasian"). Ein jeder Fuchs lobt seinen Schwanz. "Hat der Fuchs die Nase erst hinein, / So weiß er bald den Leib auch nachzubringen" (Shakespeare "König Heinrich VI".) Hat der Fuchs noch Zähne, geht er nichts ins Kloster (Bulgarien). Jeder Esel hat mehr Freunde als der Fuchs. Man muss den Fuchs fragen, wie man die Hühner vor ihm schützen soll. Wenn der Fuchs die Gänse lehrt, so ist der Gänskragen sein Lehrgeld. Wenn der Fuchs Richter ist, gewinnt schwerlich eine Gans den Prozess. Wenn der Fuchs schläft, hält ihn die Welt für fromm. Wer den Fuchs fangen will, muss mit den Hühnern aufstehen. Wieder ein Fuchs und keine Flinte.



Fuchs: Sprüche: "Alt mag ich sie nicht", sagte der Fuchs und fraß die junge Gans. "Da trifft ein Ehrenmann einen Ehrenmann", sagte der Fuchs, als er aus dem Hühnerstall kam zum Wolf, der aus dem Schafstall kam. Das ist nur ein Übergang, sagte der Fuchs, als man ihm das Fell über die Ohren zog (Volksmund). Den Füchsen die Leitung des Hühnerstalls überlassen. "Die Klugheit des Fuchses wird oft überschätzt, weil man ihm auch noch die Dummheit der Hühner als eigenes Verdienst anrechnet" (Hans Kasper). "Grüß Gott beinander", hat der Fuchs gsagt, wie er im Hühnerstall gwesen ist. "Hat der Fuchs die Nase erst hinein, /so weiß' er bald den Leib auch nachzubringen" (William Shakespeare). "Wenn Du nicht das Gewand des Löwen tragen kannst, wähle das des Fuchses" (Guy Williams). Chefschelte: Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, bei meinem Chef ist’s anders rum.
Vergleiche: Demokratie ist, wenn fünf Füchse und ein Hase darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt. "Mancher ist nicht nur schlau wie ein Fuchs, sondern auch gerissen genug, es sich nicht anmerken zu lassen" (G. Drews). "Was für die junge Braut der Kranz / und für das Kirchenlicht der Kragen, / das ist auch noch in unsern Tagen / dem Eichhorn und dem Fuchs der Schwanz" (Gottlieb Konrad Pfeffel). "Wer als ein Fuchs ein Amt erschleicht, der wird es als ein Wolf verwalten" (Karl Friedrich Kretschmann). "Wer sich nicht mit der Löwenhaut bekleiden kann, der nehme den Fuchspelz!" (Gracian).



Fuchs: Schimpfworte: Blindfuchs, Dienstfuchser, Federfuchser, Parteifuchs, Pfennigfuchser (Geizhals). Rotfuchs (rothaariger Zeitgenosse). Chefschelte: Er ist ein richtiger Fuchs, nicht so schlau, aber genauso stinkig. Er ist ein richtiger Fuchs, das Beste an ihm ist der Schwanz.



Fuchs: In der Fabel: S. auch Adler, Dohle, Eichhörnchen, Esel, Hahn, Huhn, Katze, Kranich, Lamm, Lerche, Marder, Pächter, Rabe, Ratte, Traube, Truthahn, Wiesel, Wolf, Ziege. In der sog. Friedensfabel verkündet der Fuchs, der König der Tiere habe den allgemeinen Frieden ausrufen lassen. Jede Kreatur, natürlich auch alle Vögel können zu ihm können, er werde ihnen gewiss nichts tun. Doch der Hahn durchschaute die Finte und griff seinerseits zu einer List: Er sehe da in der Ferne einen Jäger mit einer Hundemeute, die wollten sicher auch den Frieden verkünden. Da hielt es der Fuchs für das Beste, schleunigst Reißaus zu nehmen. Er legte sich auch mit dem Rücken auf die Erde und stellte sich tot, in der "Absicht, unbesonnene Vögel als Aas anzulocken und zu töten". Weitere Fabeln: Äsop (vgl. auch Phaedrus) u. a. "Der Fuchs und der Bock" (vgl. auch Friedrich von Hagedorn), "Der Wurm und der Fuchs" und "Der Fuchs mit dem Blähbauch": Ein hungriger Fuchs entdeckte in einem hohlen Baum Brote und Fleischstücke, die von den Hirten versteckt worden waren; schnell kroch er in das Loch und fraß alles auf. Davon blähte sich sein Bauch so auf, dass er nicht mehr herausschlüpfen konnte. Er stöhnte und jammerte gar sehr. Ein anderer Fuchs, der vorbeikam, erkundigte sich nach dem Grund. Dann sagte er: "Du musst eben so lange hier bleiben, bis du wieder so wirst, wie du warst, bevor du hineinstiegst, und wirst dann sicher ohne Probleme herauskommen."



Fuchs: In der Fabel: Matthias Claudius "Fuchs und Bär" und "Fuchs und Pferd". Jean de la Fontaine u. a. "Der Fuchs und die Störchin", "Der Fuchs und der Ziegenbock" und "Der Fuchs, die Fliegen und der Igel". Johann Wilhelm Ludwig Gleim u. a. "Der Fuchs und der Hofhund", "Der Löwe und der Fuchs" ("Denn was von mir ein Esel spricht, / Das acht’ ich nicht") und "Die Füchse, Dachse und der Bär". Friedrich von Hagedorn "Der Fuchs ohne Schwanz". Gotthold Ephraim Lessing u. a. "Der Affe und der Fuchs" und "Der Fuchs und der Storch". Johann Gottfried Herder "Alte Fabeln mit neuer Anwendung". Martin Luther u. a. "Der Fuchs". Phaedrus "Der Fuchs an die Maske" und "Der Fuchs und der Storch". Friedrich Rückert "Fuchs und Affe". Hans Sachs u. a. "Der Fuchs mit dem Hahn", "Fabel von dem Fuchs und der Katzen", "Der Fuchs mit der Schlangen" und "Der Fuchs mit dem Storchgast". Märchen: Brüder Grimm "Der Fuchs und die Katze".



Fuchs: In der Literatur:
"Auf, auf, sprach der Fuchs zum Hasen,
Hörst du nicht die Jäger blasen!"
(Walter Kempowski).

Volksmund:
"Bruder du sollst leben
Soviel Tag und soviel Jahr
Wie der Fuchs am Schwanz hat Haar."

Schüttelreim (B. Papentrigk):
"Nie glückts dem Fuchs, den Luchs zu fassen,
Drum ziemts, vom Luchs dem Fuchs zu lassen."

Oskar Maria Graf "Das Fuchseisen" (in "Kalendergeschichten" (1929). Nils Holgersson "Der Fuchs Smirre". Ephraim Kishon "Der Fuchs im Hühnerstall" (auch als Film 1978). David Herbert Lawrence "Der Fuchs". Astrid Lindgren "Tomte Tummetott und der Fuchs" (auch Film). Hermann Löns "Am Fuchsbau" und "Auf den Fuchs". Antoine de Saint-Exupéry "Der kleine Prinz" (1943). Gustav Schwab "Reineke Fuchs" (1837). Karl Simrock "Reineke Fuchs" (1845).



Fuchs: Im Gedicht: S. auch Elster, Jäger, Knecht. "Reynke de vos" (1498). Wilhelm Busch u. a. "Bewaffneter Friede" ("Ganz unverhofft an einem Hügel / sind sich begegnet Fuchs und Igel ..." und "Fuchs und Gans". Johann Wolfgang von Goethe u. a. "Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg" (Spiel, nach dem Tod wird das Erbe interessant) und Tierdichtung "Reineke Fuchs" (auch als Film). August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Das Füchslein" und "Wer andere jagt, muss selber laufen". Klabund "Fuchswerbung". Friedrich von Logau "Füchse". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Friedrich Rückert "Die Rettung des Fuchses". Hans Sachs "Her, her, wer Fuchsschwänz kaufen wöll". Friedrich Schiller "Reineke Fuchs" (in "Xenien").

"Der Fuchs stand vor dem Hühnerstalle
Und merkte in der Winternacht,
Die Einschlupflöcher waren alle
Just seinetwegen zugemacht ..."
(Ludwig Thoma "Jesuitendebatte")

Im Märchen: S. auch Vogel, Wolf. Brüder Grimm u. a. "Der Fuchs und das Pferd", "Der Fuchs und die Gänse" und "Der Fuchs und die Katze". Comicserie "Fix und Foxi (ab 1953; fix und foxi = fix und fertig).



Fuchs: Im Film u. a. s. auch Elster, Wolf. "Cap und Capper" (1981, Hund und Fuchs Walt Disney Zeichentrickfilm). "Das gefangene Füchslein" (Luis Trenker). "Der Fuchs und das Mädchen" (2007/08). "Der Gletscherfuchs" (1977). "Der Rotfuchs" (1993). "Die Fabel von Reineke Fuchs" (1928). "Fuchsjagd im Engadin" (1921). "Pelle und der Fuchs" (1991). "Reineke Fuchs" (1929, 1989). "Vuk – Der kleine Fuchs" (Trickfilm 1981).



Fuchs: Filmtitel: "Alaskafüchse" (1964). "Das Blut des Fuchses" (1995). "Der Blaufuchs" (1938 mit Zarah Leander). "Der fliegende Fuchs im Baum der Freiheit" (1989). "Der Fuchs" (1982, 1987). "Der Fuchs der Jäger" (1992). "Der Fuchs geht in die Falle" (1963). "Der Fuchs im Hühnerstall" (1978/79). "Der Fuchs von Belstone" (1973). "Der Fuchs von Glenarvon" (1940). "Der Fuchs von Paris" (1957). "Der graue Fuchs" (1982). "Der schlaue Fuchs" (1988). "Der Schlaufuchs" (1966). "Der Spruch der Füchse" (1992). "Die kleinen Füchse" (1941, 1962). "Die schwarze Füchsin" (1948). "Die Wüstenfüchse". "Duffy, der Fuchs von Tanger" (1967). "Fuchsjagd" (1958 TV-Serie "Ein Fall für zwei"). "Jagt den Fuchs!" (1965 mit Peter Sellers). "Keine Gnade für den Fuchs" (1972). "Operation Silberfuchs" (1981). "Rotfuchs" (1973). "Schonzeit für Füchse" (1965/66). "Stunde der Füchse" (1992 TV-Film). "Wüstenfüchse kennen kein Erbarmen" (1982).



Fuchs: Graphik und Malerei: Grandville "Der Fuchs in der Falle".
In der Malerei: S. auch Rabe. u. a. Albrecht Dürer "Der Fuchs und die Zeit drehen das Glücksrad" (Holzschnitt 1514) und "Fuchs und Hühner" (aus dem Gebetbuch Kaiser Maximilians), (1515). Franz Marc "Füchse" (1913) und "Hund, Fuchs und Katze". Ludwig Richter "Reineke der Fuchs" (1840).
In der Musik: Werner Egk "Der Fuchs und der Rabe" (Funkoper 1932). Leos Janácek "Das schlaue Füchslein" (Oper 1924). Igor Fjodorowitsch Strawinski "Reineke, der Fuchs".
Im Lied: "Fuchs du hast die Gans gestohlen". "Fuchs, Fuchs, Hühnerdieb, / Ich hab' meine Küchlein lieb." Reinhard Mey "Füchschen". Schlager: "The fox" (Harry Belafonte).



Fuchs: S. auch Bauernregel



Füchse: s. auch Fuchs



Furche:
"Flach bedecket und leicht den goldenen Samen die Furche,
Guter, die tiefere deckt endlich dein ruhend Gebein.
Fröhlich gepflügt und gesät! Hier keimet lebendige Nahrung,
und die Hoffnung entfernt selbst von dem Grabe sich nicht"
(Johann Wolfgang von Goethe).

Die Furche ist im Volksglauben Symbol für die Scheide und hat als heilige Mutter Erde magische Kraft. Furche (Hautfalte, Runzel). "Die Furche" (verschiedene Zeitschriftentitel). Furchenmolch, Furchenwal, Furchenschrift (Furchenschrift, alte Schreibweise der Griechen und Italiker), Furchenwal.
Redensarten: Sich in die Furche legen (devote Haltung annehmen, sich entschuldigen).
Sprichwörter: Alte Ochsen machen gerade Furchen (Spanien). Je tiefer die Furche, desto länger die Ähre (sorbisch). Ungleich Gespann macht krumme Furchen.
Im Film/Filmtitel: u. a. "Tiefe Furchen" (1965).



Futter: Redensarten: Ein guter Futterverwerter (Vielfraß, der nicht fett wird). Gut im Futter stehen/aus dem Futter gehen (gut genährt, dick). Jemanden füttern (z.B. einen Computer mit Daten), anfüttern (mit kleinen Bestechungsgeldern beginnen), durchfüttern, Futter (textiles Auskleidungsmaterial, Stoffeinlage, Werkzeugeinlage), Futterfisch, Futterkalk, Futterrehe (Pferdekrankheit), Futterrübe. Futtern (essen), nass futtern (z.B. Alkohol trinken). Futterkrippe (Esstisch. An der Futterkrippe sitzen = gut versorgt sein), Gut im Futter sein (gut genährt, fett), Kampf um Futtertröge (z. B. der Krankenhäuser um Patienten und lukrative Operatinonsmethoden), Studentenfutter (Rosinen und Mandeln).
Sprichwörter: Die Natur gibt Futter, aber sie bringt es nicht ins Nest (Finnland).
Sprüche: "Vegetarier essen keine Tiere, aber sie fressen ihnen das Futter weg" (Robert Lembke). Warum können Pferde nie Schneider werden? Weil sie ständig das Futter auffressen. Antispruch: Nicht immer hat die feiste Mutter / fürs Baby auch das beste Futter.
Vergleiche: "Neugier ist, wenn Klatschmäuler nach Futter schnappen" (Wolfram Weidner).
Schimpfworte: Drachenfutter (Geschenk, um eine eifersüchtige Ehefrau zu versöhnen), Futterneid, Grünfutter (Blumenstrauß), Kanonenfutter ("Kunden sind das Kanonenfutter des Geschäftslebens" (Rudolf Rolfs), Studentenfutter (Studentenfreundin). Die Möse füttern (koitieren).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Futter für süße Vögel" (1962).
S. auch Heu, Klee, Stroh





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