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Lexikon des Landlebens



Nachtigall: "Süße Gespielin der Muse" (Aristophanes), "kunstvolle Sängerin" (Euripides), "die herrlicher singt als sämtliche Vögel" (Theokrit).
Die Zungen von Störchen und die Lebern von Nachtigallen waren Delikatessen auf dem Speisezettel der alten Römer. Ihr Gesang galt als Glück bringendes Omen; er soll Schmerzen lindern und einen sanften Tod ankündigen und sogar totgeborene Kinder lebendig machen können. Plinius meinte, dass sie nach ihrer Begattung ihre schöne Stimme verlieren würde; er berichtete, dass eine gut singende Nachtigall teuerer sei als ein Sklave. Eine katalanische Volkserzählung berichtet, dass die Nachtigall dem sterbenden Christus ein Lied gesungen habe. Aus Dank dafür hat er ihr die schönste Stimme unter den Vögeln verliehen. Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland eine Nachtigallsteuer. Vogel des Jahres 1995.
Redensarten: Der Spatz will die Nachtigall singen lehren (für überklug). Nachtigall (Orgelregister, Sängerin mit besonders schöner Stimme; singen wie eine Nachtigall). Nachtigall, ick hör dir trapsen (man merkt jemandes Absicht, Berliner Redensart. Aus "Des Knaben Wunderhorn").
Sprichwörter: Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall. Wenn die Gänse schnattern, schweigt die Nachtigall. Wenn's die Farbe täte, wäre der Esel eine Nachtigall.



Nachtigall: Sprüche: "Die Nachtigall mag mühen sich sehr, brüllt ein Ochse oder ein Esel daher" (Freidank). "Die Nachtigall singt nur im Dunkeln. So lernen wir die himmlische Melodie eines edlen Herzens erst kennen, wenn es trauert" (Ludwig Börne). "Wenn die Nachtigallen aufhören zu schlagen, fangen die Grillen an zu zirpen" (Marie von Ebner-Eschenbach). "Wenn Nachtigallen zu laut schlagen, / bitt sie, sich wieder zu vertragen" (Dietmar Bittrich). "Wie viele Nachtigallen muss eine Bestie fressen, um selbst zu singen?" (Stanislaw Jerzy Lec).



Nachtigall: Vergleiche: "Ein Dichter ist eine Nachtigall, die im Dunkeln sitzt und singt, ihre Einsamkeit mit süßen Tönen aufzuheitern" (Percy Bysshe Shelley). "Für jeden ist die Frau etwas anderes; für den einen Hausmannskost, für den Dichter Nachtigallenfutter ... und für einen anderen eine kalte Küche" (Jean Paul). "Heiraten, das heißt Nachtigallen zu Hausvögeln machen" (Christian Dietrich Grabbe). In einer Musikkritik stand zu lesen: "Die Nachtigall in ihrer Brust ist sehr winzig, aber sie wohnt herrlich" (E. Puntsch). "Jedes Menschenherz birgt einen Tiger, ein Schwein, einen Esel und eine Nachtigall. Ihre unterschiedlich große Aktivität sorgt für Verschiedenheit der Charaktere" (Ambrose Bierce). "Nach vielen Küssen legten sie sich miteinander ins Bett … und ließen die Nachtigall zu wiederholten Malen singen" (erotische Anspielung in Giovanni Boccaccio "Das Dekameron"). Wein ist "die Nachtigall unter den Getränken" (Voltaire).
Schüttelreim: "Wenn kalter Regen niederfließt, / die Nachtigall im Flieder niest."



Nachtigall: Fabeln: S. auch Esel, Eule, Geier, Grille, Lerche, Schaefer, Sperling, Wiedehopf. Äsop "Die Nachtigallen" und "Nachtigall und Habicht". Christian Fürchtegott Gellert "Die Nachtigall und die Lerche" und "Die Nachtigall und der Kuckuck". Ein Spartaner rupfte eine Nachtigall und fand sehr wenig Fleisch. Da soll er ausgerufen haben: "Wie soll ich von dir satt werden! Du bist eine Stimme, sonst nichts!". In der Fabel spricht der Esel im Sängerwettstreit zwischen Kuckuck und Nachtigall dem Kuckuck den Sieg zu, weil er wie der Esel nur zwei Töne beherrscht. Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Die Nachtigall und der Uhu". Johann Gottfried Herder u. a. "Fabellied" und "Die Nachtigall und die Schwalbe" (aus dem Griechischen). Goethe hat in diesem Wettstreit einen Vorschlag zur Güte gemacht:
"Der Kuckuck wie die Nachtigall.
Sie möchten den Frühling fesseln,
doch drängt der Sommer schon überall
mit Disteln und mit Nesseln

Johann Georg Jacobi "Die Nachtigall und der Stieglitz". Gotthold Ephraim Lessing "Die Nachtigall und der Habicht", "Die Nachtigall und die Lerche" und "Die Nachtigall und der Pfau".



Nachtigall: In der Literatur: Buchtitel: Agatha Christie "Villa Nachtigall". Hans Sachs "Drei guter nützlicher Lehr einer Nachtigall (ca. 1550) und "Die Wittenbergisch Nachtigall" (auf Martin Luther Gedicht 1523).
In der Literatur: Curt Hohoff "Die Nachtigall" (1977). Martial "Epigramme" ("Die Nachtigall"). August Strindberg "Die Nachtigall von Wittenberg" Drama (1903). Oscar Wilde "Die Nachtigall und die Rose".



Nachtigall: Im Gedicht: S. auch Blatt, Falke, Lerche, Star, Taube. Ernst Moritz Arndt "An die Nachtigall" und "Gespräch mit der Nachtigall". Achim von Arnim "Die Spinnerin". Ludwig Bechstein "Der Traum der Nachtigall". Otto Julius Bierbaum "Nachts an die Nachtigall". Clemens Brentano u. a. "Nachtigall, ich hör’ dich singen" und "Der Spinnerin Lied". Gottfried August Bürger "Die Esel und die Nachtigallen". Wilhelm Busch "Naturgeschichtliches Alphabet" ("Die Nachtigall singt wunderschön. / Das Nilpferd bleibt zuweilen steh'n"). Matthias Claudius "An die Nachtigall" ("... Nachtigall, Nachtigall, ach! / Sing mir den Amor nicht wach!") und "Ex tempore", Samuel Taylor Coleridge "The Nightingale " und "To the Nightingale". Felix Dahn "Die tote Nachtigall". Theodor Däubler "Millionen Nachtigallen schlagen". Max Dauthendey u. a. "Die Nachtigallen loben dich" und "Nachtigall und Regen". Joseph von Eichendorff u. a. "Nachtigall" und "Die Nachtigallen":
"Möcht wissen, was sie schlagen
So schön bei der Nacht,
's ist in der Welt ja doch niemand,
Der mit ihnen wacht ..."



Nachtigall: Im Gedicht: T. S. Eliot "Sweeney unter den Nachtigallen".

"Dich rufe ich an, die du wohnest
im laubumschatteten Nest,
einem Tempel der Musen,
dich, die kunstvolle Sängerin,
tränenerregende Nachtigall!"
(Euripides "Helena")

Emanuel Geibel "Nachtigallenschlag". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Auf den Tod einer Nachtigall" und "Der Mann der Nachtigall".

"Die Nachtigall, sie war entfernt,
Der Frühling lockt sie wieder;
Was Neues hat sie nicht gelernt,
Singt alte, liebe Lieder."
(Johann Wolfgang von Goethe "Ländlich")



Nachtigall: Im Gedicht: Martin Greif "Nachtigallenschlag". Catharina Regina von Greiffenberg "Über die Nachtigal". Christoffel von Grimmelshausen "Komm, Trost der Nacht, o Nachtigall! ..." Friedrich Hebbel "Die Nachtigall". Heinrich Heine u. a. "Aus meinen Träumen sprießen ..." und "Neuer Frühling" ("Im Anfang war die Nachtigall"). Johann Gottfried Herder u. a. "Die Nachtigall" und "An die Nachtigall, die eine Cicade davonträgt" (aus dem Griechischen). August Heinrich Hoffmann von Fallersleben u. a. "Der Nachtigall Antwort" und "Die schlesische Nachtigall" (1825).

"Der Tod, das ist die kühle Nacht,
Das Leben ist der schwüle Tag,
Es dunkelt schon, mich schläfert,
Der Tag hat mich müd gemacht.

Über mein Bett erhebt sich ein Baum,
Drin singt die junge Nachtigall;
Sie singt von lauter Liebe,
Ich hör’ es sogar im Traum."
(Heinrich Heine)



Nachtigall: Im Gedicht: Friedrich Hölderlin "An die Nachtigall". Ludwig Christoph Heinrich Hölty u. a. "Auf den Tod einer Nachtigall" und "Elegie auf eine Nachtigall". Ricarda Huch "Geh schlafen, mein Herz". Johann Georg Jacobi "An die Nachtigall". John Keats "Ode auf eine Nachtigall". Friederike Kempner "Die Nachtigall schlägt" und "Die Nachtigall und die Katze". Karl Kraus "Die Nachtigall". Reiner Kunze "Aber die Nachtigall jubelt". Jakob Michael Reinhold Lenz "An die Nachtigall". Friedrich von Logau "Von der Nachtigall". Hermann Löns "Die Nachtigall". Friedrich von Matthisson u. a. "An die Nachtigall" und "Grabschrift einer Nachtigall". George Meredith "To a Nightingale". John Milton "An die Nachtigall". Christian Morgenstern "Palmström an eine Nachtigall, die ihn nicht schlafen ließ":
"'Möchtest du dich nicht in einen Fisch verwandeln
und gesanglich dementsprechend handeln?
Da es sonst unmöglich ist,
dass mir unternachts des Schlafes Labe
blüht, die ich nun doch notwendig habe!
Tu es, wenn du edel bist ...'"



Nachtigall: Im Gedicht: Novalis "Die Nachtigall". Heinz Piontek "Ode an meine Nachtigall" (nach John Keats). Alexander Puschkin u. a. "Nachtigall und Kuckuck" und "Nachtigall und Rose". Joachim Ringelnatz "Am Sachsenplatz: Die Nachtigall" und "Großer Vogel". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Friedrich Rückert u. a. "Das Los der Nachtigall" und "Die Nachtigall". Adolf Friedrich von Schack "Der Tod der Nachtigall". Friedrich Schlegel "Trutznachtigall" und "Zwei Nachtigallen". Friedrich Spee "Trutz-Nachtigall" (1649).

"Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Das sind von ihrem süßen Schall,
Das sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen ..
(Theodor Storm "Die Nachtigall")

Paul Verlaine "Die Nachtigall". Georg von der Vring "Die Nachtigall" (nach Paul Verlaine). Walther von der Vogelweide "Unter der Linden …" William Wordsworth "O Nightingale! thou surely art". Philipp von Zesen "Die Seine schickt Ihm durch die Nachtigall einen Kranz".
Im Märchen: S. auch Gimpel. Hans Christian Andersen "Des Kaisers Nachtigall" (auch als Film).



Nachtigall: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Lied der Nachtigall" (1944). "Der Kaiser und die Nachtigall" (1947). "Der Kosak und die Nachtigall" (1935). "Der Nachtigallenchor" (1965). "Der Nachtigallenkäfig" (1943/44 Erziehungsanstalt). "Die blonde Nachtigall" (1930). "Die Frau –die Nachtigall" (1931). "Die gelbe Nachtigall" (1975). "Die Legende von Su-Ling" (Kinderfilm). "Die Nachtigall" (1931, 1980, 1981). "Die schwedische Nachtigall" (1941). "Es war nicht die Nachtigall" (1974). "Und es sang die Nachtigall" (1989). "Wer die Nachtigall hört" (1999 TV-Film). "Wer die Nachtigall stört" (1962 mit Gregory Peck).
In der Malerei: u. a. Peter Paul Rubens "Das Mahl des Tereus" (es stellt die Verwandlung der Philomele in eine Nachtigall dar).



Nachtigall: In der Musik: Werner Egk "Die chinesische Nachtigall" (Ballett 1953, nach Hans Christian Andersen). Hans Werner Henze "Des Kaisers Nachtigall" (Ballett 1959, nach Andersen). Igor Fjodorowitsch Strawinski "Gesang der Nachtigall" (1917, sinfonische Dichtung, Ballett 1920) und "Die Nachtigall" (Oper 1914, nach Andersen, auch Film).
Im Lied: "Frau Nachtigall" und "Wettstreit des Kuckucks mit der Nachtigall" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "Lieb Nachtigall wach auf!" (Weihnachtslied). "Oh, schöne süße Nachtigall". "Sing, Nachtigall sing" (1941). "Wenn die Nachtigallen schlagen". "Wenn die Nachtigallen schlagen". "Wettstreit der Nachtigall " (Johann Gottfried Herder).

"Stumpfsinn, Stumpfsinn, du mein Vergnügen":
"Den süßen Schall der Nachtigall,
den hört man meistens nur nächtlich.
Wär's anders der Fall, wär's ne Tagtigall
und der Stumpfsinn wäre beträchtlich

Aus der "Vogelhochzeit": "Die Nachtigall, die Nachtigall, / die führt die Braut in den Tanzsaal."
Schlager: "Nightingales and Bombers" (Men At Work).



Nachtigall: S. auch Gans, Vogelfang.



Nachtschattengewächs: Nachtschwärmer, Prostituierte. Verballhornt zu Nachtschaden- bzw. Nacktschattengewächs.



Nachwuchs: bei den Landtieren nach G. H. Mostar:
"Sind Stier und Bock auch noch so tüchtig -
Bei Kuh und Schaf, da wirkt's nicht richtig.
Einmal pro Jahr gibt's dieserhalb
Zwei Lämmer nur und nur ein Kalb,
Und wirft mal eine Kuh zwei Kälber,
Dann übertrifft sie schon sich selber!
Hingegen bei den weniger Feinen,
Kaninchen, Hasen, Hunden Schweinen
Sind nicht nur Rüden, Rammler, Eber
Im Sollerfüllen beinah Streber -
Nein auch das Weibchen, dieses nutzend,
Wirft mehrmals jährlich rund ein Dutzend!"



Name: Früher war es üblich, den Hofnamen zur Unterscheidung der einzelnen Familien zu verwenden. Ein praktische Maßnahme: So taucht z.B. in einem oberfränkischen Dorf der Familienname Götz allein zehnmal auf, bedingt durch jahrhundertelang geübte Inzucht. Vornamen wurden wie folgt vergeben: Der erste männliche Nachkomme wurde einfach Bub gerufen, der erste weibliche Madla. Erst bei weiteren Kindern wurden dann richtige Vornamen verwendet.



Natter:
"Wer immer wert ist, Mensch zu sein,
trägt eine Natter in der Seele;
dort thront sie und erteilt Befehle,
und sagt er: ‚Ja!’ so spricht sie: ’Nein!’"
(Charles Baudelaire)

Natter: Boote und Raketenflugzeug. Natternhemd (Haut einer Schlange). Pflanzennamen: Natterbeere (Holunder), Natterblümchen (Kreuzblume), Nattergold (Pfennigkraut), Natternfarn, Natternknoblauch (Perlzwiebel), Natternkopf (Borretsch), Natter(n)zunge (Farn), Natterwurz (Knöterich). Schimpfwort: "Natternzahn" (Parzivalschelte). Natter: Gefährliche Frau, Giftnatter (boshafte Frau). Natterngezücht. Die von den Römern nach Germanien eingeschleppten Äskulapnattern soll es noch heute in der Nähe von Passau und Schlangenbad geben. Im Gedicht: Karl Heinrich Waggerl).



Natter: Sprüche: "Der warme Tag ist's, der die Natter zeugt" (William Shakespeare). In der Fabel: Äsop u. a. "Die Natter und der Fuchs" und "Die Natter und die Wasserschlange" (auch bei Lessing). Jean de la Fontaine "Der Mensch und die Natter". Friedrich von Hagedorn "Die Natter" und "Die Natter und der Aal".
In der Literatur: François Mauriac "Das Natterngezücht" (1932).
Im Gedicht: Martin Opitz "Von einer Natter im Birnstein". Hans Sachs "Die Vipernatter".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Die Natter" (1998 TV-Serie "Ein starkes Team"). "Die schwarze Natter" (1913, 1947). "Tom Collins jagt die schwarze Natter" (1964).
S. auch Schlange



Naturbursche: Ursprünglich Theaterrolle.



Nelke: Sie soll aus den Wunden des gekreuzigten Christus gesprossen sein und bevorzugt an den Gräbern von Liebenden wachsen. "Näglein" (Gewürznelken) sind ein gutes Mittel gegen Zahnschmerzen; sie wurden auch als Aphrodisiakum verwendet. Der französische Adel bestieg mit der roten Nelke im Knopfloch die Guillotine. Die rote Landnelke ist ein Symbol des Sozialismus, vor allem in der ehemaligen DDR ("aus diesem Grund war es im Westen Deutschlands in eher konservativ geprägten Familien nicht gern gesehen, wenn ein zukünftiger Schwiegersohn den Eltern seiner Freundin einen Strauß roter Nelken mitbrachte" Wikipedia). Pflanzennamen: Gewürznelkenbaum, Nelkenhafer, Nelkenheide, Nelkenkoralle, Nelkenpfeffer, Nelkenpilz, Nelkenrose, Nelkenwurz, Nelkenzimt.
Schimpfworte: Ficknelke (Mädchen, das leicht herumzukriegen ist), Pissnelke (temperamentloses, enttäuschendes Mädchen, italienisch puttanella), welke Nelke (sexuell verbrauchtes Mädchen).
In der Literatur: Johann Nestroy "Nagerl und Handschuh" (Zauberposse).

"Rosen, Tulpen, Nelken,
alle Blumen welken,
nur die eine nicht,
und sie heißt Vergissmeinnicht"
(Poesiealbum-Spruch).

Im Gedicht: Max Dauthendey "Die Nelken glühen auf allen Altanen" und "Steinnelken". Salomon Geßner "Idyllen. Die Nelke". Johann Wolfgang von Goethe "Das Blümlein Wunderschön" und "Vier Jahreszeiten". Hermann Hesse "Nelke". Christian Hofmann von Hofmannswaldau "Auf eine übersendete Nelke". Friedrich Rückert "Die Nelke". Theodor Storm "Nelken". Georg von der Vring "Nelken".
Im Märchen: Brüder Grimm "Die Nelke".
Im Lied: Reinhard Mey "Fünf Gartennelken".



Nelke: Im Film/Filmtitel: u. a. "Alles außer Mord – Der Name der Nelke" (1994 TV-Film). "Das Geheimnis der chinesischen Nelke" (1964). "Der Mann mit der grünen Nelke" (1960). "Der Nelkenkönig" (1993). "Die weiße Nelke" (1919). "Ein Strauß roter Nelken" (1977). "Nelken für die Freiheit" (2000). "Nelken in Aspik" (1976).
In der Malerei: u. a. Albrecht Dürer "Frau mit Nelke und Spruchband" (Zeichnung) und "Maria mit der Nelke" (1516). Leonardo da Vinci "Katzenstudien" (um 1513) und "Madonna mit der Nelke" (1478). Edouard Manet "Nelken und Klematis". Rembrandt "Frau mit Nelke" (um 1668).



Nest: "Alles gackert, aber wer will noch still auf dem Neste sitzen und Eier brüten?" (Friedrich Nietzsche "Zarathustra").
Redensarten: Das eigene Nest beschmutzen (z.B. schlecht über seine Familie reden). Jemanden hat der Teufel im Nest vergessen (schlimme Person). Leeres Nest/das Nest ist ausgeflogen. Die Flügel über das Nest hinaus strecken. Er hat sich ein warmes Nest gebaut. Ins Nest gehen/kriechen (ins Bett gehen). Sich in ein gemachtes/warmes Nest setzen. Haarnest (Haartracht), Liebesnest, Nest (Elternhaus), Nestflüchter (Tiere, die nach der Geburt sofort das Nest verlassen, im Gegensatz zum Nesthocker), Nesthäkchen (jüngstes Kind der Familie), Nestwärme ("immer noch die billigste Energiequelle" E. G. Tange. "Taschengeld und Fernsehen sind oftmals der schlechte Ersatz für Geborgenheit und Nestwärme" René Kollo.), Vogelnest (gefüllte Hülle aus Strohkartoffeln, Pekinger Olympiastadion). Tiernamen: Nestfliege. Pflanzennamen: Nestfarn, Nestling (Pilz), Nestpilz, Nestwurz (Orchidee).
Sprichwörter: Am Neste kann man sehen, was für ein Vogel darin wohnt. Wer als Junge ein Vogelnest zerstört, der brennt im Alter Dörfer nieder (Schweden). Wie der Vogel, so das Nest, wie die Frau so das Haus (Frankreich).



Nest: Sprüche: "Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann" (Matthäusevangelium). "Vertraue jenen, die Nester bauen, aber misstraue jedem, der Eier legt" (Chief Blackfoot). "Wenn man Vögel ausnehmen will, so muss man sie in ihrem Neste aufsuchen" (Wilhelm Ludwig Wekhrlin). "Ich bin der Vogel, der sein Nest beschmutzt" (Karl Kraus). "Ich will nicht nur in mein Nest scheißen, sondern in alle" Johannes Mario Simmel).
Vergleiche: "Das Bett ist das Nest einer Menge von Krankheiten" (Immanuel Kant).
Schimpfworte: Diebsnest, Drecknest (für Dorf, Stadt), Nestbeschmutzer (in Thomas Murner "Schelmenzunft" von 1512 heißt es: "Der Vogel kann nit sein der best, / Der scheißet in sein eigen Nest". "Nestbeschmutzung ist die einzige heute noch vertretbare Form von Vaterlandsliebe" Herbert Rosendorfer). Nesthocker, Nestkacker, Nestseicher, Rattennest.



Nest: Buchtitel: Wilhelm Raabe "Alte Nester" (1880).
In der Literatur: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen "Das wunderbarliche Vogel-Nest" (1672/75). Johann Peter Hebel "Betrachtungen über ein Vogelnest". Franz Xaver Kroetz "Das Nest" (Schauspiel 1975).
Im Gedicht:
"Es ist zwar sonsten nicht der Brauch,
Dass man’s Nestchen baut,
Bevor man erst ein Weiblein auch
Sich angetraut …"
(Eduard Mörike "Vogellied")

Francesco Petrarca "Ist dies das Nest, dem Phönix ausersehen ..." Friedrich Rückert u. a. "Gebauet ist ein Nest im Baum…" und "Vogelnest und Menschenhaus".
Im Film /Filmtitel: u. a. "Das geborgte Nest" (1995). "Das Nest" (1988). "Das Nest im Wind" (1979). "Die Nesthocker" (1992). "Die Nesträuber" (1991). "Im Nest" (1977 TV-Film). "Kuschelnester" (1999). "Nestbeschmutzer" (1997). "Nesthocker" (1999). "Tanguy – Der Nesthocker" (2001). "Zurück ins Nest" (2001).
In der Malerei: u. a. Pieter Bruegel d. Ä. "Nestausnehmer" (1568). Albrecht Dürer "Nesträubernarr" (Holzschnitt 1494). In der Sage: Brüder Grimm "Das Vogelnest".



Netz: Redensarten: Jemandem ins Netz gehen (betrogen werden). Ohne Netz und doppeltem Boden arbeiten (riskantes Vorgehen). Seine Netze auswerfen. Sich im eigenen Netz verstricken. Netz (Elektrotechnik), Gepäcknetz, Gradnetz (Kartographie), Netz/Netzanschluss/Internet (Computer), netzartig, Netzball im Tennis, Netzbruch (Eingeweidebruch), Netzgewölbe in der Gotik, Netzhaube, Netzhaut (Auge), Netzhemd (Herrenunterhemd), Netzkarte, Netzplan, Netzwerk, Stromnetz, vernetzt, Verkehrsnetz/Straßennetz. Sternbild.
Tiernamen: Netzaugenfisch, Netzfliege, Netzflügler, Netzmücke, Netzreusenschnecke, Netzsalamander, Netzschlange (Python), Netzwanze, Netzwühle (Schleiche). Pflanzennamen: Netzblatt (Orchidee), Netztang (Alge).
Sprichwörter: Ein zu reicher Fang schädigt das Netz (Afrika). Es genügt nicht, zum Fluss zu kommen, mit der Absicht, Fische zu fangen; man muss auch das Netz mitbringen (Konfuzius). Gott schickt uns die Fische, die Netzte müssen wir uns selber machen (Russland). Man kümmert sich nicht um den Fisch, der im Netz ist, sondern um den, der herausspringen will (Afrika).
Sprüche: "Ob Fische, die durch die Maschen des Netzes hindurchfallen, an Minderwertigkeitskomplexen leiden?" (Stanislaw Jerzy Lec). Vergleiche: "Es gibt so viele gescheiterte Beziehungen, weil die Frauen zwar gelernt haben, Netze zu knüpfen, aber nicht gelernt haben, Käfige zu bauen" (Jonathan Swift).
In der Literatur: Werner Bergengruen "Das Netz" (1956). Hans Habe "Das Netz" (1969).



Netz: Im Film/Filmtitel: u. a. s. auch Spinne "Das Fischernetz" (1994). "Das gläserne Netz" (1954). "Das Netz" (1947, 1953, 1962, 1975, 1995, 1998). "Das tödliche Netz" (1959). "Das unsichtbare Netz" (1954). "Ein Toter hing im Netzt" (1959). "Fiete im Netz" (1958 Kinderfilm). "Im Netz" (1995, 2001). "In den Maschen der Netze" (1996). "Netze" (1935). "Netzwerk" (1970). "Tod im Netz" (1982). "Tödliches Netz" (1993).
In der Malerei: u. a. Max Liebermann "Netzflickerinnen" (1888).



Notburga (hl.): Die heilige Magd mit der Sichel. Sie gilt als "Vorkämpferin der Arbeitszeitverkürzung", weil sie nach dem abendlichen Gebetläuten nicht mehr arbeiten wollte. Sage der Brüder Grimm.



Notdurft: Ländliche Stadtbesucher, die in früheren Zeiten nach Gastwirtschaftsbesuchen ihr kleines Geschäft in Seitenstraßen oder Toreinfahrten verrichteten, waren eine willkommene Einnahmequelle für die städtische Polizei. Auch der Dichter Jean Paul, den der Gendarm für einen ländlichen Brauknecht hielt, musste in Coburg wegen eines "Bierbrünnleins" zahlen. Notdürftig (das Notwendigste betreffend).



Nuss:
"Wer aus der Nuss den Kern will, bricht die Nuss entzwei;
Wer nach dem Bett strebt, bahnt mit Küssen sich den Weg"
(Plautus "Parasit Kornwurm").
Redensarten: Die Nüsse nicht knacken, aber die Kerne essen wollen (für faul sein). Etwas ist keine hohle Nuss wert. Gleich gibt's was auf die Nuss. In nuce (kurz und knapp, bereits bei Plinius). Jemandem eine harte Nuss zu knacken geben (schwer lösbare Aufgabe), Kopfnüsse (Denksportaufgaben). Voll auf die Nuss. Kopfnuss (alte Lehrerweisheit: Ein Schlag mit dem Knöchel auf den Kopf erhöht das Denkvermögen). Nuss (Kopfteil des Schraubenschlüssels, Waffenteil, Fleischstück aus der Keule; Jägersprache: Geschlechtsteil des weiblichen Haarwildes und der Hündin), nussbraun, Nussgelenk (Pfannengelenk), Nusskohle (Steinkohle), Nussmühle (mittelalterliches Spielzeug), Nussschale (kleines Boot).
Tiernamen: Nussbohrer (Rüsselkäfer) , Nussmuschel. Pflanzennamen: Nussbinse, Nusseibe, Nusskiefer, Nusslorbeer, Wassernuss, Zaubernuss (Strauch, Winterblüher).



Nuss: Sprichwörter: Die beste Nuss ist keinen Zahn wert. Lieber ne harte Nuss als ne weiche Birne! Nussbaum, Esel und Weib verlangen gedroschenen Leib. Muss ist eine harte Nuss. Wer den Kern essen will, muss die Nuss knacken. Taube Nüsse und eitle Herren klappern viel, aber haben keinen Kern. Wer die Nuss will, biegt den Zweig um; wer die Tochter will, geht um die Mutter herum.

"Mein Kind, es sind allhier die Dinge,
Gleichwohl, ob große, ob geringe,
Im wesentlichen so verpackt,
Dass man sie nicht wie Nüsse knackt"
(Wilhelm Busch).



Nuss Sprüche: "Die Nüsse sind jetzt nicht mehr so gut wie vor fünfzig Jahren, sagte der alte Bauer, der keine Zähne mehr hatte" (Wander). "Fernsehen gefährdet das Familienleben, weil es mehr ein Anlass für Nüsschen ist als für Küsschen" (Karl Wenzel). "Fernsehen ist das Vergnügen, zu bewegten Bildern Nüsse zu knabbern und nicht darauf zu achten, wie viele es sind" (Ugo Tognazzi). "Mit einem Sack Nüsse will ich begraben sein und mit neuesten Zähnen" (Günter Grass).
Vergleiche: "Das Leben ist eine Nuss; sie lässt sich zwischen zwei weichen Kissen nicht knacken" (Arthur Miller). "Der liebe Gott gibt uns Nüsse, aber er hat sie nicht geknackt" (Johann Wolfgang von Goethe). Schüleraufsatz: Eine Auster ist ein Fisch, der wie eine Nuss gebaut ist.



Nuss: Schimpfworte: Nuss (Kopf). Doofe, dumme, harte, hohle, taube Nuss. Nussknacker (Kinn; Nussknackergesicht; dummer Mann). Nüsse (Hoden).

"Ist das Mädchen flügg' und reif,
so scheut es nicht den Vogel Greif;
wie die braunen Nüsse auch
gerne fallen von dem Strauch."
(Altdeutsch).



Nuss: Fabeln: S. auch Katze. Äsop "Der Nussbaum".
In der Literatur: Clemens Brentano "Die drei Nüsse" (1817). Friedrich Güll "Vom argen Wind und vom armen Nussbaum". Martial "Epigramme" ("Nüsse"):
"Klein und ohne Gefahr ist das Spiel mit Nüssen, so scheint es:
Aber dem Knaben hat oft es den Hintern entblößt."
Christoph von Schmid "Die Nuss".
Im Gedicht: Achim von Arnim "Vergolde die Nüsse, / Sie bleiben doch hart". Max Dauthendey "Der Mond im Nussbaum". Günter Grass "Wegzehrung" ("Mit einem Sack Nüsse ...") Edward Lear "The Nutcrackers and the Sugar-Tongs". "Sobald der Schatten des Sonnenzeigers sechs Fuß lang ist, soll man sich ins Bad begeben; vor dem Bade kann man um Nüsse spielen" (Lukian "Saturnalische Verhandlungen"). Friedrich Müller "Das Nusskernen". Peter Rosegger "Die Nuss". Georg von der Vring "Der Nussbaum" und "Die Nüsse".
Im Märchen: E. T. A. Hoffmann "Nussknacker und Mausekönig" (Märchen 1816, auch Zeichentrickfilm 2004). Heinrich Hoffmann "König Nussknacker und der arme Reinhold" (Märchen 1851).



Nuss: Im Film/Filmtitel: u. a. "Barbie in Der Nussknacker" (Zeichentrickfilm 2001). "Der einsame Nussbaum" (1986). "Der Nussknacker" (1986). "Der Nussknacker-Prinz" (1990). "Die total beknackte Nuss" (1992). "Drei Nüsse für Aschenbrödel" (1973). "Georg Balanchines – ‚Der Nussknacker’" (1993). "Nussbrot" (1978). "Nussknacker und Mausekönig" (Zeichentrickfilm 2004).
In der Musik: Peter Tschaikowski "Der Nussknacker" (Ballett und Suite). Im Lied Franz Schubert "Der Nussbaum". "Der Nussbaum" (vertont von Robert Schumann). "Im Nussbaum links vom Molkenmarkt" (Claire Waldoff 1929). In der Sage: Brüder Grimm "Die Nusskerne".



Nuss: S. auch Haselnuss, Walnuss





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