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Lexikon des Landlebens



Jagd: "Die Leidenschaft zu jagen ist tief im Menschen verankert" (Charles Dickens").
Ein schöner Brauch ist leider ausgestorben: Wer einen Hirsch erlegte, durfte "von einer der anwesenden Damen einen Kuss verlangen". An die 30.000 Hunde und bis zu 400.000 Katzen büßen jährlich ihr Leben ein, wenn sie unvorsichtigerweise einer Flinte zu nahe kommen (unbewiesene Zahlen, die von Tierschützern stammen). In Nordrheinwestfalen stellten Jäger von 1986 bis 2001 einen Rekord eigener Art auf: Sie brachten an die 10.700 Hunde und exakt 48.2418 Katzen zur Strecke, da leichter als Wildschweine und Füchse zu erlegen ("Der Spiegel"). In der Jagdsaison 2003/2004 waren es immerhin 16.600 Hunde und Katzen.



Jagd: Redensarten: Abjagen (z. B. Marktanteile). Auf der Abschussliste stehen. Auf der Jagd nach etwas sein, auf die Jagd gehen ("Kein Mann, der etwas Rechtes auf der Welt zu tun hat, besitzt Geld und Zeit genug für eine so lange, kostspielige Jagd wie die Jagd auf Frauen" (George Bernard Shaw). . Auf eine Fährte stoßen (einen Anhaltspunkt finden. Aus der Jägersprache). Auf etwas Jagd machen. Das ist der Abschuss (das ist unerhört). Durch die Lappen gehen (entkommen. Von Lappen als abschreckende Tücher bei der Treibjagd). Einem Ziel nachjagen. Einer (falschen) Fährte folgen. Etwas durch die Gurgel/Kehle jagen (z.B. Geld). Jagd nach dem Glück. Jemanden auf die falsche Fährte locken. Jemandem auf die Sprünge kommen (die Hinterläufe des Hasen werden in der Jägersprache als Sprünge bezeichnet, mit denen er Spuren hinterlässt). Jemandem den Fangschuss geben (für töten). Jemandem ins Gehege kommen (stören). Jemanden zur Strecke bringen. Jemanden mit etwas jagen/damit kannst Du mich jagen. Von etwas Wind bekommen. In die ewigen Jagdgründe eingehen (Parodie: "'Uff, Uff', sagte Winnetou, legte seinen Bauch in Falten und verschwand in den ewigen Jagdgründen").



Jagd: Namengebend für Gebirgsjäger, Jagdbomber/Jagdflieger/Jagdgeschwader/Jäger (Kampfflugzeug), Jagdfieber, Jagdglück, Jagdhorn, Jagdinstinkt, Jagdspringen (Pferdsport), Jagdstück (Malerei), Jagdwurst (gebrühte oder geräucherte Wurstsorte), Schnitzeljagd, Verbrecherjagd, Schonzeit, die wilde Jagd, der wilde Jäger (in Gestalt des Odin reitet er auf einem dreibeinigen Pferd und verkörpert die "Angst des Menschen vor den Mächten der Finsternis"). Revier (Kohlerevier, Jagdrevier, Polizeirevier, das Revier abstecken). Treiber (Jagd, Programm zur Ansteuerung von Computer-Hardware). Waidwund (verletzt). Tiernamen: Jagdspinnen.
Sprichwörter: Allah zählt die Tage nicht, die wir auf der Jagd zubringen (Arabien). Jagst du zwei Hasen nach, wirst du keinen von beiden fangen (Russland). Was man nicht erjagen kann, muss man erschleichen.



Jagd: Sprüche:
"Das Jagen würzt den Schlummer,
das Jagen würzt den Wein,
und gegen Liebeskummer
kann auch nichts besser sein."
(Franz Ritter von Kobell).

Volkserotik:
"Im Schwaben-Schwabenland,
da steht ein schönes Haus.
Da ist die Jägerei
und auch das Schießen frei."

"Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit" (Theodor Heuss). Die kommunistische Gesellschaft wird es mir möglich machen, heute dies, morgen jenes zu tun, am Vormittag zu jagen, am Nachmittag zu fischen, wie ich gerade Lust habe" (Karl Marx). "Einen Zornigen erkennt man am besten auf dem Spiel, auf der Buhlschaft und auf der Jagd" (Martin Luther). "Ich finde es richtig, dass man zu Beginn einer Jagd die Hasen und Fasane durch Hörnersignale warnt" (Gustav Heinemann).



Jagd: Sprüche: "Hauptsächlich müssen wir ja trachten, keine Geschenke auszuteilen, die man nicht brauchen kann, zum Beispiel einem Greisen oder einer Frau Jagdgeräte oder einem Bauern Bücher oder einem Gelehrten Netze" (Lucius Annaeus Seneca). "Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf" (Theodor Heuss). "Jagd - das ist, wenn die Unsäglichen dem Ungenießbaren hinterhersetzen" (Oscar Wilde). "Jagdliche Einrichtung: Ein Hochsitz ist nur dann eine jagdliche Einrichtung, wenn er mit abknöpfbaren Hirschhorntapeten, Lodenteppich und einem Zwölfender über dem Rehledersofa ausgestattet ist" (C. Lierow). Junges Weib und warme Betten, / so manchen Bock das Leben retten! "Nie wird so viel gelogen wie vor Wahlen, im Kriege und nach der Jagd" (Otto von Bismarck). "To get after, with horse, dog or gun" (Ambrose Bierce). Wer leugnet, dass Liebe und Jagd verwandte Passionen sind, der hat nie gejagt. Druckfehler: "Dem gestern gemeldeten Jagdresultat ist noch folgendes hinzuzulügen."



Jagd: Vergleiche: Die beliebteste Jagdveranstaltung unter Politikern ist die Jagd auf den Sündenbock. "Die Jagd nach dem Sündenbock ist die einfachste" (Dwight Eisenhower). Ein Flirt ist eine "Jagd, bei der das Häschen nicht selten den Jäger zur Strecke bringt" (E. G. Tange). Ein Mann in den besten Jahren ist jemand, der sein Jagdgebiet erweitert, obwohl die Munition knapper wird. Liebe: "eine Jagd, bei welcher der Jäger darauf achten muss, dass er vor dem Wild nicht zu schnell davonläuft" (Alfred Kerr). "Eine gelehrte Frau gleicht einer kostbaren Waffe, die zwar kunstvoll ziselierte Arbeit und bewundernswerten Schliff aufweist, aber weder im Kriege noch auf der Jagd zu gebrauchen ist" (Jean de La Bryuère). "Erinnerungen sind Jagdhörner, deren Ton im Winde vergeht" (Guillaume Apollinaire). "Es gibt zweierlei Menschen; die einen haben sich noch ihren natürlichen Jagdinstinkt bewahrt, die anderen zahlen Parkgebühren". Jagdtrophäen: "Ersatzorden", die man sich selber verleiht (Erwin Ringel). "Nirgends strapaziert sich der Mensch so sehr wie bei der Jagd nach Erholung" (Laurence Sterne). Jagen ist "Die Kunst, Wild zu hegen, bis es alt genug ist, damit es unter hohen Strapazen, hohen Kosten und viel Zeitaufwand wieder aufgespürt und erlegt werden kann" (Alfred Stampfel). "Staatsjagden: organisierter Massenmord an Tieren zur höheren Ehre des Protokolls" (Frederick König von Dänemark).
Schimpfworte: Jagd (u. a. Partnerwahl), durchtrieben (von Treibjagd), hetzen, Hetzjagd, Hexenjagd, Jagdrevier (Prostituiertenstrich), Jagdschein: gerichtliche bestätigte Unzurechnungsfähigkeit; leitet sich vom § 51 StGB her. Menschenjagd, Mösenjagd, Treibjagd (vgl. auch den TV-Film "Treibjagd" 2003, TV-Serie "Die Chefin" 2015).



Jagd: In der Fabel: S. auch Milan.
In der Literatur: "Der geprellte Liebhaber" (in "Die hundert neuen Novellen"). Thomas Bernhard "Jagdgesellschaft" (Schauspiel 1974). Gottfried August Bürger "Des Freiherrn von Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer zu Wasser und zu Lande" (Jagdgeschichten). William Faulkner "Der große Wald" (dt. 1964). Ludwig Ganghofer "Das große Jagen". José Ortega y Gasset "Über die Jagd" (dt. 1953). Friedrich Gerstäcker "Streifzüge durch Amerika 1837 – 1843 (2000). Graham Greene "Jagd im Nebel". Ernst Jünger "Subtile Jagden". Hermann Löns "Sämtliche Werke". Martial "Epigramme" ("Jagdspieße" und "Jagdmesser"). Horst Stern "Jagdnovelle" (1989). Leo N. Tolstoi "Anna Karenina" (1873-77). Anton Pawlowitsch Tschechow "Die Tragödie auf der Jagd" (1925). Kurt Tucholsky "Lützows wilde Jagd". Martin Walser "Jagd" (1988 Buchtitel). Ernst Wiechert "Der große Wald" (1947). Xenophon "Von der Jagd".



Jagd: Im Gedicht: Willibald Alexis "Die Treibjagd" (Versepos 1820). Achim von Arnim "Aufgegebne Jagd" und "Nächtliche Jagd". Sebastian Brant "Das Narrenschiff. Von unnutzem jagen". Robert Burns "Hunting Song". Annette von Droste-Hülshoff "Die Jagd" ("Heidebilder"). Joseph von Eichendorff "Anklänge. Jagdlied".

Rische, rasche, rusche,
der Hase sitzt im Busche.
Woll’n wir mal das Leben wagen,
woll’n wir mal den Hasen jagen? …"
(Gustav Falke "Hasenjagd")

Theodor Fontane "Chevy-Chase oder Die Jagd im Chevy-Forst". Ferdinand Freiligrath "Nun kommt der Herbst …" (von Robert Burns). Stefan George "Die jagd hat sich verzogen". Günter Grass "Bach der Jagd". Franz Grillparzer "Jagd im Winter". Johann Gottfried Herder "Die Chevy-Jagd". Paul Heyse "Jagdvergnügen". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Parforce-Jagd". Karl Immermann "Die Jagd" (in "Tristan und Isolde"). Friederike Kempner "Die Jagd". Theodor Körner "Lützows wilde Jagd" (vertont von Carl Maria von Weber). Friedrich von Logau "Die Jagd". Hermann Löns "Sämtliche Werke". Angelo Poliziano "La caccia". Friedrich Rückert "Aus der Jagdtasche eines missmutigen Schützen". Walter Scott "Hunting song". Ludwig Tieck "Jagdlied". Ludwig Uhland "Die Jagd von Winchester". Frank Wedekind "Pirschgang".



Jagd: Im Film: u. a. "Die Besonderheiten der russischen Jagd" (1995). "Die Jagdtasche" (1997). "Die königliche Jagd" (1976). "Ein Jagdausflug nach Berlin" (1917). "Kaiserjagd im Salzkammergut" (1955). "König Stachs wilde Jagd" (1979). "Lützows wilde, verwegene Jagd" (1927). "Schloss Hubertus" (1954).
Filmtitel: u. a. "00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter" (1994). "Aljoschas Jagd" (1965 Kinderfilm). "Amok-Jagd" (1978, 1981). "Anna Lee: Jagdfieber" (1993). "Atemlose Jagd" (1996). "Attentat und Mörderjagd" (1986). "Auf der Flucht – Die Jagd geht weiter" (2000). "Auf der Jagd" (1998 TV-Serie "Bella Block"). "Balko – Dino-Jagd" (1998). "Blood chase – Blutige Jagd" (1995). "Border patrol – Mörderische Jagd" (2000). "Bugs Bunnys wilde, verwegene Jagd" (1947, 1979). "Delta Heat – Erbarmungslose Jagd" (1991).



Jagd: Im Film: "Der Fangschuss" (1976). "Die 3000-Meilenjagd" (1977). "Die gnadenlose Jagd" (1974). "Die Jagd" (1960, 1963, 1965, 1981, 2013). "Die Jagd beginnt" (1970, 1986). "Die Jagd zwischen zwei Welten" (1990). "Die lange Jagd" (1985).. "Die letzte Jagd" (1955/56, Western mit Stewart Granger, 1980, 1984). "Die Treibjagd" (1980). "Die Treibjagd oder Lachen ist gesund" (1907). "Die unbarmherzige Jagd" (1988). "Die Vier-Millionen-Dollarjagd"(1987). "Die Windsor-Papiere: Königsjagd" (1984). "Doppelter Einsatz – Jagd nach Liebe" (1999 TV-Film). "Doppelter Einsatz – Jagdzeit" (1996 TV-Film). "Drama auf der Jagd" (1978). "Erbitterte Jagd" (1991). "Gefährliche Jagd" (1996 TV-Film). "Gnadenlose Jagd" (1984). "Halali für einen Jagdfreund" (TV-Film 1988/1992). "Hunter, Jagd in eigener Sache" (1987). "Into deep – Jagd in der Tiefe" (1995).



Jagd: Im Film: "Jack Reed – Gnadenlose Jagd" (1994). "Jagd auf Hulk" (1986). "Jagd auf Unbekannt" (1965 "Kommissar X"). "Jagd durch die Nacht" (1983). "Jagd im Nebel" (1945). "Jagd in den Tod" (1950). "Jagd ohne Gnade" (1951). "Jagd ohne Skrupel" (1977). "Jagdfieber" (1988, TV-Serie "Tatort" 1992, 1997). "Jagdgebiete" (1991). "Jagdrevier" (1973 TV-Serie "Tatort"). "Jagdsaison" (1997, 2006). "Jagdszene" (1992). "Jagdszenen aus Niederbayern" (1969). "Jagdzeit" (1988, 1994). "Lautlose Jagd" (1996 TV-Film, 1998). "Musoduro – Liebe, Jagd und Leidenschaft" (1953). "Nächtliche Jagd" (1957). "Open season – Jagdzeit" (1974). "Privates Jagdrevier" (1992). "Renegade, gnadenlose Jagd" (1992). "Streethunter – Eine gnadenlose Jagd" (1991). "The chase – Gnadenlose Jagd" (1991). "Tragische Jagd" (1946). "Tragödie auf der Jagd" (1968 TV-Film). "Treibjagd" (1961, 1972, 2002). "Ultimate chase – Die letzte Jagd" (1996). "Verbotenen Jagd" (1963). "Waidmanns Heil" (Tatort 2003/04). "Watchers - Die Jagd geht weiter" (1994). "Wilde Jagd" (1958).



Jagd: In der Malerei: u. a. Manessische Liederhandschrift (König Konrad der Junge Ausritt zur Jagd). Arnold Böcklin "Jagd der Diana" (1862). Gustave Courbet "Die Beute (Jagd mit Hunden)" (1857). Lucas Cranach d. Ä. "Hirsch- und Eberjagd" (1544) und "Hirschjagd des Kurfürsten Friedrich des Weisen" (1529). Honoré Daumier "Gefühle bei der Jagd" und "Jagdskizze". Albrecht Dürer "Der heilige Eustachius" (mit dem Hirsch und Jagdhunden 1501). Wilhelm von Kobell "Aufbruch zur Jagd" (1798) und "Heimkehr von der Falkenjagd" (um 1785). Claude Monet "Die Jagd" (1876). Jacob van Ruisdael "Jagd" (2. Drittel 17. Jh.) Antoine Watteau "Treffen zur Jagd (Rendez-vous de chasse)" (1720).
In der Musik: Johann Sebastian Bach "Jagdkantate". Bela Bartók "Hetzjagd". John Bull "The king's hunt". Joseph Haydn "Die Jagd" (Sinfonie 1781) und "Die Jahreszeiten". Wolfgang Amadeus Mozart "Die Jagd" (Streichquartett KV 458). Modest P. Mussorgski "The seasons. The hunt". Robert Schumann "Waldszenen. Jagdlied".
Im Lied: "Aufgegebene Jagd" und "Jagdglück" und "Es blies ein Jäger wohl in sein Horn" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Frühmorgens, wenn das Jagdhorn schallt". "Wenn hell das Jagdhorn schallt". "Wie lieblich schallt". Schlager: "Hunting High And Low" (A-Ha).



Jagd: S. auch Falle, Fink, Hubertus (hl.), Jäger, Wild



Jagdhund: Die Hundeliebe ging in früheren Zeiten teilweise so weit, dass die Jagdhunde besser verköstigt wurden als die Jäger. Herzog Heinrich von Braunschweig beispielsweise spendierte 1592 jedem Hund ein Pfund Fleisch und drei Pfund Brot: "Gewiss mehr Fleisch, als die Masse der Landeskinder auf dem Tisch sah". Baron Münchhausen erzählt von einem "zertrennten Hund", dessen beide Hälften solo weiter jagten. Gewisse Schwierigkeiten bereitete es, die beiden Hälften nach der Jagd wieder ordentlich zusammenzufügen.



Jagdhund: Redensart: Aufpassen wie ein Schießhund (aus der Jägersprache), Wachhund. Den Hund zum Jagen tragen. Etwas kaum erwarten können wie der Jagdhund, der das Wild wittert. Hungrige Hunde jagen besser (Serben). Mit allen Hunden gehetzt sein (aus der Jägersprache). Sich in etwas verbeißen (wie der Hund ins Wild). Witterung aufnehmen.
Sprichwörter: Ein bellender Hund taugt nicht zur Jagd. Ein Jäger und ein Hund fressen alle Viertelstund (sorbisch). Man fängt nicht viel, wenn man den Hund zum Laufen nötigen muss (altdeutsch). Mit altem Hunde sicherste Jagd. Viele Hunde sind des Hasen Tod (alternativ: Viele Köche sind des Hasen Tod. Viele Hunde sind des Rasens Tod). Wenn das Wild vorüber ist, denkt man zu spät an die Hunde. Wenn der Hund nicht geschissen hätte, hätte er den Hasen erwischt.



Jagdhund: Vergleiche: "Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur" (William Shakespeare). "Ein gewöhnlicher Verstand ist wie ein schlechter Jagdhund, der die Fährte eines Gedankens schnell annimmt und schnell wieder verliert" (Hugo von Hofmannsthal). "Der Mensch ohne Schulbildung gleicht dem Jagdhund ohne Dressur" (Marokko). "Ein Politiker ohne Ehrgeiz ist wie ein Jagdhund, den man zur Pirsch tragen muss" (aus "Spitze Worte").



Jagdhund: Sprüche: "Vor dem Hund fürchte ich mich nicht", sagte der Hirsch, "aber das Bellen kann ich nicht vertragen" (Wander).
Schimpfwort: Jagdhund (Polizist, Kriminaler). In der Fabel: Jean de la Fontaine "Der Jagdhund und seine Gesellen".
In der Literatur: Gottfried August Bürger "Des Freiherrn von Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer zu Wasser und zu Lande". Ruth Schaumann "Der Jagdhund" (1954).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Jagdhunde" (2007). "Weißer Bim, Schwarzohr". Schlager: "Bird dog" (Carl Perkins). "Female hound dog" (Louis Innis). "Go away hound dog"(Cliff Johnson). "Hound dog" u. a. Little Richard, Elvis Presley). "Hound dog man" (Fabian). "Two hound dogs" (Bill Haley)



Jäger:
"Was gleicht wohl auf Erden
Dem Jägervergnügen?"
(Carl Maria von Weber "Freischütz").

"Nimrod" (der erste, der als Jäger in der Bibel erwähnt wird), Grünrock, Lodenmafioso. Von erfolgreichen Jägern sagte man früher gelegentlich, sie hätten sich mit dem Teufel verbündet. Wer eine weiße Gämse oder einen weißen Hirsch schießt, musste sterben, so der österreichische Kronprinz Rudolf und der Thronfolger Franz Ferdinand. Ein Jäger, dem ein altes Weib begegnet, wird an diesem Tag nichts schießen; er kehrt vorsichtshalber um und verzichtet auf die Pirsch. Jägermeister (Magenbitter. "Ich trinke Jägermeister, weil ich dann zu Hopfen und Malz noch 56 Kräuter habe"). Jägerschnitzel ("Jägerschnitzel gibt es hier sicher erst ab vier Bestellungen. Wegen einem einzigen Gast zerschnippeln die doch nicht gleich 'nen ganzen Jäger!" G. Drews). Der berühmteste Nichtjäger unter den europäischen Fürsten war Peter der Große. Eine englische Witwe hat die Asche ihres Mannes zu Munition verarbeiten lassen. Damit wurden von einer Jagdgesellschaft 70 Rebhühner und 23 Fasane geschossen. Kaiser Wilhelm II. soll ca. 80 000 Tiere erlegt haben, die ihm in Gattern zugetrieben wurden, kein Vergleich zu den 280 000 Tieren, die auf das Konto des habsburgischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand gehen.



Jäger: Jäger (Kampfflugzeug, militärische Truppe u. a. Fallschirmjäger, vgl. auch Theodor Körner "Lied der schwarzen Jäger". Spruch: Acht auf jeden Stein, / denn es könnt’ ein Funker sein; / ein Jäger wird’s nicht sein, / denn der gräbt sich tiefer ein), Landjäger (Polizist, Wurstsorte), Düsenjäger, Jägerzaun, Kammerjäger, Schatzjäger, Torjäger (Fußball), Jagertee/Jägertee (Getränk aus Tee und Schnaps). Jäger und Sammler (frühe Kulturstufe). Pflanzenname: Jägerblume, Jägergrün.



Jäger: Redensarten: Jemand ist ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn (1. Buch Moses). Autogrammjäger.
Sprichwörter: Die Jagen und Fischen sitzen oft an leeren Tischen. Jagd und Liebesscherzen bieten für ein Vergnügen viel Schmerzen. Drei Jäger, drei Fischer und drei Vogelfänger vermögen nicht zu ernähren einen Müßiggänger. Wer nie jagte und nie liebte, nie den Duft der Blumen suchte und nie beim Klang der Musik erbebte, ist kein Mensch, sondern ein Esel (arabisch).



Jäger: Sprüche: "Der Jäger steht noch unter dem Metzger" (Friedrich der Große). "Ich habe etwas gegen Pazifisten, die auf die Jagd gehen" (Aristide Briand). "Junge Jäger schießen entweder zu früh oder daneben" (Wolfgang Körner). "Schlechter Jäger: Hase im Bett, Hand an der Flinte und der Hund steht nicht!" (R. Habeck). Wenn ein Jäger links und dann rechts an einem Hasen vorbeischießt, hat er zwar im Durchschnitt getroffen, aber dennoch nichts zu essen. Wald! Wein! Weib! Wild! (Jägerspruch). "Zu hegen und zu pflegen sei bereit! / Das Töten überlass dem Lauf der Zeit!" (Franz Graf von Pocci). Zwei Jäger trafen sich: beide tot. Antispruch: Waidmannsheil, was ist der Jäger geil!
Vergleiche: "Die wahre Tragödie des Don Juan liegt darin, dass er nur Beute, niemals Jäger war" (George Bernard Shaw). Jäger sind "Menschen, denen niemand ausreden kann, dass es für einen Rehbock kein größeres Vergnügen gibt, als von einer Kugel getroffen zu werden" (Brigitte Bardot). "Jeder Jäger wird mal ein Hase" (Wilhelm Busch). Steile Hänge, grobe Sauen, / kalte Nächte, schöne Frauen / sind des Jägers früher Tod. "Viele Frauen schießen mit Tränen wie der Jäger mit Blei" (Ninon de Lenclos). Wer vom Unglück flieht, den jagt es.



Jäger: Schimpfworte: S. auch Mitgift. Corporate Raider (Firmenjäger), Düsenjäger (zudringlicher Mann), Head Hunter (Abwerber, Kopfgeldjäger. Schlager: "Head hunter" Johnny Otis), Kommunistenjäger, Mädchenjäger, Menschenjäger, Ordensjäger, Pelzjäger (Pelz-Fetischist), Postenjäger, Profitjäger, Reichsjägermeister (Hermann Göring), Schnäppchenjäger (auch lobend), Schürzenjäger (Frauenheld, auch Musikband), Schwanzjägerin (Nutte), Sonntagsjäger (Jäger mit wenig Übung und Erfolg), Waidmann auf Rädern (Autofahrer).



Jäger: In der Literatur: Schüttelreim von B. Papentrigk:
"Der Juchzer von den Höhn erschallt;
Des Jägers Jagdhorn schöner hallt."

Kindermund:
"Der Jäger aus Kurpfalz,
Der reitet durch die Kuhstalltür
Und bricht dabei den Hals.
Heidi auf grüner Heid."

"Ein Jäger aus Kurpfalz,
Der reitet durch das Gänseschmalz
Und schießt die Enten tot.
Allhier auf grüner Heid."

Jäger (Jagdflugzeug, Jagdbomber). Kindermund:
"Anfang, Anfang, Ende, Ende.
Über Holland Kampfverbände,
Über Holland fliegen Jäger,
Morgen kommt der Schornsteinfeger."



Jäger: Fabeln: S. auch Hirte, Wildschwein, Wolf. Äsop "Das Schwein, das Pferd, die Jäger" und "Der furchtsame Jäger und der Holzhauer". Jean de la Fontaine "Der Löwe und der Jäger" und "Die Weih’, der König und der Jäger".
In der Literatur: Georg Britting "Das Waldhorn". Ludwig Ganghofer u. a. "Der Jäger von Fall" (1883, Film 1974) und "Der Klosterjäger" (1892). Friedrich Hebbel "Eine Nacht im Jägerhause". Rolf Hochhuth "Tod eines Jägers" (Drama 1976). August Wilhelm Iffland "Die Jäger" (1785). Franz Kafka "Der Jäger Gracchus". Siegfried Lenz "Jäger des Spotts" (1958). Hermann Löns s. Jagd. Max Mell "Jägerhaussage" (1910). Ludwig Thoma "Der Jagerloisl" (1921) und "Pürschgang". Iwan S. Turgenjew "Aufzeichnungen eines Jägers" (1852).



Jäger: Im Gedicht:
"Weiß doch der Jäger genau, wo dem Hirsch man spannet die Netze,
Weiß, wo der Keiler bricht und sich im Waldtal verbirgt"
(Ovid "Liebeskunst").

"Er schoss nach dem Hasen und schoss vorbei,
Den Hirsch zufällig traf sein Blei;
Da wird er nun von Jungen und Alten
Für einen gewaltigen Schützen gehalten."
(Emanuel Geibel).

S. auch Gämse, Hase, Hirte. Arnim, Achim von: u. a. "Der Jägersmann" und "Die Hexe Luft und die beiden Jäger". Clemens Brentano "Der Jäger an den Hirten". Georg Britting "Jägerglück". Gottfried August Bürger "Der wilde Jäger". Felix Dahn "Hezilo, der Jägerbursch". Richard Dehmel "Das Weib des Jägers" und "Ein Jägersmann". Günter Eich "Wildwechsel". Joseph von Eichendorff u. a. "An die Lützowschen Jäger" und "Der traurige Jäger". Heinz Erhardt "Tatü, tatü". Gustav Falke "Der törichte Jäger" (Ballade). Theodor Fontane "Ein Jäger". Friedrich de la Motte Fouqué "Jäger und Jägerlieder" (1818).



Jäger: Im Gedicht: Emanuel Geibel "Jägers Liebe". In August Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter" lesen wir vom Häschen, das den schlafenden Jäger Brille und Gewehr wegnimmt:
"Die Brille hat das Häschen jetzt
sich selbst auf seine Nas' gesetzt;
und schießen will's aus dem Gewehr,
der Jäger aber fürcht' sich sehr.
Er läuft davon und springt und schreit:
‚Zu Hilf, ihr Leut', zu Hilf ihr Leut'!"

"Im Felde schleich ich still und wild,
Gespannt mein Feuerrohr.
Da schwebt so licht dein liebes Bild,
Dein süßes Bild mir vor ..."
(Johann Wolfgang von Goethe "Jägers Abendlied")



Jäger: Im Gedicht: Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Amor auf der Jagd". Martin Greif "Der Jäger" und "Des Jägers Reue". Friedrich Güll "Der Jäger und der Fuchs". Hermann Hesse "Die frühe Stunde". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Jägerlieder" (1828) und "Schnaderhüferl" (Der Fürst und der Adel / stehen immer im Bund, / der Fürst ist der Jäger / und der Adel der Hund"). E. T. A. Hoffmann "Jägerlied" (1922). Friedrich Georg Jünger "Die Jägerin". Kallimachos "Der Jäger". Gottfried Keller "Sonntagsjäger". Justinus Kerner "Nächtlicher Besuch" (Jäger/Schäferin). Klabund "Der wilde Jäger" und "Wohl ziehen wilde Gänse…" Johann Klaj "Chor der Falkner und Jäger". Theodor Körner "Jägerlied". Nikolaus Lenau "Einem Autographensammler" und "Der Jäger". Friedrich von Logau "Jäger". Hermann Löns "Sämtliche Werke" (u. a. "Mein grünes Buch" 1901, "Mein braunes Buch" 1907). Hermann Löns "Sämtliche Werke".

Eduard Mörike "Der Jäger" und "Jägerlied":
"Zierlich ist des Vogels Tritt im Schnee,
Wenn er wandelt auf des Berges Höh’:
Zierlicher schreibt Liebchens liebe Hand,
Schreibt ein Brieflein mir in ferne Land'.

In die Lüfte hoch ein Reiher steigt,
Dahin weder Pfeil noch Kugel fleugt:
Tausendmal so hoch und so geschwind
Die Gedanken treuer Liebe sind."



Jäger: Im Gedicht: Friedrich Müller "Jägerlied" und "Jägers Abschied". Martin Opitz "Eines Jägers". Heinz Piontek "Nach ‚Jägers Abendlied'". Friedrich Rückert u. a. "Der Alpenjäger" und "Der fromme Weidmann". Hans Sachs "Der Jäger" und "Der Weydmann" (in J. Amman "Ständebuch"). Max vom Schenkendorf "Jägerlied". Friedrich Schiller u. a. "Jägerliedchen" (beide aus "Wilhelm Tell") und "Der Alpenjäger". Friedrich Schlegel "Trutznachtigall. Der Jäger und das Echo". Christian Friedrich Daniel Schubart "Jägerlied". Gustav Schwab "Des Jägers Gesicht". Heinrich Seidel "Hänschen auf der Jagd". Ludwig Thoma "Der alte Jäger" und "Jägerfreude". Moritz August von Thümmel "Des Jägers Abendlied". Ludwig Uhland "Der Jäger" und "Jägerlied". Georg von der Vring u. a. "Der Jäger Christof" und "Die Jäger".
Im Märchen: S. auch Esel. Brüder Grimm u. a. "Der gelernte Jäger" und "Jagd" (nach Miodrag Pavlovic). In der Sage: Brüder Grimm "Der herumziehende Jäger" und "Der wilde Jäger und der Schneider".



Jäger: Im Film u.. a. s. auch Förster "Dans les bois" (2016 mit Gérard Depardieu). "Das Kreuz am Jägersteig" (1954). "Der alte Fritz und der Jäger Kappel" (1936). "Der Grenzjäger" (1930). "Der Jäger aus Lalwara" (1966). "Der Jäger und die Tannhofwirtin" (1944/45). "Der Jäger vom Roteck" (1955). "Der Jäger von Fall" (1926, 1936, 1956, 1974). "Der Klosterjäger" (1935, 1953). "Die Frau des Hochwaldjägers" (1955). "Die Spur der Jäger" (1996). "Die Stunde des Jägers" (2002/03). "Donald Duck als Sonntagsjäger" (1940/56). "Drei Kaiserjäger" (1933). "Echo der Berge" (1954). "Heimkehr der Jäger" (2000). "Jägerblut" (1957, 1996). "Jägerschlacht" (1981). "Jaider – der einsame Jäger" (1970/71). "Kaiserjäger" (1956). "Memory" (TV-Serie "Polizeiruf 110" 2002). "Tiro, Ruf des Jägers" (1979). "Waidmanns Zank" (1996 TV-Serie "Der Bulle von Tölz).



Jäger: Filmtitel: "B. L. Striker – Jäger ohne Skrupel" (1989). "Das Herz ist ein einsamer Jäger" (1968). "Der gnadenlose Jäger"(1988). "Der Jäger" (1976, 1998, 2004). "Der Jäger der Finsternis" (1993). "Der Jäger - Geld oder Leben" (TV-Serie 2010). "Der Zorn des Jägers" (1998). "Die Jäger" (1977, 1982, 1996). "Die Nacht des Jägers" (Titel, 1955, mit Robert Mitchum, 1991). "Die Sporckschen Jäger" (1926, 1934). "Im Mond des Jägers" (1997). "Jäger der Engel" (1987). "Jäger des Augenblicks" (2010). "Jäger des Herzens" (1983). "Jäger ohne Gnade" (1990). "Jäger und Gejagte" (2001). "Rotlicht - die Stunde des Jägers" (2002 TV-Film). "Schwarzer Jäger Johanna" (1934). "Weißer Jäger – schwarzes Herz" (1990).
In der Malerei: u. a. François Boucher "Diana als Jägerin" (um 1750). Pieter Bruegel d. Ä. "Zyklus der Monatsbilder, Szene: Heimkehr der Jäger Monat Januar)" (1565). Wilhelm von Kobell "Jäger auf der Hochalm" (1828) und "Jäger zu Pferd in oberbayerischer Landschaft" (1822). Wilhelm Leibl u. a. "Der Bauernjäger" (1894) und "Der Jäger (1876). Auguste Renoir "Diana als Jägerin" (1867). Max Slevogt "Selbstbildnis als Jäger" (1917). Carl Spitzweg "Der Sonntagsjäger" (um 1845).



Jäger: In der Musik: Robert Schumann "Album für die Jugend. Jägerliedchen" und "Waldszenen. Jäger auf der Lauer". Carl Maria von Weber "Der Freischütz" (Oper 1821).
Im Lied: u. a. "Auf, auf! Zum fröhlichen Jagen!" "Der Jäger in dem grünen Wald". "Der Jäger längs dem Weiher ging". "Ein Jäger aus Kurpfalz". "Ein Jäger längs dem Weiher ging". "Es blies ein Jäger wohl in sein Horn" und "Zwei Schelme" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Es wollt ein Jäger jagen". "Ich schieß’ den Hirsch im wilden Forst" ("Jägers Liebeslied" vertont von Franz Schubert). "Im Wald und auf der Heide". "Jägerlied" ("Lieder ohne Worte" von Felix Mendelssohn-Bartholdy). "Oh Jägersmann". "Wonn i geh und steh".
Schlager: "Deer hunter" (Acker Bilk).



Jäger: S. auch Jagd, Wild, Wilderer



Jägerlatein:
"Ein Jäger, der nicht raucht und trinkt,
nicht liebt und frohe Lieder singt
und niemals spricht ein Wort Latein,
das kann kein rechter Jäger sein."

Baron Münchhausen erlegte einen regelrechten Wunderhasen: "Vier Läufe hatte mein Hase unter dem Leibe und viere auf dem Rücken. Waren die zwei unteren Paare müde, so warf er sich wie ein geschickter Schwimmer, der auf Bauch und Rücken schwimmen kann, herum, und nun ging es mit den beiden neuen wieder mit verstärkter Geschwindigkeit fort" (Gottfried August Bürger).
In der Literatur: Peter Bamm "Jägerlatein" (in "Die kleine Weltlaterne").



Jakobus d. Ä. (hl.): Hirten- und "Kornpatron", Schutzpatron des Apfels. Nach einer frommen Legende pfändeten die Bauern einst den Hut des Heiligen, als er durch ein Kornfeld ging. Für dessen Herausgabe versprach der Heilige, künftig das Getreide zu schützen. Nach Jakobus ist das Jakobskreuzkraut benannt, weil es am 25. Juli, dem Tag des Heiligen, in voller Blüte steht. Nach dem Heiligen ist eine frühe Apfelsorte benannt.



Jauche: Wenn eine Kirche vom Blitz getroffen wird, soll man Jauche zum Löschen verwenden. Jauche wurde früher gegen Magenkrebs und Leberleiden eingenommen; neuerdings wird sie als Schönheits- und Verjüngungsmittel angewendet.
Sprüche: "Der Bauer stark nach Jauche stinkt, / der Hahn dann mit dem Brechreiz ringt" ("Sprüchekalender"). "Man muss der Sache auf den Grund gehen", sagte der Bauer, als er in die Jauchegrube fiel. "Die Geschichte des deutschen Nationalismus und Rassismus ‚gipfelt’ in Hitler – es ist kein Gipfel, sondern ein Abgrund, richtiger gesagt: eine Jauchegrube" (Thomas Mann). Schimpfwort: Jauchefass (ungepflegter Bauer), Steuerjauche (Dünnbier).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Jauche und Levkojen" (TV-Film "Poenichen-Trilogie", 1. Teil).



Joch: Redensarten: Das Joch tragen/abschütteln. Joch (Baukunst, Einsattelung im Gebirge), Ehejoch (vom lateinischen "coniugium"), Jochbein.
Sprüche: Das Joch der Ehe ist so schwer, dass man zwei Personen braucht, um es zu tragen - manchmal drei). Im Joch sein (schwer arbeiten). Schweres Joch,. unterjochen (unterwerfen). "Ein sanftes Joch ist schwerer als ein schweres: man denkt nicht mehr daran, es abzuwerfen" (Bert Berkensträter). "Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig!" (Matthäus 11,29). Joch (kleiner Gebirgspass, altes Maß), Jochbein (Wangenknochen). "Füchse ins Joch spannen und Böcke melken" (etwas ganz Unsinniges tun, Vergil "Bucolica").
Im Film/Filmtitel: u. a. "Das goldene Joch" (1988). "Das Joch des Jahres" (1917). "Unter dem Joch" (1952).



Jodeln: "Die Bayern waren auf das Jodeln stolz, aber die Preußen haben es ihnen so gut nachgemacht, dass die Bayern heute nicht mehr jodeln mögen" (D. Wildt). Gestandene Bayern verdrießt es, dass auch in Polen, Rumänien, ja sogar im Kambodscha gejodelt wird. Das Mozarteum in Salzburg verleiht an begabte Musikstudenten ein Jodeldiplom. Zungenbrecher: Junge jodelnde Jodler-Jungen jodeln jaulende Jodel-Jauchzer, jaulende Jodel-Jauchzer jodeln Junge jodelnde Jodler-Jungen.
Zungenbrecher: Junge jodelnde Jodler-Jungen jodeln jaulende Jodel-Jauchzer, jaulende Jodel-Jauchzer jodeln Junge jodelnde Jodler-Jungen.
Schimpfworte: Jodelgrube (Bergtal). Jodeln: Der Schrei eines Esels, den man auf den Schwanz getreten hat.



Jodeln: Im Gedicht: Eugen Roth "Folklore": "Der Sepp nach uraltem Brauch jodelt, / Derweil vom Fasse die Jauche brodelt ..."
Im Film/Filmtitel: u. a. "Ach, jodel mir noch einen!" (1974). "Auch im Kloster wird gejodelt" (1972 Sexfilm). "Beim Jodeln juckt die Lederhose" (1974 Sexfilm). "Gejodelt wird im Unterhöschen" (1974 Sexfilm). "Gejodelt wird zu Hause" (1970). "Jodeln is ka Sünd" (1974 Sexfilm). "Ob Dirndl oder Lederhos’, gejodelt wird ganz wild drauf los" (1974). "Unterm Dirndl wir gejodelt" (1974 Sexfilm). "Unterm Höschen wird gejodelt" (1975). "Zwei stramme Bayern in Kopenhagen – Reich mir die Berge, ich will jodeln" (1971).
Im Lied: "Der Königsjodler". "Erzherzog-Johann-Jodeler". "Naturjodler".




Johannes der Täufer (hl.): Er ist der einzige Heilige, der an seinem Geburtstag und nicht an seinem Sterbetag gefeiert wird. Was man in der Nacht von "Johanni" (24. Juni) von Heirat oder Tod träumt, das soll in Erfüllung gehen. Wünschte man eine baldige Heirat, so musste man mit dem Liebsten gemeinsam durch das Johannisfeuer springen. In das Haus, in dem ein Johannes wohnt, wird kein Blitz einschlagen; geschieht es doch einmal, so wurde das Kind vermutlich dummerweise nach dem Apostel Johannes benannt. Johannesbund (katholische Priestergenossenschaft), Johannisfeuer, Johannispassion, Johanniter (geistlicher Ritterorden). Pflanzennamen: Johannisbrotbaum, s. auch Johanniskraut.
Redensarten: Dastehen wie ein hölzerner Johannes.
Sprichwörter: Kann sich am Maientag ein Rabe im Korn verstecken, dann zu Johanni ein Knabe.
In der Literatur: Hermann Sudermann "Johannisfeuer" (Schauspiel). Im Gedicht: Alexander von Bernus "Johannisfeuer". Max Dauthendey "Johanni" und "Johannisfeuer". Annette von Droste-Hülshoff "Johannistau".

"Johannisfeuer sei unverwehrt,
Die Freude nie verloren!
Besen werden immer stumpf gekehrt
Und Jungen immer geboren."
(Johann Wolfgang von Goethe)

Andreas Gryphius "Auf den Tag Johannis des Täufers. Luc. I." Johann Gottfried Herder "Johannes" und "Sankt-Johannes-Nacht". Detlev von Liliencron "Das Haupt des heiligen Johannes in der Schüssel". Friedrich von Logau "Johannes der Täufer". Johann Rist "Über das hochheilige Evangelium am Festtage Johannis des Täufers, Luk. 1". Adolf Friedrich von Schack "Johannisnacht". August Wilhelm Schlegel "Johannes in der Wüste".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Das Märchen von der Johannisnacht" (1981). "Johannisfeuer" (1939, 1966). "Johannisnacht" (1918, 1933, 1956).



Johannisbeere: Sie soll gegen Gicht helfen, deswegen auch der Name Gichtbeere. Kinder, die unreife Johannisbeeren essen, sollen Läuse bekommen. Die schwarze Johannisbeere hat den höchsten Vitamin-C-Gehalt aller Obstsorten.



Johanniskraut: "Man hat sie zu den vorzüglichsten Wundkräutern gezählt" (Adelbert von Chamisso).
(Blütezeit um "Johanni" 24. Juni. Der Name soll auf die Ermordung des Täufers zurückgehen). Die Wirkung ist schon seit 2000 Jahren bekannt. Auch die hl. Hildegard war von seiner Heilkraft überzeugt. Anwendungsgebiete waren Stich- und Schutzverletzungen, Menstruationsbeschwerden, Magen- und Nervenleiden und Bettnässen, aber auch gegen "angezauberte" Liebe soll es geholfen haben. Paracelsus meinte, dass "Gott ein großes Arcanum in das Kraut gelegt hat, allein von wegen der Geisten und dollen Fantaseien, die den Menschen in Verzweiflung bringen". Damit ist die moderne Anwendung vorweggenommen. Es gehört heute neben der Kamille zu den in Deutschland am meisten angebauten Heilkräutern und wird vor allem als "Stimmungsaufheller" gegen Angstzustände und Depressionen eingesetzt, aber auch als wirkungsloser Viagra-Ersatz. Im Mittelalter wurde die Pflanze bei der Teufelsaustreibung verwendet. Im Volksglauben soll es gegen Blitzschlag und Hagel helfen. Arzneipflanze des Jahres 2015.



Johannistrieb bei Männern, die in reiferen Jahren die Lust am Sex neu entdecken: benannt nach Bäumen und Sträuchern, die verspätet oder erneut um den 24. Juni herum austreiben (z.B. nach Frost oder Raupenfraß).
Im Gedicht: Justinus Kerner "Wenn eine Baum, ein morscher, alter …" Friedrich Rückert "Die Johannistriebe".

"Lodernd Feuer in den Blicken,
In der Haltung stolze Ruh;
Deines Hauptes leises Nicken
Winkt mir teure Gnade zu...

Meine ganze Seele zittert
Wie der Tiger, welcher wittert
Fernher den an einen Pflock
Angebundnen Ziegenbock."
(Frank Wedekind "Johannistrieb")



Josephsehe: Sobald die Kinderzahl zweistellig geworden, der Hoferbe in mehrfacher Ausfertigung produziert war und die Bäuerin dadurch allzu oft von der Arbeit ausfiel, hatte der Ortsgeistliche meist ein Einsehen mit der gestressten Bäuerin und ordnete die sog. Josephsehe an. Die Bäuerin nähte zum Zwecke der Empfängnisverhütung den Schlitz in ihrem Nachthemd zu. Was den Bauern in der Regel zu dem bekannten Ausspruch "Verflixt und zugenäht" veranlasste. Sehr zur Freude der Mägde oder (je nach Veranlagung) auch der Knechte. S. auch Empfängnisverhütung.



Jude: s. auch Juden



Juden: Geld lieh sich der Bauer am liebsten beim jüdischen Viehhändler und bewies dadurch sein gesundes Misstrauen gegenüber der Raiffeisenkasse und der Hoffnung auf ein Wunder - vielleicht ein Lottogewinn. Dieses Wunder wirkte dann Hitler: Er erließ seinen treuen Anhängern die Schulden - das nannte man zynisch eine braune Sanierung. Pflanzennamen: Judenkirsche.
In der Literatur: Oskar Maria Graf "Unruhe um einen Friedfertigen" (1947).



Jungfernzeugung (bei Landtieren): Wasserflöhe, Asseln, Blattläuse, Bienen, Stabheuschrecken, diverse Wespenarten und Schmetterlinge. Friedrich Spee reimt in seiner "Trutz Nachtigall" über die Bienen:
"Sie häufig sich vermehren,
doch keusch, ohn Heirat sein;
Ohn Lieb sie sich beschwären
Mit süßen Kinderlein."



Jungfräulichkeit:
"Gäb's kein Wirtshaus, kein Bräuhaus,
Kein schön Bubn auf der Welt,
Hätt' man gwiss lauter Jungfraun
Und den Beutel voll Geld."

Wenn die Zweige, die am 4. Dezember (dem Tag der hl. Barbara) von einer Jungfrau geschnitten wurden, nicht bis Weihnachten aufblühten, galt das als Anzeichen verlorener Jungfräulichkeit, ebenso wenn die Burschen an Pfingsten Holunderzweige vor das Fenster eines Mädchens steckten. Verdorrten die Pflanzen, war Nachwuchs angesagt und guter Rat teuer. Die Beschuldigte konnte dann versuchen, durch einen Gegenzauber das Gegenteil zu beweisen, indem sie eine erloschene Kerze wieder anblies. War es dann doch einmal passiert, war das Klagen groß:
"Ich pfeif' auf mein Jungfernschaft
Ich pfeif' auf mein Leb'n!
Mein Jungfernschaft kann mir
Der Papst nimmer geb'n."

Sprichwörter: Er muss ein scharf Gesicht haben, der eine Jungfrau kennen soll. Wenn eine Jungfer fällt, so fällt sie auf den Rücken.
Sprüche: "Die törichten Jungfrauen sind noch nicht ausgestorben" (August Bebel). "Eine Jungfrau ist etwas sehr schönes, vorausgesetzt, sie bleibt es nicht" (Joachim Ringelnatz). "Sie ist mit einer Lüge in die Ehe getreten. Sie war eine Jungfrau und hat es Ihm nicht gesagt" (Karl Kraus).
Im Gedicht: Hermann Löns "Der Jungfernkranz".



Jungfräulichkeit: s auch Biene, Brennnessel, Holunder, Unschuld vom Lande





Korrekturen, Ergänzungen?


© Hans Baier 2017