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Anfangsbuchstabe: M




Lexikon des Landlebens



Mücken: s. auch Mücke



Magd:
"Das ist gewiss! Die Magd, wo sie wird Frau im Haus,
Die schicket ihre Mägd’ im ärgsten Regen aus"
(Friedrich Rückert "Weisheit des Brahmanen").

Was die Magd bei Anstellung in der ersten Nacht träumte, ging in Erfüllung. Die Bäuerin warf der neuen Magd einen Besen vor die Füße; wenn die Magd ihn sofort aufhob, galt das als Zeichen von Fleiß und Ordnungsliebe. Mägdesprung (Ortssage). Pflanzennamen: Magdblume (Kamille), Mägdebaum (Sadebaum, Wacholder).

"Zerbräche die Magd keine Töpfe,
Was würd’ aus dem Töpferstand?
Arbeiten doch Gottes Geschöpfe
Einander geschickt in die Hand!"
(Friedrich Rückert).



Magd: Sprichwörter: Der Topf, den die Magd zerschlug, war gut, der, den die Hausfrau zerschlug, war wertlos (sorbisch). In deinen Diensten beschäftige keine hübschen Mägde! (aus China). Küsse niemals die Magd, wenn Du die Herrin küssen kannst! Man straft gern am Gesind, was verbrochen hat das Kind. Spröde Magd macht kühne Freier. Tanzt die Frau, so hüpft die Magd. Wenn die Magd genascht hat, bekommt die Katze Prügel (Bauernweisheit). Wenn die Magd wird Frau im Haus, so jagt sie den Herrn zur Türe hinaus. Wenn sich die Mägde zanken, kommt die Wahrheit an den Tag. Wer mit der Magd tändelt, macht sie zur Herrin seiner Frau. Magd Gottes (hl. Maria).



Magd: Sprüche: "Bequemlichkeit geht über den Anstand", sagte die Magd, als sie beim Bauern schlief, "das spart einmal Bettmachen". "Ein Lexikon gehört in die Hand jeder Magd" (Wladimir Iljitsch Lenin). "Es gibt keinen unter uns, der sein Leben nicht lieber mit einer Magd als mit einem Blaustrumpf verbrächte" (Henry Stendhal). "Ich wollte, ich hätte eine Magd geheiratet und nicht das Gegenteil, nämlich eine aufgeblasene Frauenrechtlerin" (Hermann Löns). "Liebe kommt der Bitte zuvor", sagte die Magd, als sie zum Knecht in die Kammer kam. "Sieht die Magd den Bauern nackt, / Wird von Brechreiz sie gepackt". "Will die Frau nicht, kommt die Magd" (Martin Luther).
Vergleiche: "Die Sprache ist die Mutter, nicht die Magd des Gedankens" (Karl Kraus). "Wenn du Geld zu nutzen verstehst, ist es deine Magd; wenn du es aber nicht zu nutzen verstehst, deine Herrin" (Publilius Syrus).



Magd: Schimpfworte: "Mensch" (bis ins 17. Jahrhundert Bezeichnung für Magd). Hurenmensch, Kruzifixmensch (Fluch), Lügenmensch.

Schnaderhüpfl:
"s Mensch is von Böhmen
Und lebt vom Betrug.
Hat ausgstopfte Duttln
Und a blecherne Fud."

"D Bäurin hat finster g'schaut,
Der Bauer hat g'lacht,
Weil er sich schon wieder g'freut
Auf die Dirn bei der Nacht."

"Kommt der Bauer in den Stall,
Ruft die Magd: Du kannst mich mal!"

Hat die Magd nen wunden Po,
Lag die Egge unterm Stroh."



Magd: In der Fabel: S. auch Hahn. Jean de la Fontaine "Die Alte und die beiden Mägde".
In der Literatur: Johann Wolfgang von Goethe "Faust": "Ein starkes Bier, ein beizender Tobak, / und eine Magd im Putz - das ist nun mein Geschmack."
Werner Bergengruen "Die Magd im Felsenhaus" (in: "Das Buch Rodenstein"). Hermann Broch "Die Erzählung der Magd Zerline". Lena Christ "Die Rumplhanni" (1916, auch Film 1981). Jeremias Gotthelf "Elsi, die seltsame Magd" (1843). Peter Huchel "Die Magd und das Kind" (Hörspiel 1935). Guy de Maupassant "Geschichte einer Magd". Peter Rosegger "Die Zuchtdirn" (in "Die Älpler"). August Strindberg "Der Sohn der Magd" (1887/88). Hermann Sudermann "Die Magd". Ernst Wiechert "Die Magd" (in "Das heilige Jahr") und "Die Magd des Jürgen Doskocil" (1932).



Magd: Im Gedicht:
"Unser Grab erwärmt der Ruhm.
Torenworte! Narrentum!
Eine bessre Wärme gibt
eine Kuhmagd, die verliebt
uns mit dicken Lippen küsst
und beträchtlich riecht nach Mist"
(Heinrich Heine).

Georg Britting "Die Stallmagd". Richard Dehmel "Die Magd". Thomas Hardy "The Milkmaid". Peter Huchel "Die Magd". Friedrich von Logau "Die Magd, die stieg aufs Heu…" Christian Morgenstern "Der Traum der Magd" (in "Galgenlieder") und "Mägde am Sonnabend". Ferdinand von Saar "Die alternde Magd". Hans Sachs "Ein Kampfgespräch zwischen einer Frauen und ihrer Hausmaid (1553), "Klag dreier Frauen über ihr Hausmeid" und "Ein Klagred dreier Maid über ihr harte Dienst" (1554). Joseph Viktor von Scheffel "Still-Leben".

"Oft am Brunnen, wenn es dämmert,
Sieht man sie verzaubert stehen
Wasser schöpfen, wenn es dämmert.
Eimer auf und nieder gehen ..."
(Georg Trakl "Die junge Magd" (Lied von Paul Hindemith))



Magd: Im Film/Filmtitel s. auch Gans, Knecht. "Anna, die Magd" (1943). "Der Sohn der Magd" (1920). "Der treuen Magd Opfer und ihr Lohn" (1911). "Die Dienstmagd" (1988). "Die Erzählung der Magd Zerline" (1991 TV-Film). "Die Gänsemagd" (1957). "Die Magd" (1995, 1976). "Die Magd vom Javorhof" (1956). "Die Magd von Heiligenblut" (1956). "Maria, die Magd" (1936). "Veronika, die Magd" (1951).
In der Malerei: u. a. S. auch Milch. Jan Vermeer "Dienstmagd mit Milchkrug" (um 1660).
Im Lied: "Die fromme Magd" und "Kupido und die Magd" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Es schlief ein Graf bei seiner Magd".



Magd: S. auch Mariä Lichtmess, Martha (hl.), Sex



Magnus (hl.): (St. Mang) Wetterheiliger. Er schützt gegen verschiedenes Ungeziefer, so gegen Mäuse, Raupen und Engerlinge.



Mähmaschine: Bereits durch die Römer erfunden und in ihren gallischen Provinzen eingesetzt. Es handelte sich um einen zweirädrigen Wagen mit kammartigen Greifzähnen an der Vorderseite. Die abgerissen Ähren wurden in einem flachen Wagenkasten gesammelt. Die "Maschine" wurde nicht gezogen, sondern von einem Rind geschoben. Am leichtesten ging das an abfallenden Hängen. Das Gerät bot eine wesentliche Arbeitserleichterung gegenüber der Sichel. Nachteile waren der hohen Körner- und Strohverlust. Geldschein 1975 DDR 5 Mark: Mähdrescherbrigade beim Einsatz.
In der Literatur: Ludwig Anzengruber "Die Märchen des Steinklopferhanns".



Maibaum: Maibäume müssen vor dem Aufstellen rund um die Uhr gut bewacht werden, damit sie nicht von Burschen aus dem Nachbardorf gestohlen werden können. Der Versuch wird mit Prügel bestraft. Gelingt der "Diebstahl", muss das corpus delicti durch reichlich Bier wieder ausgelöst werden. Besonders ärgerlich ist es, wenn bereits aufgestellte Bäume stibitzt werden. Juristisch gesehen handelt es sich um einen "Gewahrsamsbruch ohne Zueignungswillen"; außerdem ist Brauchtum nicht strafbar. Das Maibaumaufstellen wurde früher nicht überall gern gesehen. Ein Pastor jammerte, "dass ein Drittel der bis dahin tugendsamen Jungfrauen" bei dieser Veranstaltung ihre Unschuld verlören.



Maibaum: Der höchste Maibaum aller Zeiten wurde 1974 von der Tiroler Gemeinde Mariastein aufgestellt; er maß 78 Meter. Fällt ein aufgestellter Maibaum um, bedeutet dies nichts Gutes; als das dem Maibaum vor dem Louvre passierte, soll Heinrich IV. von Frankreich gestorben sein. Die Wissenschaft sieht im Maibaum ein Phallussymbol ("Poetischer Ausdruck für eine saisonale Erektion" K. de Rottwinkel).
Im Gedicht: Martin Greif "Der Maibaum". Detlev von Liliencron "Der Maibaum".
In der Malerei: u. a. Pieter Bruegel d. J. "Tanzende Bauern um einen Maibaum". Francisco de Goya "Maibaum" (1816-1818). Salomon van Ruisdael "Fest unter dem Maibaum" (1655.
Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Maibaum" (1984).



Maiglöckchen:
"Die Luft ist blau, das Tal ist grün,
die kleinen Maienglocken blühn…"
(Ludwig Christoph Heinrich Hölty).

Sie entstanden aus Evas Tränen, als sie aus dem Paradies vertrieben wurde. In England und Frankreich werden sie "Tränen unserer Lieben Frau" genannt. Sie sollen Gicht und Depressionen heilen, bei der "hinfallenden Sucht", einem schwachen Gedächtnis, aber auch einem schlaffen Glied auf die Sprünge helfen. Das ganze Jahr Glück haben wird, wer am 1. Mai Maiglöckchen bei sich trägt. 1620 brachte das Segelschiff "Mayflower" die sog. "Pilgerväter" nach Nordamerika. Giftpflanze des Jahres 2014. Maiglöckchenhähnchen (Käfer).
In der Literatur: Friedrich Schnack "Sibylle und die Feldblumen" (1941).
Im Gedicht: Achim von Arnim "Im Frühling, wenn die Maiglöckchen läuten".

"… Was leuchtet da so leuchtend weiß?
Wies heißt? Ich weiß: Glöckchen des Mais!"
(Heinz Erhardt "Was duftet da?")

Joseph von Eichendorff "Maiglöckchen". Georg Philipp Harsdörffer "Maiglöckchen. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben u. a. "Maiglöckchen" und "Maiglöckchen und die Blümelein …" Heinrich Seidel "Wenn die Maiglöckchen blühn". Josef Weinheber: "Maiglöckchen".



Maikäfer: "Eine nur im Juni vorkommende Käferart" (E. G. Tange). Einst als "Heuschrecke" Europas gefürchtet. Der Maikäfer lernt seine Eltern nie kennen, "weil er ja erst vier Jahre nach ihnen als Käfer das Licht der Welt erblickt" (Ulrike Müller-Kaspar).
Der Maikäfer ist ein Insekt, das vor allem von der Landjugend für diverse Zwecke und Kunststücke missbraucht wurde (s. auch Wilhelm Busch "Max und Moritz"). Es gibt "Müller", Bäcker", Schornsteinfeger", Schuster" und "Kaiser". In meiner Jugend waren Flugwettbewerbe große Mode, wobei nicht eindeutig geklärt werden konnte, ob ein in den Maikäferhintern gesteckter Strohhalm sich leistungssteigernd auswirkte. Wer einem Maikäfer den Kopf abbeißt, soll gegen Fieber geschützt sein, ja das ganze Jahr über Glück haben. Manche schätzen die Tierchen als Aphrodisiakum, aber auch als Schmucktalisman in Gold oder Silber. Auch übersinnliche Kräfte wurden ihnen zugesprochen.



Maikäfer: Als Schädlinge wurden sie konsequent verfolgt, z.B. durch Beschwörungen 1829 in der Schweiz und noch 1839 in Frankreich. Im 17. Jahrhundert setzte man sie bei Hungersnöten auf den Speisezettel gesetzt, sie waren aber auch als Delikatesse geschätzt und dienten bis ins 19. Jahrhundert als Suppengrundlage. Die Pygmäen rösteten sie auf Holzkohle. In Konditoreien wurden sie gezuckert oder kandiert angeboten. Ernährungswissenschaftlich sind sie ein Idealprodukt, weil sie z.B. Eiweiß, Kalium, Natron, Magnesium und Eisen enthalten. Maikäfer sollten wie Honigbienen geröstet werden, jedoch ohne die zähen Flügel; als Würze empfiehlt sich etwas Salz, Curry und Pfeffer. Aber auch "für Hühner, Enten und Schweine sind sie ein vortreffliches Futter" (Brockhaus 1839). Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie zu Dünger und zu Fett verarbeitet, zum Schmieren von Wagenachsen.



Maikäfer: Redensarten: Der sieht aus, als hätte er Maikäfer gefrühstückt. Grillen im Kopf, Spinnen oder Maikäfer unter der Zimmerdecke bzw. eine Schabe in der Kugel haben (verrückt sein). Über die Unsterblichkeit der Maikäfer nachdenken (Unsinn ausbrüten). In Österreich heißt es, wenn einer ein wenig mehr kann als der andere, "der klistiere Maikäfer in der Luft".
Sprichwörter: Der Maikäfer Menge / bedeutet der Schnitter Gedränge. Maikäferjahr – gutes Jahr.
Vergleiche: "Es ist besser ein junger Maikäfer als ein alter Paradiesvogel zu sein" (Mark Twain, auch Spatz).



Maikäfer: "Es macht allemal einen sonderbaren Eindruck auf mich, wenn ich einen großen Gelehrten oder sonst einen wichtigen und gesetzten Mann sehe, dabei zu denken, dass doch einmal eine Zeit war, da er den Maikäfern ein Liedchen sang, um sie zum Auffliegen zu ermuntern" (Georg Christoph Lichtenberg).
In der Literatur: Siegfried Sommer "Maikäfer flieg" und "Maikäferzeit" ("Der erste Maikäfer wurde von dem fränkischen Raubritter Karlheinz Meuchelstoß, gest. 1606, anlässlich einer Putz- und Flickstunde in einer Quetschfalte seines Lederwamses entdeckt").



Maikäfer: Im Gedicht:
"Jeder weiß, was so ein Mai-
Käfer für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
Fliegt und kriecht und krabbelt er ..."
(Wilhelm Busch "Max und Moritz").

"Maikäfer liebt er ungemein,
Er weiß sie zu behandeln;
Er hackt die Flügel, zwackt das Bein
Und knackt sie auf wie Mandeln"
(Wilhelm Busch "Der Spatz").

Richard Dehmel "Käferlied". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Die drei Maikäfer" und "Knabe und Maikäfer". Joachim Ringelnatz "Maikäfermalen". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).
In der Musik: Carl Loewe "Der verliebte Maikäfer" (Ballade).
Im Lied: Reinhard Mey "Es gibt keine Maikäfer mehr" und "Maikäfer fliege".

Kinderlieder (in "Des Knaben Wunderhorn"):
"Maikäfer flieg, Maikäfer flieg!
Mein Vater ist im Krieg,
Mein Mutter ist in Pommerland
Und Pommerland ist abgebrannt."
Variante der letzten Zeile: "und hat sich dort den Arsch verbrannt."



Marder: Berüchtigter "Hühnermörder", der mehr tötet, als er selbst fressen kann. Sein Penisknochen, als Amulett getragen oder als Pulver eingenommen, soll potenzsteigernd wirken. Im Wappen von Kroatien. Schützenpanzer der Bundeswehr. Tiernamen: Marderbär (Schleichkatze), Marderbeutler, Marderhai, Marderhund.
Schimpfworte: Spezialisierter Dieb, z.B. "Feldpostmarder" im II. Weltkrieg (Postbeamte, die Feldpostpäckchen plünderten; sie wurden mit dem Tode bestraft). Automarder ("Kabelbeißer", unwillkommener Gast im Motorraum eines PKW). Es gibt eine Reihe von untauglichen Versuchen, das vierbeinige Raubtier zu vertreiben: Toilettensteine, Hundehaare, Urin und Rasierwasser. Die billigste Lösung ist auch die beste: Maschendraht unterm Motorraum.
Sprichwörter: Der Marder braucht keine Hühnersteige.



Marder: Fabeln: Äsop "Der Marder und der Hahn". Friedrich von Hagedorn "Der Marder, der Fuchs und der Wolf".
In der Literatur: Hermann Löns "Der Edelmarder" und "Wiesel und Marder".
Im Gedicht: Robert Gernhardt "Der Mardermörder". Franz Grillparzer "Diplomatischer Rat". Friedrich Hebbel "Das Hermelin".

"Ein Marder fraß den Auerhahn,
Den Marder würgt ein Fuchs;
Den Fuchs des Wolfes Zahn."
(Friedrich von Hagedorn "Der Marder, der Fuchs und der Wolf")

Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Brillantenmarder" (1921). "Der Marder von London" (1960). "Die Nacht des Marders" (1987). "Max, der Marder" (1985).
In der Musik: Lied: "Reinhard Mey "Der Marder".



Marder: S. auch Wiesel



Margarete (hl.): Bauernpatronin. Am Margaretentag soll man die Türen schließen, weil sonst die Heilige in ihrer Schürze Fliegen in die Wohnungen trägt. Margarete (hl.). Margaretenbutt. Schimpfwort: Heuseicherin, weil der Bauer an ihrem Namensfest (20. Juli), befürchtet, dass es die Heuernte verregnet.



Margerite: Vom lateinischen "margarita ("Perle") abgeleitet. Wie beim Gänseblümchen Liebesorakel durch Abzupfen der Blütenblätter: "Er liebt mich, er liebt mich nicht ...". Auch der Stand des Zukünftigen kann damit abgefragt werden. Wichtig ist, dass man dabei die Reihenfolge einhält: Kaiser, König, Edelmann, Bürger, Bauer und Bettler. Wenn man die Margerite unters Kopfkissen legt, erscheint einem der Zukünftige im Traum. Auch zur Feststellung des Geschlechts des ungeborenen Kindes findet die Pflanze Verwendung.
In der Literatur: Christoph von Schmid "Margaretablümchen".
Im Gedicht: Rose Ausländer "Margerite". Christian Morgenstern "Marguerite".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Weiße Margeriten" (1956).
In der Malerei: u. a. Jean-Baptiste-Camille Corot "Frau mit Margeriten" (1868-1870). Vincent van Gogh "Still-Leben einer Vase mit Margeriten und Anemonen" (1887).



Mariä Himmelfahrt: An diesem Tag sollen Pflanzen und Tiere giftfrei sein. Kräuter und Wurzeln, die an diesem Tag gesammelt werden, haben mehr Kraft als sonst. Der gleiche Effekt soll auch durch die Weihe der Kräuterbüschel gegeben sein; die Anzahl der Kräuter war in manchen Gegenden bis auf 77 festgelegt. Dieser Brauch geht auf folgende Legende zurück: Als die Apostel das Grab der Gottesmutter öffneten, fanden sie anstatt des Leichnams Blumen und Kräuter.
Sprichwörter:
Wer seinen Körper wohl verwahrt,
trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt.
Und tut ihm dann der Bauch noch weh,
So trägt er ihn bis Bartholomä.

Im Gedicht: Andres Gryphius "Auf den Tag der Hinfahrt Mariæ. Luc. 10". Friedrich Spee "Von Mariä Himmelfahrt".



Mariä Lichtmess: 2. Februar. "Bauernneujahr". An diesem Tag wurden früher die Dienstboten gewechselt. Den vom Hof weggehenden Knechten und Mägden wurde ein besonders gutes Essen aufgetischt, die "Henkersmahlzeit" genannt. "Lichtmess" war auch der Tag, ab dem nur noch bei natürlichem Licht gearbeitet wurde. Der 2. Februar ist ein wichtiger Lostag für Bienen, Gänse und Flachs. An "Lichtmess" geborene Kinder sollen nicht alt werden.
Sprichwörter: "Wenn es um Lichtmess stürmt und tobt, / Sei Grog und Punsch gleich hochgelobt" (Otto Julius Bierbaum).

Ein Schäfer sieht's lieber,
der Wolf bricht in die Herde ein,
als dass am Lichtmesstag
sich zeiget Sonnenschein (sorbisch).

In der Literatur: Peter Rosegger "Lichtmess-Segen" (in "Das Volksleben in Steiermark" 1902).
Im Gedicht: Annette von Droste-Hülshoff "Am Feste Mariä Lichtmess". Ina Seidel "Lichtmess".



Marienkäfer: Frauenkäfer, Muttergotteskäfer, Sonnenkälbchen, Herrgottschäfchen, Herrgottspferdchen. Englisch: Ladybird ("Ladybird" auch Saugroboter). "Glückskäfer", vor allem für den Gärtner und Landwirt, weil er täglich bis zu 150 Blattläuse vertilgt. Im Liebesorakel zeigt er dem Mädchen mit seinem Wegfliegen die Richtung an, aus der der Bräutigam kommen wird. Wenn er jedoch gegen eine Kirche fliegt, wird das Mädchen eine Nonne. Er gibt auch Auskunft über das Schicksal nach dem Tode: Fliegt er in die Höhe, kommt man in den Himmel, fliegt er geradeaus muss man im Fegefeuer eine Zwischenstation einlegen. Fliegt der Käfer jedoch abwärts, ist die Hölle sicher. "Sind die Frauen ungeduldig, setzen sie einen Käfer auf den Zeigefinger und zählen die Sekunden bis zum Abflug. Jede Sekunde bedeutet ein Jahr warten bis zur Hochzeit" (Wikipedia). Kinder sprechen mit Marienkäfern und scheinen eine Antwort von ihnen zu erhalten. Weil man früher glaubte, sein Körper enthalte Opium, wurde er zur Schmerzlinderung verzehrt. Als Aphrodisiakum soll er die Liebeslust fördern. Der Siebenpunkt-Marienkäfer wurde zum Insekt des Jahres 2006 gewählt. Siebenpunkt-Marienkäfer: Insekt des Jahres 2006.



Marienkäfer: Sprüche: "Fliegen Johanniskäfer ohne Licht, / zerr sie vors Verkehrsgericht" (Dietmar Bittrich). Sogar ein Marienkäfer hat mehr Punkte als der 1. FC … (für einen erfolglosen Fußballverein).
Im Gedicht: Ernst Moritz Arndt "Marienwürmchen". Max Dauthendey "Eine kleine Maskenwelt". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Marienwürmchens Klage". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).
Im Lied: "Marienwürmchen" (aus "Des Knaben Wunderhorn" vertont von Robert Schumann).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Marienkäfers Weihnacht" (Zeichentrickfilm).



Marterl: Bildstock. Im Zeitalter der Aufklärung waren Marterln verboten und wurden auf behördliche Anordnung hin z. T. zerstört.
In der Literatur: Peter Rosegger "Martertafeln" (in "Die Älpler").
Im Gedicht: Martin Greif "Das Bildstöckl".
Sprüche: S. auch Bäuerin, Grabspruch, Penis

Hier liegt begraben die ehrsame Jungfrau N.N.
Gestorben ist sie im 17. Jahr
Just als sie zu brauchen war.

Hier ruhet der Ehrsame Johann Missegger.
Auf der Hirschjagd durch einen unvorsichtigen Schuss erschossen,
aus aufrichtiger Freundschaft von seinem
Schwager Anton Steger.



Martha (hl.): Patronin der Dienstmägde.



Martin (hl.): Redensarten: Die Martinsgans überbringen (und zwar dem Dorfschullehrer als Naturalgabe am Martinstag). Zu diesem Termin waren auch Zins und Pacht fällig, wie der Spruch beweist: "St. Martin ist ein harter Mann / für den, der nicht bezahlen kann."
Sprichwörter: Bei fetter Gans und Saft der Reben, lass’ den heil'gen Martin leben. Der Martin kommt auf einem Schimmel geritten, d.h. am Martinstag beginnt es zu schneien. Die Gans singt auf Sankt Martin am schönsten in der Pfanne (sorbisch). Hat St. Martin einen weißen Bart, / wird der Winter lang und hart. Wie den Gänsen zu Martini, so geht's der Wahrheit vor Gericht. "Heiliger St. Martin, dies lebendig Opfer geb' ich dir, sprach die Frau, als ihr ein Falke den Hahn wegtrug" (Wander).
Auch die angehenden Lateiner übten sich an dem Heiligen:
"St. Martin war ein braver Mann,
Doch trank er gern cerevisiam.
Er hatte kein pecuniam,
Drum musste er lassen tunicam."



Martin (hl.):Das grauslige Ritual des Gänseschlachtens in Swinemünde schildert Theodor Fontane: "Eine reguläre Wirtschaftsführung ohne Gänseschlachten konnte nicht wohl gedacht werden. Es handelte sich dabei um mancherlei, zunächst wohl um die Federn zur Herstellung immer neuer Fremdenbetten, vor allem aber auch um die geräucherten Gänsebrüste ..." Kurz vor Martini war es dann so weit. "Nächst der Tür in einem Halbkreise standen die fünf Schlachtpriesterinnen, jede mit einer Gans zwischen den Knien, und sangen, während sie mit einem spitzen Küchenmesser die Schädeldecke des armen Tieres durchbohrten ..."
Im Gedicht: Adelbert von Chamisso "Der heilige Martin, Bischof von Tours". Simon Dach "Einladung zur Martinsgans". Günter Grass "Am elften November". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Martinslied". Friedrich von Logau "Vom h. Martins-Fest". Friedrich Rückert "Martini Kirchweihe". Joseph Viktor von Scheffel "Die Martinsgans".
In der Malerei: u. a. Albrecht Dürer (Zeichnung und Holzschnitt). Hans von Marées "Hl. Martin und der Bettler" (1869).
Im Lied: "Martinsgans" und "Einladung zur Martinsgans" (aus "Des Knaben Wunderhorn": "Der beste Vogel, den ich weiß, / Das ist die fette Gans …")



Maßkrug: (Steinkrug, Keferloher). Beliebtes Schlag-"Zeug" auf bayerischen Bierfesten und in Gaststätten. Ein feststehendes Ritual hat sich eingebürgert. Man trinkt aus, steht auf und schreit seinen Kontrahenten an: "I schlag di ung'spitzt in Bod'n eini." Der Hieb wird anschließend mit der flachen Krugseite auf den Kopf des Gegners ausgeführt. Geht nicht der Maßkrug, sondern der Kopf in Trümmer, dann handelt es sich um eine seltene Missgeburt mit dünner Hirnschale oder um einen zugereisten Norddeutschen. Strafrechtlich wird der Vorgang als Brauchtumspflege eingestuft und nicht weiter verfolgt - es sei denn die o. a. Reihenfolge wird nicht eingehalten oder es wird ohne Vorwarnung zugeschlagen. Neuerdings billigen die Gerichte der Witwe wenigstens den Ersatz der Begräbniskosten zu.



Maßkrug: Der legendäre Münchner Spaziergänger Siggi Sommer schildert das anschaulich in der "Kirchweih in Wörnbrunn": Es gibt Streit zwischen dem "Wastl von der Schießbude" und einem "Oberlandler". Der "trinkt langsam und haut dann die leere Bierhülse dem Tapperich mit Rundschlag auf den Haaransatz. Auf diesen Hieb hin hätte jeder Stadtfrack unweigerlich die Kartoffeln von unten wachsen sehen, weil die Hirnknochen der Stadtleute durch das viele Denken so stark abgewetzt werden, dass sie zum Schluss ganz dünn sind und keinen Widerstand mehr leisten. Nicht so bei dem Getroffenen ..."



Maßkrug: "Die einzigen Fuhrwerke, die man immer sieht, sind die Bierwagen sowie die Fuhrwerke, die mit neuen Maßkrügen beladen vom Bahnhof kommen – was beweist, dass die Zahl der Maßkrüge, die sich die Münchener gegenseitig am Kopf zerschlagen, nicht abgenommen hat (Victor Tissot 1875).
Sprüche: "Wie i damals auf d’ Welt kommen bin, war i so klein, dass i in an Maßkrug Platz ghabt hab" (Helmut Fischer).



Matthias (hl.): (veraltete Form bzw. Verwechslung von Matthäus s. die Redensart: Matthäi am letzten). "Patron der Schmiede. Sprichwörter s. auch Huhn.

"Mattheis
bricht's Eis,
hat er kein's,
so macht er ein's."

Im Gedicht: Friedrich Rückert "Matheis".
In der Malerei: u. a. Lucas Cranach d. "Die Hinrichtung des hl. Matthias" (1512).



Maul- und Klauenseuche: Redensarten: Jemand hat die Maul und Klauenseuche (für schimpfen).
Schimpfworte: Rote Lippen und rote Nägel.



Maulkorb: Redensarten: Jemandem einen Maulkorb anlegen. Maulkorberlass, Maulkorbgesetz (seit 1870), Maulkorbparagraph. Bundesmaulkorb (Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Schriften). Sprüche: "Ein Hund, dem man einen Maulkorb anlegt, bellt mit dem Hintern" (Heinrich Heine). "Preußen: Freizügigkeit mit Maulkorb. Österreich: Isolierzelle in der man schreien darf" (Karl Kraus). "Wer dem Volk aufs Maul schaut, nimmt vielleicht nur Maß für den Maulkorb" (Kurt Böhme). Jean Paul schreibt in den "Teuflischen Papieren" von "Maulkorb und von Daumenschrauben für den menschlichen Verstand".
Vergleiche: "Mit einem Mann ist es wie mit einem Hund: Man muss ihn so lange streicheln, bis Maulkorb und Leine fertig sind" (Eleonora Duse). Ähnlich: "Diplomatie besteht darin, den Hund so lange zu streicheln, bis der Maulkorb fertig ist" (Fletcher Knebel); auch für Politik (E. G. Tange).
Im Film /Filmtitel: "Der Maulkorb" (1938, 1958, 1997). "Ohne Maulkorb" (1975).



Maultier: Kreuzung aus Pferdestute und Eselshengst ("der Mann ist ein Esel"), Frucht einer verbotenen Liebe (im Gegensatz zum Maulesel). Männliche Tiere sind unfruchtbar, jedoch intelligenter als ihre Eltern. "Ponsel" (Kreuzung aus Pony und Esel, neue Errungenschaft von Streichelzoos). Im Altertum galten Maultiere als die edelsten Tiere überhaupt. Gegen das gefährliche Ausschlagen der Maultiere empfahl Plinius, man solle sie öfters Wein trinken lassen. Nach dem gleichen Autor "vergeht dem die Lust zum Beischlaf, der sich Staub, in dem sich eine Mauleselin gewälzt hat, auf den Bauch streut". Schnupfen bekämpfte der römische Gelehrte mit Hundefett und einem Kuss auf die Nase eines Maultiers.
Sprichwörter: Frauen und Maultiere gehorchen besser, wenn man sie streichelt, als wenn man sie peitscht (aus Spanien). Geht der Weg über das Gebirge, nimm ein altes Maultier! Vielleicht trägt es dich nicht, aber es kennt den Pfad (aus Chile). Wenn des Richters Maulesel stirbt, geht jedermann zum Begräbnis, wenn der Richter selber stirbt, geht niemand (Arabien). Wer ein Maultier ohne Fehler möchte, der gehe zu Fuß (Spanien). Berühmt geworden ist Mohammeds Maulesel "Al-borâk". Sonderkraftfahrzeug im II. Weltkrieg.



Maultier: Sprüche: "Beim Maultier ist das Pferd die Mutter und der Esel der Vater – wie im menschlichen Leben" (R. Habeck). "Nachträglicher Einfall der Schöpfung, ein Tier, dem Adam keinen Namen gegeben hat" (Ambrose Bierce). "Vor dem Ochsen vorn, vor dem Maultier hinten und vor der Frau von allen Seiten muss man sich hüten" (aus Venedig). Fabeln: S. auch Fliege. Aesop "Der Esel und das Maultier". Jean de la Fontaine "Das Maultier, da sich seiner Abstammung rühmt" und "Die zwei Mulis".
In der Literatur: "Die Strafe der Ehebrecherin" (in: "Die hundert neuen Novellen"). Heinrich Heine "Maultiertum". Georges Simenon "Am Maultierpass".
Im Gedicht: "Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg" (Johann Wolfgang von Goethe "Mignon"). Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Schlager: "Another mule" (Fats Domino). "Flop eared mule" (Country). "Mule train" (Bing Crosby und Frankie Laine). "Muleskinner" (Harry Belafonte).



Maulwurf: "Schon immer habe ich mich gefragt, warum der Maulwurf Maulwurf heißt, obwohl er nichts mit seinem Maul wirft oder aufwirft, sondern mit seinen Grabkrallen ... Ich habe jetzt aber nachgeschaut: Maul hat nichts mit Maul zu tun, sondern mit dem althochdeutschen molta, also der Erde ... Eigentlich heißt der Maulwurf also Moltewurf" (Axel Hacke).
Auch "Vater der Ratten" und "Schwiegermutter der Schlangen" genannt. Säugetier mit der größten Klitoris. Die Römer kannten Bettdecken aus Maulwurfsfellen. Wegen seiner unterirdischen Lebensweise Tier des Teufels und der Hexen. Der Teufel äffte die Schöpfung Gottes nach, brachte aber nur den Maulwurf zustande. Nach Plinius soll seine Wühltätigkeit sogar zum Einsturz von ganzen Städten geführt haben. Maulwürfe konnten durch eine nackte Jungfrau, die den Acker umschritt, vertrieben werden. Das gleiche Mittel half auch, die Saat vor Sperlingen zu schützen. Wenn das alles nichts nützte, wurde der berufsmäßige Maulwurffänger engagiert.



Maulwurf: Über eine nicht sehr erfolgreiche Maulwurfsjagd berichtet ein Schildbürgerstreich aus dem Tessin: "Ein Maulwurf wurde auf "frischer Tat ertappt. Er hatte auf den Wiesen Löcher gegraben und die Erdschollen zerstört. Man musste ihn für seine Tat bestrafen. Töten aber war viel zu mild. Man beschloss einstimmig, ihn bei lebendigem Leib zu begraben. In einer feierlichen Prozession brachte man ihn in den Garten des Pfarrers, hob ein Loch aus und grub ihn ein" (Pia Todorovic-Strähl). Flaschen, die mit der Öffnung nach oben über den Gängen in der Erde eingegraben werden, vertreiben den Maulwurf durch die Schwingungen, die der Wind erzeugt.



Maulwurf: Er gilt als Todesbote, wegen der von ihm aufgeworfenen Erdhäufchen, die an Grabhügel erinnern. Eine Maulwurfspfote jedoch bringt Glück im Karten- und Würfelspiel ("sie kratzt immer wieder Geld hinein"). Eine französische Sage erklärt die "Blindheit" des Maulwurfs: Er hat seine Augen der Kröte geliehen, die gab ihm dafür ihren Schwanz. Die Kröte jedoch gab die Augen nicht zurück. Folge: der Maulwurf blieb blind, die Kröte schwanzlos. "Wer von Epilepsie geplagt wird, pulverisiere Blut vom Maulwurf, den Schnabel eines weiblichen Entenvogels und die Krallen einer gleichfalls weiblichen Gans" (Hildegard on Bingen).



Maulwurf: Redensarten: Blind wie ein Maulwurf (wohl eher kurzsichtig, denn der bei uns lebende Maulwurf ist in Wirklichkeit nicht blind, wie vielfach, seit Aristoteles, behauptet (er kann zumindest hell und dunkel unterscheiden), wohl aber der sog. "Blindmaulwurf", der in den Mittelmeerländern angetroffen wird). Den Maulwurf graben lassen (koitieren). Einen Maulwurfshügel mit der Zugspitze vergleichen. Hervorragend wie ein Viertausender unter Maulwurfshügeln.
Maulwurf (DDR-Traktor, Tunnelbohrmaschine), Maulwurfsgeschwulst (Genickbeule), Maulwurfshügelmanier (Kartographie, Geländedarstellung), Maulwurfspflug (zum Ziehen von Drainageröhren).
Tiernamen: Maulurfsratte, Maulwurfsgrille (nach ihren "Schaufeln", die dem Maulwurf ähneln, benannt), Maulwurfskrebse, Maulwurfsnatter.
Sprichwörter: "Der Wein wandelt den Maulwurf zum Adler" (Charles Baudelaire). Für den Maulwurf ist jeder ein Atheist, der in die Sonne sieht.
Sprüche: "Der Maulwurf hört in seinem Loch ein Lerchenlied erklingen und spricht: 'Wie sinnlos ist es doch, zu fliegen und zu singen!'" (Emanuel Geibel). "Statt den Maulwurf lang zu fragen, / musst du ihn gleich zum Nachbarn tragen" (Dietmar Bittrich).



Maulwurf: Vergleiche: "Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel" (Konfuzius). "Sich zu mühen und mit dem Widerstande zu kämpfen ist dem Menschen Bedürfnis wie dem Maulwurf das Graben" (Arthur Schopenhauer). "Ärzte ohne Anatomie gleichen den Maulwürfen; sie arbeiten im Dunkeln und ihrer Hände Tagwerk sind Erdhügel" (Friedrich Theodor Meckel). "Kriecher sind wie Maulwürfe, sie handeln nur im Dunkeln, bewegen sich auf allen Vieren und werfen dauernd mit Dreck" (G. Drews). "Mit Adleraugen sehen wir die Fehler anderer, mit Maulwurfsaugen unsere eigenen" (Franz von Sales). "Sich zu mühen und mit dem Widerstande zu kämpfen ist dem Menschen Bedürfnis wie dem Maulwurf das Graben" (Arthur Schopenhauer). "Wünscht bis zum Hochzeitsglücke den Freiern Argusblicke; doch in der Ehe taugen am besten Maulwurfsaugen" (Friedrich Haug).
Schimpfworte: Maulwurf (Infanterist, Archäologe, Spion/Agent, Homosexueller, Anilinctor), Maulwurfshügel (kleiner Berg).



Maulwurf: Fabeln: Äsop "Der Igel und der Maulwurf" und "Der Maulwurf": Der Maulwurf - ein, wie man weiß, blindes Tier - sagte zu seiner Mutter: "Ich kann sehen." Um ihn zu prüfen, gab sie ihm Weihrauchkörner und fragte, was das sei. Als der Maulwurf "Kieselsteine" antwortete, meinte die Mutter: "Kind, du bist nicht nur der Sehkraft beraubt, sondern hast auch den Geruchssinn verloren." Gottfried August Bürger "Der Maulwurf und der Gärtner".

"Der Maulwurf hört in seinem Loch
ein Lerchenlied erklingen
und spricht: ‚Wie sinnlos ist es doch,
zu fliegen und zu singen.’"
(Emanuel Geibel)

Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Maulwurf und der Hamster". Friedrich von Hagedorn "Der Esel, der Affe und der Maulwurf".
In der Literatur: Richard Dehmel "Das Märchen vom Maulwurf" (in "Kindergarten"). Günter Eich: "Maulwürfe" (1968). Johann Peter Hebel "Der Maulwurf". Franz Kafka "Der Riesenmaulwurf". Kinderbuch: Luis Murschetz "Der Maulwurf Grabowski" (1972). Vergil "Vom Landbau":
"Oftmals richteten Mäuse
unter der Erde sich ein und horteten üppigen Vorrat,
wühlten sich Maulwürfe, schwach an Sehkraft, Gänge und Lager,
hausten auch Kröten in Löchern und sonstige Schädlinge."



Maulwurf: Im Gedicht: Otto Julius Bierbaum "Der weiße Maulwurf". Wilhelm Busch "Ein Maulwurf" und "Der Maulwurf":
"In seinem Garten freudevoll
Geht hier ein Gärtner namens Knoll.
Doch seine Freudigkeit vergeht,
Ein Maulwurf wühlt im Pflanzenbeet ..

Heinz Erhardt "Ein Volkslied". Johann Georg Jacobi "Der Maulwurf". Erich Kästner "Die Maulwürfe oder Euer Wille geschehe". August Kopisch "Der Maulwurf" (holsteinische Sage). Christian Morgenstern "Zwei Maulwürfe küssen sich zur Stund". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).



Maulwurf: Im Film/Filmtitel: u. a. "Der kleine Maulwurf" (1972ff Zeichentrickfilme, Kurzfilme). "Der Maulwurf" (1981 mit Lino Ventura). "Der Maulwurf" (Krimiserie). "Der Maulwurf als Filmstar" (1988 Zeichentrickfilm). "Der Maulwurf im Traum" (1985 Zeichentrickfilm). "Der Maulwurf kommt in die Stadt". "Der Maulwurf und die Uhr" (Zeichentrickfilm). "Der Maulwurf und seine Abenteuer …" (Zeichentrickfilm). "Der Maulwurf und seine Freunde" (Kinderfilm). "Die Maulwürfe von Beverly Hills" (1980). "Furi, der tapfere Maulwurf" (Zeichentrickfilm 2001). "Tresko – der Maulwurf" (1996 TV-Film).



Maus: "Ein Tier, dessen Pfad mit in Ohnmacht fallenden Frauen übersät ist" (Ambrose Bierce).
"Der schlimmste Freund des Menschen" (Francesco Santoianni).
Geht es nur um die Farbe, kann es leicht mit einem Elefanten verwechselt werden. Männliche Beutelmäuse können ähnlich wie die Moorhühner bis zu 100-mal am Tag und bis zu 24 Stunden lang. Beutelmäuse kommen als Halbweisen zur Welt. Wenn sie geboren werden, ist ihr Vater bereits tot - vom Stress in der Paarungszeit dahingerafft. Wühlmäuse paaren sich bis zu vierzig Stunden in der sog. Hochzeitsnacht. Weniger bekannt ist, dass Mäuse abtreiben. Mäusemütter verkürzen die Länge ihrer Därme je nach Futterangebot. Das Lorscher Arzneibuch (um 795) empfiehlt bei geschwollenen Knöcheln, eine mit Öl zerriebene Maus aufzutragen. Die Hausmaus "scheint gerne Musik zu hören, lässt sich leicht zähmen und abrichten" (Brockhaus 1839). Eine Katze im Haus vertreibt keineswegs die Mäuse. Mäuse in Katzenhäusern sind klüger und vorsichtiger und lassen sich seltener sehen. "Im 18. Jahrhundert trugen feine Leute falsche Augenbrauen aus Mäusefell" (H. Haefs).



Maus: Der Teufel schmuggelte sich in Gestalt einer Maus in Noahs Arche (das fiel jedoch auf, weil nun anstatt eines Pärchens nun drei Grautiere gezählt wurden). Im Altertum schätzte man die prophetischen Fähigkeiten der Pelzträger: Plinius meint, dass die Mäuse ein Gebäude stets verlassen, bevor es einstürzt. Homer erwähnt einen Mäusegott. Apollon führte den Beinamen "Herr der Mäuse". Zeus nahm gelegentlich die Gestalt einer Maus an. Mäusezähne sollen laut Hippokrates gegen Zahnweh helfen. Kleopatra bekämpfte ihre Schuppen mit einem Brei aus Essig und Mäusekot. Die Kinder der alten Römer spannten Mäuse vor Spielzeugwagen, um die Wagenrennen im Zirkus nachzuahmen. Zu den Erfindungen, die keinen wirtschaftlichen Erfolg hatten, zählte im 18. Jahrhundert die Mäuseguillotine. 1975 wurde in Paris die Internationale Mäuseakademie gegründet. Es gibt einen National Mouse Club.



Maus: Ihre Gefräßigkeit kannte keine Grenzen: Weder Gold noch Eisen waren vor ihnen sicher und aus den "Lampen zog sie mit ihrem Schwanz das Öl heraus" (Riegler). Flüche gegen Mäuse und Ratten gibt es deshalb schon im Buch Samuel. Am Tag vor dem Heiligen Abend 1233 überfielen Mäuse die Felder um Freising und "peinigten die Leute derart, dass sie ganze Ortschaften verlassen mussten" (E. Stemplinger). Man wendete daher viel Phantasie auf, um das Ungeziefer zu vernichten: Mausefallen und Katzen konnten helfen, aber auch die Heiligen Georg, Gertrud, Magnus, Bernhard und Walburga. Übrigens: Mäuseplagen galten im Mittelalter als Strafe Gottes für Päderastie. In Norwegen feierte man noch Ende des 18. Jahrhunderts ein Mäusefest: Die Menschen zogen ihre besten Kleider an und schliefen den ganzen Tag. Schlimm erging es in der Steiermark sieben genäschigen Mädchen: Sie wurden von ihrer Mutter in Mäuse verzaubert. Nach einem verbreiteten Aberglauben verlässt die Seele in Mausgestalt den menschlichen Körper. Wird sie an der Rückkehr gehindert, bedeutet dies den Tod des Menschen. Die Seelen ungeborener Kinder erscheinen als weiße Mäuse.



Maus: Die Maus hat wie so manches Landtier heutzutage auch die Stadt erobert. Von Hanna Arendt, die in ihrer Studentenzeit in einer Dachkammer hauste, berichtet der Heideggerbiograph R. Safranski in zweideutiger Weise: "Dort bot sie ... bisweilen das reizende Schauspiel, wie sie ihre kleine Zimmergenossin, eine Maus, aus ihrem Loch rief, um sie zu füttern."



Maus: Namengebend: Labormaus (im Dienste der medizinischen Wissenschaft – ähnlich der Laborratte. "In der Wissenschaft gilt die Maus heute als das wichtigste Modell für Krankheiten des Menschen". Eine amerikanische Firma brüstete sich damit, dass sie in einem einzigen Jahr den Laboratorien 220 Millionen Tiere geliefert habe), Maus (Computer-Eingabehilfe; Maus-Treiber; Kartenspiel Mauscheln; Panzerkraftwagen im II. Weltkrieg), Mäusebussard, Mäusestrategie für Manager (Spencer Johnson). Kosenamen für Mädchen: Mäuschen, Mausi, Mausibär, Mausilein. "Kleine Maus" nannte Friedrich Schiller seine Frau Charlotte. Mäuschen (am Ellbogengelenk), Mäuse (Geld, aus dem rotwelschen "Moos". Die Mäuse springen lassen, Mäuse haben). Mäuselgeschmack (beim Wein), Mäusepocken, Mäusezahn (winziger Zahn, Milchzahn), mausetot (wohl von murstot = gänzlich tot), Mauswiesen. "Mausoleum" (Begräbnisstätte einer prominenten Maus, geschminkte alte Frau), mucks-mäuschen-still, weiße Mäuse (Verkehrspolizei. Frage: Was sehen weiße Mäuse, wenn sie blau sindf?). Palaindrom: "Summus? Sum mus!" ("Der Höchste? Ich bin [nur] eine Maus!")



Maus: Namengebend: Mickey-mouse (deutsch Micky-Maus, ursprünglich ein Hase. Zeichentrickfigur seit 1930; sie erhielt 1933 mit rund 800000 Briefen mehr Fan-Post als jeder lebende Star. Sie war Kandidat für den Friedensnobelpreis. "Disneyland, die größte Menschenfalle, die je eine Maus gebaut hat" E. G. Tange. Micky-Maustyp. "Steamboat Willie" 1928 war der erste Micky-Mouse-Film. Comic-Strips seit 1930). Der Muskel ist nach dem lateinischen "mus" - "musculus" benannt. Briefmaus (Brieffreundin), Mucksmäuschenstill (s. auch Film 2004), Speedy Gonzales, die "schnellste Maus von Mexiko" im Zeichentrickfilm "Cat tails for two" (1953). Schlager mit Harry Belafonte. Stainless Steel Mouse (Edelstahlmaus, chinesische Webseite). "Wühlmäuse" (Berliner Kabarett).
Tiernamen: Maushund (Schleichkatze), Mausmaki (Lemur), Mausschläfer (Bilche), Mausspecht, Mausvogel.
Pflanzennamen: Herrgottspferdchen (Scharbockskraut), Mäusedorn (Liliengewächs, s. auch Maus), Mäusegerste, Mäuseklee, Mäusesamen (Samen des Läuserittersporns, Ungeziefervertilgungsmittel), Mäuseschierling, Mäuseschwänzchen (u. a. Fuchsschwanz), Mäuseschwänzchenmoos, Mausholz (Geißblatt), Mauswicke.



Maus: Redensarten: Arm wie eine Kirchenmaus (in Kirchen gab es gewöhnlich keine Lebensmittel. "Ich bin krank wie ein Hund, arbeite wie ein Pferd und bin arm wie eine Kirchenmaus" Heinrich Heine). Da beißt die Maus keinen Faden ab (das lässt sich nicht ändern. Schon bei Äsop "Der Löwe und die Maus". Wenn am Tag der hl. Gertrud, dem 17. März, noch gesponnen wurde, wird der Flachs von Mäusen angenagt oder der Faden abgebissen. Vgl. auch das Sprichwort "Gertrud mit der Maus / treibt die Spinnerinnen aus"). Da möchte ich Mäuschen spielen (unbeobachtet zuschauen/zuhören). Das ist zum Mäusemelken (zum Verzweifeln. Medizin: Ein Liter Mäusemilch benötigt bis zu 4000 Melkdurchgänge). Dass dich das Mäuschen beißt! (harmlose Verwünschung, ursprünglich Fluch). Etwas ist den Mäusen gepfiffen (für nutzlos). Jemand schnappt nach Luft wie die Maus nach Speck (für schwer atmen). Sich in ein Mauseloch verkriechen (beleidigt sein, sich vor Scham verstecken). Mäuschen sein (Voyeur spielen), Mäuse machen (Schwierigkeiten machen). Mit Mann und Maus untergehen (ohne Ausnahme; aus der Seemannsprache). Sieht aus wie eine gebadete/getaufte Maus. Weiße Mäuse sehen (betrunken sein. Delirium. Den weißen Mäusen Zucker geben = psychiatrische Behandlung).



Maus: Sprichwörter: Bei einem Geizigen kriegen die Mäuse Blasen an den Füßen. Brenne nicht dein Haus nieder, um die Mäuse zu vertreiben (England). Das wäre kein Kaufmann, der nicht Mäusedreck für indischen Pfeffer verkaufen kann. Die alte Maus zog sich zur Buße in einen Käse zurück (Portugal). Die Mäuse haben Kirchweih, wenn die Katze nicht zu Hause ist. Eine satte Maus ist einer hungrigen Katze am liebsten (Russland). Es ist kein Kaufmann, der nicht Mausedreck für Pfeffer verkaufen kann. Es wird einer Maus, die unter Katzen geraten ist, wenig, helfen, wenn sie miau schreit (Russland). Für die Maus ist die Katze ein Löwe (Albanien). In einen offenen Topf steckt jede Maus den Kopf (jüdisch). Kennt die Maus nur ein einziges Loch, wird die Katze sie bald gefangen haben (aus Spanien).



Maus: Sprichwörter: Kleine Mäuse haben auch Schwänze (auch nicht sehr bedeutende Leute soll man beachten). Misch dich nicht in alles keck, wie Pfeffer in den Mäusedreck! (Altdeutsch). Mit Speck fängt man Mäuse (englische Wissenschaftler haben festgestellt, dass Schokolade noch besser geeignet ist). Nicht die Maus, das Loch ist der Dieb (jüdisch). Wenn der mächtige Löwe altert, lauert er am Mauseloch (Mongolei). Wenn die Katze weg ist, bildet sich die Maus ein, sie sei ein Tiger (Schweden). Wer die Mäuse vom Käse vertreiben will, muss nicht die Katze hinschicken: Sie frisst die Mäuse - und anschließend den Käse.



Maus: Sprüche: S. auch Berg. Die Katz’ frisst Mäus’, i mag’s net (Bauernweisheit). "Die Tragik des zwanzigsten Jahrhunderts liegt darin, dass es nicht möglich ist, die Theorien von Karl Marx zuerst an Mäusen auszuprobieren" (Stanislaw Lem). "Ein Tier, dessen Weg mit in Ohnmacht fallenden Frauen gepflastert ist" (Ambrose Bierce). "Eine kluge Maus weiß mehr als ein Loch" (Plautus "Truculentus"). "Eine Maus hat einen sympathischen Charakter, auch wenn sich die meisten Leute – einschließlich mir – etwas vor ihr fürchten" (Walt Disney). "Eine Maus kann Gedanken fressen, die nie wieder kommen; sie kann die Ewigkeit bestehlen."
"Hunde bringen dir die Hausschuhe,
die Katze nur eine Maus,
so ist eben jeder verschieden,
so drückt sich jeder anders aus.
(Michael Josef Sommer).
"Knabendrohung: Sperrst du mich in den Keller, fang' ich Mäuse und setze sie an den Speck" (Wilhelm Busch). "Mein größter Wunsch ist es zu sehen, wie eine Maus eine Katze bei lebendem Leibe frisst. Sie soll aber auch lange genug mit ihr spielen" (Elias Canetti). Warum trinken Mäuse keinen Alkohol? Sie haben Angst vor dem Kater ("Sprüchekalender"). "Wenn dein Nachbar hungert, kommen seine Mäuse in deinen Keller" (Hans Kasper).



Maus: Vergleiche: "Auf dem Weg von der Ankündigung bis zur Verwirklichung von Sanktionen erleben wir immer wieder die Verwandlung eines Elefanten in eine Maus" (Julius Nyerere). Lieber mit einer kleinen Maus aufwachen als mit einem großen Kater (Mancher geht mit einer Maus ins Bett und wacht mit einem Kater wieder auf). Understatement ist die "seltsame Lust eines Engländers, einen Elefanten als Maus auszugeben und dafür auch noch Glauben zu finden" (Norman Mailer). Wenn die Maus ein Ultimatum stellt, sollte man den Colt im Halfter lassen (Politikerweisheit).
Bürospruch: Um bei uns mehr Mäuse zu kriegen, muss man schon ein schlauer Fuchs sein. Kollegenschelte: Bei dem daheim kommen die Mäuse mit Tränen in den Augen aus dem Kühlschrank ("Bei mir haben selbst die Mäuse keinen Grund zum Feiern" Wolfram von Eschenbach). Kolleginnenschelte: Eine Brust, wie wenn eine Maus die Faust ballt.
Fehlschluss:
"Die Maus ist ein einsilbiges Wort.
Die Maus nagt am Käse,
Also nagt ein einsilbiges Wort am Käse."



Maus: Schimpfworte: Maus/Mäuschen (Vagina), aufgestellter Mausdreck (unbedeutende Person), blaue Maus (Polizistin), graue Maus (unscheinbares Mädchen, das sich bei guter Pflege zum Paradiesvogel mausern kann), Duckmäuser (heimlich schleichen wie die Katze beim Mäusefangen. Alfred Kantorowicz: "Man braucht Jasager, Strammsteher, Heilrufer, Mitmacher, Duckmäuser".), Gittermaus/Knastmaus (Gefangene), Karbolmaus (junge Krankenschwester. Hingebungsvoll wie ein Karbolmäuschen, wenn es der Oberarzt ruft), Knuddelmaus (williges Mädchen), Labormaus/Laborratte (Laborantin), mausgrau (unauffällig), Partymaus, Spitzmaus (Mädchen mit spitzem Gesicht bzw. Nase), Springmaus (Kellnerin), Wühlmaus (u. a. Masseuse; Frau, die einem Mann in die Hose greift).
Schüttelreim B. Papentrigk: "Die Maus sich um den Zucker müht. / Ein mürrisch Maul der Mucker zieht."



Maus: Fabeln: S. auch Eule, Frosch, Hahn, Hund, Schlange, Wiesel. Äsop u. a. "Die Maus und der Frosch" und "Die Mäuse und die Katzen". Jean de la Fontaine u. a. "Die alte Katze und die junge Maus" und "Die Mäuse und der Uhu". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Elefant und die Maus" und "Der Löwe und die Maus". Johann Gottfried Herder "Der Geizhals und die Maus" (aus dem Griechischen) und "Alte Fabeln mit neuer Anwendung". Gotthold Ephraim Lessing "Die Maus". Martin Luther "Die Stadtmaus und die Feldmaus" (nach Äsop).

"Ein Hausmaus, die ging über Feld,
Hätt doch weder Zehrung noch Geld.
Der begegnet do ein Feldmaus,
Dieselbige bat sie zu Haus …"
(Hans Sachs "Fabel der zweier Mäus")

Berühmt wurde die Fabel von der Maus und dem Löwen, wo das kleine Nagetier den mit Stricken gefesselten Löwen befreit.



Maus: In der Literatur: Werner Bergengruen "Die Maus". Johannes Bobrowski "Mäusefest und andere Erzählungen" (1965). Max Dauthendey "Zur Stunde der Maus". Walt Disney "Die Mäusepolizei". Hans Fallada "Die Geschichte vom Mäuseken Wackelohr". Franz Kafka "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse" (aus "Gesammelte Erzählungen" 1935). Hermann Löns "Die Wasserspitzmaus". Robert Musil "Die Maus". John Steinbeck "Von Mäusen und Menschen" (Drama 1937, deutsch 1939, auch als Film und Oper). Jonathan Swift "Gullivers Reisen" (Gulliver im Kampf mit den Riesenmäusen, der Yähu frisst eine Maus). Kurt Tucholsky "Die Katze spielt mit der Maus".
Franz Blei hält Franz Kafka für eine "sehr selten gesehene prachtvolle mondblaue Maus".



Maus: Im Gedicht: S. auch Sack. Bertolt Brecht "Tierverse" ("Es war einmal eine Maus / Die war einmal nicht zu Haus ...") Robert Burns "To a Mouse, On turning her up in her Nest, with the Plough". Wilhelm Busch u. a. "Katze und Maus" (1864). Lewis Caroll "Mäuseschwänzchen". Heinz Erhardt u. a. "Die Maus" und "Ein Kinderlied". Ferdinand Freiligrath "An eine Maus" (von den Shetland-Inseln). Friedrich Güll "Vom Mäuslein". Johann Gottfried Herder "Die Katze und die Maus" (aus dem Orient).

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben: u. a. "Die Mäuse" und "Das Mäuselein":
"Still stand die Wiege, das Kind schlief fest,
Ein Mäuselein sich blicken lässt,
Wippelndes, trippelndes Ding! …"



Maus: Im Gedicht: Klabund "Weiße Mäuse". Christian Morgenstern u. a. "Die Mitternachtsmaus" (in "Galgenlieder") und "Das Auge der Maus" (in "Palma Kunkel"). Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Friedrich Rückert "Der Gärtner und die Maus". Georg von der Vring "Der Tod der Mäuse". Walther von der Vogelweide "Wem gleich ich wohl …"
Märchen: S. auch Katze. Brüder Grimm "Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst". Märchenschlussformel: "Mein Märchen ist aus, / da läuft eine Maus." In der Sage: Brüder Grimm "Das Mäuselein" und "Der Krämer und die Maus".



Maus: Im Film u. a. s. auch Katze "Abenteuer der Wundermaus". "Basil, der große Mäusedetektiv" (Trickfilm 1986). "Bernard und Bianca – Die Mäusepolizei" (Zeichentrickfilm 1977). "Bernard & Bianca im Känguruhland" (1990). "Despereaux – der kleine Mäuseheld" (Kinderfilm). "Die Bademaus" (1919). "Die blaue Maus" (1913, 1914, 1928). "Die drei Mäuse-Musketiere" (1987). "Die grauen Mäuse" (1917). "Die lustigen Mausketiere" (1930). "Die Maus in der Kunstschule" (1901). "Die rote Maus" (1926). "Feivel, der Mauswanderer …" (u. a. 1985). "Flutsch und weg" (Zeichentrickfilm 2006). "Kleiner Micky – Große Maus" (1967). "Maus und Sohn" (1977). "Mäuse auf der Flucht" (Trickfilm 2001). "Mäusejagd" (1997). "Mäusejagd auf der Titanic" (Zeichentrickfilm 1999). "Stuart Little" (1999). "Supermaus und Spießgesellen" (1941/53 Zeichentrickfilm). "Tom, Crosby und die Mäusebrigade" (Trickfilm 1978). "Willy Wühlmaus" (Zeichentrickfilm).Im Fernsehen: "Die Sendung mit der Maus".



Maus: Filmtitel: "Die Maus, die brüllte" (1959). "Die Rache der grauen Maus" (1982). "Die Wache – Von Muskeln und Mäusen" (1994). "Eine Million Mäuse" (1987 TV-Serie "Tatort"). "Geliebte weiße Maus" (1964). "Maus und Katz" (1993 TV-Film). "Teddy lässt die Mäuse tanzen" (1914). "Von Mäusen und Menschen" (1939, 1992). "Was treibt die Maus im Badehaus?" (1975). "Zwei wie Katz’ und Maus" (1980/81).
Wilhelm Busch "Die Maus oder Die gestörte Nachtruhe" (Bildergeschichte). Schlager: u. a. "Pepino the Italian mouse".



Maus: S. auch Bauernregel, Gertrud (hl.), Maulwurf, mausen, sexistische Begriffe, Tierprozess



Mäusedorn: Zur Arzneipflanze des Jahres 2002 gewählt. Ihre stachligen Zweige wurden früher an geräucherte Fleisch- und Wurstwaren gesteckt, um Mäuse fernzuhalten.



Mausefalle: "Mausefalle" Kabarett 1948 von Werner Finck gegründet. In Markt Oberndorf gibt es ein Mausfallenmuseum. In Kalifornien muss man sich das Aufstellen von Mausefallen genehmigen lassen.
Sprüche: Gratiskäse gibt es nur in der Mausefalle. "Mäuse fängt man am besten, idem man sie unter einen Schrank jagt und dann die Beine absägt" (R. Habeck).
Vergleiche: Die Frau ist nach George Bernard Shaw die "einzige Mausefalle, die der Maus nachläuft" und die "einzige Maus, die Fallen fängt" (Ralph Boller). "In der Weltpolitik tappen Elefanten manchmal in eine Falle, die jeder Maus auffiele" (David Frost). "Liebe ist der Speck in der Mausefalle, die man Ehe nennt" (Zarko Petan). Der Satiriker ist ein "Irrer, der dem Elefanten Mausefallen stellt" (Adolf Nowaczynski, ähnlich Ephraim Kishon). Schimpfworte: Mausefalle/Mauseloch (anrüchiges Lokal, Vagina).
Schlager: u. a.
"Pigalle, Pigalle,
das ist die große Mausefalle
mitten in Paris."



Mausefalle: In der Literatur: Agathe Christie "Die Mausefalle" (seit 1952 mit der längsten Laufzeit eines hintereinander gespielten Theaterstücks).
Im Gedicht: Erich Kästner "An die Maus in der Falle". Christian Morgenstern "Die Mausefalle" (in "Palmström"). Eduard Mörike "Mausefallen-Sprüchlein".
Ein recht ungewöhnliches Mittel gegen Mäuse empfiehlt der Dichter Klabund: "Man fange ein Dutzend oder mehr lebendiger Mäuse, tue sie ein einen Käfig, und geben ihnen nichts zu fressen. Der Hunger wird sie antreiben, einander gegenseitig aufzufressen. Die stärkste wird Meister und allein übrig bleiben. Man lasse sie frei. Es wird ihr nichts mehr schmecken als Mäusefleisch, und sie wird als Mauswolf unter ihren Artgenossen fürchterlich wüten und ihrer mehr töten als die eifrigste Katze."
Im Film/Filmtitel: u. a. "Die Mausefalle" (1957). "Die Mausefalle im Stundenhotel" (1981). "Mausefalle für zwei schräge Vögel" (1971).



Mausen: Mäuse fangen, stehlen (Die Katze lässt das Mausen nicht). Aufgrund der Fähigkeit der Maus, auch in kleinste Löcher zu kriechen, Synonym für Koitieren.
Das Schnaderhüpfl meint:
"Mein Vater hat g'sagt:
I soll besser haus'n,
I soll die Katz'n verkauf'n,
Soll selber maus'n."

Volkserotik:
Tripper, Schanker, Beit'lgschwür,
alles kommt vom Mausen her.
Drum bleib i beim Wichs'n,
da passiert mir nixn.



Mäuseturm: Eigentlich "Maut"-Turm, bei Bingen: Die Brüder Grimm verraten uns, wie das Bauwerk zu seinem Namen kam. Der geizige Bischof Hatto von Mainz ließ Hungrige in einer Scheune verbrennen. Er wurde daher von Mäusen verfolgt, die ihn in den Rhein trieben, wo er sich in einem Turm in Sicherheit bringen konnte - vorläufig wenigstens. Denn "die Mäuse schwammen durch den Strom heran, erklommen den Turm und fraßen den Bischof lebendig auf".
Im Gedicht: Ferdinand Freiligrath "Der Adler auf dem Mäuseturm".



Meise: Redensarten: Eine Meise haben ("Spezialisten haben keinen Vogel. Spezialisten haben eine Meise" Werner Mitsch. Sie hat einen besonders schönen Vogel: eine Meise. "Lieber eine Meise als gar keinen Vogel", "Sprüchekalender").
Vergleiche: Ein Alkoholiker, der nicht ganz dicht im Kopf ist, hat eine Blaumeise. Vollmeise (analog zu Vollwaise). S. auch Star.
Schimpfworte: Meisenfang (Psychoanalyse), Meisenheim (Irrenanstalt), Meisenkunde (Psychiatrie).
In der Literatur: Heinrich Federer "Die Spiegelmeise" (in "Am Fenster" 1927). Hermann Löns "Die Kohlmeise".



Meise: Im Gedicht:
"Könnte ich dir sagen, kleine Meise,
wie ich dir so wohl gesonnen bin!
Lockend vor dem Fenster liegt die Speise,
doch du Ängstliche wagst dich nicht hin ..
(Werner Bergengruen "Die Meise" in "Die heile Welt")

Wilhelm Busch "Die Meise". Günter Bruno Fuchs (Hrsg.) "Die Meisengeige". Hans Carossa "Fremde Welt" ("Die Meise, die sich in den Dom verflogen …") Matthias Claudius "Sieben kleine Meisen ..." Ralph Waldo Emerson "The Titmouse".

"… Seht sie an, die Meise,
trinkt sie, baut sie Scheiße,
da! Grad rauscht ihr drittes Ei
wieder voll am Nest vorbei
(Robert Gernhardt "Folgen der Trunksucht")

Johann Wolfgang von Goethe "Meisenliedchen". Friedrich Hebbel "Meisenglück". Hermann Löns "Frühling". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Heinrich Seidel "Die Meise".
Im Lied: "Die Meise, die Meise, / die singt das Kyrieleise" (aus der "Vogelhochzeit").
Im Film/Filmtitel: u. a. "Die Brummmeisenprinzessin". "Die kleine Meise" (1989).



Melken: "Milchentnahme aus dem Euter der Kuh", unter kreuzweiser Manipulation der vier Zitzen, "gleichstrichig oder gleichseitig meist morgens und abends" (Brockhaus). Fremde durften beim Melken und Buttermachen nicht zusehen, weil dann die Butter nicht gelingen konnte. Auch Hexen und Kobolde konnten beim Melken stören. Wenn die Kühe beim Melken widerspenstig sind, muss sich die Magd mit dem nackten Hintern auf den Melkschemel setzen. Im hessischen Willingen kann man im Milchmuseum das Melken an einer hölzernen Kuh üben. Abmelkwirtschaft (Viehhaltung nur zur Milchgewinnung; Milchbauer), "Goldener Melkschemel" (Preis beim Wettmelken).
Redensarten: Die Wirtschaftswunderkuh melken. Jemandem die Ohren melken (für schmeicheln). Die Ziege ist ausgemolken.



Melken: Sprichwörter: Es gibt keine Kühe, die im Himmel gefüttert und auf Erden gemolken werden. Hält der Narr die Kuh bei den Hörnern, kann der Kluge sie melken (jüdisch). Man bindet die Kuh fest, ehe man zu melken beginnt (Südafrika). Was du der Kuh ins Maul stopfst, das melkst du wieder (Slowakei). Wer seine Kühe anspannt, mag seine Pferde melken.
Sprüche: "Die deutsche Kuh gehört gemolken und wenn sie keine Milch mehr gibt, geschlachtet" (Lech Walesa). "Hat der Melker kalte Hände, / flieh’n die Kühe ins Gelände." Vergleiche: Der Staat ist das einzige Rindvieh, das sich ewig melken lässt. "Unser Staat ist ein Melker mit besonders kalten Fingern" (G. Drews).
Vergleiche: "Abstrahieren heißt Luft melken" (Friedrich Hebbel).



Melken: Schüleraufsatz: Am Teich saß eine Magd und melkte die Kuh. Im Wasser war es umgekehrt. Inserat: "Magd zum Melken gesucht".

"Ein Mädchen zog an einem Ding,
Das zwischen Arsch und Beinen hing.
Bald weiße Sauce sich ergoss
Und über ihre Hände floss.
Pfui! Was dachtest Du?
Sie molk im Stall ne Kuh!"

Schimpfworte: Melken (ausplündern, Geld abnehmen, erpressen; masturbieren. Eine Kuh melken = eine Frau ausnützen), Tränen melken (Mitleid erregen).
Im Gedicht: Adelbert von Chamisso "Hans im Glücke":
" ... Melken also; er versucht es,
Nicht gedeiht es ganz und gar,
Weil er Melken nicht gelernt hat,
Und die Kuh ein Ochse war..."

In der Malerei: u. a. Auguste Renoir "Melkerin" (1913–1914).



Melken: S. auch Milch



Milan (Weihe): Panzerabwehrlenkwaffensystem. In der Fabel: Jean de la Fontaine "Der Milan, der König und der Jäger".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der schwarze Milan" (1987).



Milch:
"Willst du den Milchertrag steigern, so schütte reichlich
Schneckenklee, Lotos und salziges Kraut in die Futterkrippe"
(Vergil "Vom Landbau").
"Milch ist eine weißliche, undurchsichtige Lösung bzw. kolloidale Dispersion von Proteinen, Milchzucker und Milchfett in Wasser" (Wikipedia).
Auf dem landwirtschaftlichen Versuchsgut Hülsenberg in Holstein wurden diverse Möglichkeiten zur Steigerung der Milchproduktion untersucht, dabei wurden auch elektrische Kraulmaschinen und Wasserbetten eingesetzt. Bei der Musikberieselung gab es unterschiedliche Ergebnisse: Guido Horn und Mozarts "Eine kleine Nachtmusik" ergaben eine spürbare Steigerung. "Nicht so gut kamen die ‚Toten Hosen’ bei den Rindviechern an. Mit Abstand am schlechtesten schnitt die Volksmusik ab. Ausgerechnet ‚Herzilein’ ... verursachte den Kühen übles Euterdrücken. Die Milchleistung sank um 2,5 Prozent" ("Der Spiegel"). Unsere Vorfahren kannten eine wesentlich preisgünstigere Methode zur Milchsteigerung: Sie schlugen der Kuh mit einem neuen Kochlöffel gegen das Euter. Kuhmilch soll Zauberkraft besitzen. In einem Punkt übertrifft die Kuhmilch die Muttermilch: Sie besitzt wesentlich mehr Proteine.



Milch: Die Römerinnen schätzten Eselsmilch als Schönheitsmittel, Kleopatra ein Bad aus Milch und Honig. Milch der hl. Jungfrau Maria wird an verschiedenen Orten als Reliquie aufbewahrt. Calvin fragte recht unverblümt, ob denn die Mutter Gottes vielleicht eine Kuh gewesen sei. "In Sibirien kauft man seine Milch normalerweise gefroren am Stil" (H. Haefs). Der Werbespruch der Milchwirtschaft: "Was ist weiß und haut voll rein?" musste aus dem Verkehr gezogen werden, weil er allzu oft auf Koks bezogen wurde. Der Rekord im Milchkannen-Weitwurf steht auf 29,72 Meter. Pflanzennamen: Milchbaum, Milchkraut, Milchlattich, Milchstern.



Milch: Der "Ritter Kamembert" (im Kindermusical) trinkt unentwegt Milch und eröffnet schließlich einen Käseladen - anstatt seinen ritterlichen Pflichten nachzukommen. Verschüttete Milch bringt Unglück.
Kinderreime (Vom Schlaraffenland):
"Auf Weiden wachsen Semmeln frei,
die Löffel hängen schon dabei,
darunter Milchbäch fließen.
Die Semmel fallen in die Milch,
dass sie jeder kann genießen



Milch: Norddeutsche "Verordnung über den Verkehr mit Kuhmilch" vom Herbst 1930: "Auf Grund des Gesetzes über den Verkehr mit Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen vom 5. Juli 1927 (Reichsgesetzbl. S. 134) in Verbindung mit den §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (GSS. 1529) und den §§ 137 - 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (GSS. 195) sowie auf Grund der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Febr. 1924 RGBl. S. 44) wird vorbehaltlich der Zustimmung des Bezirksausschusses meine Polizeiverordnung betreffend die Regelung des Verkehrs mit Kuhmilch (Amtsbl. S. 151) wie folgt geändert: Art. 5 erhält folgende Fassung: "Über den Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Polizeiverordnung wird noch Bestimmung getroffen" (nach E.P.)



Milch: Redensarten: S. auch Kater. Bei ihm ist die Milch sauer (bei ihm wird die Milch schon in der Kuh sauer). Da wird ja der Kuh die Milch im Euter sauer. Das Land, wo Milch und Honig fließt (bereits bei Euripides, Horaz und Ovid. Vgl. auch "Pearl S. Buck "Das Land, wo Milch und Honig fließen"). Den Rahm abschöpfen/absahnen (Lieber absahnen als zubuttern). Die Milch der frommen Denkungsart (schon bei Shakespeare "Macbeth". "In gärend Drachengift hast du die Milch der frommen Denkart mir verwandelt" Friedrich von Schiller). Etwas ist so sinnvoll wie einen Milcheimer unter einen Ochsen zu stellen. Milch von der blauen Kuh (gepanschte Milch).
"Milch und Wasser" (eine der 64 Koituspositionen im indischen "Kamasutra"), wie Milch und Blut aussehen (frisch, rosig, gesund). Herbstmilch (saure Milch), Milchader (Abflussvene des Kuheuters), Milchbar, Milchgebiss/Milchzähne (die ersten Zähne. Deine Milchzähne werden sauer). Milchblattern (Pocken bei Tieren), Milchbrötchen, Milchbrustgang (Lymphgefäßsystem), Milchfieber, Milchfistel (Euterkrankheit), Milchglanz (Baumkrankheit), Milchglas (undurchsichtiges Glas), milchig trüb, Milchgrind (Hautkrankheit bei Lämmern), Milchkrankheit (Zitterkrankheit), Milchleiste (verdickte Zellen in der Brustdrüse), Milchlikör, Milchner (der männliche geschlechtsreife Fisch), Milchquarz), Milchröhren, Milchsäure, Milchschorf (Hautausschlag), Milchstein (im Kuheuter), Milchweiß (Annaline), Milchzucker.
Milchstraße (aus dem Wort "galaxis" wurde "via lactea"; "im Mythos als Milch der Hera verstanden, die sie vergoss, als sie den zu heftig saugenden Herakles von der Brust riss" Lexikon der Antike. "Milchstraße von glänzenden Pointen" Jean Paul). Milchzucker. Vergossene Milch (das ist vorbei).
Tiernamen: Milchfisch (Walfischart). Pflanzennamen: Milchbaum, Milchblume (Kreuzblume), Milchbranntwein (aus Stuten- und Kamelmilch), Milchbrätling, Milchkraut, Milchlattich, Milchling (Speisepilz, Reizker), Milchstern (Liliazee).



Milch: Sprichwörter: Die Kühe, die am meisten brüllen, geben die wenigste Milch. Hauptsache die Kuh gibt Milch, ein Melkeimer findet sich (sorbisch). Ließe der Himmel Milch regnen, besäßen gewiss nur die Reichen Krüge, sie aufzufangen (Russland). Über verschüttete Milch zu jammern ist unnütz (England). Warum denn gleich eine Kuh kaufen, wenn man nur ein Glas Milch will? (warum heiraten…?). Was hilft’s, dass die Kuh viel Milch gibt, wenn sie den Melkkübel umschlägt. Wein ist die Milch der Venus (aus dem Lateinischen). Wenn einer von Glück gesegnet ist, so gibt ihm noch der Ochse Milch (Russland).

Kindermund:
"Was Milch gibt, das ist feminin,
was Eier trägt ist maskulin.
Als Ausnahm’ merke dir genau:
Der Milchmann und die Eierfrau."



Milch: Sprüche: S. auch Butter. Biertrinker sind bessere Liebhaber, Milchtrinker bessere Säuglinge. Edel sei der Mensch, milchreich die Kuh ("Sprüchekalender"). "Es stimmt gar nicht, dass die Kühe Milch geben. Die Bauern nehmen sie ihnen einfach weg" (Robert Lembke). "Ich finde Kühe überflüssig. Bei mir kommt die Milch aus der Tüte" (G. Drews). "Ihr Europäer scheint nur Milch statt Blut in den Adern zu haben" (Voltaire). Ist die Milch so gelb wie Bier, / melkt der Bauer seinen Stier. "Käse ist Milch auf dem Sprung zur Unsterblichkeit" (Clifton Fadiman). Kühe dürfen nicht schnell laufen, sonst verschütten sie ihre Milch. "Manche trinken nur deshalb Milch, um anschließend Quark zu reden" ("Sprüchekalender").



Milch: Sprüche: "Milch macht müde Männer zwar munter, aber Wein schmeckt besser" (G. Drews). Milch trinken ist besser als Quark reden. Milch wird nicht so leicht sauer, wenn man sie in der Kuh aufhebt (auch: "Schweinfleisch hält sich jahrelang frisch, wenn man die Sau leben lässt", "Sprüchekalender"). "Wenn es morgens um sechs Uhr an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe" (Winston Churchill). Chefspruch: Wenn meine Ziegen Milch gäben, wär' ich Molkereidirektor.
Vergleiche: S. auch Wein. "Der Trübsal süße Milch - Philosophie" (William Shakespeare "Romeo und Julia")."Die Menschheit ist die Milch, die Gottheit ist der Wein; / Trink Milch mit Wein vermischt, willst du gestärket sein." (Angelus Silesius). "Ein guter Regierungssprecher versteht es, aus Magermilch Schlagsahne zu machen" (George F. Kennan). "Eine Geliebte ist Milch, eine Braut Butter, eine Frau Käse" (Ludwig Börne). "Humor ist der Milchbruder des Glaubens" (Martin Buber). "Ich bin wie eine Kuh, die 15 Liter Milch gibt. Diesmal habt ihr mir 20 abgenommen" (Giovanni Trapattoni). "Jungen sind wie Milch – wenn man sie stehen lässt, sind sie sauer" (Madonna). Männer sind wie Milch; lässt man sie stehen, werden sie sauer (Madonna, auch von Paul Kuhn für Frauen).



Milch: Schimpfworte: Jungfernmilch (Hautcreme), Magermilch (Sperma, Ejakulation ohne Orgasmus), Milchbart (erste dünne Barthaare; junger, unerfahrener Mann), Milchbeutel (weibliche Brust), Milchbritschen, Milchbubi (Alkoholgegner) Milchgarage/Milchgeschirr (Büstenhalter), Milchgesicht (unreifer Mensch). Milchkuh (s. auch Kuh/Melkkuh. Friedrich Nietzsche beschimpfte die Schriftstellerin George Sand als "Milchkuh mit ‚schönem Stil'"). Milchfrau/Milchmädchen (Amme, Prostituierte), Milchgarage (Büstenhalter), Milchmädchenrechnung ("Ist die Rechnung des Milchmädchens falsch, wird es schwanger" Otto Wicki. "Auch Milchmädchenrechnungen müssen bezahlt werden, oft sogar recht teuer" (Gerhard Uhlenbruck), Milchmädchen-Hausse (überhöhte Aktienkurse), Milchsuppengesicht, Milchwirtschaft/Milchgeschäft/Milchladen/Milchzeug/Molkerei (Busen, Volksgut: "Naturana hebt mit Kraft, die stark gesunkne Milchwirtschaft"), Milchzahn (auch minderjähriges Mädchen), Fettarme-Milch-Trinker ("Weicheilexikon").



Milch: In der Fabel: Jean de la Fontaine "Das Milchweib und der Milchtopf". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Die Milchfrau" (nach La Fontaine). Buchtitel: Anna Wimschneider "Herbstmilch" (1984, Film 1989).
In der Literatur: Eulenspiegel "70. Historie". Franziska zu Reventlow "Das gräfliche Milchgeschäft".
Im Gedicht: Paul Celan "Todesfuge":
"Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng..."

John Keats "Das Milchmädchen". Dylan Thomas "Unter dem Milchwald" (1953, Oper 1973). Heinz Erhardt "Milch".

"Die Zeit vergeht,
Das Gras verwelkt.
Die Milch entsteht,
Die Kuhmagd melkt …"
(Joachim Ringelnatz "Liedchen")

Johann Heinrich Voß "Das Milchmädchen".



Milch: Im Film/Filmtitel: u. a. s. auch Honig "Brot und Milch" (2001). "Die Farbe der Milch". "Die Magermilchbande" (TV-Serie 1979). "Herbstmilch" (1988). "Kaffee, Milch und Zucker" (1995). "Kalte Milch und heiße Fäuste" (1935). "Liebfraumilch" (1928). "Milch der Zärtlichkeit" (2001). "Milch mit Schuss" (1986). "Milch und Schokolade" (1989). "Milchspion" (1994). "Tausendmal berührt" (TV-Film 2004 Milchwagenfahrer). "Tewje, der Milchmann" (1939).
In der Malerei: u. a. Vermeer van Delft "Milchmädchen". Francisco de Goya "Milchmädchen von Bordeaux" (um 1827). Rembrandt "Die Landschaft mit dem Milchmann". Jan Vermeer van Delft "Milchausgießende Magd" (1658–1660).
In der Musik: Schlager: u. a. "No milk today" (1966 Hermans Hermits).



Milch: S. auch Melken



Mist: In einem Hexenprozess gestand eine Angeklagte, dass sie mit folgenden Worten Gott abgeschworen habe: "Hier steh' ich auf diesem Mist / und verleugne den Herrn Jesum Christ." In manchen Gegenden Ostfrieslands soll es Brauch gewesen sein, bei der Hochzeit einen Mistwagen mitzuführen, damit die Fliegen von der Braut weggehen. Schweinemist ist ein Universalmittel, es hilft u. a. bei Alkoholvergiftung. Pferdemist soll Martin Luthers Ehefrau Käthe geheilt haben. Er hat jedenfalls ausgerufen: "Profecto, mich verwundert, dass Gott so hohe Arznei in den Dreck gesteckt hat." Pellets, die aus Pferdemist hergestellt werden, haben einen höheren Heizbrennwert als solche aus Holz. Mistbeet (Frühbeet).
Tiernamen: Mistbiene (Schlammfliege). Pflanzenname: Mistborstling.



Mist: Redensarten: Auf den Mist werfen. Ausmisten (den Augiasstall). Bald kommt so viel Mist von oben, dass man einen Hut brauchen wird (für Probleme). Das ist nicht auf seinem Mist gewachsen (z.B. ein Plagiat). Mistfahren (wiederholtes Abheben beim Kartenspiel). Mist machen/verzapfen. Wir haben nicht zusammen Mist gefahren.
Sprichwörter: Da hilft auch alles Beten nichts - da muss Mist hin (auch: Erst Mistus, dann Christus oder: Misten und Düngen geht über Beten und singen). Ein Bauer ohne Mist, / ein Advokat ohne List, / ein Kaufmann ohne Geld / sind arme Leute in der Welt. Erfahrung ist der beste Mist. Gegen ein Fuder Mist kann man nicht anstinken. Kleinvieh macht auch Mist. Mist, ist des Bauern List. Wenn der Schnee schmilzt, kommt der Mist zum Vorschein (arabisch). Wo der Mistwagen nicht hingeht, da geht auch der Erntewagen nicht hin.



Mist: Sprüche: Liegt des Bauern Uhr im Mist, / weiß er nicht wie spät es ist. "Wenn der Bauer Pech hat, findet er Mist in der eigenen Hose" (Sepp Herberger).
Vergleiche: "Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist" (Theodor Heuss). "Der Optimist und der Pessimist haben einen gemeinsamen Nenner: Den Mist" (Carl Fürstenberg). "Du fragst mich, Kind, was Liebe ist? / Ein Stern in einem Haufen Mist" (Heinrich Heine "Unstern"). "Ein Vakuum füllt sich immer, und sei es mit Mist" (August Strindberg). "Für viele Ehefrauen ist ihr Mann das, was das Mistbeet für den Gärtner ist" (G. Drews). Irren ist menschlich. Aber um richtigen Mist zu bauen, braucht man einen Computer (Programmiererspruch). So wie es ist / ist es Mist. "Wenn jemand Landwirtschaft lernen will, kann ich nur annehmen, dass er in die Politik will. Denn zwei Jahre Mist umschaufeln ist eine gute Übung dafür" (Hans Apel). "Wer Mist fressen kann und Gold scheißen, ist das nicht ein wunderbarer Mann?" (Herbert Achternbusch über Rainer Werner Faßbinder). Bürospruch: Aus ihm ist außer Mist nichts herauszubringen. Mein Chef sagte mir neulich, ich wäre sein bestes Pferd im Stall; ich mache den meisten Mist. Schüleraufsatz: Was für die Pflanze der Mist ist, das ist für den jungen Menschen die Schule.



Mist: Schimpfworte: Bockmist, Dr. Mist, Mist (wertloses Zeug, z.B. Mist bauen/reden/verzapfen/von sich geben. So ein Mist, gequirlter Mist, verdammter Mist. Bürospruch: Wir machen alle mal Fehler, aber wenn richtiger Mist gebaut worden ist, dann hat sich bestimmt der Chef persönlich an den Computer gesetzt). Mistarsch, Mistbankert, Mistbauer (auch Abortwärter), Mistbeet (auch Bordell), Mistbiene, Mistbock, Mistbolzen (übler Mensch), Mistbub, Mistfink (für schmutzig), Mistfliege, Misthammel, Misthaufen (s. dort), Misthund, Misthupfer (Bauer), mistig (z.B. Saubub mistiger), Mistiker (Agrarwissenschaftler), Mistkäfer (s. unten), Mistkerl, Mistologe, Mistkratzer (Huhn), Miststück ("Wenn ein Mann seine Meinung sagt, ist er ein Mann. Wenn eine Frau ihre Meinung sagt, ist sie ein Miststück" Bette Davis), Mistvieh ("Oh ihr Abschreiber! Oh ihr Mistviecher!" Horaz), Mistweib, Mistwetter, Riesenmiststück. "Stück Mist in Seidenstrümpfen" (Napoleon über Talleyrand).

Im Lied:
"Wenn's bayrisch Bier regnet":
"Da oben auf dem Berge,
da steht ein Karton,
da machen die Zwerge
aus Kuhmist Bonbon."



Mist: Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Mistkerl" (2000). "Der Weihnachtsmann ist ein Mistkerl" (1982). "Kleinvieh macht auch Mist" (1988). "Mistkerle" (1988). "Miststück" (1997). "Verfluchter Mist" (1980).



Mist: S. auch Amsel, Bauer, Biene, Bock, Bohne, Dünger, Fink, Hahn, Hammel, Hund, Käfer, Kuhdreck, Mistgabel, Misthaufen, Sau, Wetterregel



Mistel: "Hexenbesen". "Entsetzlich! Die Misteln haben keine Zauberkraft, wenn ich sie nicht mit einer goldenen Sichel geschnitten habe" (der Asterix-Held Miraculix).
Fälschlich auch Mispel genannt (von dem Mispelstrauch verschieden). Sie kann an die 400 Jahre alt werden. Die Prophetin Sibylle bat Aeneas, ihr einen Mistelzweig zu besorgen. Mit ihm konnte sie in die Unterwelt hinabsteigen und unbeschadet wieder heraufkommen, so berichtet es Vergil. Der germanische Gott Balder wurde durch einen Mistelzweig getötet. Plinius berichtet von der Mistelverehrung der Gallier. Sie galt als heilig und als Allheilmittel (z. B. bei dem griechischen Arzt Hippokrates), versprach Schutz vor Hexen und bösen Geister, machte ihren Träger hieb- und stichfest und förderte als Aphrodisiakum die Potenz. Bäume, auf denen Misteln wachsen, sollen vor Blitzschlag sicher sein.



Mistel: Ein Mistelzweig am Hut befestigt beschert dem Jäger Glück bei der Jagd, unter das Kopfkissen gelegt verhilft er der Frau zum Kind. Die Engländer hängen an Weihnachten Mistelzweige an die Zimmerdecke. Wer darunter einer Frau begegnet, darf sie küssen (und auf reichen Nachwuchs hoffen). Aus der Pflanze gewonnene Medikamente werden in der Krebsbehandlung eingesetzt. Namengebend: Mistelflugzeug (Luftwaffe), Mistelgespann (Huckepack-Gespannart von zwei Flugzeugen). Tiernamen: Misteldrossel (gefangen durch Leimruten, die mit Mistelleim bestrichen wurden), Mistelfresser (Vogel). In der Literatur: Friedrich Schnack "Sibylle und die Feldblumen" (1941).



Mistgabel: "Vertreibe die Natur mit der Mistgabel, sie wird doch zurückkehren" (Horaz).
Bei Thomas Murner "Mistelinum gebelinum". Die Möglichkeiten bei der Landarbeit zu Schaden, ja zu Tode zu kommen sind Legion. Ein recht gefährliches Werkzeug war die Mistgabel, wie der folgende Grabspruch beweist: "N. N. Liegt hier. Sie stürzte in eine Mistgabel und fand darin ihr Grab". Die Hexen reiten nicht nur auf Besen und Ziegenböcken, sondern auch auf Heu- und Mistgabeln ("Böse Weiber holt der Teufel auf der Mistgabel" Wilhelm Busch).
Redensarten: Jemand isst den Gurkensalat mit der Mistgabel (hat keine Manieren). Jemand schreibt wie mit der Mistgabel (d.h. unleserlich). Mit einer Gabel ohne Zinken den Stall ausmisten (vergebliche Mühe). Aufgabeln (finden).
Sprichwörter: Den Bauern erkennt man an der Gabel, den Advokaten am Schnabel. Gabel (Bergform, z.B. "Mädelegabel" im Allgäu; im Volksmund auch Stelle, wo sich der Zugang zum Allerheiligsten eines Mädchens befindet). Astgabel, Straßengabelung.
Schimpfworte: Mistgabelstute (Bäuerin). "Bischt do, du plattata Mistgablbaron?" (in Ludwig Thoma "Erster Klasse").



Misthaufen: "Sieh zu, dass du einen großen Misthaufen hast!" (Cato).
Die Bedeutung eines Bauernhofs konnte man früher an der Größe des Misthaufens ablesen. Er war stets vor dem Haus gelegen und daher von der Straße her leicht einsehbar. Die Latrinen sollten rationellerweise über dem Misthaufen angelegt werden. Bleiweiß und Grünspan ließ man im Mittelalter im Misthaufen "reifen". Namengebend: "Misthaufen" (deutsche Popband).
Sprichwörter: Auf dem eigenen Misthaufen ist jeder Hahn tapfer (Griechenland). Der Mist zu Hause auf dem Hof und die Tochter drinnen auf dem Stuhl bringen beide gleichviel ein; denn der Mist gehört aufs Feld und die Tochter an die Arbeit (sorbisch). Ein Hahn hat nur auf seinem eigenen Misthaufen das Sagen. Für den Hahn ist der Misthaufen das Zentrum der Welt (nach W. Biermann). Wenn die Sonne auf einen Misthaufen scheint, so dankt er es mit Gestank. Wo die Liebe hinfällt, da bleibt sie liegen, und wär' es ein Misthaufen.



Misthaufen: Sprüche: Kotflügel: Das bekommt ein Engel, wenn er in einen Misthaufen fällt. "Kräht der Bauer auf dem Mist, / hat der Gockel sich verpisst" ("Sprüchekalender"). "Wer zu laut und zu oft seinen eigenen Namen kräht, erweckt den Verdacht, auf einem Misthaufen zu stehen" (Otto von Leixner).
Vergleiche: "Das Internet ist ein gewaltiger Misthaufen, auf dem man aber gelegentlich eine Perle findet" (nach Joseph Weizenbaum). Liebe ist "ein Stern in einem Haufen Mist" (Heinrich Heine).
Schimpfworte: Misthaufen (charakterloser Mensch). "Tief in seinem Inneren weiß jeder Mann, dass er ein wertloser Misthaufen ist."
Im Gedicht: Otto Julius Bierbaum "Ritter Hahn und Bauer Enterich. Ein soziales Gespräch auf dem Miste".



Mistkäfer: Rosskäfer. Der berühmteste ist der sog. Skarabäus, der im alten Ägypten als Symbol der Schöpferkraft für heilig erklärt und in zahlreichen Miniplastiken nachgebildet wurde. Koprophagen ("Mistfresser", Mistkäfer). "Gäbe es … keine Koprophagen, so würde die Erde bald in den Abfallprodukten ihrer Bewohner versinken" (M. R. Berenbaum).
Sprichwörter: Der Mistkäfer ist in den Augen seiner Mutter eine Schönheit. Schimpfworte: Mistkäfer (ungepflegte, unanständig Person. Homosexueller, Prostituierte). In der Fabel: Äsop "Adler und Mistkäfer".
Im Gedicht: Klabund "Mistkäfer".
Im Märchen: Hans Christian Andersen "Der Mistkäfer".



Mitgift: Schmiermittel, das auch schlechtere Heiratspartien an den Mann bzw. die Frau brachte. Ob das folgende Angebot einer überständigen Bauerntochter von Erfolg gekrönt war, ist nicht überliefert:
"Büberl! wennst heirat'st,
So heirat' nur mi.
I han a großmachtigi
Höllsakrati

Sprichwörter: Liebe vergeht, Hektar besteht. Was man derheiratet, das braucht man nicht derackern.
Schnaderhüpfl:
"Eine schimmlige Ziege
Und eine bucklige Kuh
Gibt mir mein Vater,
Wenn ich heiraten tu.

Schimpfwort: Mitgiftjäger ("ein Mann, der seiner ersten Frau sein Vermögen und seine zweite Frau seinem Vermögen verdankt").
Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Mädchen ohne Mitgift" (1936). "Mädchen ohne Mitgift" (1956). "Mitgift" (1975). "Mitgiftjäger" (19174). "Moderne Mitgift" (1932). "Zweifelhafte Mitgift" (1989).



Mitgift: S. auch Heirat, Jäger, Kammerwagen, Kropf



Mohn: Er soll aus den Tränen der Göttin Aphrodite entstanden sein, als diese um ihren Geliebten Adonis trauerte. Im alten Griechenland Kraftnahrung für die Olympiasportler. "Das Kraut des Vergessens" (Ovid). Wohl schon von den alten Ägyptern als Schlummertrank und Schnullerersatz für Babys und Kleinkinder verwendet: "Vier Tage lang eingegeben", und das Kind hörte auf zu schreien; manchmal leider für immer. Rom zählte bereits 312 vor Christus an die 800 Opiumapotheken. Gegen Hexen streut man Mohn aus. Sie müssen erst die einzelnen Samen zählen, bevor sie ihr Unwesen treiben können. Wegen seiner roten Farbe schützt der Mohn vor Blitzschlag. Der Hofhund erhielt in manchen Gegenden am Hl. Abend drei Mohnklöße, damit er stark wird. Dem gleichen Hund warf das unverheiratete Mädchen ein Stückchen Mohnkuchen hin und jagte ihn vor das Hoftor. Wohin er sprang, von der Seite würde der Bräutigam kommen. Klatschmohn: Sein Name leitet sich von seiner Funktion als Liebesorakel her. Der Bursche klatscht auf die Blütenblätter und schließt aus der Stärke des Knalls auf die Zuneigung der Angebeteten. Dabei sagt er: "Das gibt wieder einen Kuss." Homer schildert in der "Ilias" einen sterbenden Krieger, "dessen Kopf wie eine Mohnblume niedersinkt". Nationalblume der Republik Polen.



Mohn: Schimpfwort: Ackerschnalle (Klatschmohn, wegen der knallroten Farbe mit einer Prostituierten verglichen).

"Heiß durch den Roggen strich der Wind
und bebend neigte sich der Mohn.
Ich hab eine rote Blüte verwehn
Zwischen den Halmen zerflattern sehn,
und habe den Blättern nachgeträumt;
und immer ist mir noch, ich schaue
in ihren Kelch, der glutgesäumt
sich jäh vertieft ins Dunkle, Blaue …"
(Richard Dehmel)



Mohn: In der Literatur: Curt Hohoff "Feuermohn im Weizen" (1953). Friedrich Schnack "Sibylle und die Feldblumen" (1941).
Im Gedicht: Paul Celan "Mohn und Gedächtnis" (1952). Felix Dahn "Mohnblumen". Max Dauthendey "Dort wucherte Mohn" und "Ein Augenblick hat da geblüht". Richard Dehmel "Begegnung". Gustav Falke "Das Mohnfeld". Paul Fleming "An den Mohn". Karl Gerok "Blühender Mohn". Johann Wolfgang von Goethe "Vier Jahreszeiten". Friedrich Georg Jünger "Der Mohn". Isolde Kurz "Mohn". Hermann Löns "Mohnblumen". Börries von Münchhausen "Brot und Mohn" und "Das Mohnwunder" (Balladen). Rainer Maria Rilke "Schlaf-Mohn". Friedrich Schiller "Klatschrose". Ludwig Uhland "Der Mohn". Georg von der Vring u. a. "Fragment vom Mohn" und "Mohn".

"Kommen darfst du jetzt, Ehemann,
Schon dein Weib in der Kammer harrt,
Schön und blühend von Angesicht,
Weiß wie Lilien und wie des Mohns
Purpurfarbene Blume."
(Catull)



Mohn: Im Film/Filmtitel: u. a. "Blauer Mohn" (1992 TV-Film). "Mohn amour" (TV-Serie Julia). "Mohn ist auch eine Blume" (1966). "Mohnblumen an der Mauer" (1976). "Roter Mohn" (1956). "Roter Mohn von Issyk-Kul" (1972).
In der Malerei: u. a. Vincent van Gogh "Getreidefeld mit Mohnblumen und Lerche" (1887) und "Klatschmohn und Schmetterling" (1890) und "Mohnfeld" (1889). Gustav Klimt "Mohnfeld" (1907). Claude Monet u. a. "Mohnfeld bei Argenteuil" (1873) und "Mohnfeld bei Vétheuil" (1879). Edvard Munch "Frau mit Mohnblumen" (1918/19). Emil Nolde "Mohn" (1950).
Im Lied: "Roter Mohn" (1938).



Molch: Kleinst-U-Boot im II. Zweiten Weltkrieg. Wartungsroboter, mit dem Rohrleitungen und Pipelines inspiziert und gesäubert werden ("molchen").
Sprüche: "Das Bewusstsein unserer Sterblichkeit ist ein köstliches Geschenk, nicht die Sterblichkeit allein, die wir mit den Molchen teilen, sondern unser Bewusstsein davon. Das macht unser Dasein erst menschlich" (Max Frisch). Molchfisch. Schimpfworte: Dreckmolch/Stinkmolch, Lustmolch.
In der Literatur: Carel Capek "Der Krieg mit den Molchen". S. auch Salamander



Monatsbilder: z.B. in den Stundenbüchern des 15. Jahrhunderts: Januar (Mann am Feuer), Februar (Schneiden der Bäume), März (Pflügen), April (blumenpflückende Mädchen), Mai (Falkner), Juni (Heuernte), Juli (Kornernte), August (Garbenträger), September (Weinlese), Oktober (Sämann), November (Schlachten), Dezember (Wildschweinjagd).



Mond: Im Volksmund "Sonne der Dummen" und "Lumpenlaterne" genannt. Nachts kommen die unterirdischen Geister heraus, um im Mondschein zu tanzen. Wer ihnen zusieht, wird blind. Der kluge Landmann richtet sich bei der Arbeit nach den Mondphasen (Aussaat, Ernte, Viehzucht, Holzfällen). Gemüse, das unter der Erde wächst, z.B. Rüben, Kartoffeln oder Möhren, soll man bei abnehmendem Mond säen oder pflanzen. Ebenso muss man Warzen bei abnehmendem Mond besprechen, damit sie verschwinden. Der zunehmende Mond jedoch begünstigt Vorhaben, wie z.B. Heiraten. Das bei Vollmond geschlachtete Fleisch schmeckt 1966). am besten. Bei zunehmendem Mond gedeckte Tiere bekommen männliche, bei abnehmendem Mond gedeckte weibliche Junge.



Mond: Redensarten: Auf dem Mond leben, jemanden auf den Mond schießen. Mondauge (Fisch), Mondbein (Handwurzelknochen), mondsüchtig, Möndchen (die weiße Stelle des Fingernagels), Mondgebirge (Äthiopien), Mondglas, Mondhenkel, Mondkalb (Kalb mit angeborener Wassersucht), Mondring (Forstwesen), Mondstein (Feldspat), Mondsucht (Somnambulismus).
Tiernamen: Mondfisch (der schwerste Knochenfisch der Welt) , Mondfleck (Schmetterling) , Mondhornkäfer (Blatthornkäfer), Mondnatter, Mondvogel (Schmetterling). Pflanzennamen: Mondblume (Ringelblume), Mondklee, Mondkräuter (Pflanzen), Mondraute (Farn), Mondsamengewächs.



Mond: Sprüche: "O schwöre nicht beim Mond, dem wandelbaren, der immerfort in seiner Scheibe wechselt, damit nicht wandelbar dein Lieben sei!" (William Shakespeare). "Sie verwechseln ihren Hintern mit ihrem Herzen und glauben, der Mond sei dafür geschaffen, ihren Lokus zu beleuchten" (Gustave Flaubert). Wenn man vom Lügen und Schleimen wachsen würde, könnten einige im Sitzen den Mond am Arsch lecken. "Wie mag sich ein Mondsüchtiger auf dem Monde verhalten?" (Stanislaw Jerzy Lec).
Sprichwörter: Was kümmert es den Mond, wenn ihn die Hunde anbellen. Wenn die Sonne scheint, hat der Mond Langeweile.
Vergleiche: "Geküsster Mund verliert nicht sein Glück, vielmehr erneuert er sich wie es der Mond tut" (Giovanni Boccaccio). Jeder Mensch ist wie ein Mond, er hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt" (Mark Twain). "Sonnenschein ist Malerei, Mondschein Skulptur" (Nathaniel Hawthorne). "Unter der Tonkunst schwillt das Meer unseres Herzens auf wie unter dem Mond die Flut" (Jean Paul).
Schimpfworte: Mondkalb (tierische Missgeburt, Dummkopf).



Mond: Im Gedicht:
"Guter Mond, du goldne Zwiebel,
Ach, ich seh dich äußerst gern,
Doch auch du bist gar nicht übel,
Hochgeehrter Abendstern"
(Johannes Nestroy).

Achim von Arnim "Ritt im Mondschein". Gottfried August Bürger "Auch ein Lied an den lieben Mond". Matthias Claudius "Ein Wiegenlied, bei Mondschein zu singen". Theodor Däubler "O Mond". Max Dauthendey "Vollmond". Richard Dehmel "Lied vom Monde". Joseph von Eichendorff "Mondnacht". Johann Wolfgang von Goethe "An den Mond" und "An Luna". Franz Grillparzer "An den Mond" und "Der Halbmond glänzet am Himmel". Johann Gottfried Herder "Der Mond". Paul Heyse "Mondlied". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Der Mond". Ludwig Heinrich Christoph Hölty "An den Mond". Arno Holz "Der Mond". Klabund "An den Mond". Nikolaus Lenau "Das Mondlicht". Christian Morgenstern "Der Mond" und "Mondendinge". Friedrich Rückert "Du bist mein Mond". René Schickele "Mondaufgang". Theodor Storm "Mondlicht".



Moor: Moorbad, Mooreiche, Moorleiche. Tiernamen: Moorente, Moorfrosch, Moorhuhn (Schneehuhn), Moorschneehuhn, Moorschnucke (Schaf). Pflanzennamen: Moorbeere (Heidelbeere), Moorbinse, Moorbirke, Moorbärlapp, Moorföhre (Kiefer), Moorglöckchen, Moorheide (Erika), Moorkönig (Läusekraut), Moorseide (Wollgrasart).
Redensarten: Er sieht aus wie frisch aus dem Torfmoor ausgegraben (für elend). "Siehst du den Spieß im Moore winken, / wink zurück und lass ihn sinken" (Militärjargon).
Sprüche "In das Moor ohne Wege und Stege / zieht es mich mächtig hinein, / in dem pfadlosen Moore / wird für mich Frieden sein" (Hermann Löns). Siehst du im Moor die Schwiegermutter winken, / wink zurück und lass sie sinken.
In der Literatur: Selma Lagerlöf "Das Mädchen vom Moorhof" (Drama, dt. 1913). Hermann Löns "Sämtliche Werke".



Moor: Im Gedicht:
"O schaurig ist's, übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt ..
(Annette von Droste-Hülshoff "Der Knabe im Moor" in: "Heidebilder").

Günter Eich "Die Orgel der Sümpfe". Martin Greif "Das Moor". Hermann Löns "Sämtliche Werke" (u. a. "Moorrauch"). Christian Morgenstern "Am Moor". Börries von Münchhausen "Wie Grise Geve ins Moor ging" (Ballade). Joseph Viktor von Scheffel "Waldeinsamkeit. 1. Über Heide und Moor". August Stramm "Mondschein". Georg Trakl "Am Moor" (in "Sebastian im Traum"). Georg von der Vring "Im Moor".



Moor: Im Film/Filmtitel: u. a. s. auch Apfel " … Dartmoor …" (u. a. "Das Wirtshaus von Dartmoor" 1964). "Das Geheimnis im Moor" (TV-Film 2006). "Das Haus im Moor" (1974/75). "Das Hotel im Todesmoor" (1987). "Das Teufelsmoor" (1982). "Der Arzt im Moor" (1957). "Der Mann im Moor" ("Millenium"). "Der Moorhund" (1960). "Der Moormörder" (1971 TV-Serie "Der Kommissar"). "Der schwarze Panther von Cypress-Moor" (1977). "Die Leiche im Moor" (TV-Serie "Die Rosenheim-Cops" 2006). "Die Tote im Moorwald" (TV-Film 2011). "Ein Sommer auf dem Lande – Kinder des Moors" (1999). "Inferno im Moor" (1976). "Lachen im Moor" (1987). "Schicksal im Moor" (1950). "Valby – Das Geheimnis im Moor" (1989).
Im Lied: "Die Moorsoldaten".



Moorhuhn: Kann in 12 Stunden ca. 100mal seine Partnerin besteigen. Eine Leistung, die in dem gleichnamigen PC-Programm (noch) nicht verlangt wird. Schimpfworte: Moorhuhn-Vorbeischießer ("Weicheilexikon").



Moos: "Die Perücke der Steine" (Ramón Gómez de la Serna). Besonders geschätzt wurde früher das Moos vom Totenschädel, möglichst von einem "armen Sünder". In einem alten Kräuterbuch steht zu lesen: "Etliche Medici und Apotheker legen einen Totenkopf eine zeitlang an einen feuchten Ort, aus welchem endlich ein Moos herfürwächst ... Es wird aber fürnehmlich genützt zu der Blutstillung." Redensarten: Weich wie frisches Moos. Bemoost (vielleicht vom bemoosten Karpfen; Goethe "Faust": "Bejahrt und noch Student, bemooster Herr!". Studentenlied: "Bemooster Bursche zieh ich aus" von Gustav Schwab). Moos ansetzen (alt werden). Moosgrün (Farbe), Mooshaupt, Mooskopf. Gómez de la Serna bezeichnet den Backenbart als "Moos im Gesicht". Moos: Geld/Moos haben (jedoch aus dem Jiddischen. "Ohne Moos nichts los". Miss Moos = reiche Frau, Mooskiste = Geldkassette). In der Studentensprache: "Moses und die Propheten". Moosachat, Moosfuß (Hautveränderung), Moosgarn (weiches Strickgarn), Moosgummi (für Schuhherstellung), Mooskrepp (Kleiderstoff), Moostravertin.
Tiernamen: Mooskarpfen, Moosknopfkäfer, Moosmilbe. Pflanzennamen: Moosalge, Moosbeere (auch Heidelbeere), Moosblümchen, Moosfarn/Mooskraut, Moosflechte, Moosglöckchen (Geißbart), Moosmiere, Moosprimel, Moosrose, Moosstärke (Flechte).



Moos: Sprüche: "Am rollenden Stein wächst kein Moos" (Oskar Kokoschka). "Das Leben kehrt ebensogut in der kleinsten Maus wie im Elefantenkoloss ein und ist immer dasselbe, so auch im kleinsten Moos wie in der größten Palme" (Johann Wolfgang von Goethe). Vergleiche: "Die Vorurteile hängen den Menschen an wie das Moos den Bäumen. Wer sie mit Gewalt auskratzen wollte, würde dem Baume schaden" (Karl Ludwig von Knebel).
Schimpfworte: Moos/Moospolster (Schamhaar, Vagina).
Im Gedicht: Annette von Droste-Hülshoff "Im Moose" ("Heidebilder"):
"Als jüngst die Nacht dem sonnenmüden Land
Der Dämmrung leise Boten hat gesandt,
Da lag ich einsam noch in Waldes Moose.
Die dunklen Zweige nickten so vertraut,
An meiner Wange flüsterte das Kraut,
Unsichtbar duftete die Heiderose ..."

Ferdinand Freiligrath "Moos-Tee".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Al Capone vom Donaumoos" (1986). "Moos auf den Steinen" (1968).



Moos: S. auch Vagina



Morchel: (Pilz). Schimpfworte: Giftmorchel, Stinkmorchel (minderwertige Zigarre).



Most: Redensart: Wissen, wo der Bartl den Most holt (alle Schliche kennen; vermutlich von Moos = Geld).
Sprüche: "Es leben die Soldaten, / Der Bauer gibt den Braten, / Der Winzer gibt den Most, / Das ist Soldatenkost" (Johann Wolfgang von Goethe).
Vergleiche: "Jugend ist wie ein Most. Der lässt sich nicht halten. Er muss vergären und überlaufen" (Martin Luther).
Klapphornvers:
"Zwei Knaben machten sich den Jokus
und tranken Most im Keller.
Da mussten beide auf den Lokus,
jedoch der Most war schneller

War'n Sie schon in Mottls "Tristan"?
Was geht mich des Trottels Mist an?
Schafft euch lieber ein drittel Most an
und sauft euch mit diesem Mittel Trost an"
(Schüttelreim auf den Dirigenten Felix Mottl).

Goethe im "Faust": "Wenn sich der Most auch ganz absurd gebärdet, / Es gibt zuletzt doch noch ’nen Wein" und in "Was wir bringen": "Der Most, der gärend sich vom Schaum geläutert, / Er wird zum Trank der Geist und Sinn erheitert."



Möwe: Sie gilt als Tiergestalt des Menschen. Juden durften keine Möwen essen. Flugzeug und Schiffe.
In der Literatur: Anton Pawlowitsch Tschechow "Die Möwe" (Drama).
Im Gedicht: Felix Dahn "Gleichwie die Möwe ruhlos hastet". Heinrich Heine "Seraphine III" ("Das ist eine weiße Möwe, / Die ich dort flattern seh...") und "Wie neubegierig die Möwe ..." Hermann Löns "Die Möwe". Conrad Ferdinand Meyer "Möwenflug". Christian Morgenstern "Die Möwen sehen alle aus, / als ob sie Emma hießen ..." und "Mensch und Möwe". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Theodor Storm "Die Möwe und mein Herz" und "Meeresstrand".
In der Malerei: u. a. Gustave Courbet "Mädchen mit Möwen" (1865).
Im Lied: "Kleine Möwe, flieg’ nach Helgoland" (1934). Schlager: u. a. "Zwei weiße Möwen" (1955).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Die Möwe" (1963, 1968, 1974, 1990, TV-Serie "Tatort" 2000). "Die Möwe Jonathan" (1973). "Kalle und das Geheimnis der blauen Möwe" (1953). "Kennwort Möwe" (1986 TV-Film). "Möwen fliegen tief" (1977). "Möwen im Wind" (1999 Rosamunde Pilcher). "Möwen mit weißen Schwingen" (1977). "Möwengelächter" (2001). "Theater: Die Möwe" (1990). "Wie die Möwen im Wind" (1986). "Wie eine schwarze Möwe" (1998).



Muffel: Schimpfworte: Bildungsmuffel, Faschingsmuffel, Heiratsmuffel. Es muffelt (riecht unangenehm), muffig.



Mühle:
Eine schöne Mühle im Tal,
Sechs schöne Pferde im Stall,
Und ein schönes Weib im Bett,
Das sind drei Wünsche, die ich gern hätt'"
(Hausspruch an einer Mühle).

Redensarten: Das ist Wasser auf seine Mühle (das kommt ihm zustatten). In die Mühle der Verwaltung/des Gesetzes geraten. Seine Mühle steht niemals still (für geschwätzig). Staub in die Mühle tragen (Unnützes tun). Gebetsmühle (etwas gebetsmühlenartig wiederholen), Kaffeemühle, Klapsmühle (Irrenhaus). Mühle (u. a. altes Auto. Beliebtes Brettspiel, in der Zwickmühle/Fickmühle stecken). Oberwasser (das durch das Wehr gestaute effektivere Wasser. Oberwasser haben = günstige Lage). Mühlenbecher (silberner Trinkbecher), Gletschermühle (geologische Besonderheit), Mühlsteinkragen (Halskrause), Mühlviertel (Landschaft in Oberösterreich). Zur Mühle (Gasthausname). Tiernamen: Mühlkoppe (Fisch).



Mühle: Altweibermühle (eine ungewöhnliche Art des Jungbrunnens; die Weiber werden zermahlen und anschließend in einem Milchbottich verjüngt wieder zusammengesetzt). Neu-Ruppiner Bilderbogen:
"Weiber, die euch Runzeln drücken,
Die ihr gehen müsst an Krücken,
Die das Alter drückt so schwer,
Kommt in diese Mühle her...

Falten werden hier geglättet,
Und verlorne Liebe, wettet,
Wird euch wieder hier zu Teil.
Hier ist für Geld die Jugend feil ..."



Mühle: Das Beste in der Mühle ist, dass die Säcke nicht reden können. Den Wind kann man nicht verbieten; aber man kann Mühlen bauen (aus Holland). Die Mühle kann nicht mit dem Wasser mahlen, das vorübergeflossen ist (aus Großbritannien). Trink den Wein und lass das Wasser der Mühle (aus Venedig).

Eine Mühle, die nicht läuft,
ein Müller, der nicht säuft,
ein Mädel ohne Geld
sind drei verkehrte Dinge auf der Welt.



Mühle: Sprüche: "Es gibt Don Quichote, die Wind säen, um mit Mühlen kämpfen zu können" (Stanislaw Jerzy Lec). Zwischen Frau und Mühle ist kein großer Unterschied, bald klappert die eine, bald die andre ein Klagelied.
Sprichwörter: An einer alten Mühle und an einem jungen Weib gibt es immer etwas zu flicken (oder: Mühle, Frau und Uhr bedürfen stets der Reparatur).
Vergleiche: Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein (nach Sextus Empiricus. " Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein" Friedrich von Logau. "Gottes Mühlen mahlen langsam, sie werden nur noch von denen der irdischen Verwaltung übertroffen" Gerhard Uhlenbruck). Ihre Mühle steht nie still (sie hurt mit allen herum). "Sex ohne Liebe ist wie eine Mühle ohne Wasser" (Zarko Petan). Die Metapher der "zerbrochenen Mühle" meint das Ende einer Liebe. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Schimpfworte: Mühle (älteres Fahrzeug), Abgemahlene Mühle (verbrauchte Frau), Gebetsmühlenartig, Klapsmühle (Nervenheilanstalt), Knochenmühle (Arbeitsstätte), Sägemühle (Schlafzimmer), Schrottmühle (gebrauchtes Auto), Titelmühle (ausländische Universität, die gegen Geldüberweisung den Dr.-Titel "verleiht"), Tretmühle (sich wiederholende, unbefriedigende Arbeit. Nach einer alten Antriebstechnik, z.B. im Bergbau, meist durch Ochsen, Pferde oder Hunde bewegt. Der Dichter Oscar Wilde musste sie als Strafe wegen seiner Homosexualität besteigen. U. a. sadomasochistisches Bordell).



Mühle: In der Literatur:
"Oft fasst den Wanderer ein Grausen,
hört er im Tale die Mühle gehen,
die Räder, die saturnisch sausen,
die Wasser, die sich dunkel drehen …"
(Friedrich Georg Jünger).

In der Fabel: Phaedrus "Das Rennpferd, das man in die Mühle verkaufte".
In der Literatur: Stefan Andres "Der Knabe im Brunnen". Alois Brandstetter "Die Mühle" (1981). Alphonse Daudet "Briefe aus meiner Mühle" (1869). George Eliot "Die Mühle am Floß". Ludwig Ganghofer "Die Mühle am Fundensee" (in: L. Ganghofer "Der Besondere"). Thomas Murner "Mühle von Schwindelsheim". Wilhelm Raabe "Pfisters Mühle" (1884).



Mühle: Im Gedicht: Achim von Arnim "Müllerlied". Johannes R. Becher "Die Mühle". Werner Bergengruen "Die Mühle" (in "Figur und Schatten"). Wilhelm Busch "Der volle Sack" und "Max und Moritz" (letzter Streich). Hans Magnus Enzensberger "Mühlen". Gustav Falke "Die verhexte Mühle". Cäsar Flaischlen "Die Mühle". Johann Wolfgang von Goethe "Der Junggesell und der Mühlbach" (Ballade). Stefan George "mühle lass die arme still". Martin Greif "Bei der Mühle" und "Die Schneidemühle". Johann Gottfried Herder "Die Erfindung der Wassermühle" aus dem Griechischen). Georg Heym "Die Mühlen". Justinus Kerner u. a. "Der Wanderer in der Sägmühle" und "Die Mühle steht stille". Isolde Kurz "Die Hochzeit in der Mühle".



Mühle: Im Gedicht: Detlev von Liliencron "Vergiss die Mühle nicht!" und "Weite Aussicht" ("Steht eine Mühle am Himmelsrand, / Scharfgezeichnet gegen mäusegraue Wetterwand, / Und mahlt immerzu, immerzu...") Hermann Löns "Die Pleistermühle". Eduard Mörike "Feuerreiter". Rainer Maria Rilke "I mulini". Friedrich Schiller "Rätsel" ("Ein Mühlwerk mit verborgner Feder …"). Friedrich Schnack "Die Mühle". Pollio Marius Vitruvius (Epigramm). Johanna Spyri "Die Stauffermühle". Emile Verhaeren "Die Mühle" ("Die Mühle schwingt ganz langsam auf des bleichen / Und trauervollen Abends düsterm Grund …")
In der Sage: Brüder Grimm "Der Kobold in der Mühle" und "Die Teufelsmühle".



Mühle: Im Film/Filmtitel: u. a. "Am Rande der Welt" (1927). "Das Mädchen aus der roten Mühle" (1977). "Der Schatz in der Mühle" (1957). "Der Schrecken der roten Mühle" (1921). "Die Geschichte einer stillen Mühle" (1915). "Die große Mühle" (1990). "Die Mühle am Po" (1949). "Die Mühle der Jungfrauen" (1969). "Die Mühle der versteinerten Frauen" (1960). "Die Mühle des Califar" (1984). "Die Mühle im Schwarzwald" (1934). "Die Mühle im Schwarzwäldertal" (1953). "Die Mühle und das Kreuz" (2011). "Die Mühle von Sanssouci" (1926). "Die Mühlenprinzessin" (Märchenfilm 1994/2000). "Die Pulvermühle" (1911). "Die rote Mühle" (1939). "Die schwarze Mühle" (1975, 1982). "Levins Mühle" (1980). "Mühle". "Mühle in der Hölle" (1986). "Pat und Patachon – Die alte Mühle" (1924). "Via mala" (u. a.1944). "Wolfsmühle" (1994).



Mühle: In der Malerei: u. a. François Boucher "Die Mühle" (1751). Paul Cézanne "Der Mühlstein" (1892-1894) und "Mühle am Fluss" (1900-1906). Jean-Baptiste-Camille Corot "Hütten mit Mühle am Bachufer" (1831). Albrecht Dürer "Drahtziehmühle", "Wassermühle im Gebirge" und "Weidenmühle" (Zeichnungen). Paul Gauguin u. a. "Badende bei der Mühle von Bois d'Amour" (Pont-Aven) (1886) und "Die David-Mühle in Pont-Aven" (1894). Vincent van Gogh "Die Mühle Le blute-fin" und "Moulin de La Galette" (1886). Claude Lorrain "Mühle" (1647). Piet Mondrian "Mühle bei Blaricum im Mondschein" (um 1909). Pablo Picasso "Le Moulin de la Galette" (1900). Auguste Renoir "Le moulin de la Galette" (1876). Jacob van Ruisdael "Die Mühle bei Wijk" (1670) und "Wassermühle" (1661). Henri de Toulouse-Lautrec "Moulin de la Galette" (1889).
Im Lied: S. auch Lyrik (Eichendorff). "Die verfallene Mühle" (Carl Loewe). "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach". "Es steht eine Mühle im Schwarzwälder Tal". "Unter Erlen stand ne Mühle ".



Mühle: S. auch Müller, Windmühle



Mühlrad: Die hl. Katharina wurde der Legende nach an einem Mühlrad gemartert, deswegen stehen am 25. November, ihrem Festtag, alle Mühlräder still. Redensarten: Augen wie Mühlräder. Reden wie ein Mühlrad (ununterbrochen).
Sprichwörter: Das Mühlrad läuft immer, kommt aber nirgends hin. Eine Mühle kann nicht mit dem Wasser von gestern mahlen (England).
Vergleiche: Goethe im "Faust": "Mir wird von allem dem so dumm, / Als ging’ mir ein Mühlrad im Kopf herum."
Im Lied: Joseph von Eichendorff "Das zerbrochene Ringlein" ("In einem kühlen Grunde / Da geht ein Mühlenrad ..."). Karl Valentin fühlt mit dem verschwundenen Liebchen, "das dort gewohnet hat". Er fragt: "Dort? Im Mühlenrad? Da hatte wohl das Liebchen keine ruhige Minute; kein Wunder, dass es verschwunden ist."
Liedparodie (in H. Weis Hrsg.):
"In einem kühlen Grunde,
Da geht ein Mühlenrad -
Wie groß ist dessen Umfang,
Wenn man den Radius hat?"



Mühlstein: Delinquenten wurden früher mit einem Mühlsein um den Hals ertränkt, so der hl. Florian in der Enns.
Redensarten: Einen Mühlstein um den Hals haben, bereits bei Matthäus 18, 6 (z.B. eine böse Frau). Zwischen die Mühlsteine geraten.
Sprichwörter: Dreht sich ein Mühlstein auch tausendmal, er kehrt immer wieder zum Anfang zurück (China). Der gute Mühlstein mahlt alles, der schlechte sich selbst (Russland). Zwei harte Steine mahlen kein gutes Mehl (Estland). Mühlsteinkragen (Halskrause).
In der Literatur: "Der Mann mit dem Mühlstein" (Schildbürgerstreich).
Im Gedicht:
"Ein Mühlstein und ein Menschenherz
wird stets herumgetrieben.
Wo beides nicht zu reiben hat,
wird beides selbst zerrieben."
(Friedrich von Logau )



Müller: Müller verbünden sich gern mit dem Teufel, tricksen aber den Satan aus, wenn der die Erfüllung des Pakts einfordert. Müller gehörten früher neben Hirten und Schäfern zu den unehrenhaften Leuten: Sie mussten z.B. an manchen Orten die Leiter zum Galgen liefern. Wenn es schneit, sagt man: "Es schlagen sich Bäcker und Müller." "Müller" ist der häufigste Familienname in Deutschland.
Sprichwörter:
Der Müller mit der Metzen,
Der Weber mit der Kretzen,
Der Bäcker mit der Bretzen,
Der Schneider mit der Scher',
Wo kommen die vier Diebe her!



Müller: Der Storch baut sein Nest nicht auf die Mühle, weil er fürchtet, der Müller könne ihm die Eier stehlen. Ein schwarzer Müller und ein weißer Schmied taugen nicht viel. Für Müllers Hühner, des Bäckers Schwein und der Wittfrau Knecht soll man sich nicht sorgen. Kein Müller kommt in den Himmel. Müller und Bäcker stehlen nicht, man bringt es ihnen. Müllers Hemd nimmt jeden Morgen ein Dieb beim Kragen. Sie laufen die Treppe auf und nieder, / sie geben den Leuten das Ihre nicht wieder. Wenn der Müller nicht vom Mehl spricht, spricht er von Säcken. Wenn man einen Müller, einen Weber und einen Schneider in einen Sack steckt, so mag man schütteln wie man will, es wird immer ein Spitzbube oben sein.
Tiernamen: Müller (Mehlkäfer), Müllerchen (Grasmücke).



Müller: Sprüche: "Der Esel kann deine und deines Ordens Frömmigkeit noch tragen", sagte der Müller zum Mönch, der ihn getadelt hatte, dass er das Tier überladen habe.
Ihr hübschen Mädchen nur nicht streitet
wenn ihr nach der Mühle schreitet.
Ihr kommt nach der Reihe dran,
solange ich noch mahlen kann.

Zungenbrecher: Meister Müller mahl’ mir mein Mehl, morgen muss mir mei Mutter Mehlmus machen.
Schimpfworte: Klapsmüller (Psychiater), Lieschen Müller (jedermann).
In der Fabel: Jean de la Fontaine "Der Müller, sein Sohn und der Esel". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Esel und der Müller". Hans Sachs u. a. "Der Müller mit dem Spitzbuben" und "Der Müllner verkauft sein Esel".
Kinderabzählvers: "Ich und du, Müllers Kuh. Aus bist du."
Kinderreim:
"Wie machen’s denn die Müller?
Sie betens Vaterunser:
Das halbe Korn ist unser."



Müller: In der Literatur: Ludwig Anzengruber "Der Schandfleck". Johannes Bobrowski "Levins Mühle" (1964, Oper 1973, Film 1980). Wilhelm Busch "Der Vetter auf Besuch" ("Komische Oper in 1 Aufzuge"). Peter Dörfler "Apollonia-Trilogie" (1932). Joseph von Eichendorff "Aus dem Leben eines Taugenichts" (1826). Johann Peter Hebel "Der Heiner und der Brassenheimer Müller" und "Der König und der Müller".



Müller: In Gedicht und Lied: S. auch Esel. Robert Burns "Der staubige Müller". Adelbert von Chamisso "Der alte Müller" und "Der Müllergesell" (nach Hans Christian Andersen). Justinus Kerner "Der tote Müller". August Kopisch "Der sorglose Müller" und "Prinz Heinrich und der Müller". Friedrich von Logau "Ein Müller" und "Grabschrift eines Müllers". Hans Sachs (in J. Amman "Ständebuch") und "Der Müller mit der Katzen". Theodor Storm "Sommermittag".
Wilhelm Busch "Müller und Schornsteinfeger" und "Es hatt' ein Müller eine Mühl ...", in "Max und Moritz":
"Hier kann man sie noch erblicken,
Fein geschroten und in Stücken.
Doch sogleich verzehret sie
Meister Müllers Federvieh

und in "Ärgerlich":
"Aus der Mühle schaut der Müller,
Der so gerne mahlen will.
Stiller wird der Wind und stiller,
Und die Mühle stehe still.

'So geht's immer, wie ich finde!'
Rief der Müller voller Zorn.
‚Hat man Korn, so fehlt's am Winde.
Hat man Wind, so fehlt das Korn.'"



Müller: Im Märchen: Clemens Brentano "Das Märchen von dem Rhein und der Müller Radlauf" (in "Rheinmärchen" 1826). Brüder Grimm "Der arme Müllerbursch und das Kätzchen" und "Der gestiefelte Kater". "Der gestiefelte Kater" (nach dem gleichnamigen Märchen von Ludwig Tieck 1797, illustriert u. a. durch Moritz von Schwind und Gustave Doré. Im Film "Shrek 2" 2004).
Im Lied: u. a. "Müllerlied" und "Müllers Abschied" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Das Wandern ist des Müllers Lust" ("Wanderschaft" Franz Schubert, Text von Wilhelm Müller).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Wandern ist Herrn Müllers Lust" (1973). "Der junge Müller" (1958). "Der Müller und sein Kind" (1911). "Levins Mühle" (Oper 1973, Film 1980).



Müller: S. auch Mühle



Müllerin: Redensart: Nach Müllerinart (besondere Form der Fischzubereitung, z.B. einer Forelle).
In Liedern und in der Literatur ist die "schöne Müllerin" ein oft verwendeter Topos für Ehebrecherin. Mahlen ist eine Umschreibung für Koitieren:
"Ich weiß mir eine Müllerin,
Ein wunderschönes Weib.
Wollt Gott ich sollt bei ihr mahlen,
Mein Körnlein zu ihr tragen,
Das wär' der Wille mein!"

Im Gedicht: Gottfried August Bürger "Müllers Liese". Wilhelm Busch "Die kühne Müllerstochter" (1872). Adelbert von Chamisso "Die Müllerin", "Der Müllerin Nachbar". Johann Wolfgang von Goethe "Der Edelknabe und die Müllerin", "Der Müllerin Verrat" und "Der Müllerin Reue". Friedrich Rückert "Auch ein Lied an die schöne Müllerin".



Müllerin: In der Musik: Giovanni Païsiello "Die schöne Müllerin" (Oper 1788). Franz Schubert Liederzyklus "Die schöne Müllerin" (1823 u. a. "Danksagung an den Bach", "Des Müllers Blumen", "Der Jäger", "Trockne Blumen", "Der Müller und der Bach" und "Des Baches Wiegenlied"). In der Sage: Brüder Grimm "Die Müllerin".
Im Film /Filmtitel: "Die schöne Müllerin" (1954).



Mundart: Ein Preuße und ein Bayer unterhalten sich: Der Preuße: "Verdammt heiß heute." Der Bayer: "Bei uns hoaßt dös hoaß." "Wir nennen Has ein Tier." "An Hoos moanens." "Hos ist ein Beinkleid, mein Lieber." "Bei uns san dös Büchsn." "Büchsen sind Gewehre, Verehrtester." "Dös nennen mir Stutzer." "Stutzer, Herr, ist ein Narr." "A so, an Deppn moanens. Dös hättens do glei sogn kenna." (in H. Weis Hrsg.)
Auch die Lehrerschaft hat so ihre Probleme: Lehrer: "Was ist das für ein Tier?" Schüler: "Des is a Goaß." Lehrer: "Es heißt nicht Goaß, es hoaßt Geiß." Eine bayerische Bauersfrau hatte sich auf ihrem Einkaufszettel notiert: "Abaglmeide, Abuamanziagl, Akuaken und Anvon." Auf Hochdeutsch: "Ein Päckchen Maitee, einen Knabenanzug, eine Kuhkette und einen Faden."
Franken ist dort, wo die Hasen Hosn und die Hosn Husn haßen. Da ist ein "Schlafsaal" keinesfalls ein Raum, wo man schläft, sondern ein Schleifseil. Unter "Ozullts Puttlasbaa" verbirgt sich ein abgenagtes Hühnerbein. Ein sächsischer Bauer hatte an seinem Hoftor folgendes Schild angebracht: "Vorsicht vor dem bisschen Hund!"
Im Gedicht: Friedrich Rückert "Hochdeutsche Liebesnot" ("O wenn ich doch nur rede könnt / gut fränkisch wie mei Mädle …")



Murmeltier: "Alpenmaus" (Plinius). Der Jesuit Athanasius Kircher hielt das Murmeltier für eine Kreuzung zwischen Eichhörnchen und Dachs. Murmeltiere sind ein Musterbeispiel ehelicher Treue: sie bleiben ein Leben lang zusammen. Sie gelten vor allem in Amerika als zuverlässige Wetterpropheten: Das bekannteste dieser Pelztiere ist Phil aus Punxsutawney in Pennsylvania. In der Schweiz gibt es einen Murmeltierlehrpfad. Murmeltierfett soll gegen so unterschiedliche Gebresten wie Rheuma, Husten, Sehnenzerrung, Frostbeulen und Hodenbrüche helfen. "Für die Bergbewohner sind die Murmeltierchen wahre Universalmedizinen. Das fette, aber wohlschmeckende Fleisch geben sie gern den Wöchnerinnen. Gewöhnlich wird das Tier wie ein Ferkel gebrüht und geschabt, dann, gut mit Salz und Salpeter eingerieben, einige Tage in den Rauch gehängt und gesotten" (Friedrich von Tschudi).



Murmeltier: Der Philosoph Theodor W. Adorno hat sich über die Entstehung des Pfeiflauts Gedanken gemacht: "Die Angst, welche die kleinen Tiere seit unvordenklichen Zeiten müssen empfunden haben, ist ihnen in der Kehle zum Warnsignal erstarrt; was ihr Leben beschützen soll, hat den Ausdruck des Lebendigen verloren." Der König von Sardinien wird in de Sades "Juliette" "Beherrscher aller Murmeltiere" genannt.
Redensarten: Schlafen wie ein Murmeltier. "Murmeltierchen" (Vagina bei Restif de la Bretonne "Antijustine"). Murmeltier-Syndrom (Narkolepsie).
Schimpfworte: Schläfriger, langweiliger Mensch; murmelnde Sprechweise. Zungenbrecher: How much wood would a woodchuck chuck if a woodchuck could chuck wood? (Wieviel Holz würde ein Waldmurmeltier hacken, wenn es Holz hacken könnte?)



Murmeltier: Im Gedicht: Johann Wolfgang von Goethe: "Marmottenlied" (in "Jahrmarktfest von Plundersweilern"). Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).
Im Märchen: Clemens Brentano "Das Märchen vom Murmeltier" (in "Rheinmärchen" 1826).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Und täglich grüßt das Murmeltier" (Hollywoodkomödie 1992/93).
In der Malerei: u. a. Antoine Watteau "Das Murmeltier" (1709).



Mutterkorn: Ein Pilz verursacht das giftige Mutterkorn im Getreide. Dessen Genuss führte im Mittelalter häufig zu Krankheiten wie Tobsucht, Starrkrampf und Veitstanz, aber auch zum Verlust der Glieder und zum Tod. Das Kloster Isenheim im Elsass war bekannt für die Pflege der Kranken. Die berühmte Kreuzigungsszene des Malers Matthias Grünewald diente als eine "Art Schocktherapie" für die Hilfesuchenden. Vor ihrer Aufnahme ins Kloster mussten sie eine Nacht vor dem Bild des Gekreuzigten beten. Auf der Altartafel "Versuchung des hl. Antonius" ist ein Dämon mit den Symptomen der Mutterkornvergiftung dargestellt. Mutterkorn wurde auch für Abtreibungen verwendet (und deswegen gezielt im großen Stil angebaut). Es enthält LSD-Stoffe und wird deshalb seit den 60er Jahren als Rauschgift verwendet. S. auch Antonius (hl.)





Korrekturen, Ergänzungen?


© Hans Baier 2017