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Anfangsbuchstabe: G




Lexikon des Landlebens



Gabel: s. Mistgabel



Galletti, Johann Georg: Gymnasialrektor in Gotha (1750 - 1820). In seinen berühmt-berüchtigten "Kathederblüten" macht er sich auf sehr ungewöhnliche Weise über verschiedene Tiere, aber auch über Gewitter, Hühneraugen, Moore, Geistliche und Schnupftabak Gedanken:
"Die Tiere gehören zu den lebenden Personen."
"Über den Biber ist zu bemerken, dass seine Bauten weniger mit dem Schwanze als mit den Zähnen ausgeführt werden."
"Unter die Produkte von England gehören auch große Hunde, z.B. der Dachs."
"Die Eichen werden in der heißen Zone selten über 14 bis 1500 Klafter hoch."
"Die Elstern, Krähen und Dohlen gehören zum Geschlechte der Holzhäher."
"Unter allen Tieren hat die Ente mit dem Schweine die größte Ähnlichkeit."
"Pferde, die bloß zum Fahren sind, nennt man Maulesel."
"Die Gans ist das dümmste Tier, denn sie frisst nur so lange, als sie etwas findet."
"Bei den Israeliten waren die Heuschrecken, was bei uns der Hafer ist" und "Was in Deutschland der Regen ist, das sind in Russland die Heuschrecken."
"Als das Einimpfen der Kuhpocken noch nicht erfunden war, starben viele Blattern an den Kindern."
"Die ersten Menschen, die auf dem Lande lebten und keine Wohnung hatten, wurden alle von wilden Tieren aufgefressen."
"Die Kohlmeise ist von der Blaumeise dadurch unterschieden, dass sie blau ist."
"Und wenn die Wärme kommt, so ruhen die Murmeltiere den ganzen Winter über aus."
"Semiramis ließ 20000 schwarze Ochsen kaufen und aus ihnen Elefanten schneiden."
"Wenn einer als Pferd geboren wird, so kann er das nicht ändern. Er bleibt ein Pferd, bis er stirbt."
"Ratten und Mäuse bekommt man selten zu sehen und fast niemals in einer Mausefalle."
"In England sollen 25 Millionen Schafe sein; das ist aber unwahrscheinlich, denn so viele Schafe lassen sich gar nicht berechnen" und "Die Schafe dienen entweder zum Essen oder zur Wolle."
"In England ist für die, welche das beste Rindvieh darstellen, eine lebenslängliche Versicherung ausgesetzt" und "Das Rindvieh ist ein massenhaftes, nützliches Tier."
"Faunus war im Altertum eine ziegenfüßige Person."
"Das Schwein führt seinen Namen mit der Tat; denn es ist ein sehr unreinliches Tier."
"In einem Lande von 80000 Einwohnern werden jährlich nur 2 bis 3000 vom Blitz erschlagen."
"Manche Leute besitzen Hühneraugen, die bei Witterumschlag so schmerzempfindlich sind wie richtige Quecksilberbarometer."
"Eine Moorgegend ist eine Gegend, wo der Jäger mit Wasserstiefeln hingeht."
"So ein Landpfarrer hat eine Anzahl Ackerland, davon lebt der Pfarrer und die Kirche und alle übrigen."
"Die Haupteinnahme von Schneeberg besteht in Schnupftabak. Er schwächt das Gedächtnis und bringt den verlorenen Schwindel wieder."
"Die Tiger können nicht als Pferd gebraucht werden."
"Wenn einer als Pferd geboren wird, so kann er das nicht ändern. Er bleibt ein Pferd bis er stirbt."



Gämse: (Gemse). "Die Freunde der Felsen" (Nonnos). Der Teufel verbirgt sich gelegentlich in Gestalt einer Gämse, aber nur, wenn er kein anderes Tier findet: In der Hexenversammlung taucht er als Gamsbock mit goldenen Hörnern auf. Die Gämse soll auch ein Todesvorbote sein und wer auf sie schießt, werde in Wochenfrist sterben. Die Gamsklaue verleiht ihrem Besitzer Kraft und schützt vor Schwindel und Altersschwäche. Die Gämse ist auch sonst ein nützliches Tier: Sie liefert Leder, Horn für Stockgriffe und schließlich den Gamsbart, die "Krönung der männlichen Tracht". Dem Gamsbart wird hin und wieder eine "potenzfördernde" Wirkung zugesprochen.
Schnaderhüpflvers:
"Da droben auf der Alm,
Tuets Gamsl scherzen;
Wo koa Eifersucht ist,
Geht koa Liab von Herzen"

Gemshorn (Orgel: Flötenstimme). Tiernamen: Gemsbüffel. Pflanzennamen: Gamsblume, Gamsgras, Gemsenschwingel, Gemsheide, Gemshorn, Gamskraut, Gemskresse, Gemswurz.



Gämse: (Gemse).Sprüche: Alte Gams und alter Has / geben einen Teufelsfraß. "Das Tier hat auch Vernunft; das wissen wir, die wir die Gämsen jagen" (Friedrich Schiller "Wilhelm Tell"). "Die Ameisen oder Emsen / sind so weit jetzt, dass sie Gemsen / sich als Sklaven halten (Christian Morgenstern).Je höher die Berge, desto schöner die Gams. / Je schöner die Frauen, desto depperter san's. Schüleraufsatz: Die gehetzte Gämse sprang von Klippe zu Klippe. Endlich konnte sie nicht mehr weiter. Vor ihr gähnte der Abgrund und hinter ihr der Jäger. Schimpfworte: Gamsbart (Schamhaar).
In der Fabel: Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Die Gemse und die Ziege".
In der Literatur: Friedrich Gerstäcker "Gamsjagd in Tyrol" (1857).



Gämse: (Gemse).Im Gedicht: Wilhelm Busch "Naturgeschichtliches Alphabet" ("Die Gems' im Freien übernachtet, / Martini man die Gänse schlachtet"). Adelbert von Chamisso "Der Gämsen-Jäger und die Sennerin". Gottfried Keller "Der Gemsjäger".
Im Gedicht: Joseph von Eichendorff "Ein Gems auf dem Stein" (vertont von Johannes Brahms). Friedrich von Matthisson "Der Gemsenjäger".

"Und ganz besonders in den Alpen
Wild, wie die Rothaut nach den Skalpen,
Sind hier die Burschen auf den Fährten
Der Gämsen, wegen ihren Bärten"
(Eugen Roth "Tierleben für jung und alt").

In der Sage: Brüder Grimm "Der Gemsjäger".



Gämse: (Gemse).Im Film/Filmtitel: u. a. "Jagdrevier der scharfen Gemsen" (1975 Sexfilm).



Gämsen (Gemsen): s. auch Gämse



Gans: "Ein Vogel, auf dem früher Federhalter wuchsen" (E. G. Tange).
Bereits die alten Ägypter hielten vor 4500 Jahren große Gänseherden. Homer berichtet, dass Penelope, die Gattin des Odysseus, 20 Gänse besaß. Die Zeustochter Aphrodite benutzte sie als Reittier. Die Gans war der Göttin Iuno heilig. Gerühmt wurde die Wachsamkeit der römischen Gänse. Sie retteten 390 v. Chr. das Kapitol durch ihr Schnattern vor den feindlichen Galliern (Redensart: Lärmen wie die Gänse auf dem Kapitol. "Die Toren meinen, um das Kapitol zu erobern, müsse man zuerst die Gänse angreifen" Heinrich Heine). Der Kriegsingenieur Konrad Kyeser setzt sie Anfang des 15. Jahrhunderts als Alarmanlage in einer Burg ein. Berühmt wurde der Verhaltensforscher Konrad Lorenz mit seiner Graugans "Martina" (vgl. auch "Das Jahr der Graugans" 1979). Mädchen bilden einen Kreis um eine Gans; wem sie entgegenläuft, der kann auf eine baldige Hochzeit hoffen. Mädchen, denen Gänse jedoch nachlaufen, bekommen angeblich keinen Mann. Gänsefett hält den Bauch nach der Geburt flach; es schützt auch das Gesicht der Moskauer Kremlwache vor Erfrierungen. Am Sankt-Martinstag und zu Weinachten verzehren die Deutschen an die zehn Millionen Gänse. Sie kann bis 98 Jahre alt werden. Besonders beliebt in Frankreich ist die geräucherte Gänsebrust mit Sauerampfergemüse.
Gansbauch (u. a. Mode 16. Jh.). "Hölzerne Gans" (größtes je gebautes Fluggerät, 1947), Gansköpfen (Volksbelustigung). Tiernamen: Gänsegeier, Gänsesäger (Vogel), Ganter (Gänserich). Pflanzennamen: Gänsedistel, Gänsefingerkraut, Gänsefuß, Gänsekraut, Gänsekresse, Gänsemord (Kraut einer Waldrebe), Gänsepappel, Gänserich (u. a. Fingerkraut), Gänsesterbe (Kreuzblüter).



Gans: Redensarten: Aussehen wie eine gerupfte Gans. Er ist so dumm, dass ihn die Gänse beißen. Vor Kälte schnattern. Gänsegeier, Gänsekiel (Schreibgerät), Gänsemarsch (einzeln langsam hintereinander gehen. Schlager "Im Gänsemarsch" Will Glahé). Gänsewein (klares Wasser) trinken. Jemand röchelt wie eine Gans, die gestopft wird. Jemanden Gänsemilch besorgen lassen (in den April schicken).
Sprichwörter: Alte Gans und alter Has', / geben einen Teufelsfraß. Das ist die beste Stiefmutter, die einen grünen Rock anhat, auf dem die Gänse weiden. Dem Neider erscheinen des Nachbarn Hühner größer als die eigene Gans (Griechenland, ähnlich bei Juvenal "Satiren" über die Saat). Der Mönch predigte gegen das Stehlen und hatte eine Gans im Ärmel (England). Die Gänse rupft man auf dem Dorf, die Bauern in der Stadt. Drei Weiber, drei Frösche und drei Gänse machen einen Jahrmarkt.



Gans: Redensarten Eine Frau, die weint, ist geradeso zu erbarmen wie eine Gans, die barfuß läuft (England). Eine jut jebratene Jans ist ne jute Jabe Jottes (Berlin). Lass die Leute reden, Gänse können’s nicht. Magere Gans und herber Wein, / Gott behüt’ uns vor den zwei’n. Man kann einer Gans eher das Schnattern als einer Frau das Schwatzen abgewöhnen. Solange man sie nicht gegessen hat, weiß man nicht wie Gans und Taube schmecken (Japan). Wenn der Fuchs predigt, so hüte die Gänse!
Kinderreim:
"Gretel Pastetel,
was machen die Gäns'?
Sie sitzen im Wasser
Und waschen die Schwänz'."



Gans: Sprüche: "Es flog ein Gänschen über den Rhein, / Und kam als Gans wieder heim" (Ludwig Börne). "Heute bratet ihr eine Gans, doch in 100 Jahren wird ein Schwan aufstehen und ihr könnt ihn nicht besiegen" (Jan Hus, auf Dt. "Gans" auf dem Scheiterhaufen). "'Mir schwant was!' klagte der Gänserich, als der Hals seines Jüngsten immer länger wurde" (W. Mieder). "Ob die Gänse die Schönheit des Fuchses sehen?" (Stanislaw Jerzy Lec). "Wenn ich Großherzog wäre", sagte der Bauernbub, "hütete ich die Gänse zu Pferde".
Vergleiche: Das ist so, als verlange man von den Gänsen, sich auf Weihnachten zu freuen. "Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein Gänschen. Die Frau, die ihn nicht beeinflussen will – eine Heilige" (Marie von Ebner-Eschenbach). Koexistenz ist das, was der "Bauer mit der Gans bis zur Kirchweih tut" (E. G. Tange). "Steuern eintreiben heißt, die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viele Federn mit möglichst wenig Gezische bekommt" (Jean Baptist Colbert). Zielvereinbarungen ähneln der Kunst, mit der Gans einvernehmlich, kooperativ und gleichzeitig zielorientiert über den Weihnachtsbraten zu reden.



Gans: Schimpfwort: Kolleginnenschelte: Wenn sie weiter so trinkt, kann sie auf dem nächsten Faschingsball als gefüllte Gans gehen. "Wenn sie eine Gans isset, bleibt doch noch immer eine übrig" (Jean Paul).
Gänsebraten: Fett wie Göring, braun wie Goebbels und gerupft wie das deutsche Volk (Nazispott).

"Es stand auf dem Tische eine Gans,
Ein stilles, gemütliches Wesen.
Sie hat vielleicht mich einst geliebt,
Als wir beide noch jung gewesen"
(Heinrich Heine "Deutschland – ein Wintermärchen").

Synonym für Ehefrau (Ich trinke Jägermeister, weil mir mein Freund Fuchs die Gans gestohlen hat. Schreckliches Weihnachten, wenn die Gans nicht auf dem Teller liegt, sondern neben einem sitzt). Dumme (schon bei Terenz), blöde Gans, Gänschen ("Arrogänschen"). Gans, die goldene Eier legt (Frau mit Mitgift). Gänsedreck (Spinat), Gänsegrill (Badestrand), Gänsehirt (Lehrer an einer Mädchenschule, Direktor eines Frauengefängnisses, Reisebegleiter einer Damengruppe).



Gans: Schimpfwort: Gänseklein (Mädchengruppe. Wanderndes Gänseklein = Damenhut mit Federgarnitur), Gänseliesel (Lehrerin an einer Mädchenschule), Gänsestall (Mädchenpensionat, Frauenwohnheim, Frauengefängnis), Gänslein (unerfahrenes kindisches Mädchen), Gänsemelker, Gänsestall (auch Gänsefarm, Mädchenpensionat), Institutsgans (Schülerin einer Höheren Töchterschule). Mastgans (dicke Frau), rupfen (ausbeuten), Schneegans (dummes Mädchen). Daherwatscheln, schnattern wie eine Gans (Schnattergans). "Das Weib ist eine alberne Gans!" (Friedrich Schiller in "Kabale und Liebe"). Im Mittelalter, z.B. bei Wolfram von Eschenbach, wurde die Bezeichnung Gans auch für Männer gebraucht. Einer Gans die Hautabziehen (ein Mädchen entjungfern).



Gans: Fabeln: S. auch Eule, Esel, Fuchs, Kranich. Ein Mann besaß eine Gans, die goldene Eier legte. "Er hätte sich mit diesem Glücksumstand zufrieden geben sollen, doch begehrte er nach einiger Zeit zu wissen, woher die Goldeier kämen. So schlitzte er also den Wundervogel auf - mit dem Ergebnis, dass er nichts Besonderes fand und dass es nun mit dem Goldsegen ein für allemal vorbei war" (R. Schenda, nach Äsop "Die Gans, die goldene Eier legte"). Friedrich von Hagedorn "Die Gans und der Wolf". Gotthold Ephraim Lessing "Die Gans". Alexander Puschkin "Schwan und Gans".
Kinderreim: "Eia popeia, was raschelt im Stroh? / Die Gänschen gehen barfuß und habn kein Schuh ..." (auch Lied). Jean Paul "Fibels ABC-Merkverse" ("Das Fleisch der Gänse schmecket wohl, / Die Gabel es vorlegen soll").
In der Literatur s. auch Gämse. Martial "Epigramme" ("Die Gans"). Wilhelm Raabe "Die Gänse von Bützow" (1864/65). Leo N. Tolstoi "Wie der Bauer die Gänse teilte". Jakob Wassermann "Das Gänsemännchen" (Brunnenfigur). Carl Zuckmayer "Ein Bauer aus dem Taunus" (1927).



Gans: Im Gedicht: S. auch Fuchs.
"Die Welt ist reich und wohlberaten,
nur zäume nicht das Pferd am Schwanz,
wolle die Nachtigall nicht braten
und nicht singen lehren die Gans!"
(Emanuel Geibel)

Clemens Brentano "Ein Gänschen". Gottfried August Bürger "Gänsegeschrei und Gänsekiele". Wilhelm Busch "Der hinterlistige Heinrich" und "Lüethorst. Eine Gänsehistorie ohne Ende". Marie von Ebner-Eschenbach "Gänsezug". Heinz Erhardt "Ein Traum". Theodor Fontane "Die Gans von Putlitz und die Erstürmung von Angermünde".
"Das Leben ist ein Gänsespiel:
Je mehr man vorwärts gehet,
Je früher kommt man an das Ziel.
Wo niemand gerne stehet.

Man sagt, die Gänse wären dumm,
O, glaubt mir nicht den Leuten:
Denn eine sieht einmal sich rum,
Mich rückwärts zu bedeuten.

Ganz anders ist's in dieser Welt.
Wo alles vorwärts drücket,
Wenn einer stolpert oder fällt.
Keine Seele rückwärts blicket."
(Johann Wolfgang von Goethe: "West-östlicher Divan")

Günter Grass "Runkeln und Gänseklein". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben u. a. "Die wilden Gänse" und "Gänsekantate". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Friedrich Rückert "Sigurd unter den Gänsen" und "Zur Ehre der Gans". Alfred Tennyson "The Goose".
Im Märchen: S. auch Fuchs. Brüder Grimm u. a. "Die Gänsehirtin am Brunnen" (auch TV-Märchenfilm 1979). "Die goldene Gans" und "Die Gänsemagd" (auch Film, vgl. Karl Krolow "Apropos die Gänsemagd" 1974 und Bertolt Brecht "O Falladah, die du hangest!")



Gans: Im Film/Filmtitel: u. a. s. auch Hund "Der Gänsejunge Matti" (1976). "Die Gans von Sedan" (1959). "Die Gänse von Bützow" (1985). "Die Gänsemagd" (1957). "Die Geschichte von der Gänseprinzessin und ihrem treuen Pferd Falada (1988/89). "Die Geschichte der Gänseprinzessin". "Die goldene Gans" (Märchenfilm 1953, 1964, 1988, 1995). "Die Gänsehirtin und der König" (1983). "Gänschen" (1979). "Gänseliesel" (1918).



Gans: In der Malerei: u. a. Albrecht Dürer u. a. "Der Gänsenarr" (Holzschnitt 1494) und "Sitzender Bauer mit Gans" (Zeichnung). "Gänseliesel" (Hummelfigur). Max Liebermann "Gänserupferinnen" (1872).
In der Musik: Maurice Ravel "Meine Mutter, die Gans" (Ballett 1912). Max Reger "Zwei Gänse" (Lied).
Im Lied: "Die Gänse und die Antn, / das warn die Musikanten" und "Die Federgans, die Federgans, / die bringt der Braut den Hochzeitskranz" (aus der "Vogelhochzeit"). "Was der Gans alles aufgepackt worden ist" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). Schlager: "Maskenball im Gänsestall" (Comedian Harmonists). "Rocking goose" (Johnny & The Hurricanes).



Gans: Weihnachtsgans: Meist in der Form gefrorener polnischer Hafermastgänse.
Redensarten: Ausnehmen wie eine Weihnachtsgans (ausbeuten).
Sprichwörter: Kaum eine Gans glaubt an das Leben nach Weihnachten.
Sprüche: "Auf einem Gänsekalender wäre Weihnachten ein Heldengedenktag" (Josef Meier O’Mayr). So ist mir Weihnachten am liebsten: Eine fette Gans auf dem Tisch und eine magere im Bett.

Spottlied aus dem I. Weltkrieg:
"Heil dir im Siegerkranz,
Pellkartoffeln mit Heringsschwanz,
Heil Kaiser dir.
Friss in deines Thrones Glanz
Die fette Weihnachtsgans.
Uns bleibt der Heringsschwanz
In Packpapier."



Gans: Im Film/Filmtitel: u. a. "Die Weihnachtsgans Auguste" (1964, 1988).
In der Literatur: u. a. "Oskar Maria Graf "Die Weihnachtsgans".
Im Gedicht: Friedrich Rückert "Das Männlein in der Gans".



Gans: S. auch Gänsehaut, Gänseleber, Martin (hl., Martinsgans), Sanitätsgefreiter Neumann. Wildgans



Gänse: s. auch Gans



Gänseblümchen: (Maßliebchen). "Daisy" ("Auge des Tages" Geoffrey Chaucer). Vielleicht aus den Tränen der schönen Helena (nach Plinius), vielleicht auch aus den Tränen der hl. Maria oder der Maria Magdalena entstanden. Es war in der nordischen Mythologie der Göttin Freyja geweiht. Franzosen gründeten im 16. Jahrhundert einen "Gänseblümchenorden". Der französische König Ludwig IX. nahm es zusammen mit der Lilie in sein Wappen auf. Das Gänseblümchen fand dem neben Rosmarin als Abtreibungsmittel Verwendung. Verschiedentlich wurden Hasenfett, Regenwürmer, Gänseblümchen und Rosmarin eingesetzt, um sich der unerwünschten Leibesfrucht zu entledigen. Kenner schätzen die Gänseblümchencremesuppe. Wer die ersten drei Gänseblümchen im Frühjahr isst, wird im restlichen Jahr von Zahnschmerzen, Augenbeschwerden und Fieber verschont.
Redensarten: Gänseblümchen (Jungfrau). Das Gänseblümchen entblättern/ausrupfen (entjungfern).
Schon Goethe (so im "Faust") kannte die Verwendung der Blume als Liebesorakel, indem man wie bei der Margerite die Blüten einzeln nacheinander auszupfte und sprach:
"Er liebt mich,
er liebt mich nicht,
ein wenig,
von Herzen,
mit Schmerzen,
gar nicht."



Gänseblümchen: Viele Gänseblümchen im Frühjahr lassen wenig Heu erwarten. Sie deuten auch auf viele sterbende Kinder im Herbst hin.

"Schön Hilde war einst jung und rein,
ein Mädchen sonder Makel.
Sie rupfte Gänseblümelein,
der Liebe hold Orakel.

Dann schloss sie diesen ‘Fernverkehr’;
das Leben ward ihr Lehrer.
Jetzt rupft sie keine Blumen mehr,
Jetzt rupft sie die Verehrer."
(Heinz Schmidt "Hilde")

Sprüche: "Alles was wir unter Natur verstehen, ist die Großaufnahme eines Gänseblümchens" (Frank Thiess). "Bedenk, dass das demütigste aller Gänseblümchen verführerischer ist als die stolzeste und glänzendste Dornrose" (Honoré de Balzac). "Daisy Cutter" ("Gänseblümchenmäher", amerikanische Superbombe).
In der Literatur: Jean Anouilh "Ardéle oder das Gänseblümchen".
Im Gedicht: Felix Dahn "Maßliebchen". Heinz Erhardt "Das Gänseblümchen". Robert Herrick "An die Maßliebchen". John Keats "Gänseblume". Alfred Tennyson "The Daisy". William Wordsworth "To the daisy". Märchen: Hans Christian Andersen "Das Gänseblümchen".



Gänseblümchen: Im Film/Filmtitel: u. a. "Gänseblümchen" (1996 TV-Serie "Polizeiruf 110). "Gänseblümchen im Dezember – Frühling im Dezember" (1995). "Das Gänseblümchen wird entblättert" (1956 mit Brigitte Bardot).



Gänsefüßchen: Redensarten: Etwas in Gänsefüßchen sagen (unter Vorbehalt).
Sprüche: "Ein Plagiat ist ein Zitat, unter Weglassung der Gänsefüßchen" (Victor de Kowa). Der Dichter Jean Paul kritisierte im "Titan" die Sucht, Gänsefüßchen zu setzen. Warum heißen die Anführungsstriche Gänsefüßchen? Antwort: Je dümmer das Gänschen ist, desto sicherer wird man angeführt (nach M.G.S). Schimpfwort: Gänsefüßchendame (Prostituierte),



Gänsehaut: Redensarten: Eine Gänsehaut kriegen (frieren, Angst haben; leitet sich vom Anblick gerupfter Gänse ab). Gänsehautblick. Jemandem läuft eine Gänsehaut über den Rücken. Jemand bekommt Gänsehaut an der Magenwand
Sprüche: "Die Gänsehaut ist die Epidermis unserer Zeit" (Alfred Hitchcock). "Was aus meinen Ängsten geworden ist? Sie steckten mit der Gänsehaut unter einer Decke" (Ben Witter). "Er hatte so ein dickes Fell, dass er noch nicht einmal mehr eine Gänsehaut bekommen konnte" (Gerhard Uhlenbruck). "Die Angst ist eine Kosmetikerin, die aus einer gewöhnlichen Haut eine Gänsehaut macht" (Zarko Petan). Für Alfred Hitchcock ist der Krimi-Regisseur "ein Mann, der im Dunkeln Gänsehaut verkauft".
Schimpfworte: Gänsehaut (Jungmädchenkleid, Angst vor Frauen).



Gänseleber: Im alten Rom "stopfte" man die Gans mit süßen Feigen, ferner mit Mehl, Milch und Honig, um die berühmte Gänseleber zu erhalten, heute noch ein Leckerbissen in der französischen Küche.
Sprüche: "Des Himmels wertvollste Gabe an die Gans; ohne sie wäre dieser Vogel nicht imstande, uns mit Straßburger Gänseleberpastete zu versorgen" (Ambrose Bierce). "Eine übergroße Gänseleber, sie mag noch so gut schmecken, setzt doch immer eine kranke Gans voraus" (Clemens Brentano).
Vergleiche: "Der Art und Weise der Gänsemast / gleicht unsere Pädagogik fast; / man stopft hinein, lockt nichts heraus, / Singvögel werden schwerlich draus" (Adolf Gottlieb Christoph von Harleß).
Gänsemast hat vor allem in Frankreich eine lange Tradition. So werden die Federträger z.B. an einen Trichter angeschlossen, "in dessen Inneren eine Wendel den Maisbrei mechanisch und unaufhaltsam in den Gänsehals drückt". Das freut zwar den Feinschmecker, lässt aber den Tierschützer "erschaudern".
In der Literatur: Martial "Epigramme" ("Die Gänseleber").



Garten: s. Bauerngarten



Gasthaus: s. Wirtshaus



Gastwirt: "Der Wirt auf dem Lande ist unbestritten die angesehenste und einflussreichste Person. In allen Beratungen der Gemeinde gibt er gültigen Ausschlag und entscheidet in hartnäckigen Diskussionen durch Freigebung eines Eimers Bier die schwebenden Fragen in der Regel nach seinen Ansichten, wenn auch zum Nachteil der Gemeinde" (Dr. A. Berger 1860). "Ein Wirt ist befugt, vor der verschafften Zehrung den Reisenden ihre Pferde oder Geräte eigenmächtig zu hinterhalten, bis die Bezahlung erfolge" (Zedler 1748). Redensart: Die Rechnung ohne den Wirt machen (sich täuschen).
Sprichwörter: Wer nix wird, wird Wirt (Steigerung: Wer was wird, wird Wiesenwirt). Wo der Wirt vor der Türe steht, ist die Kneipe leer (Spanien). Wo die Wirtin schön ist, da ist der Wein gut (Frankreich).
Sprüche: Lieber den Bauch/Magen verrenkt, / als dem Wirt was g’schenkt.



Gastwirt: In der Literatur: Eulenspiegel "85. Historie". Feodor Michailowitsch Dostojewski "Die Wirtin". Hermann Kurz "Der Sonnenwirt". Peter Rosegger "Der Himmelherrgotts-Wirth" (in "Sonderlinge aus dem Volke der Alpen") und "Peter Mayr und der Wirt an der Mahr" (1893).
Im Gedicht: Paul Fleming "Auf ihres Wirtes seinen Namenstag". Martin Greif "Beim Jägerwirte". Anastasius Grün "Zur schönen Wirtin". Karl Immermann "Wirt und Gast" (in "Tristan und Isolde"). Friedrich von Logau "Schenke und Säufer". Eduard Mörike "Lammwirts Klagelied". Friedrich Müller "Der Wirt und die Gäste". Sandor Petöfi "Hortobágyer Wirtin". Friedrich Rückert "Der Schenkwirt und seine Gäste". Hans Sachs "Eulenspiegel mit dem Wirt". Friedrich Schnack "Der magische Wirt".



Gastwirt: Im Film/Filmtitel: "Am Brunnen vor dem Tore" (1952). "Die Lindenwirtin" (1930). "Die Lindenwirtin am Rhein" (1927). "Die Lindenwirtin vom Donaustrand" (1957). "Die Rechnung ohne den Wirt" (1946). "Die Wirtin an der Lahn" (u. a. 1955). "Die Wirtin vom Wörthersee" (1952). "Die Wirtin von der Lahn" (1967). "Die Wirtin von Maria-Wörth" (1952). "Die Wirtin zum Roten Ochsen" (1951). "Die Wirtin zum Weißen Rössl" (1943). "Die Wirtin zur Goldenen Krone" (1955). "Frau Wirtin … " (1968ff). "Kohlhiesels Töchter" (u. a. 1920). "Miranda - die Wirtin vom Po" (1985). "Rechnung ohne den Wirt" (1984 TV-Serie "Tatort"). "Susanne, die Wirtin von der Lahn" (1967). "Zum Stanglwirt" (Comedyserie).



Gastwirt: In der Malerei: u. a. Wilhelm Leibl "Ungleiches Paar" (Wirtstochter).
Im Lied: u. a. "Des Bauerwirts Heimkehr", "Die Mordwirtin" und "Trinklied" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Die Lindenwirtin" ("Keinen Tropfen im Becher mehr"). Ludwig Uhland "Der Wirtin Töchterlein" ("Es zogen drei Bursche wohl über den Rhein …").



Gastwirt: S. auch Betrug. Wirtshaus



Gaul: s. Pferd



Gebet:
"Vater unser, der du bisch' -
und Knödel aufn Tisch
und a Bratl in der Pfannen -
unsers Absterbens, Amen."
(Kindertischgebet aus dem Burggrafenamt)



Gebirgsbach: s. Wildbach



Geflügel: Im alten Rom mussten die Geflügelställe geräumig und luftig sein, mit Auslauf und fließendem Wasser für die Enten.
Redensarten: Geflügeltes Wort (Zitat, vgl. auch Georg Büchmann "Geflügelte Worte", bereits bei Homer).
Vergleiche: "Will man heiraten, muss man sich meistens entscheiden zwischen irdischem und himmlischem Geflügel: Gans oder Engel" (Curt Goetz).
Schimpfworte: Geflügel (das weibliche Geschlecht), Käfighaltung (Gefängnis).
In der Literatur: Mark Twain "Über Geflügelzucht".
S. auch Ente, Hahn, Hähnchen, Huhn, Hühner …, KIM, Taube



Geier:
"Was dir tief in der Leber frisst und aus der
Brust die innersten Fasern reißt - kein Geier
ist es, wie es die Dichter harmlos nennen:
nur des eigenen Herzens Neid und Habsucht!"
(Petronius "Satyrikon").

Wie der Rabe Aasfresser, deswegen sein übler Ruf. Schon bei den Germanen wegen seiner Gefräßigkeit und Gier berüchtigt. Konrad von Megenberg glaubte, dass der Geier seine Mutter tötet, wenn sie vor Altersschwäche nicht mehr fliegen kann. An das Scheunentor genagelt hielt der Vogel Blitze ab. Geierschmalz half gegen Gicht. Geierhirn auf den Bauch von Mann und Frau gelegt soll Unfruchtbarkeit bewirken. Ähnlich wie dem Adler wird dem Geier, vor allem dem Lämmergeier, nachgesagt, dass er Schafe und kleine Kinder raube, um sie in seinem Horst zu verspeisen. Ein Schweizreisender berichtete 1849 von einem Knaben, "dessen Schädel und Knochen man zwischen den Felsen erst nach mehreren Monaten wieder fand. Ein Jäger, der sie entdeckte, packte die traurigen Reste in seinem Schnupftuche zusammen und überbrachte sie den Eltern." Die Polizei von Niedersachsen will mithilfe von Geiern nach Leichen suchen.



Geier: Redensarten: Etwas passt wie der Geier ins Taubenhaus. Das weiß der Geier. Hol's der Geier! Geh’ zum Geier! Sie stürzen sich auf ihn wie die Geier. Wie ein Geier sein (gierig sein). Geier (Spielart beim bayerischen Schafkopf, verschiedene Marine-Schiffe), Geierfonds (Anlageart, bei der angeschlagene Firmen aufgekauft und anschließend "ausgeweidet" werden), Geierhaube (altägyptische Kopftracht), Geierstele (sumerische Siegesstele), Rockband "Geier Sturzflug". Tiernamen: Geierschildkröte.
Sprüche: "Wenn es eine Wiedergeburt gibt, möchte ich gerne als Geier zurückkommen. Niemand hasst oder beneidet ihn oder will ihn oder braucht ihn. Er wird nie behelligt und ist nie in Gefahr, und er kann alles essen" (William Faulkner).
Schimpfworte: Aasgeier, Arschgeier, Geiernase (große, gebogene Nase), Geldgeier, Jochgeier (schreien wie ein Jochgeier), Kuttengeier (Mönch), Pleitegeier (so wird auch der Adler des Reichs- bzw. Bundeswappens beschimpft. Jemandem sitzt der Pleitegeier auf dem Dach), Profitgeier.

"Vor den Hunden sind nicht sicher die Katzen,
Vor den Katzen nicht die Ratzen,
Vor den Geiern nicht die Spatzen,
Vor den Junggesellen in grünen Auen
Noch weniger die Jungfrauen" (Wander).



Geier: Fabeln: S. auch Hahn. Jean de la Fontaine "Der Geier und die Tauben" und "Der Geier und die Nachtigall". Phaedrus "Der Hund, der Schatz und der Geier".
In der Literatur: Wilhelmine von Hillern "Die Geyer-Wally" (1875, 1880 Bühnenstück, 1892 italienische Oper mit dem Titel "La Wally". Verschiedene Heimatfilme, so 1940 und 1956). Im Buch wird die gefährliche Begegnung Wallys mit dem Geier, als sie dessen Nest ausnehmen wollte, anschaulich geschildert: "Da rauschte es durch die Lüfte und in demselben Augenblick ward es dunkel um sie her und wie in Sturm und Hagelwetter schlug und brauste es um ihren Kopf. Ihr einziger Gedanke war: ‚Die Augen, rette die Augen!' und das Gesicht dicht an die Felswand drückend, focht sie mit dem Messer ihrer Rechten blindlings gegen das wütende Tier, das mit dem scharfen Schnabel, den Klauen und Fittichen auf sie eindrang." Franz Kafka "Der Geier". Karl May "Unter Geiern" (auch Film 1964) und "Trapper Geierschnabel".



Geier: Im Gedicht:
"Hör' auf, mit deinem Gram zu spielen,
der, wie ein Geier, dir am Leben frisst;
die schlechteste Gesellschaft lässt dich fühlen,
dass du ein Mensch mit Menschen bist"
(Johann Wolfgang von Goethe).

Samuel Beckett "Der Geier". Max Dauthendey "Im Aug’ eines Geiers". Günter Grass "Duell mit dem Geier". Annette von Droste-Hülshoff "Der Geierpfiff" (Ballade). Nikolaus Lenau "Auf meinen ausgebälgten Geier". Christian Morgenstern "Geier Nord". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Friedrich Rückert "Singvögel und Geier".



Geier: Im Film u. a. "Die Geierwally" (1921, 1940, 1956, 2005, Parodie 1988). Filmtitel: "Aasgeier" (1956, 1982). "Asphaltgeier" (1958). "Den Aasgeiern kalt serviert" (1974). "Den Geiern zum Fraß" (1968). "Der Geier" (1996). "Der Geier von Arizona" (1950). "Die Aasgeier" ( 1957 und 1982). "Die Aasgeier kommen. Killer-Mission" (1978). "Die Beute des Geiers" (1981). "Die blutigen Geier von Alaska" (1972/73 "Die Geier von Shilo River"). "Die Fehde der Geier" (1966). "Die Geier von Carson City" (1953). "Die Geier warten schon" (1972 mit Rock Hudson, 1991). "Die Stunde der Aasgeier". "Die vier Geier der Sierra Nevada" (1965). "Die Zeit der Geier" (1967). "Django – die Geier stehen Schlange" (1968). "Django und Sabbata – wie blutige Geier" (1970). "Ein Fressen für die Geier" (Western 1969). "Geier, Geld und goldene Eier" (1984). "Geier im Reisrand" (2000). "Geier kennen kein Erbarmen" (1972/73). "Geier können warten" (1968 mit Senta Berger). "Huasca - Wie tödliche Geier" (1964). "Im Zeichen des Geiers" (1966). "Spiel der Geier" (1979). "Unter Geiern" (1964). "Zeit der Geier" (1984). "Zwei Aasgeier" (1967).



Geier: In der Kunst: Altägyptische Geierstele.
Im Lied: Aus der "Vogelhochzeit" ("Der Geier, der Geier, / der bringt der Braut den Schleier"). Schlager: "Weiß der Geier" (Wolfgang Petry).



Geier: S. auch Aas



Geiß: s. Ziege



Geld: s. auch Adler, Ei(er), Kröte, Maus, Moos



Gemüse:
"Auf dem gestrüppreichen Boden pflanzte er spärlich Gemüse,
leuchtende Lilien, starkzehrenden Mohn und heilige Kräuter"
(Vergil "Vom Landbau").
Die alten Römer verfeinerten ihre Mahlzeiten mit Bohnen, Erbsen, Lauch, Kohl und Rüben.
Redensarten: Gemüse (Durcheinander), quer durch den Gemüsegarten.
Sprüche: "Der Hausfrau soll es nicht an Kohl noch an Rüben oder sonst einem Gemüse im Topf ermangeln, damit dem unseligen Kartoffelgenuss nur einigermaßen das Gleichgewicht gehalten werde" (Johann Wolfgang von Goethe). Gemüse ist bekömmlicher, wenn es vorher durch den Magen einer Sau gegangen ist. Wir würden viel gesünder leben, wenn Gemüse so gut duftete wie Schinkenspeck.
Vergleiche: "Lorbeer ist ein schnell welkendes Gemüse" (Giovanni Guareschi).
"Goldene", "Silberne", "Bronzene Möhre" ("Auszeichnung für das unzuverlässigste Auto).



Gemüse: Schimpfworte: Dörrgemüse/Dörrobst (verbrauchte Frau, alte Leute), Duftgemüse (Blumenstrauß), Friedhofsgemüse (Senioren), grünes/junges Gemüse (kleine Mädchen, Kinder), Grünzeug (Kinder, unreife, junge Menschen), tönendes Gemüse (Erbsen, Bohnen), Trockengemüse (ältere Frau, schlaffer Penis). Gemüseeule. Pflanzenname: Gemüsekard (Cardy).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Bienzle und der Tod in der Markthalle" (2005 TV-Tatort Gemüsehändler). "Diamanten im Gemüsemarkt" (1992). "Galactic Gigolo – Gemüse aus dem All" (1987). "Der Gemüsehändler von Paris" (1953). "Junges Gemüse" (1956).
In der Malerei: u. a. Paul Gauguin "Gemüsebauern in Vauguirard" (1879). August Macke "Gemüsefelder" (1911).
S. auch Erbse, Gurke, Kohl, Kohlrabi, Kraut, Kren, Kürbis, Schwarzwurzel, Sellerie, Tomate, Zwiebel



Geographische Begriffe: Milchsee, Weinsee, Butterberg, Getreideberg, Rindfleischberg



Georg (hl.): Griechisch "der Landbebauer". Er ist Patron der Hirten und Herden. In Russland heißen die Wölfe St.-Georgshunde.
Im Gedicht: Friedrich Rückert "Als wir vor Georgitage …" Ludwig Uhland "Sankt Georgs Ritter".
In der Malerei: u. a. Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach d. Albrecht Dürer (verschiedene Motive).
Im Lied: "Ritter St. Georg" (aus "Des Knaben Wunderhorn").



Gericht: In einem Kommentar des 18. Jahrhunderts zum bayerischen Strafgesetzbuch steht die Frage, welche Tageszeit zur Eidesleistung bei Gericht am günstigsten sei. Antwort: "Vormittags, weil bei den Teutschen der Verdacht vorhanden ist, dass sie am Nachmittag nicht mehr nüchtern sind."
Sprichwörter: Prozessiert ihr um eine Kuh, legt ihr ein Pferd noch dazu (Holland. Variante: Wer einen Prozess führt um eine Kuh,/ verliert das Kalb dazu). Wenn’s aufs Schwören ankommt, ist die Kuh unser. Wo der Arme zum Dorfrichter wird, ist's hohe Zeit, dass die Reichen den Ort verlassen (Russland).
Im Gedicht: Matthias Claudius "Der Bauer, nach geendigtem Prozess":
"…Gottlob, dass ich ein Bauer bin;
Und nicht ein Advokat!
Und fahr ich wieder zu ihm hin;
So breche mir das Rad!"



Gericht: Im Film/Filmtitel: u. a. "Anwalt gegen das Gericht" (1974). "Chaos! Schwiegersohn Junior im Gerichtssaal" (1995). "Das brennende Gericht" (1962). "Das Gericht" (TV-Serie "Der Alte"). "Die Gerichtsreporterin" (1994 TV-Serie ). "Die große Gerichtsverhandlung" (1961 Kinderfilm). "Erotik vor Gericht" (1984 Sexfilm). "Gerichtsakte Nr. 205/1913" (1984). "Gerichtstag" (1988, 1991). "Gerichtstage" (1992). "Heiteres Bezirksgericht" (1987 TV-Serie). "Kinder vor Gericht" (1931). "Kleines Bezirksgericht" (1938). "Liebe vor Gericht" (1978). "Ruhe, das Gericht tagt!" (1972). "Schwurgericht" (1950, 1995 TV-Serie, 1996). "Sein ist das Gericht" (1922). "Venus vor Gericht" (1941). "Vor Gericht" (1999).



Gericht: S. auch Rechtsanwalt



Gerste: "Es füllte die Göttin ihnen mit leuchtender Gerste in reichlichem Maße die Tenne" (Theokrit).
Sie soll bei Neumond oder bei zunehmendem Mond gesät werden. Dann bringt sie guten Ertrag. Wer am Hl. Abend Gerstenstroh füttert, der bewahrt das Vieh vor Seuchen. Um ein Gerstenfeld vor Vögeln zu schützen spricht man:
"All' ihr Vögel und Vögelein,
Die Früchte sollt ihr meiden,
Gleichwie die liebe Jungfrau
Die Junggesellen tut meiden."

Redensarten: Mit einem Auge ins Gerstenfeld, mit dem anderen in den Kleeacker schauen (für schielen). Krithomantie ist die schon im Altertum geübte Kunst, aus Gerstenkörnern wahrzusagen. Man wirft geschälte Körner ins Wasser. Schwimmen sie obenauf, verheißt das Glück, gehen sie unter, bringt es Unglück. Gerstenkorn (Talgdrüsenentzündung am Augenlid. Man kann es heilen, indem man einen Kupferpfennig auf die entzündete Stelle drückt. Spruch: Lieber ein Weizenbier in der Hand als ein Gerstenkorn im Auge). Gerstensaft (Bier), Gerstenzucker/Malzzucker (Bonbonmasse).
Sprüche: "So viele Körner Gerste du deinem Pferd gibst, so viele Sünden seien dir vergeben" (Mohammed). Sprichwörter: Wer Gerste säen will, muss es nicht den Hühnern erzählen.
In der Literatur: Martial "Epigramme" ("Gerste"). Robert Burns "Die Nacht am Gerstenraine" und "John Barelycorn".



Gertrud (hl.): Die fromme Legende berichtet, dass sie der Teufel in Gestalt einer Maus beim Spinnen geärgert hat. Durch ihr Gebet vertrieb sie den ungebetenen Gast. Seitdem wird die Heilige bei Mäuseplage angerufen. Die Mäuse in ihrem Gefolge wechseln am Gertrudentag (17. März) von den Feldern in die Bauernhäuser.
Sprichwörter:
Es führt St. Gertraud
Die Kuh zum Kraut,
das Ross zum Flug,
die Bienen zum Flug.



Geschirr: (Pferdegeschirr). Redensart: An einem Strang ziehen. In den Sielen sterben ("Ein braves Pferd stirbt in den Sielen" Otto von Bismarck). Sich ins Geschirr legen (z.B. der Beamte in der Kantine). Sich am Riemen reißen. Sich in die Riemen legen. Was das Zeug (Zuggeschirr) hält. Wie der Herr, so's Gscherr (…, so der Knecht, nach Petronius). Essgeschirr.
Schimpfworte: Geschirr (weibliche Brust), Vordergeschirr (Genitalien).
S. auch Strick



Geschlechtsverkehr: s. Koitieren



Getreide: Zweitweise Währung nach der Oktoberrevolution in Russland. Pflanzenname: Getreideschwinge.
Redensarten: Auswachsen (vom überreifen, nicht geernteten Getreide, das auf dem Feld Keime treibt).
Sprichwörter: Wenn den Bauern so viel Getreide wüchse, als Lügen bei ihnen aufgehen, so hätten sie das ganze Jahr zu dreschen. Umkehrspruch: Nimm den Wucherern das Getreide und lass’ das Getreide wuchern!
Sprüche: "Wer bewirkt, dass dort, wo bisher ein Halm wuchs, nunmehr zwei Halme wachsen, der hat mehr für sein Volk geleistet, als ein Feldherr, der eine Schlacht gewann" (Friedrich der Große).
Vergleiche: "Ein deutsches philosophisches System kommt mir vor wie ein Getreidefeld, zu dem man uns hinführt und uns freundlich einlädt, uns satt zu essen" (Ludwig Börne). Schwierige Frage: Das wievielte Getreidekorn, das zu bereits daliegenden Körnern gelegt wird, macht den Haufen?



Getreide: In der Literatur: Martial "Epigramme" ("Getreide").
Im Gedicht: Henry Wadsworth Longfellow "Blessing the Cornfields".
In der Malerei: u. a. Vincent Gogh "Getreidefeld mit den Raben" (1890). Franz Marc "Getreidegarbe" (1907). Jean-François Millet (II) "Mann beim Getreidesieben" (1846–1847). S. auch Ähre, Dinkel, Ernte, Gerste, Korn, Mutterkorn, Roggen, Stoppeln, Weizen



Geweih: Aus der griechischen Sage: "Aktäon wurde von Artemis mit einem Geweih versehen, weil er sie im Bade belauscht hatte. Die Sitte des Geweihes ist später für andre Fälle verwendet worden" (W. Foitzick). Berühmt war der kerynitische Hirsch mit goldenem Geweih, der auf dem Berg Keryneia im Nordpeloponnes lebte und von Herkules gefangen wurde. Pflanzennamen: Geweihbaum, Geweihfarn.
Redensarten: Einem ein Geweih aufsetzen (ihn mit seiner Frau betrügen).
Sprüche: "Der Ehemann ist seiner Frau ausgeliefert auf Geweih und Verderb" (Alexander Roda-Roda). "Wirft der Hirsch sein Geweih ab, bekommt er im Karneval ein neues" (Wilhelm Busch "Vorlesungen aus dem Gebiet der Naturgeschichte").
Vergleiche: Wo die Hirsche ihr Geweih abwerfen (abgelegenen Gegend).
Schimpfworte: Arschgeweih (Tätowierung über dem Gesäß), Arschgeweih fürs Auto (Sylt-Aufkleber). Zwölfender: "... spöttisch für einen Soldaten, der die genannte Anzahl von Jahren Wehrdienst zu leisten oder geleistet hat." (H. Pfeiffer).
Im Film /Filmtitel: u. a.: "Der Hirsch mit dem goldenen Geweih" (1971).
In der Malerei: Albrecht Dürer (Zeichnung).
S. auch Horn.



Gewitter: Feind des Bauern, der mit geschulterter Sense über das Feld geht. Er hätte sich besser mit geschlossenen Füßen auf den Boden gehockt (nicht gelegt!) - weit weg von der Sense! Touristen, die mit dem Regenschirm unterwegs sind, sollten ihn zusammenklappen, oder ihn wenigstens in die rechte Hand nehmen - in der linken Hand getragen leitet er den Blitz mitten durchs Herz. Die Volksmeinung ist falsch, dass der Blitz nirgends zweimal einschlägt. Blitze warten mit zahlreichen Superlativen auf: Durch den mehrere Kilometer langen aber nur wenige Millimeter dicken Blitzkanal schießt ein Stromstoß bis zu 40.000 Ampere zur Erde. Er erreicht dabei 30.000 Kilometer pro Sekunde. Die Luft erhitzt sich dabei auf ca. 30.000 Grad Celsius.



Gewitter:
Vor den Eichen sollst du weichen.
Und die Weiden sollst du meiden.
Zu den Fichten flieh mitnichten,
Linden sollst du finden,
Doch die Buchen musst du suchen!

Dieser Spruch ist lebensgefährlich! Jeder einzeln stehende, vor allem hohe Baum, ist gefährlich. Wenn der Landwirt schon während eines Gewitters seine Äcker inspizieren will, dann am besten in einem Mercedes der S-Klasse. Für den kleinen Nebenerwerbslandwirt tut es jeder andere Wagen - quasi als Faradayscher Käfig. Daheim angekommen sollte er das Telefon meiden und lieber zum Handy greifen - solange er noch den Donner hört.
Uns Kindern erzählte man, dass im Himmel die Engel miteinander kegelten, wenn es donnerte. Starb ein Mensch durch Blitz, so gelangte er ohne Umweg über das Fegefeuer in den Himmel. Die Altvorderen glaubten, ein Storchennest auf dem Dach schütze vor Blitzschlag, ebenso Schwalbennester und oder Ziegenhörner am Hausgiebel. Früher wurden Pappeln als Blitzableiter neben das Haus gepflanzt. Als Gewitterblumen, die den Blitz abhalten, gelten u. a. Alpenrose, Ehrenpreis, Enzian, Glockenblume, Königskerze, Nelke, Tausendgüldenkraut, Wegwarte und Windröschen. Wenn auch sie nicht halfen, blieb nur das Marterl, wie im Pitztal:
"Hier liegen begraben,
vom Donner derschlagen,
drei Schaf, a Kalb und ein Bua.
Herr, gib ihnen die ewige Ruah."

Der Göttervater Zeus wirft mit Blitzen um sich zur Einschüchterung der Menschen. Luther sah 1505 in einem einschlagenden Blitz den Teufel.



Gewitter: Redensarten: Das ist derart abgekupfert, dass man jeden Moment fürchten muss, der Blitz werde einschlagen. Den Blitz anbinden wollen (Unsinniges tun). "Donnerwetter!" (Ausruf der Anerkennung). Ein Donnerwetter loslassen (lautstark schimpfen). Blitzableiter sein (Kritik auf sich nehmen). Eheliches/häusliches Gewitter (Ehestreit). Niedergedrückt sein wie ein Ährenfeld nach einem heftigen Gewitter. Reinigendes Gewitter. Wie der Blitz (sehr schnell), wie ein geölter Blitz. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel (überraschend, unvermutet). Wie ein Blitz einschlagen (von durchschlagender Wirkung). Wie vom Blitz getroffen (starr vor Schrecken). Wie vom Donner gerührt. Zum Donnerwetter (Fluch. Jetzt reicht’s mir!). Blitzartig, Blitzeis, geblitzt werden (u. a. durch Radarfalle), Blitzer (nackter Mann), Blitzesschnelle, Blitzkrieg (II. Weltkrieg), Blitzlicht, Blitzlichtgewitter, blitzsauber, wie ein geölter Blitz, Geistesblitz ("Auch Geistesblitzen folgt manchmal ein Donnerschlag" Wolfgang Eschker. "Zu den Blitzen des Genies machen die Talente den Donner" Peter Sirius). Verdonnern (verurteilen). Pflanzennamen: Gewitterblume (Narzisse).



Gewitter: Sprichwörter: Bevor es donnert, wird der Bauer sich nicht bekreuzigen (aus Russland). Ein leidenschaftlicher Greis ist wie ein Gewitter im Winter (Volksmund). Eine Frau und ein Gewitter sind immer zu fürchten. Man soll sich nicht erst dann bekreuzigen, wenn es zu donnern anfängt (Russland). Wenn das Gewitter vorbei ist, kommen die Gebetbücher in den Winkel.



Gewitter: Sprüche: "Gewitter sind Kampfhandlungen an der Schlechtwetterfront" (Karl-Heinz Karius). Lieber ein Loch in der Hose als ein Gewitter im Anzug (Sprüchekalender). "Schlägt der Blitz beim Nachbarn ein, / kann es nur Gottes Wille sein" (Dietmar Bittrich). Ständiger Donner erregt nicht mehr Aufmerksamkeit als das Geklapper einer Mühle" (Kingston). Dich soll doch gleich der Blitz beim Vögeln treffen (Militär: Ausbilderspruch).



Gewitter: Vergleiche:
"Blüte edelsten Gemütes
ist die Rücksicht. Doch zuzeiten
sind erfrischend wie Gewitter
goldne Rücksichtslosigkeiten…"
(Theodor Storm)

"Das Alter, der Mondschein des Lebens, hat keine Gewitter der Leidenschaften; aber unter dem frühern Sonnenschein blitzen sie" (Jean Paul). "Auch Geistesblitzen folgt manchmal ein Donnerschlag" (Wolfgang Eschker). "Autorität leidet am meisten, wenn von ihr zu oft Gebrauch gemacht wird. Donner ist gut und eindrucksvoll, aber die Arbeit leistet der Blitz" (Mark Twain). "Das eben ist der Liebe Zaubermacht, dass sie veredelt, was ihr Hauch berührt Der Sonne ähnlich, deren goldener Strahl Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt" (Franz Grillparzer). "Die Leiden sind wie die Gewitterwolken: In der Ferne sehen sie schwarz aus, über uns grau" (Jean Paul "Hesperus"). "Ein geglückter Ehekrach ist ein Donner, der den Blitzschlag verhindert" (Inge Meysel). "Es sind nicht die schlechtesten Ehen, wenn ein Blitz mit einem Blitzableiter verheiratet ist" (Tilla Durieux). "Großen Seelen ziehen die Schmerzen nach wie den Bergen die Gewitter"(Jean Paul).



Gewitter: Vergleiche: "In unserem Seelenleben liegen zwischen Blitz und Donner oft viele Jahre" (Hans Arndt). "Jeder Wolkendunst unserer Jugend, der sich harmlos zu verziehen schien, kommt irgendwann einmal als Gewitter wieder" (Arthur Schnitzler). "Kannst du keine Blitze werfen, / Freund, so lass das Donnern auch!" (Emanuel Geibel). "Liebe ist für mich etwas, das wie ein Gewitterregen vom Himmel fällt" (Terry Torday). "Napoleon war ein Naturereignis. Ihn einen großen Schlächter schmähen heißt nichts anderes, als ein Erdbeben groben Unfug schelten oder ein Gewitter öffentliche Ruhestörung" (Christian Morgenstern). "Wenn einem Geistesblitz sofort der Donner folgt, ist das Gewitter direkt über einem" (Wolfgang Mocker). "Zeiten langen Glücks zerrinnen oft in einem Augenblick, so wie die heißen Sommertage von einem Gewittersturm verweht werden" (Luc de Clapier Vauvenargues).
#4
Gewitter: Schimpfworte: Bei-Gewitter-Stecker-Rauszieher ("Weicheilexikon"), Bei-Gewitter-zu-Mamma-Renner ("Weicheilexikon"), Donnergott (Richter in der Knastsprache). Es hat eingeschlagen (schwanger sein). Gewitterverteiler (breitrandiger Damenhut).



Gewitter: In der Literatur:
"Doch Segen quillt und warme Fruchtbarkeit,
wenn die Gewitterlüfte sich entladen"
(Friedrich Schiller "Wilhelm Tell").

In der Fabel: Jean de la Fontaine "Jupiter und die Donnerwetter".
In der Literatur: Werner Bergengruen "Die Greiffenschildtschen Damen" (in: "Die Flamme im Säulenholz" (1955). Georges Duhamel "Gewitternacht" (dt. 1928). Ludwig Ganghofer "Gewitter im Mai" (auch als Film). Hugo von Hofmannsthal "Dämmerung und nächtliches Gewitter". Ernst Jünger "In Stahlgewittern" (1920). Mark Twain "Mrs. McWilliams und das Gewitter" (1880). Rainer Maria Rilke "Gewitter-Segen". Peter Rosegger "Schwere Gewitter" (in "Alpensommer"). Françoise Sagan "Stehendes Gewitter".



Gewitter: Im Gedicht: Werner Bergengruen "Im Gewitter" (in "Figur und Schatten"). Georg Britting "Vor dem Gewitter". Wilhelm Busch "Fehlgeschossen". Lord Byron "Stanzas Composed During a Thunderstorm". Hans Carossa "Überm Gewitter". Adelbert von Chamisso "Ungewitter". Max Dauthendey "Mit Gewitterfurcht in den Rippen". Richard Dehmel "Gewittersegen". Heinz Erhardt "Das Unwetter". Gustav Falke "Kurzes Gewitter". Theodor Fontane "Gewitter". Stefan George "Gewitter". Johann Christoph Gottsched "Dass der Mensch selbst an seiner Verdammung Schuld sei. Bei Gelegenheit eines Donnerwetters". Martin Greif u. a. "Gewitterhymnus" und "Nach dem Gewitter".



Gewitter: Im Gedicht: Catharina Regina von Greiffenberg "Auf den Geistlichen Wortes-Donner: im größten Donnerwetter / im Garten". Anastasius Grün "Moderne Panacee". Andreas Gryphius "Auf das grausame Ungewitter/ so den 24. Aug. 1654. entstanden" Friedrich Hebbel "Bei einem Gewitter". Johann Peter Hebel "Das Gewitter". Heinrich Heine "Gewitter" (in "Die Nordsee"). Hermann Hesse u. a. "Es kommt ein Gewitter" und "Augenblick vor dem Gewitter". Paul Heyse "Morgen nach dem Gewitter". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Blitzableiter". Arno Holz "Abklingendes Aprilgewitter" (in: "Phantasus"). Peter Huchel "Die Ordnung der Gewitter". Johann Georg Jacobi "Das Gewitter". Gottfried Keller "Gewitter im Mai" und "Gewitterabend". Theodor Körner "Beim Gewitter".

"Der rote Schatten des Milans
Zerfällt unter Schirmakazien...
Die fensterlosen Häuser
Wenden sich ab.
In schwarzen Nischen
Hocken Katzen.
Schon knistert ihr Fell
Im ersten Blitz."
(Karl Krolow "Gewitterlandschaft")



Gewitter: Im Gedicht: Nikolaus Lenau "Das Gewitter" und "Die Gewitternacht". Giacomo Leopardi "Die Ruhe nach dem Gewitter". Gotthold Ephraim Lessing "Der Donner". Detlev von Liliencron "Der Blitz und die Schwalbe". Hermann Löns u. a. "Gewitter" und "Schwefelgelbe Blitze ..." Conrad Ferdinand Meyer "Erntegewitter" und "Wetterleuchten". Christian Morgenstern u. a. "Mensch und Blitz" und "Der vergessene Donner". Friedrich Nietzsche u. a. "Nach einem nächtlichen Gewitter" und "Pinie und Blitz". Heinz Piontek "Vor dem Gewitter am 21. August 1968". Rainer Maria Rilke "Gewitter-Segen". Joachim Ringelnatz u. a. "Gewitter" und "Nach dem Gewitter". Joachim Ringelnatz "Gewitter".



Gewitter: Im Gedicht: Johann Rist u. a. "Das Siebente Bußlied, welches in großem Ungewitter, Donner und Blitz kann gesungen werden" und "Lob- und Danklied, welches nach geendigtem starken Donnerwetter, oder wenn sonst ein heftiges Ungewitter ohne Schaden ist fürüber gangen". Adolf Friedrich von Schack "Gewitternacht" und "Nach dem Gewitter". Friedrich Schiller "Parabeln und Rätsel. 8. Unter allen Schlangen ist eine …" (Auflösung: "Es ist der Blitz, der aus der Wolke fährt"). Gustav Schwab "Das Gewitter" (Sage). Johann Gottfried Seume "Beim Gewitter". August Stramm "Gewitter". Georg Trakl "Das Gewitter" und "Der Gewitterabend". Johann Peter Uz "Gott im Ungewitter". Georg von der Vring "Gewitter im Mai".



Gewitter: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Gewitter" (1934, 1983). "Das lachende Gewitter" (1991). "Das sind die Gewitter in der Natur" (1988). "Der schwarze Blitz" (1958), "Donner, Blitz und Sonnenschein" (1936). "Feriengewitter" (1985, 1989). "Frühlingsgewitter" (1961). "Gewitter" (1960, 1968, 2005 TV-Serie "Hallo Robbie!"). "Gewitter im Mai" (1937, 1987, 1988). "Gewitter über dem weißen Fluss" (1968). "Gewitter über den Feldern" (1958). "Gewitterflug" (1989). "Gewitterflug zu Claudia" (1937). "Gewitterwolken" (1969). "Phenomenon" (1996 mit John Travolta). "Privates Gewitter" (1967). "Schlachtgewitter am Monte Cassino" (1945). "Septembergewitter" (1968). "Sommergewitter" (1995, TV-Film 1998). "Stahlgewitter" (1945). "Tage des Donners" (1990). "Weltuntergang: Das Gewitter-Inferno" (2003).



Gewitter: In der Malerei: u. a. Eugène Delacroix "Vor dem Blitz scheuendes Pferd" (1824). Giorgione "Das Gewitter" (um 1507- 1508). Gustav Klimt "Die Große Pappel oder Aufziehendes Gewitter" (1903). Ferdinand von Kobell "Flusslandschaft bei aufziehendem Gewitter" (1773). Franz von Lenbach "Bauern flüchten vor einem Gewitter" (1857). Adolf Menzel "Gewitter am Tempelhofer Berg" (1846). Jean-François Millet "Gewitter" Rembrandt "Gewitterlandschaft" (um 1639). Théodore Rousseau "Gewitterstimmung in der Ebene von Montmartre" (um 1845–48).
In der Musik: Johann Strauss "Unter Donner und Blitz". Im Lied: "Herbstgewitter über Dächern" (Reinhard Mey).



Gewitter: S. auch Fluchen



Gewürz: Gewürzinseln (Molukken), Gewürztraminer (Wein). Pflanzennamen: Gewürzlilie (Ingwer), Gewürznelke, Gewürzstrauch.
S. auch Dill, Kren, Knoblauch, Kümmel, Petersilie, Schnittlauch, Senf, Zwiebel



Gimpel: (Dompfaff) Er soll seinen Schnabel an den Kreuzesnägeln Christi stumpf geschlagen haben, als er sie herauspicken wollte (ähnliches wird auch vom Kreuzschnabel berichtet). Angeblich zieht er wegen seiner Farbe Gelbsucht und Rotlauf vom dem Erkrankten ab, aber auch Gicht, deswegen der Name Gichtvogel. Tiernamen: Gimpeltaube. Pflanzennamen: Gimpelbeere (Rainweide).
Sprichwörter: Junge Gimpel, alte Simpel. Nach der Tat / weiß der Gimpel Rat.
Sprüche: "Die Farbe tut nichts, sonst wäre der Gimpel der erste Vogel" (Abraham a Sancta Clara). Vogel des Jahres 2009.
Schimpfworte: Aufgeblasener, eingebildeter, dummer Geck. Einen Gimpel fangen (einen Dummen finden), Gimpelfang (Bauernfängerei). In der Fabel: Florian "Der Dompfaff und der Rabe".
Im Gedicht: Anastasius Grün "Gimpel". Thomas Hardy "The Bullfinches".

"… Wenn ich ein Gimpel wäre,
so flög’ ich gleich an dein Herz;
du bist ja hold den Gimpeln,
und heilest Gimpelschmerz."
(Heinrich Heine "Ich steh’ auf des Berges Spitze")

Eugen Roth "Tierleben für jung und alt. München" (1973). Heinrich Seidel "Der Gimpel" (in: M. Bern Hrsg.)
Im Märchen: Brüder Grimm "Die Nachtigall und der Gimpel".
Im Film/Filmtitel: "Der kleine Dompfaff".
Im Lied: "Gimpelglück" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Der Dompfaff, der hat uns getraut!" ("Zigeunerbaron" von Johann Strauß).



Ginster: Er wird gern als Besen verwendet, dabei vertreibt er Ungeziefer und Hexen. Blüht er reichlich, so werden in diesem Jahr viele Frauen schwanger. Tiernamen: Ginsterkatze.
In der Literatur: Adalbert Stifter "Ginster" (in "Feldblumen").
Im Gedicht: S.. auch Eiche. Ferdinand Freiligrath "Der Ginster" (in "Blumenlieder für Kinder" nach Mary Howitt). Giacomo Leopardi "La ginestra, o il fiore del deserto"(dt.: "Der Ginster oder Die Blume der Wüste").



Glockenblume: 2001 Staude des Jahres. In der Literatur: Georg Britting "Der Sturz in die Wolfsschlucht". Friedrich Schnack "Sibylle und die Feldblumen" (1941). Adalbert Stifter "Glockenblume" (in "Feldblumen"). Ferdinand Freiligrath "Die Glockenblume" (in "Blumenlieder für Kinder" nach Mary Howitt). August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Die Glockenblumen läuten".
In der Malerei: u. a. Oskar Kokoschka "Iris und Glockenblumen" (1967).



Glühwürmchen: Kein Wurm, sondern ein Leuchtkäfer. "Laterne", um auf sich aufmerksam zu machen. Stars oder Politiker, die sich als Glühwürmchen entpuppen (für enttäuschend). Sie werden als Seelen von Verstorbenen angesehen. Glühwürmchen (Platzanweiserin).
"Sie strahlen einen wunderbaren, gewissermaßen Erdsternen nachahmenden Glanz aus, welcher mit einer Laterne und dem Monde hinsichtlich der Helligkeit zu wetteifern scheint" (Alfred Brehm).
Sprichwörter: Die Ameise hält das Glühwürmchen für ein großes Licht.
Vergleiche: "Alle Menschen sind Würmchen, aber ich bin ein Glühwurm" (Winston Churchill). "Der Ruhm ist wie das Glühwürmchen: Er leuchtet hell von Ferne, aber aus der Nähe betrachtet spendet er weder Wärme noch Licht" (John Webster). "Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist derselbe wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen" (Mark Twain). "Die Religionen sind wie Leuchtwürmer: sie bedürfen der Dunkelheit, um zu leuchten" (Arthur Schopenhauer). "Einige verwechseln Aufgewecktheit mit Scharfsinn; der Unterschied zwischen Aufgewecktheit und Scharfsinn ist derselbe wie zwischen einem Glühwürmchen und dem Blitz" (Mark Twain).

"Ein Glühwürmchen zu Sommerzeit,
Das war zur Liebe einst bereit.
Doch blinde Liebe tut nicht gut,
Es starb an der Zigarettenglut"
(R. Habeck).



Glühwürmchen: Im Gedicht: Wilhelm Busch "Naturgeschichtliches Alphabet" ("Johanniswürmchen freut uns sehr, / Der Jaguar weit weniger"). Max Dauthendey "Glühwurm im Gras" und "Leuchtkäfer ziehen durch die Juninacht". Du Fu "Leuchtkäfer".

"Und die Funkenwürmer fliegen,
Mit gedrängten Schwärmezügen,
zum verwirrenden Geleite"
(Goethe im "Faust").

Ludwig Christoph Heinrich Hölty "An ein Johanniswürmchen". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Johanniswürmchen". Friedrich Gottlieb Klopstock "Die Frühlingsfeier" und "Zwei Johanneswürmchen".
Im Lied: Achim von Armin "Marienwürmchen" (aus "Des Knaben Wunderhorn", auch Robert Schumann). Schlager: u. a. "Glow worm" (Dean Martin). Paul Lincke "Glühwürmchen, Glühwürmchen" (1902). "Leuchtkäfers Stelldichein" (1914). Rabindranath Tagore "Fireflies - Glühwürmchen".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Das letzte Glühwürmchen" (1988). "Green porno". "Tanz der Glühwürmchen."



Gockel: s. Hahn



Graben: Redensarten: Ein Graben wird aufgerissen. Etwas ausgraben. Jemandem das Wasser abgraben. Sich etwas ins Gedächtnis eingraben. Burggraben, Grabenbruch (Geologie), Grabendach (Dachform), Grabenkrieg, Grabenrute (früheres Längenmaß), Grabscheit (Spaten), Straßengraben. Pflanzennamen: Grabenbinse.
Im Film/Filmtitel: u. a. "Wer im Glashaus liebt … Der Graben" 1970). "Grabenkämpfe" (1989).



Grabspruch: S. auch Penis

"Der Weg in die Ewigkeit
Ist wahrlich nicht weit.
Um sieben Uhr fuhr er fort,
Um acht Uhr war er dort."

"Hier ruht in Gott Sebastian Jensch,
26 Jahre lebte er als Mensch,
Und 37 Jahre dann
Als Ehemann."

"Hier drunter ruht Sebastian,
Der sonst nie etwas hat getan."

Die kuriosen Marterlsprüche entsprechen nicht immer der Wirklichkeit; sie gehören einer eigenen parodistischen" Literaturgattung an.
S. auch Bäuerin, Bier, Kräuter, Lawine, Lehrer, Marterl, Ochse, Pfarrer, Schwein, Unfall, Unschuld vom Lande



Granit: Redensarten: Bei jemandem auf Granit beißen.
Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Granitkopp" (1984). "Der Karatekämpfer aus Granit" (1979). "Ein Bulle aus Granit" (1988). "Hard Bull … Härter als Granit" (1989). "Kung Fu – Zwei Handkanten aus Granit" (1975). "Wang Yu – Härter als Granit" (1974). "Zwei Kerle aus Granit" (1970).



Gras: "Das grüne Zeug, das im Rasenbeet verkümmert und im Gemüsebeet gedeiht" (E. G. Tange).
Redensarten:
"Die alten Zähne wurden schlecht
und man begann, sie auszureißen,
die neuen kamen grade recht,
um mit ihnen ins Gras zu beißen."
(Heinz Erhardt)

Redensarten: Ins Gras beißen (Hungernde suchten sich in früheren Zeiten durch Grasessen vor dem Tod zu retten. Es soll auch vorgekommen sein, dass Sterbende, denen das heilige Abendmahl nicht mehr gereicht werden konnte, Gras in den Mund steckten, und es "statt des Leibes Christi als letzte Wegzehrung zu sich nahmen". "Auch die fanatischsten Vegetarier beißen nicht gerne ins Gras" Joachim Ringelnatz. "Ins Gras beißen ist für eine Kuh die einzige Möglichkeit, nicht ins Gras zu beißen" Werner Mitsch. "Man beißt ins Gras: Der letzte verzweifelte Versuch einer Diät!" (Gerhard Uhlenbruck). "Todesängste: man hört das Gras wachsen, in welches man glaubt beißen zu müssen" Gerhard Uhlenbruck. Wer nichts zu beißen hat, sollte es doch mal mit Gras versuchen. "Wer ins Gras beißt, stirbt, so verschmutzt ist es heute" Gerhard Uhlenbruck. "Wer stirbt mit Vergnügen? Antwort: Der Vegetarier. Er hat beim letzten Atemzug noch einmal die Möglichkeit, ins Gras zu beißen" E. Puntsch. Wunsch eines schwarzen an einen grünen Politiker: Dass er bald ins Gras beißen möge).



Gras: Redensarten: Abgrasen (suchen, ausbeuten). Dem Gras beim Wachsen zusehen (für Langeweile). Den grasigen Weg gehen (für sterben). Er betrachtet jetzt das Gras von einer anderen Seite (für tot sein). Da wächst kein Gras mehr (wo der hinhaut, wächst kein Gras mehr). "Wo sie hintrat wuchs kein Gras, außer jenes, in das sie die Männer beißen ließ" (Karl Kraus).Gras darüber wachsen lassen: "Die Presse hat auch die Aufgabe, das Gras zu mähen, das über etwas zu wachsen droht" (Alfred Polgar). "Es gibt Sachen, über die wächst kein Gras, sondern Unkraut" (Daniel Textor). "Es gibt Untaten, über welche kein Gras wächst" (Ernst Bloch). "Es ist schon über so viele Dinge Gras gewachsen, dass man bald keiner Wiese mehr trauen kann" (Klaus von Welser). "Leute, die das Gras wachsen hören, haben es meistens auch gesät" (Peter Frankenfeld). "Manche hören aus dem Wachsen des Grases sogar den Butterpreis heraus" (Wolfgang Eschker).

"Wenn über eine dumme Sache
Mal endlich Gras gewachsen ist,
Kommt sicher ein Kamel gelaufen,
Das alles wieder runterfrisst."
(Wilhelm Busch)



Gras: Redensarten: "In das Poesie-Album eines Architekten: Lass Gras über die Sache wachsen" (Günther Schatzdörfer). Graswurzel-Bewegung. Bürospruch: Am besten es wächst Gras über die Bürokratie – und über die Bürokraten. Kartoffeln ohne "Gras" (Essen ohne Gemüse und Salat).
Das Gras wachsen hören (gut informiert sein. Edda: "Mancher hört jetzt schon das Gras wachsen, in das er mal beißen wird" G. Drews. "Er hört das Gras in den Elisischen Feldern wachsen, und die schwindsüchtigen Flöh, in Seraglio zu Constantinopel, bis auf Paris, husten" Abraham a Sancta Clara. "Man darf nicht das Gras wachsen hören, sonst wird man taub" Gerhart Hauptmann. Wer das Gras wachsen hört, ist noch lange nicht bereit, es zu mähen. Das Gras wachsen hören, das noch gar nicht gesät ist). Jemandem das Gras unter den Füßen wegschneiden (alles wegnehmen).



Gras: Gras (Spielkartenfarbe grün), Grasbauch (Heubauch des Pferdes), grasgrün, Fußballverein Grashoppers Zürich, Grasleinen (Gewebe aus Chinagras), Graslied (älterer Name für Volkslied), Grasseuche (Tetanus der Haustiere). Graskönig (Brauchtum in Thüringen).
Tiernamen: Grasbüffel, Graseule (Schmetterling), Grasfrosch, Grasmaus. Der Name des Vogels Grasmücke hat weder etwas mit Gras noch mit Mücke zu tun (s. unten). Grasnatter, Graspferd (Heuschrecke). Pflanzennamen: Grasbaum (Liliengewächs), Grasgilge (Liliengewächs), Grasglöckerl (Glockenblume, auch Hahnenfuß), Grashüpfer (englisch grasshopper, Heuschrecke, Graslauch (Schnittlauch), Graslilie, Grasnelke, Grasnelkenhabichtskraut, Grasschwertel (Schwertlilie), Grasstern (Labkraut), Grastopf (Riedgras).



Gras: Sprichwörter: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht (auch für Weizen Abbé Pierre, auch Sambia). Auf dem Weg, den viele gehen, wächst kein Gras. Brautstand ist Gras, Ehestand Heu.. Dem Faulpelz wächst das Gras unter den Füßen (jüdisch). Regen lässt das Gras wachsen, Wein das Gespräch. Schickt der Herr das Häslein, schickt er auch das Gräslein. Wer im Gras schläft, hat grüne Träume. Wer Unglück haben soll, stolpert im Grase. / fällt auf den Rücken und bricht sich die Nase.

"Wenn der Hund das Gras benagt
Und die Frau ob Flöhen klagt,
Der Rauch nicht will zum Schornstein 'naus,
Kommt bald ein Regen übers Haus" (Wander).



Gras: Sprüche: "Wer rechnet, ist immer in Gefahr, sich zu verrechnen. Die dumme Kuh trifft immer das richtige Gras" (Theodor Fontane). "Alles Fleisch ist Gras" (Carl von Linné). Gott lass Gras wachsen, die Zahl der Rindviecher nimmt jeden Tag zu (Sprüchekalender). "Männer, jetzt geht ihr raus, fresst Gras und beißt in die Pfosten" (Udo Lattek).
Vergleiche: "Besser in den Löffel beißen als das Gras abgeben" (R. Habeck). "Die Deutschen wie das Gras, erst gemäht riecht es gut" (Jean Paul). "Die Kultur: Gras, das immer wieder niedergetreten wird und sich wieder aufrichtet" (Robert Musil). "Die Tugend des Herrschers ist die des Windes, die Tugend des Volkes ist die des Grases" (Konfutius). Volksmund: "Heiße Sonne, weit zu blicken, / Hohes Gras und nichts zu f..."



Gras: Schimpfworte: Gras (Hanf, Drogen. Vgl. auch den Film "Eine Hand voll Gras" 2001), Grasaffe von grasgrün = unreif (Goethe im "Faust". "Der Grasaff, ist er weg?". Auch für Kind), grasen (Haschisch rauchen), Gräserbewisperer (Naturlyriker), Grasfresser (Geizhals), Grasjungfrau (unzüchtiges Mädchen), hinausgrasen (fremdgehen), Seegras (schlechter Tabak).



Gras: In der Fabel: S. auch Veilchen.
"Schon ist geschmolzen der Schnee, frisch sprießet das Gras in den Fluren
und in den Wäldern das Laub" (Horaz "Oden").

"Messkunst wird und Forscherlust
einst noch Gras und Baum befragen:
Und der Wissenschaft wird tagen,
was der Weisheit längst bewusst"
(Christian Morgenstern).

Stammbuchvers:
"Man spricht, ich will schon morgen
Vor meiner Seele sorgen,
Das sieht gefährlich aus!
Das GRAS steckt voller Tücke,
Liest man das Wort zurücke,
So kommt ein SARG heraus."
(R. Keil in G. Grümmer Hrsg.)



Gras: In der Literatur: Mo Yan "Der Klan der Grasverzehrer". Patrick Modiano "Gräser der Nacht" (2014). Doris Lessing "The grass is singing".
Im Gedicht: Bertolt Brecht "Von den großen Männern" (5. "Der große Bertolt Brecht verstand nicht die einfachsten Dinge / Und dachte nach über die schwierigsten, wie zum Beispiel das Gras"). Georg Britting "Gras" und "Im Grase liegend". Max Dauthendey "Grünes Gras ist so wenig und ist so viel" und "Vom Gras der erste Schimmer". Annette von Droste-Hülshoff "Im Grase". Günter Eich "Hohes Gras" (in: "Maulwürfe"). Hans Magnus Enzensberger "Taxonomie" ("Gras, sagte der andere, / was heißt hier Gras? …" Martin Greif "Das erste Sommergras". Hermann Hesse "Im Grase hingestreckt" und "Im Grase liegend". Arno Holz "Schönes, grünes, weiches Gras". Friedrich Georg Jünger "Im Grase". Justinus Kerner "Im Grase".Friedrich von Logau "Der Mensch, ein Gras". Hermann Löns "Wiesengras". Adolf Friedrich von Schack "Im Grase". Oda Schaefer "Grasmelodie" (Gedichtband 1959). Friedrich Schnack "Das Zittergras". Georg von der Vring "Das Gras" und "Der Tanz im Gras".

"Glocken und Zyanen,
Thymian und Mohn.
Ach, ein fernes Ahnen
Hat das Herz davon ..."
(Josef Weinheber "Im Grase")

Walt Whitman "Grashalme" ("Leaves of grass" Gedichte 1855).



Gras: Im Film/Filmtitel: u. a. "Bube, Dame, König, Gras" ("Die Grasflöte" (1955). "Die Grasharfe". "Die ins Gras beißen" (1962). "Eine Hand voll Gras" (2000). "Elefanten und Gras" (2000). "Feuer im Grasland" (1959). "Grasgeflüster" (2000). "Graslabyrinth" (1979). "Grass" (1999). "Himmelhohes Gras" (1979 Kinderfilm). "No blade of grass" (1970). "River of grass" (1993). "Splendor in the grass" (1960, 1981). "Süßer Saft des Grases" (1984). "The grass is greener" (1960). "The grass is singing" (1980). "The sea of grass" (1947). "Wo das Wasser klar und das Gras noch grün ist" (1977).
Im Lied: "Bald gras ich am Neckar." Im Schlager: "Green, green, grass of home" (Elvis Presley). "Keep of the grass"(Jackson tonewall). "The other mans grass" (Petula Clark). "When the grass grows over me" (Tommy Wynette)



Gräser: s. auch Gras



Grasmücke: Kein Insekt, sondern ein Singvogel. In der Fabel: s. auch Taube.
Im Gedicht: Martin Greif "An eine Grasmücke".

"Grasemückchen,
An dem Brückchen,
Trink ein Schlückchen,
Fang ein Mückchen,
Sing ein Stückchen …"
(Friedrich Rückert "Grasemückchen")



Grenzstein: s. Feldgeschworene



Grille:
"Einen Monat oder zwei nur zirpen im Laub die Grillen: doch ihr ganzes Leben verzirpen im Gerichtshof die Athener" (Aristophanes "Die Vögel"). Alkaios, übersetzt von Manfred Hausmann:
"Dieser Sommer ist schwer.
Glutüberhaucht
Dürstet die ganze Welt,
Und die Baumgrille singt
Süß aus dem Laub."

Die Feldgrille ist das Insekt des Jahres 2003. Grillen haben ihr Gehör im Knie. Sie können im Gegensatz zu den Heuschrecken nicht fliegen. Sie erzeugen ihre Töne auf der "Flügelgeige". Plinius der Ältere zählt sie zu den Arzneimitteln. In Japan werden seit dem 7.Jahrhundert Grillen für "Singwettbewerbe" in Käfigen gehalten. Grillenwettkämpfe waren in China seit dem achten Jahrhundert ein beliebter Zeitvertreib. Die "Champions" können im Lauf ihres Lebens Preisgelder von 15.000 € einbringen. Ihre Zweikämpfe werden sogar im Fernsehen übertragen. Bruno Comby empfiehlt die Grillenzucht zur Selbstversorgung mit tierischem Eiweiß. Im Haus schützen sie als gute Geister gegen Feuer und verhindern Unglück. Ihr Zirpen verheißt Gutes, z.B. schönes Wetter oder eine baldige Hochzeit. Mädchen lassen im Anhaltischen eine Grille durch den Rockschlitz kriechen. Wo sich das Tierchen hinbewegt, aus dieser Richtung wird der Bräutigam kommen. Man hüte sich, das Zirpen der Grille nachzuahmen. Kindern, denen das Sprechen schwer fällt, soll man mit der Kralle einer Grille die Zunge kratzen.



Grille: Redensarten: Auf Grillenfang gehen (Gottfried Keller hat ein Kapitel des "Grünen Heinrich" den "Grillenfang" genannt). Grillen fangen (unsinnigen, unwichtigen Gedanken nachhängen; nutzlose Tätigkeit). Grillen im Kopf haben (launisch sein, sich einer wunderlichen Idee hingeben). Grillenkrankheit (Wahnsinn). "Er hat viel Hummeln, Mucken, Tauben, Mäus oder Grillen im Kopf" (Sebastian Franck). Grillenhaft (launisch). Jemandem die Grillen austreiben. Sich die Grillen aus dem Kopf schlagen (vertreiben). Johann Wolfgang von Goethe "Faust" "Denn dir die Grillen zu verjagen / Bin ich, ein edler Junker, hier". August Wilhelm von Schlegel über Franz Grillparzer: "Wo sich Grillen und Parzen vereinen, / Da müssen sonderbare Trauerspiele erscheinen." Grillenspiel (Brettspiel, Solitär). Tiernamen: Grillenfrosch.



Grille: Sprichwörter: Je kleiner die Grille, desto lauter zirpt sie (Russland).
Sprüche: S. auch Nachtigall. "Wenn man in einer lauen Sommernacht meint, die Grillen zirpen zu hören, sind das vielleicht Reißverschlüsse" (Wolfgang Gruner).
Vergleiche: "Die Parzen weben anderswo, Du, Österreich, hast Grillen" (Friedrich Torberg). "Kommen Grillen, dich zu plagen, wiege sie mit Liedern ein" (Emanuel Geibel). "Wer wollte sich mit Grillen plagen, / Solang uns Lenz und Jugend blühn" )Ludwig Christoph Heinrich Hölty).
Schimpfworte: Grillenfalle (psychiatrische Klinik), Grillenfänger (Psychiater), Grillenforschung (Psychiatrie).



Grille: In Fabel und Literatur:
Fabeln: S. auch Ameise, Habicht. Äsop "Die Grille und der Fuchs": Die Grille sang auf einem Baum ihr Lied. Der Fuchs, der sie fressen wollte, versuchte es mit einer List. Er äußerte sich voller Bewunderung über den Wohlklang und bat die Grille herunterzukommen; denn er wolle doch gern sehen, was für ein Tier solch eine schöne Stimme besäße. Die Grille jedoch ahnte Böses und ließ ein Blatt, das sie abgerissen hatte, herunterfallen. Als der Fuchs danach heransprang, weil er meinte, es sei die Grille, belehrte ihn diese: "Du irrst, mein Lieber, wenn du glaubst, ich würde herabsteigen. Ich nehme mich nämlich vor den Füchsen in acht, seit ich im Kot eines Fuchses die Flügel einer Grille entdeckt habe." Weitere Fabeln: "Der Esel und die Grillen": Ein Esel hörte die Grillen singen. Weil er sich über den Wohlklang freute und sie beneidete, fragte er sie: "Wovon nährt ihr euch, dass ihr so schön singen könnt?" Sie antworteten: "Vom Tau." Da fraß der Esel so lange Tau, bis er vor Hunger starb. Gotthold Ephraim Lessing "Die Grille und die Nachtigall". Phaedrus "Die Grille und die Eule".



Grille: In der Literatur:
"Doch jeder Bub hat sie bespitzelt
Und eifrig aus dem Loch gekitzelt"
(Eugen Roth).

August von Kotzebue "Die Grille" (1811 Zeitschrift).
Im Gedicht: S. auch Heuschrecke. Max Dauthendey u. a. "Die Grille " und "O Grille, sing". Emanuel Geibel "Schlimmer Besuch". Günter Grass "Grillenfangen". Franz Grillparzer "Elegie auf den Tod einer Grille". Johann Gottfried Herder "Die Grille" (aus dem Griechischen). Ludwig Christoph Heinrich Hölty "An die Grille". Ricarda Huch "Grillen". Gotthold Ephraim Lessing "An Grillen". Friedrich von Matthisson "An die Grille". Heinz Piontek "Grille und Heimchen" (nach John Keats). Eugen Roth "Neuer Begriff". Friedrich Rückert "Die Grillen". Friedrich Schnack "Nacht der großen Grille". Georg von der Vring "Nacht der Grillen".



Grille: Im Film/Filmtitel: u. a. "Die Grille" (Stummfilm 1917). "Die Grille" (1955). "Die Grillen". "Die lachende Grille" (1926). "Grille und Ameise" (1979 TV-Film). "Grillen im Kopf" (1970). "Pinocchio" (Walt Disney Zeichentrickfilm 1940). "Sommernächte … und alle Grillen lachen" (1974).
In der Musik: Robert Schumann "Fantasiestücke. Grillen" (Klavier).



Grille: S. auch Heimchen



Grillen: s. auch Grille



Gründling: (Fisch). In der Fabel: S. auch Hecht. Äsop "Die Delphine und der Gründling".
In der Literatur: Martial "Epigramme ("Gründlinge").



Gurke: Der Biologe bezeichnet sie als Frucht, nicht als Gemüse. Sie ist das Nahrungsmittel mit den wenigsten Kalorien. Schon die Römer züchteten im Winter Gurken in Glashäusern. Bei Appetit auf Gurken wird eine Schwangerschaft vermutet. Berüchtigt war die EG-Verordnung Nr. 1677/88/EWG 1988, die u. a. die Krümmung von Gurken festlegte (2009 wieder abgeschafft).
Redensarten: Frisch wie eine Gurke (Russland). Herumgurken, Sauregurkenzeit (Wintervorbereitung des Gemüses, für die Presse unergiebige Zeit im Juli und August), etwas vergurken. Pflanzennamen: Gurkenbaum, Gurkenkraut (Boretsch, Dill).



Gurke: Sprüche: "Die Menschen und die Gurken taugen nichts, sobald sie reif sind" (Jean Paul). "Die Satire darf die kleine Nase zum Knopf, die große zur Gurke machen" (Karl Kraus). "Eine bittere Gurke? Wirf sie weg! Dornensträucher im Weg? Weiche ihnen aus! Das ist alles. Frage nicht noch: Wozu gibt es solche Dinge in der Welt?" (Mark Aurel). "Ich würde mich sicherer fühlen, wenn in der EU die Atom-Meiler genauso streng kontrolliert würden wie die Gurken" (Lutz Ackermann).
Vergleiche: "Die Männer sind wie die Gurken: wenn man sie reinlegt, werden sie sauer" (Ingrid van Bergen). Ich will lieber in die sauren Gurken beißen, als in Altjungfernkraut, sagte das Mädchen, und nahm einen Witwer.



Gurke: Schimpfworte: Gurke (altes, langsamfahrendes Auto, Versager vor allem im Sport, "Gurkentruppe" Uli Stein 1986 über das deutsche WM-Team). Gurke des Jahres (Politikerschelte), Gurkendieb (kleiner Ganove), Gurkenfass (Anus), Kümmerling (unattraktiver Mann). Gurke (große, unförmige Nase; Penis; grüne Gurke = unberührter Penis, geschälte Gurke = beschnittener Penis, Gurkensaft = Sperma):
"Leise zieht durch Mamas Bauch
Papas lange Gurke
Und schon nach neun Monaten
Kommt ein kleiner Schurke."



Gurke:
"Sie lagen hinterm Gartenzaun
Und waren lieblich anzuschaun.
Fürwahr, ein Pärchen wundervoll,
Die Gurke Knill und Kürbis Knoll."
(Fred Endrikat "Erotisches Wechselspiel")

Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Gurkenheld" (1962). "Die Gurkenkönigin" (TV-Serie "Polizeiruf 110"). "Stage Fright – Eine Gurke erobert Hollywood" (1992). "Die türkischen Gurken" (1962). "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" (1975 Kinderfilm).
Im Lied: "Mir hab’ se ne Gurke …"(Claire Waldoff).



Gurken: s. auch Gurke



Gut: s. auch Landgut, Rittergut



Gutsverwaltung: Eine Gutsverwalterin "soll von einwandfreier Gesundheit sein, weder hässlich anzusehen noch besonders schön ... Hässlichkeit macht ihren Lebenspartner missmutig, allzu große Schönheit hält ihn von der Arbeit ab". Bei einem Verwalter soll man dafür sorgen, dass er weder fremdgeht und von seiner Partnerin nichts wissen will, noch "dass er dauernd im Haus sitzt und in den Armen der Frau liegt" (Columella "Über die Landwirtschaft").
Im Gedicht: Catull "An sein Landgut".





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