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Anfangsbuchstabe: Z




Lexikon des Landlebens



Zaum:
"Eisengebiss zerreißt die Lippen des störrischen Rosses:
Weniger spürt es den Zaum, wenn es sich fügt ins Geschirr"
(Ovid "Liebeselegien").
Redensarten: Das Pferd am Schwanz aufzäumen (ein Problem verkehrt anfassen. "Die Feministinnen zäumen die Sache vom Schwanz her auf" Werner Schneyder. "Wer sein Pferd von hinten aufzäumt, muss sich nicht wundern, wenn er getreten wird" Gerhard Uhlenbruck). Das Pferd mit Zaum und Sattel zum Schinder führen. Die Zunge im Zaum halten (Neues Testament Jakobus). Jemanden im Zaum halten. Jemanden an die Kandare nehmen. Zaumzeug (Strumpfhaltergürtel).
Sprichwörter: Das Maul ist wie ein Gaul: Beide haben den Zaum nötig. Ein goldener Zaum macht das Pferd nicht besser. Nimm das Pferd beim Zaum und den Mann beim Wort.
Vergleiche: "Wer Scheuklappen trägt, sollte wissen, dass dazu auch noch Zaum und Peitsche gehören" (Stanislaw Jerzy Lec).



Zaun: Im Althochdeutschen heißen die Hexen Zaunreiterinnen (sie reiten in der Walpurgisnacht auf Besen und Zaunlatten). Deswegen darf man an Zäunen keine Wäsche aufhängen. Zaunrütteln wird als Liebesorakel zum Aufspüren des Zukünftigen eingesetzt. Ein Kinderreim sagt vom Schlaraffenland: "Um jedes Haus, da ist ein Zaun / geflochten von Bratwürsten braun …"
Redensarten: Die Sonne scheint noch über den Zaun (für: es ist noch nicht soweit). Ein Pfahl im Fleisch. Pfählen (z.B. einen Gefangenen). Wink mit dem Zaunpfahl ("Lieber ein Wink mit dem Zaunpfahl als ein Schlag auf den Kopf"). Pfahlbau.
Tiernamen: Zauneidechse, Zaungrasmücke, Zaunleguan. Pflanzennamen: Zaunblättling (Pilz), Zaunlattich, Zaunlilie, Zaunriegel/Zaunweide (Liguster), Zaunrübe, Zaunwicke, Zaunwinde.
Ein morsches Holz vom Zaun brechen (unnütze Tätigkeit). Einen Streit vom Zaun brechen (um dann eine Latte aus dem Zaun zu brechen und sie als Waffe einzusetzen). Mit etwas nicht hinterm Zaun halten. Über den Zaun fressen. Zaungast, Zaunlatte (jemanden auf der "Latt'n" haben, für hassen).



Zaun: Sprichwörter: Beizeiten auf die Zäune, so trocknen die Windeln. Die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun. Ein hässliches Weib ist ein guter Zaun um den Garten. Ein Zaun dazwischen mag die Liebe erfrischen. Es hat mancher einen schönen Zaun um einen öden Garten (Russland). Liebe deinen Nachbarn, aber reiß’ den Zaun nicht ein (England). Liebe geht durch Zaun und Hecke. Man grüßt den Zaun des Gartens wegen. So kommt Gottes Wort in Schwung, sagte der Teufel und warf die Bibel über den Zaun. Was nützt der Zaun, wenn die Türe offen steht? Wer keinen Zaun hat, hat keine Feinde (Burundi). Wo der Zaun am niedrigsten ist, das springt der Teufel hinüber.



Zaun: Vergleiche: Manche Kleider sind wie ein Zaun. Sie schützen das Eigentum, verwehren aber nicht die Sicht. Ob es sich lohnt, die Grenze zu überschreiten, siehst du erst hinter dem Zaun. "Sicherheit erreicht man nicht, indem man Zäune errichtet, sondern indem man Tore öffnet" (Urho Kekkonen).
Schimpfwort: Latte (langer, dürrer Mensch), zaundürr/zaunlattendürr. Kollegenschelte: Bei dem daheim ist es so schlimm, da möcht man nicht einmal tot über den Zaun hängen.



Zaun: Im Gedicht: Gottfried Benn "Nasse Zäune". Georg Britting "Hinterm Zaun".

"Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurch zuschaun

Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -

und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.

Der Zaun indessen stand ganz dumm
mit Latten ohne was herum,

ein Anblick grässlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.

Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri - od - Ameriko."
(Christian Morgenstern "Der Lattenzaun" in "Galgenlieder")



Zaun: Im Film/Filmtitel: u. a. "Geschichten übern Gartenzaun" (1982). "Neues übern Gartenzaun" (1985). "Terry auf dem Zaun" (1986). "Unwillkommene Zaungäste" (1907).
In der Malerei: u. a. Paul Cézanne "Blick auf Auvers-sur-Oise" (Der Zaun" (um 1873). Albrecht Dürer "Maria mit dem Kind am Zaun" (Zeichnung). Egon Schiele "Mauer und Haus vor hügligem Gelände mit Zaun" (1911).
Schlager: "Sitting on a fence" Twice as Much).



Zäune: s. auch Zaun



Zaunkönig: Vogel des Jahres 2004. Er muss sich vor dem Zorn des Adlers in Acht nehmen, den er beim Wettfliegen überlistete und anschließend den überheblichen Spruch tat: "König bin ich" (nach der Äsopschen Fabel "Adler und Zaunkönig"). Der Landwirt fürchtet ihn, weil er angeblich den Kühen die Milch aussaugt (das Gleiche sagt man dem Ziegenmelker nach). Der Vogel muss bis zu 12 Nester bauen, bis er ein Weibchen für sich gewinnen kann. Beim Eurovisions-Wettbewerb für Vogelstimmen 2002 trat der Zaunkönig als deutscher Teilnehmer an. Er kam auf den 6. Platz und war damit um Längen besser als die deutsche Teilnehmerin beim Schlagerwettbewerb. Redensart: Sich freuen wie ein Schneekönig. Zaunkönig (Torpedo der deutschen Kriegsmarine).
In der Literatur s. auch Rotkehlchen.
Im Gedicht: Ernst Moritz Arndt "Zaunkönig". Robert Burns "The Wren's Nest". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Wie der Zaunschlüpfer König ward". Edward Lear "There was an old man with a beard" (Nonsensgedicht). William Wordsworth "A Wren's nest". Eugen Roth:
Man trifft heut manchen Zaungast zwar,
doch der Zaunkönig, der wird rar,
der durch die Gärten, grün umbuscht,
so winzig wie ein Mäuschen huscht."
Im Märchen: Brüder Grimm "Der Zaunkönig" (nach Äsops Fael). und "Der Zaunkönig und der Bär". Sage: Anastasius Grün "Zaunkönig".



Zecken: s. auch Holzbock



Zeisig: Ein Leckerbissen, besonders im Herbst, wo sie "fett und wohlschmeckend" sind (Brockhaus 1841). Zeiserlwagen (Polizeifahrzeug, mit dem Häftlinge transportiert werden).
Sprichwörter: Wer seine Katzen satt hält, in dessen Garten nistet der Zeisig (China).
Schimpfworte: Zeisig (leichtsinniger Mensch, Straßenmädchen). Es gibt der laute Zeisig ruh, stopft mann sein Maul mit Reisig zu. Zungenbrecher: Zwischen zwei Zweiglein zwitschern zwei Zeislein. In der Fabel: Christian Fürchtegott Gellert "Der Zeisig" (vgl. auch Friedrich von Hagedorn).
Im Gedicht: Felix Dahn "Vogelgesang". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Der gefangene Zeisig". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Friedrich Rückert "Zeisig". Heinrich Seidel "Der Zeisig".
In der Malerei: u. a. Albrecht Dürer "Madonna mit dem Zeisig" (1506).



Zeisige: s. auch Zeisig



Zeitung (landwirtschaftliche): In der Literatur: Mark Twain "Wie ich ein landwirtschaftliches Blatt herausgab".



Ziege: "Mühelos mehrt sich der Rinderbestand, und die Ziegen der Herde
werfen Junge in großer Zahl, wenn Apollon auf ihre
Weiden sein Augenmerk richtet" (Kallimachos).
"Bergmannskuh", "Kuh der Armen", Kuh des kleinen Mannes". Die Ziege Amaltheia war die Amme des Göttervaters Zeus. Pythagoras glaubte an die Seelenwanderung. Er ernährte sich streng vegetarisch, weil er Angst hatte, Menschen zu verspeisen, die als Schwein oder Ziege wiedergeboren waren. Ziegen galten im Volksglauben als Teufelstiere, obwohl sie in früheren Kulturen als heilig verehrt wurden. Ein Stein aus dem Magen einer Ziege (Bezoar) schützte vor zahlreichen Giften. Gegen Haarausfall halfen Salben aus Ziegentalg, Ziegenbutter gegen Rheuma.



Ziege: Sinnbild des "verlangenden Weibes": z.B. tranken Thessalierinnen Ziegenmilch vermischt mit Knabenkraut, "um sich sexuell zu stimulieren". Der antike König Midas setzte seinen Gästen mit Honig bestrichenes Ziegenfleisch vor, dazu reichte er Schaf, geschmort mit Linsen und Fenchel. Berühmte Ziegen: Marina Picasso, die Enkelin des bekannten Malers, berichtet von der Ziege Esméralda, die durch das ganze Haus sprang und ihre "Kotkugeln auf seine herumliegenden Bilder und Zeichnungen fallen lassen durfte" (vgl. u. a. seine Plastik 1950). Ziegen und Haifische bekommen keinen Krebs.



Ziege: Redensarten: S. auch Melken. Die Kuh des armen Mannes. Jemand hütet am liebsten tote Geißlein (für Faulenzer). Ziegenhainer (derber Knotenstock, nach dem Ort Ziegenhain), Ziegenpeter (Mumps)

"Ein Bub, der hüten muss die Geißen,
Kann selbstverständlich Peter heißen,
Doch wäre sicher nichts verdrehter,
Als ihn zu nennen Ziegenpeter"
(Eugen Roth).

Ziegenproblem (Drei-Türen-Problem als Wahrscheinlichkeitsrechnung), "Ziegensprung" (Kapriole in der Reitkunst). Kapriziös (vom lateinischen capra = Ziege). "Kid" bedeutet eigentlich junge Ziege bzw. Zicklein. Tiernamen: Ziege (Fisch). Pflanzennamen: Geißbart, Geißblatt, Geißfuß (Girsch), Geißklee, Geißraute, Ziegenbart, Ziegenfuß. Zungenbrecher: Am zehnten zehnten zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo.
Tiernamen: Ziegenmelker (Vogel). Pflanzennamen: Geißblume, Ziegenbart und Ziegenlippe (s. auch Pilz).



Ziege: Die Ziege taucht in verschiedenen Kinderreimen auf:
"Wenn mi alti Schwiegeri stirbt,
so erb i zwo, drei Geiße.
Zwo, drei Geiße und e Bock,
und en alte Unterrock."

"Hoppe, hoppe Reiter,
achtundzwanzig Schneider,
eine Geiß und ein Bock
ist grad ein halb’s Schock!"



Ziege: Sprichwörter: S. auch Heu. Bei Kerzenschein gleicht eine Ziege einem Mädchen (Frankreich). Das schleckt keine Geiß weg (Schweiz). Die Ziege, die am meisten meckert, gibt die wenigste Milch. Eine alte Geiß (Kuh) leckt auch gern Salz. Einer Rebe und einer Geiß / wird’s im August nie zu heiß. Er kann die Geiß/den Bock zwischen den Hörnern küssen (so dürr ist er). Er kann einer Ziege stehend den Arsch lecken (so klein ist er). Folge einem Esel und du kommst in ein Dorf. Folge einer Ziege und du stürzt in den Abgrund. Inmitten einer Krankheit wirst du eine Ziege versprechen; geht es dir wieder besser, meinst du, ein Huhn sei genug (Afrika). Käme es auf den Bart an, so könnte die Ziege predigen (aus Dänemark). Lasst die Ziege in die Kirche und sie geht auf die Kanzel (Estland). Nur die vorwitzige Ziege begrüßt die Hyäne (Afrika). Wem Hühnerbraten zwischen den Zähnen steckt, der hat keinen Appetit auf Ziegenfleisch. Wenn der Bart das Wichtigste wäre, könnten die Ziegen predigen (aus Dänemark). Wenn der Bock auch stinkt, die Zicklein verachten ihn nicht (Senegal). Wer die Geiß im Hause hat, dem kommt der Bock vor die Tür (altdeutsch). Wer sich grün macht (wer sich zu Kohl macht), den fressen die Ziegen.



Ziege: Sprüche: Was das Meckern angeht, landet die Ziege weit abgeschlagen hinter dem Menschen.
Zungenbrecher: Am zehnten zehnten um zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo.
Vergleiche: Der Kritiker ist "eine Ziege, die meckert, aber keine Milch gibt" (Giuseppe Verdi). "Die Opposition ist eine Ziege, die ihre Pflicht bereits durch Meckern erfüllt. Milch sollte man von ihr nicht auch noch verlangen" (Kai Jensen). Wenn alle Männer Schweine sind, dann sind alle Weiber Ziegen.



Ziege: Schimpfworte: Ziege (Frau, ähnlich wie die Gans mit den Adjektiven dumm, blöd etc. verbunden). Bergziege (Älplerin, Wintersportlerin, Bergsteigerin). Franz Blei hält die Dichterin Annette Kolb für eine "Edelziege". Gewitterziege (zanksüchtige Frau), Himmelsziege (fromme Frau, Schnepfe), Laberziege, Zicke (Zicken machen, von Bocksprünge machen. Himmelszicke = Heilsarmeesoldatin, fromme Frau), Zickenduell (Sportlerinnenjargon), zickig (unberechenbar), Zimtzicke, Ziegenficker, Ziegenpeter (Zuhälter, dümmlicher Ziegenhirte), Ziegenstall (Damenzimmer, Frauenwohnheim, Bordell).
Geiß (für Frau). Meckern, Meckerer, Meckerfritze, Meckerziege. Geißbart (Schamhaar einer Frau), Geißblatt (Pflanze, vgl. auch August von Platen "An eine Geißblattranke"), Geißfuß (Werkzeug zum Ausziehen von Nägeln), dürre Geiß

"Mein Schatz ist 'ne Köchin,
Eine zaundürre Geiß,
Sie tut alleweil fressen,
Wird dennoch nicht feist."
(Schnaderhüpflvers)



Ziege: In der Fabel: S. auch Gämse, Kalb, Kuh, Stier, Wolf. Äsop "Der Wolf und das Geißlein" und "Der Wolf und die Ziege". Jean de La Fontaine "Der Wolf, die Ziege und das Zicklein" und "Die beiden Ziegen". Johan Wilhelm Ludwig Gleim "Der Wolf und die Ziege". Gotthold Ephraim Lessing "Die Ziegen" (nach Phaedrus). Phaedrus "Der Fuchs und der Ziegenbock" und "Die bärtigen Ziegen".
In der Literatur: Heinrich Federer "Der gehörnte Reisekamerad". Robert Neumann "Sechzehn Ziegen. Nach Felix Salten" (Parodie).



Ziege: Im Gedicht: Bertolt Brecht "Tierverse" ("Es war einmal eine Ziege ...") Werner Bergengruen "Die Geiße Gaugeloren" (in "Die heile Welt"). August Heinrich Hoffmann von Fallersleben u. a. "Das arme Zickelein" und "Das Zicklein". Christian Morgenstern "Bergziegen" und "Geiß und Schleiche" ("Galgenlieder"). Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Hans Sachs u. a. "Sankt Peter mit der Geiß" und "Der Teufel und die Geiß" (Schwank). Johanna Spyri "Moni, der Geißbub". Franz Werfel "Ziegen".
Im Märchen: S. auch Wolf. Brüder Grimm "Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein".



Ziege: Volksgut (Liedparodie):
"Heil dir im Ziegenstall,
Ziegen gibt's überall,
Auch in Berlin.
Eine verkaufen wir,
Eine versaufen wir,
Eine behalten wir,
Im Ziegenstall."



Ziege: Im Film/Filmtitel: s. auch Wolf. "Das Lied von der Ziege" (1981 TV-Film). "Das Ziegenhorn" (1971/72, 1994). "Kleine Ziege, sturer Bock". "Männer, die auf Ziegen starren". "Vally’s Ziegenbock" (1920).
In der Malerei: u. a. Gustave Courbet "Mädchen mit Ziege". Frans Hals "Drei Kinder mit Ziegenbock und Wagen" (um 1620). Max Liebermann "Frau mit Geißen in den Dünen" (1890) und "Junge mit Ziegen". Claude Lorrain "Landschaft mit Ziegenhirt". Jean-François Millet "Ziegenhirtin in der Auvergne" (1869-74). Carl Spitzweg "Mädchen mit Ziege" (1861). Hans Thoma "Schwarzwaldlandschaft mit Ziegen" (1872) und "Ziege in der Campagna" (1880).
In der Musik: Engelbert Humperdinck "Die sieben Geißlein" (Oper 1895).



Ziege: Im Lied: "Die Gaaß" (fränkisch). Friedrich Hollaender "Die hysterische Ziege".

"Auf de schwäb'sche Eisebahne
wollt amal a Bäurle fahre,
geht an Schalter, lupft de Hut:
'Oi Billetle, seid so gut!'

Eine Geiß hat er sich kaufet,
und dass sie ihm nit entlaufet
bindet sie de gute Ma
hinte a de Wage a ..."



Ziegen: s. auch Ziege



Zikade: "Drückend lastet der Sommer, es dürstet ja alles im Bann der Glut,
in den Baumkronen singen Zikaden ihr liebliches Lied" (Alkaios).
In der Antike galt sie als "Nachtigall des Ackers" und als "Prophet der Musen". Zikaden erzeugen mit ihrem Körper bis zu 500 Schwingungen in der Sekunde. Rekordhalter ist die "afrikanische Zikade" mit ihrem Lockruf von 106 Dezibel in 50 cm Entfernung. Zikadenschwärme können mehrere Milliarden Tiere umfassen, so 2013 im Gebiet zwischen Georgia und New Jersey USA. Die "rosenfingrige" Göttin der Morgenröte Eos erbat für ihren Gemahl von Zeus die Unsterblichkeit, vergaß aber dabei dummerweise die Bitte um ewige Jugend. Der "greise, zusammengeschrumpfte" Tithonos wurde schließlich "entsorgt", indem man ihn in eine Zikade verwandelte. Zur Heilung von Blasenleiden empfahlen Dioskurides und Galen geröstete Zikaden.



Zikade: Insekt des Jahres 2009 war die Blutzikade.
Sprüche: "Glücklich leben die Zikaden, denn sie haben stumme Frauen" (Xenarchos).
Fabeln: Äsop "Der Mensch und die Zikade" (auch Jean de La Fontaine). In der Literatur: Ingeborg Bachmann "Die Zikaden" (Hörspiel 1955). Im Gedicht: Hans Magnus Enzensberger "Zikade".
Johann Wolfgang von Goethe "An die Zikade" (nach Anakreon):
"Selig bist, liebe Kleine,
die du auf der Bäume Zweigen,
von geringem Trank begeistert,
singend wie ein König lebest! ..."

Johann Gottfried Herder "Die Cicada" (aus dem Griechischen).

"In den Zikaden
ist ein Zauber versteckt,
der singt ..."
(Karl Krolow "Der Zauberer")

Federico García Lorca "Zikade". August von Platen "Die Cikaden". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Eugen Roth:
"Es lobte hoch Anakreon
Das Flöten der Zikaden schon.
Doch leicht wird’s einem nachts zuviel:
O unglückseliges Flötenspiel!"



Zikaden: s. auch Zikade



Züchter: Schimpfworte: Überzüchtet, Zuchtwahl (Partnerwahl).



Zügel:
"Du beißt, ein frischgezäumtes Fohlen, in die Zügel
und bäumst dich auf und sträubst dich gegen jede Lenkung"
(Aischylos "Prometheus in Fesseln").

"Knabe du mit dem Mädchenblick,
Nach dir such ich, doch hörst du nicht,
Weißt nicht, dass du die Zügel schon
Hältst, mein Leben zu lenken."
(Anakreon, übersetzt von Eduard Mörike)



Zügel: Redensarten: Die Zügel anlegen (z. B. seinen Leidenschaften). Die Zügel aus der Hand geben (Macht abgeben). Die Zügel fest in der Hand halten. Die Zügel locker/schießen/schleifen lassen/straff anziehen. Jemandem in die Zügel fallen (behindern). Jemanden (oder sich) zügeln. Zügelgurtbrücke (Brückennart).
Sprichwörter: Das Pferd lenkt man an einem Zügel, den Mann an einem Frauenhaar. Der eine braucht die Zügel, der andere die Sporen. Der Mensch fährt und Gott hält die Zügel (jüdisch). Die Liebe ist ein Esel ohne Zügel (Senegal). Goldene Zügel machen ein Pferd nicht besser (lateinisch). Schüttelreim: "Da Pferde oft aus dem Zügel flüchten, / Will ich doch lieber Geflügel züchten" (Erich Mühsam). Schimpfworte: Ungezügelt, zügellos ("Der Übel größtes ist die Zügellosigkeit" Sophokles "Antigone").
Im Film/Filmtitel: u. a. "Wer die Zügel hält" (1979).



Zweig: Twiggy (Zweiglein, engliches Supermodell).
Redensarten: Auf keinen grünen Zweig kommen (Altes Testament "Hiob". Der grüne Zweig ist seit dem 16. Jahrhundert Sinnbild des Glücks. "Hoffnung: Im Frühling kommen wenigstens die Vögel auf einen grünen Zweig" Gerhard Uhlenbruck. Umweltschutz ist die einzige Möglichkeit, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Antispruch: Er kann auf keinen grünen Zweig kommen, weil er ständig den Ast absägt, auf dem er sitzt). Etwas abzweigen, verzweigen. Zweig (Stammbaum, Seitenlinie; Abteilung: Zweig der Volkswirtschaft; Funktionentheorie), Abzweigung, Geschäftszweig, Zweigniederlassung, Zweigstelle. Pflanzennamen: Zweigalge.
Sprichwörter: Dem Vogel ist ein einfacher Zweig lieber als ein goldner Käfig (aus Russland, auch China). Der Zweig ist selten besser als der Stamm (Dänemark).
Vergleiche: Wenn ich einen grünen Zweig im Herzen trage, wird sich ein Singvogel darauf niederlassen (China).



Zweig: Im Gedicht: Clemens Brentano "Auf einen grünem Zweig". Hermann Hesse "Der Blütenzweig". Friederike Kempner "Grüne Zweige, goldne Frucht!" Christian Morgenstern "Palmström. Gleichnis" ("Palmström schwankt als wie ein Zweig im Wind ...") Friedrich Rückert "Barbarazweige" und "Der grüne Zweig". Adolf Friedrich von Schack "Auf einen Granatenzweig".
Im Märchen: Brüder Grimm "Die drei grünen Zweige".
Im Film/Filmtitel: u. a. s. auch Baum, Tanne "Das Land der kleinen Zweige" (1971). "Zerbrochene Zweige" (1995).



Zweige: s. auch Zweig



Zwetschge, Zwetsche: Redensart: Klar wir Zwetschgenbrühe. Seine sieben Zwetschgen beisammen haben. Zungenbrecher: Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei Schwalben. Zwetschgenwasser.
Schimpfworte: Zwetschge (umgangssprachlich für Vagina). Zungenbrecher: Zwanzig zerquetschte Zwetschgen und zwanzig zerquetschte Zwetschgen sind vierzig zerquetschte Zwetschgen. Tiernamen: Zwetschenwickler.
Im Gedicht: Bertolt Brecht "Lied vom Kind, das sich nicht waschen wollte".



Zwetschgen: s. auch Zwetschge



Zwiebel:
"Lass uns staunend betrachten die Fülle des Markts:
Prächtige Zwiebeln und Knoblauch, dazu
Frühgurken, Melonen, Granatäpfel!"
(Aristophanes "Der Frieden").
"Ein Gemüse, das echte Frauentränen kennt" (E. G. Tange). Alexander der Große verordnete seinen Soldaten Zwiebeln, um ihre Kampfeslust zu steigern. "Kraftfutter" für die ägyptischen Pyramidenbauer. Durch den Verzehr von rohen Zwiebeln verspricht der griechische Gott der Heilkunde Äskulap ein "Leben ohne Schmerz". Der römische Dichter Martial kennt die Zwiebel als Aphrodisiakum: "Hast Du ein altes Weib und sind dir die Lenden erstorben, nichts dann als Zwiebeln allein sind für die Sättigung gut" (auch von Ovid überliefert). Die Juden wurden im Altertum wegen ihres Zwiebelgenusses verspottet. Adam Lonicerus nennt im 16. Jahrhundert folgende Verwendung der Zwiebelhaut: "Das dünne Häutlein treibt den verstopften Harn, um das Röhrlein am Gemächt vorne gewickelt". "War jedoch die Leibesfrucht unerwünscht, musste wiederum die Zwiebel herhalten – als Abtreibungsmittel. Man grub sie frisch aus und setzte sie wie ein Pessar ein. Sobald sie Wurzeln um den Fötus geschlagen hatten, brauchte man sie nur einfach herauszuziehen. Laut Bertolt Brecht war diese Methode auch in London üblich (s. seinen "Dreigroschenroman").



Zwiebel: Nach einem alten Heiratsorakel legt man an Weihnachten in die vier Zimmerecken je eine Zwiebel und versieht sie mit dem Namen eines Junggesellen. An Dreikönig wird man sehen, wessen Zwiebel ausgetrieben hat; der "wird sich als Freier melden". Eine geschenkte Zwiebel verhindert Schwindel; angeschnitten und eingerieben vertreibt sie Warzen. 1000 Jahre altes Mittel gegen Haarausfall (die "Zierde des Hauptes" kann man wiederherstellen, wenn man die kahlen Stellen "fleißig mit gestampften Zwiebeln einreibt" ("Macer floridus"). Heilpflanze des Jahres 2015.



Zwiebel: Redensarten: Jemanden zwiebeln (quälen, plagen). Zwiebel (Taschenuhr), "Zwiebelanbeter" (1928 in Frankreich gegründete Sekte), "armes Zwiebelchen" (kleines Kind bei Joachim Ringelnatz), Zwiebelblasenfuß (Insekt), Zwiebelfisch (auch Fischart, in der Druckersprache falsche Type in einem Buchstabensatz. "Der Zwiebelfisch ist keine Fasten- / Speis – nein, er lebt im Setzerkasten" Eugen Roth. bibliophile Zweitschrift), zwiebelförmig, Zwiebelhaube (Turmbedachung), Zwiebelmuster (Porzellandekor), Zwiebeltreter (Neckname/Spitzname der Bamberger Gärtner), Zwiebelturm (Kuppelform).
Tiernamen: Zwiebelfliege, Zwiebelhornkäfer, Zwiebelmotte. Pflanzennamen: Zwiebelgras.
Sprichwörter: Dampfbad und Zwiebel / heilen jedes Übel. Die Zwiebel hat sieben Häute, ein Weib neun. Kinderrätsel: Was hat sieben Häute / und reizt alle Leute. Der Kindermund (Poesiealbum) weiß
"Hab Sonne im Herzen
Und Zwiebel im Bauch,
Dann kannst du gut scherzen,
Und Luft hast du auch"



Zwiebel: Sprüche: "Isst du abends Zwiebelbrot, / sind morgens im Zimmer die Fliegen tot" (R. Habeck). "Leute, die selber Zwiebeln essen, können nicht gut beurteilen, ob andere Zwiebeln gegessen haben oder nicht" (Thornton Wilder).
Vergleiche: "Es gibt Stripperinnen, die wie Zwiebeln wirken. Je mehr Schalen sie entfernen, desto näher ist man den Tränen" (Robert Lembke). Liebe ist wie Zwiebeln schälen. Erst denkt man: 'Ach, geht schon.' Und dann sitzt man in der Küche und heult. "Wer als Zwiebel geboren ist, kann nicht wie eine Rose blühen" (Hans-Joachim Rauschenbach).

Die Ehe ist ein Übel,
Ein bittersüßes Joch.
Sie gleicht fürwahr der Zwiebel,
Man weint und isst sie doch.



Zwiebel: In der Literatur: "Und schafft mir Zwiebelkuchen! Sonst werd ich noch verrückt" (Eduard Mörike).
Günter Grass "Beim Häuten der Zwiebel" (2006 Autobiographie). Ruth Schaumann "Die Zwiebel" (1952).
Im Gedicht: Wilhelm Busch "Naturgeschichtliches Alphabet" ("Die Zwiebel ist der Juden Speise, / das Zebra trifft man stellenweise"). Günter Grass "Am Pranger" und "Neben den Zwiebeln". Anastasius Grün "Von einer Zwiebel". Martial "Epigramme". Pablo Neruda "Ode an die Zwiebel". Friedrich Schiller "Xenien. Analytiker". Kurt Tucholsky "Was ist im Innern einer Zwiebel - ?"



Zwiebel: Im Film/Filmtitel: u. a. "Mord im Zwiebelfeld" (1979). "Sechs Bären mit Zwiebel" (1972).
In der Malerei: u. a. Paul Cézanne "Still-Leben mit Flasche und Zwiebeln" (1895-1900) und "Still-Leben mit Zwiebeln" (1896-1898). Vincent Willem van Gogh "Stillleben mit Büchern und Zwiebeln".



Zwiebeln: s. auch Zwiebel





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© Hans Baier 2017