Ergebnisliste

Anfangsbuchstabe: T




Lexikon des Landlebens



Tabak: "Zuerst schuf der liebe Gott den Mann, dann schuf er die Frau. Danach tat ihm der Mann leid, und er gab ihm Tabak" (Mark Twain).

"Und wärst du auch zum fernsten Ort,
zur kleinsten Hütte durchgedrungen,
was hilft es dir? Du findest dort
Tabak und böse Zungen."
(Johann Wolfgang von Goethe

Wegen Feuersgefahr verbot Friedrich d. Gr. das Rauchen auf offener Straße. Pflanzenname: Tabakwürger.
Redensarten: Anno Tobak ("Tobak" anstelle von "domini" - man soll den Namen Gottes nicht unnötig nennen). Eigenbau. Das ist starker Tobak: In einem alten Schwank begegnet der Teufel einem Jäger, zeigt auf dessen Gewehr und fragt ihn, was er da in der Hand halte. Der Jäger antwortet: "Das ist eine Schnupftabaksdose." Der Teufel bittet um eine Prise und der Jäger schießt ihm ins Gesicht. August Kopisch hat die Szene in Verse gefasst:
"Dem Teufel der Schrot in die Nase schießt,
Da schüttelt er, spuckt, rennt, ruft und niest:
Ein starker Tabak ..."



Tabak: Sprichwörter: Tabak ist ein edles Kraut, / ob man’s raucht, schnupft oder kaut.
Sprüche: "Es gibt nichts, was dem Tabak gleicht. Er ist die Leidenschaft der honetten Leute und wer ohne Tabak lebt, ist nicht würdig zu leben" (Molière). "Gott hat uns den Tabak gegeben, um unsere Leidenschaften und unsere Schmerzen einzuschläfern" (Honoré de Balzac). "So geht es mit Tabak und Rum: erst bist du froh, / dann fällst du um" (Wilhelm Busch). "Tabak verwandelt Gedanken in Träume" (Victor Hugo).
Vergleiche: "Eine Pfeife ohne Tabak ist wie ein Hirn ohne Ideen" (E. T. A. Hoffmann).
Schimpfworte: Siedlerstolz (selbst angebauter Tabak). Übles Kraut (schlechter Tabak).
Im Gedicht: Paul Heyse "Die Tabaksmühle". Christian Hofmann von Hofmannswaldau "Lob des Tabaks". Abraham Gotthelf Kästner "Auf den Tabak". August Kopisch "Der starke Tabak". Gotthold Ephraim Lessing "Der Tabak". Joachim Ringelnatz "Die Schnupftabaksdose". Johann Peter Uz "Der Tobacksraucher". Johann Heinrich Voß "Tobaksode". Im Lied "Tabakslied" (in "Des Knaben Wunderhorn").
Im Film/Filmtitel: u. a. "Tabak" (1962). "Tabakstraße" (1941).
Schlager: "Tabak und Rum".



Tabak: S. auch Schnupftabak



Tagelöhner: In der Literatur: Iwan S. Turgenjew "Die Tagelöhner und der Weißhändige".
Im Gedicht: Werner Bergengruen "Die letzte Epiphanie" ("Ich kam als Gefangner, als Tagelöhner, / verschleppt und verkauft, von der Peitsche zerfetzt...")

"Lange Jahre sah ich dich
Führen deinen Spaten,
Und ein jeder Schaufelstich
Ist dir wohlgeraten

Nie hat dir des Lebens Flucht
Bang gemacht, ich glaube -
Sorgtest für die fremde Frucht,
Für die fremde Traube.

Nie gelodert hat die Glut
Dir in eignem Herde,
Doch du fußtest fest und gut
Auf der Mutter Erde.

Nun hast du das Land erreicht,
Das du fleißig grubest,
Laste dir die Scholle leicht,
Die du täglich hubest!"
(Conrad Ferdinand Meyer "Einem Tagelöhner")



Tanne:
"Eschen wachsen am besten im Walde, Pinien im Garten,
Pappeln am Fluss und Tannen im hohen Gebirge"
(Vergil "Hirtengedichte").
Weihnachtsbaum (früher eher die Fichte). "Geister hassen Tannenholz und meiden Orte, an denen sich solches befindet" (Hildegard von Bingen). In manchen Gegenden wurde die Tanne als "Kleinkinderbaum" bezeichnet, weil die Hebamme die Babys aus ihren Zweigen schüttelt. Tannenzapfen unterm Kopfkissen helfen Kindern beim Einschlafen. Die Weißtanne ist der Baum des Jahrs 2004.
Redensarten: Er riecht nach Tannenholz (er wird bald sterben). Schlank wie eine Tanne. Tann (poetisch für Wald). Tännlefriedhof (für Waldsterben). Tiernamen: Tannenmeise. Pflanzennamen: Tannenreizker, Tannenwedel.
Sprüche: "In der guten alten Zeit, in der das Tannensterben nur zur Weihnachtszeit stattfand" (Werner Mitsch). "Vor einem strahlenden Tannenbaum werden alle Zweifel stumm" (Hans Fallada). Kollegenschelte: Haben Sie noch alle Nadeln an der Tanne?



Tanne: Kinderreime (vom Schlaraffenland):
"Auf Tannen wachsen große Krapfen,
wie hierzuland die Tannenzapfen,
auf Fichten wachsen Schnitten.
Auch kann man von den Birken da
Gute Speckkuchen schütten."

Blödelvers von Harald Schmidt:
"Ich sah viel tote Bäume
am Rand der Autobahnen,
die hatten keine Blätter mehr,
ach so, es waren ja Tannen."

Fabeln: Äsop "Die Tanne und der Dornstrauch".



Tanne: In der Literatur: Peter Rosegger "Tannenharz und Fichtennadeln" (1870). Adalbert Stifter "Der beschriebene Tännling" (1845). Theodor Storm "Unter dem Tannenbaum".
Im Gedicht: S. auch Birke. Bertolt Brecht "Tannen". Clemens Brentano "O Tannebaum!". Max Dauthendey "Abenddunkel im Tann". Ferdinand Freiligrath "Die Tanne". Martin Greif "Tannentriebe". Anastasius Grün "Pinie und Tanne". Friederike Kempner "Wollte Gott" ("Die dunkelgrünen Tannen …"). Justinus Kerner "Preis der Tanne". Christian Morgenstern u.a. "Im Tann" und "Das Weihnachtsbäumchen". Rainer Maria Rilke "Es treibt der Wind im Winterwalde ..." Dante Gabriel Rossetti "A Young Fir-wood". Friedrich Rückert u. a. "Die Straßburger Tanne" und "An die Tanne". Märchen: Hans Christian Andersen "Der Tannenbaum".



Tanne: In der Malerei: Lucas Cranach d. Ä. "Madonna unter den Tannen" (1510).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der Tannenzweig" (TV-Film). "Die Geschichte von der silbernen Tanne" (1973 Kinderfilm). "Hohe Tannen" (1960). "Tannenzapfen unter dem Rücken" (1966). "Zwei Väter unterm Tannenbaum" (1996).
Im Lied: "Die grünen Tannen vom Wiesenthal". "Ein Tännlein grünet wo" (Text Eduard Mörike "Denk es, o Seele". Melodie Hugo Wolf). "Hohe Tannen". "Tannebaum" (in "Des Knaben Wunderhorn"). Kinderlied nach dem bekannten Weihnachtslied:
"O Tannenbaum, o Tannenbaum,
Der Weihnachtsmann will Äpfel klau'n.
Er zieht sich die Pantoffeln an,
Damit er besser schleichen kann."
Oder:
"O Tannenbaum, o Tannenbaum,
er Lehrer hat mich durchgehau'n ..."



Tanne: S. auch Sanitätsgefreiter Neumann



Tannen: s. auch Tanne



Tanz: Der bayerische Pfarrer Anton Westermayer predigte im 19. Jahrhundert: "Aus dem Beichtstuhl wissen wir Geistliche, dass von 100 Weibspersonen im Nachhausegehen vom Tanzen 99 zum Fall kommen." Daher auch das Sprichwort: Der Teufel hat es niemals so eilig wie am Sonntagabend zum Dorftanz (sorbisch). Unterm Tanzboden sitzt der Teufel. Wer bei der Ernte schwitzt, soll zur Kirmes tanzen. Redensart: Einladung zum Tanz. Tanzboden, Tanzlinde. Tiernamen: Tanzfliege (Insekt).
Im Gedicht: Achim von Arnim " Trümmeken Tanz". Augustinus "Ich lobe den Tanz ..." Otto Julius Bierbaum "Es ist ein Reihen geschlungen ..." und "Frommer Tanz". Rudolf G. Binding "Einst war ich nur ein ungetanzter Tanz ..." Wilhelm Busch "Denkst du dieses alte Spiel ..." Johann Ludwig Wilhelm Gleim "Einladung zum Tanz". Johann Wolfgang von Goethe "Wechsellied zum Tanze". Georg Heym "Im Tanz". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Auf der Wiese tanzen wir" und "Ringeltanz". Klabund "Der Tanz auf der Wolke". Nikolaus Lenau "Faust. Der Tanz". Detlev von Liliencron "Der Ländler" und "Der lange Tanz". Hermann Löns "Tanzlied". Christian Morgenstern "Der Tanz". Friedrich Rückert "Maientanz" und "Tanzlied". Hans Sachs "Der Bauerntanz, versammelt aus mancherlei Dörfern" (1527) und "Der Teufel am Tanz". Joseph Viktor von Scheffel "Beim Tanz". Ludwig Thoma "Der Tanz".



Tanz: Im Film/Filmtitel: u. a. "Aufforderung zum Tanz" (1934, 1976). "Der letzte Tanz" (1989, 1993, 1998). "Der Tanz der Männer" (2002). "Der Tanz in der Nacht" (1946). "Der tanzende Herr" (1916). "Der verbotene Tanz" (1989). "Die Stunde des Tanzes" (1988). "Ein ewiger Tanz" (1964). "Einladung zum Tanz" (1954). "Heimlicher Tanz" (1999). "Ihr letzter Tanz" (1946). "Im Fieber des Tanzes" (1989). "Liebe, Tanz und 1000 Schlager" (1955). "Nächtlicher Tanz" (1991). "Tanz am Abgrund" (1993). "Tanz am Sonnabend – Mord?" (1962). "Tanz der Erinnerungen" (1988). "Tanz in der Sonne (1954). "Tanz mit mir!" (1934, 1937). "Tanz ohne. Ende" (1947). "Tanze mit mir in den Morgen" (1962). "Tanzen ist unser Leben" (1950). "Tanzmusik" (1935). "Terpsichore – Die Macht des Tanzes" (1921). "Und Pippa tanzt" (1961). "Wir bitten zum Tanz" (1941). "Wollen Sie mit mir tanzen?" (1959). "Zum Tanzen geboren" (1936, 1954).



Tanz: In der Malerei: u. a. Pieter Bruegel d. Ä. "Bauerntanz" (1568/69). Albrecht Dürer "Bauernpaar beim Tanz" (Kupferstich 1514) und "Tanznarren" (Holzschnitt 1494). Claude Lorrain "Ländlicher Tanz" (1639). Pierre-Auguste Renoir "Tanz auf dem Land" (1883). Peter Paul Rubens "Der Bauerntanz" (um 1635–1638).
In der Musik: Edvard Grieg "Lyrische Stücke. "Norwegischer Tanz" und "Springtanz". Franz Liszt: Mephisto-Walzer ("Der Tanz in der Dorfschenke"). Im Lied: "Der Tanzbodenkönig". "Zum Reigen herbei". "Zum Tanze da geht ein Mädchen".



Tanz: S. auch Schuhplatteln



Taube: Eine Taube brachte Noah die Kunde vom Ende der Sintflut. Griechische Seeleute ließen von ihren Schiffen Tauben fliegen, um das nächste Land zu finden. Heiliges Tier der Venus, aber auch des Islams, weil sie Mohammed auf der Flucht schützte. Die sagenhafte Königin Semiramis soll aus einem Taubenei hervorgegangen sein. Der Hl. Geist wohnte Maria in Gestalt einer Taube bei. Taubenblut und Taubenkot werden bei zahlreichen Gebresten angewendet, sie sollen u. a. bei Bauchweh, Kropf, Gelbsucht, Sommersprossen, Warzen und Schlaganfällen helfen. Das Herz einer Turteltaube kann helfen, die Liebe eines Menschen zu gewinnen. Hexen können sich nicht in Tauben verwandeln. Die weiße Taube gilt als Friedenssymbol. Beliebte Delikatesse: "Amseln mit knuspriger Brust und Tauben ohne den Bürzel" (Horaz). Karl dem Großen soll eine auffliegende Wildtaube eine Quelle verraten haben; als Dank gründete er an dieser Stelle das Kloster Feuchtwangen. Tauben kopulieren bis zu siebenmal am Tag. Schießen auf lebende Tauben: nur eineinziges Mal olympische Disziplin (1900).



Taube: "Krieg gegen die Friedensboten" ("Der Spiegel"). Jede Taube hinterlässt 12 Kilo Kot im Jahr. Seit die Tauben Fassaden und Denkmäler als "Ersatzfelsen" besetzen", schlägt den "Ratten der Lüfte" offener Hass entgegen. Taubenvergiften im Park ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung nicht nur der Wiener (s. auch Lied). Wo das nicht ausreicht, haben Stadtväter viel Phantasie entwickelt, sich der Plagegeister zu entledigen: Mit Zyankali und Pille rückt man ihnen zu Leibe, oder man fängt sie ein und bricht ihnen das Genick. Neuerdings lockt man die Vögel in Taubenschläge und nimmt ihnen einfach die Eier weg. In Nürnberg gibt es ein Taubenmuseum.



Taube:
"Als Vater Noah in dem Kasten
Genug vom Schwimmen hatt und Fasten,
Da schickte er die Taube aus;
Den Ölzweig brachte sie nach Haus.
Seitdem besteht ein frommer Glaube,
Es gebe eine Friedenstaube"
(Eugen Roth).

Friedenstaube: (nach 1. Moses). Symbol der europäischen Friedensbewegung. Redensarten: Er hat sich bei den Tauben eingemietet (er wohnt im obersten Stockwerk). Mein Täubchen (Kosename für Mädchen, bereits im Hohen Lied und bei den Römern). Sanft wie eine Taube, turteln wie die Tauben (verliebtes Paar). Taube (gemäßigter Politiker, im Gegensatz zum Falken), blaue Taube (Hundert-DM-Schein), "Taube" (Flugzeugtyp 1910), taubenblau (Farbe), taubeneigroß (z. B. Hagelkörner), Tontaube (Sportgerät). "Täubchen" (Vladimir Nabokov für die Brüste Lolitas). Sternbild Taube. Turteltaube (Symbol der Liebe und der Unschuld).
Tiernamen: Taubenschwanz (Schmetterling), Taubenzecke. Pflanzennamen: Taubenbaum, Taubenerbse, Taubenkraut (Eisenhut), Taubenkropf, Taubenorchis, Taubenskabiose.



Taube: Sprichwörter: Die gebratenen Tauben fliegen einem nicht ins Maul (Vorstellung aus dem Schlaraffenland, ohne Anstrengung kein positives Ergebnis, nach Sebastian Brant und Hans Sachs. "Wer seinen Mund erst aufmacht, wenn die gebratenen Tauben fortgeflogen sind, wird auch im Schlaraffenland Hunger leiden" Eugen Gürster. Ähnlich bereits in einer attischen Komödie: "Gebratene Krammetsvögel, begehrend verschlungen zu werden, flogen den Leuten um den Mund herum". " … ich hasse (es), wenn einem eine gebratene Taube ins Maul fliegt, beim Schicksal auch noch auf Kompott zu bestehen" (Theodor Fontane). "Was ein rechter Wiener ist, der rührt keinen Finger. Der geht lieber mit offener Hose spazieren. Vielleicht fliegt ihm eine gebratene Taube hinein" Walter Hasenclever.
Sprichwörter: Man kann lange gähnen, bis einem eine gebratene Taube ins Maul fliegt.

"Wer aber recht bequem ist und faul,
Flög' dem eine gebratne Taube ins Maul,
Er würde höchlich sich's verbitten,
Wär' sie nicht auch geschickt zerschnitten"
(Johann Wolfgang von Goethe).



Taube: Sprichwörter: Ein alter Junggeselle ist ein Höllenprügel, eine alte Jungfer eine Taube vom Himmel (aus Estland). Eine Taube in der Hand ist besser als zehn auf dem Dach. Wenn die Tauben satt sind, schmecken die Kirschen bitter (auch: Wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter). Wenn ich den Tauben nicht zu Hilfe komme, sagte der Marder, so frisst sie der Fuchs (Wander). Wer sein Geld will fliegen sehen, der kaufe Tauben und Bienen. Wer sein Haus will rein erhalten, darf weder Weib, noch Pfaff’, noch Tauben halten (Frankreich). Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu.

"Junge Tauben bei den Raben,
Junge Mädchen bei den Knaben,
Die sind so wohl behüt',
Als wenn der Wolf die Schafe hüt."



Taube: Sprüche: "Besser 'ne Taube im Bett, als 'ne Schwerhörige auf dem Dach" (Ernest Borneman. Ähnlich: "Lieber ‚ne Blinde im Bett, als ‚ne Taube auf dem Dach" (R. Habeck). "Die Politik sagt: 'Seid klug wie die Schlangen!' Die Moral setzt hinzu: 'Und ohne Falsch wie die Tauben!'" (Immanuel Kant). "Ein Denkmal ist ein berühmter Mann in Marmor oder Bronze, der schutzlos in Wind und Regen steht und den Tauben als Toilette dient" (Peter Sellers). "Ein Schwanz in der Hand ist besser als zwei Tauben im Busch" (Mark Twain). "Ich bin sehr altmodisch. Ich glaube, dass Menschen für ein ganzes Leben heiraten sollten, so wie Tauben und Katholiken" (Woody Allen). Kollegenschelte: Bei dem daheim fliegen die Tauben auf dem Rücken, weil sie das Elend da unten nicht ansehen wollen.



Taube: Vergleiche: "Die großen Ideen kommen auf Taubenfüßen daher" (Friedrich Nietzsche). "Gebet einer Jungfrau: Lieber der Spatz in der Hand sein als die Taube auf dem Dach" (Hans Kasper). "Man ist eben als biblische Taube ausgeschickt worden, hat nicht Grünes gefunden und schlüpft nun wieder in die dunkle Arche" (Franz Kafka). Politiker sind wie Tauben, wenn sie unten sind, lassen sie sich füttern, wenn sie oben sind, scheißen sie einem auf den Kopf. "Schön bist du, deine Augen sind wie Taubenaugen" ("Hohes Lied"). Tauben sind die Beamten des Tierreichs – je besser sie gefüttert werden, desto kräftiger vermehren sie sich. Bürospruch: Die jungen Akademiker sind wie Tauben: "Solange sie unten sind, fressen sie einem aus der Hand. Sobald sie oben sind, scheißen sie einem auf den Kopf".
Schimpfwort: Lachtaube (albernes Mädchen), Taubenhaus (Bordell), Taubentoilette (Denkmal).



Taube: Brieftaube: "Gehörlose Postangestellte" (K. de Rottwinkel). "Selbstreproduzierender Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit fest programmierter automatischer Rückkehr aus beliebigen Richtungen und Distanzen" (Merkblatt der Schweizer Armee aus dem Jahr 1995).
Die Fähigkeit der Tauben, zu ihrem Schlag zurückzukehren, wurde bereits von Chinesen und Ägyptern zur Nachrichtenübermittlung genutzt. Früher im Postdienst verwendet (daher der Name). Der römische Kaiser Diokletian soll eine regelmäßige Brieftaubenpost eingerichtet haben. Brieftauben brachten die Liebesbotschaften von König Salomon an die Königin von Saba. Die Mitteilungen wurden den Tauben ans Bein oder um den Hals gebunden. Im Zweiten Weltkrieg setzten die Alliierten an die 50000 Brieftauben ein. Die maximalen "Heimfindeleistungen" liegen zwischen 1500 und 2000 Kilometern. Dabei legen die Tauben täglich etwa 600 bis 700 Kilometer zurück. Beim erfolglosesten Wettflug waren 1978 in Preston, Lancashire, 6745 Tauben gestartet. 5545 davon kamen niemals zurück. Vermutlich wurden sie bei einer Jagdveranstaltung im schottischen Hochmoor abgeschossen. Die langsamste Brieftaube brauchte 1953 in Wales elf Jahre für ihre Rückkehr, per Post tot in einer Schachtel (W. Krämer). Spruch: "Lieber einen Briefkasten in Liechtenstein als eine Brieftaube auf dem Dach!" (W. Mieder).
Im Gedicht: Christian Morgenstern "Ich bin wie eine Brieftraube ..." Friedrich Rückert "An die Brieftaube". Brieftaube (Postbotin).



Taube: In der Fabel: S. auch Adler, Dohle, Elster, Eule, Falke, Geier, Habicht, Hahn, Spatz. Äsop u. a. "Ameise und Taube" und "Die wilde und die zahme Taube". Jean de la Fontaine "Die beiden Tauben" und "Die Taube und die Ameise". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Wandrer und die Turteltaube". Hans Sachs "Die Taub mit der Ameis".
In der Literatur: "Wie der heilige Franziskus die Waldtauben zähmte" (in "Die schönsten Legenden des heiligen Franz"). Stefan Andres "Der Taubenturm" (1966). Henry James "Die Flügel der Taube". Theodor Körner "Die Tauben". Hermann Löns "Die Hohltaube" und "Die Turteltaube". Martial "Epigramme" (u. a. "Tauben" und "Die Turteltauben"). Patrick Süskind "Die Taube" (1987).



Taube: Im Gedicht: S. auch Adler, Ohrwurm, Rabe. Anakreon "An die Taube" (übers. von August von Platen). Guillaume Apollinaire "Die Taube". Ernst Moritz Arndt "Die Tauben". Werner Bergengruen "Die Taube" (in "Die heile Welt") und "Domtauben" (in: "Herbstlicher Aufbruch"). Georg Britting "Tauben überm Ecknachtal". Wilhelm Busch "Naturgeschichtliches Alphabet" ("Die Turteltaube Eier legt, / Der Tapir nachts zu schlafen pflegt"). Paul Celan "Der Tauben weißeste flog auf …" Felix Dahn "Das Taubennest". Max Dauthendey "Tauben und Sonne". Günter Eich "Tauben". Joseph von Eichendorff "Turteltaube und Nachtigall" (aus dem Spanischen).

"Wo bist du nun gewesen,
Du ungetreues Weibchen?
Auf zwanzig Weizenfeldern
Hab ich dich schon gesuchet ..."
(Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Der Tauber")



Taube: Im Gedicht: Günter Grass "Keine Taube". Franz Grillparzer "Erklärung eines Kupfers in dem Taschenbuche Vesta fürs Jahr 1833, ein kleines Mädchen mit einer Taube, daneben eine Katze, vorstellend". Otto Erich Hartleben "Die Taube". Gerhart Hauptmann "Ährenlese" ("Die Tauben"). Heinrich Heine " Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne ..." Georg Heym "Die Tauben". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Der Täubchen Tod". Johann Georg Jacobi "An zwei Täubchen" und "Das Täubchen". Abraham Gotthelf Kästner "Die Turteltaube und der Vorbeigehende". Klabund "Türmer und Taube". Heinrich von Kleist "Die beiden Tauben". August Kopisch "Die heilige Taube". Karl Krolow "Als es soweit war". Hermann Löns "Der Tauber". Christian Morgenstern "Der Großstadtbahnhoftauber" und "Weiße Tauben". Friedrich Nietzsche "Mein Glück" ("Die Tauben von San Marco seh ich wieder …"). Rainer Maria Rilke "Die Taube, die draußen blieb" und "Die Tauben". Joachim Ringelnatz "Großplatztauben". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973). Friedrich Rückert u. a. "Das Girren der Taube" und "Das Haus im Walde". Ferdinand von Saar "Taubenflug". Max von Schenkendorf "An die Tauben". August Wilhelm Schlegel "Die Tauben".. William Shakespeare "The phoenix and the turtle". Georg von der Vring "Schlaf der Tauben" und "Weiße Taube". William Wordsworth "The Poet and the Caged Turtledove".



Taube: Im Märchen: Brüder Grimm "Die Alte im Walde". Novalis "An die Taube". Franz Blei vergleicht den Dichter Hermann Hesse mit einer "lieblichen Waldtaube".



Taube: Im Film u. a. "Balko – die Mördertauben von Eving" (2000 TV-Film). "Die schöne Taubenzüchterin" (1987). "Flinten und Tauben" (1961 Kinderfilm). "Taubenjule" (1983).



Taube: Filmtitel: u. a. "Abschied von den Tauben" (1960). "Auf Wiedersehen, Tauben!" (1961). "Das Lied der Taube" (1987 TV-Film). "Das Mädchen und die Tauben" (1985 TV-Film). "Das Täubchen von Holland" (1922). "Das verlorene Halsband der Taube" (1991). "Der Flug der Taube" (1988). "Der letzte Flug der Taube" (1990). "Der Schrei der Taube" (1992/93). "Die feuerrote Taube" (1960). "Die Flügel der Taube" (1981, 1997/98). "Die Taube" (1974). "Die Taube auf dem Dach" (1990). "Die Taube in der Hand" (1976 TV-Film). "Die weiße Taube" (1960, 1986). "Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach" (2014/15). "Gute Tauben kehren immer zurück" (1988). "La blanca paloma – Die weiße Taube" (1989). "Lasst mich doch eine Taube sein" (1989). "Liebe und Tauben" (1984). "Pfeifen, Betten, Turteltauben" (1966). "Taubendreck bringt Glück" (1990). "Tote Taube in der Beethovenstraße" (1972/73 TV-Serie "Tatort"). "Tötet die weiße Taube" (1989). "Wenn Täubchen Federn lassen" (1968 Sexfilm).
In der Malerei: u. a. Salvador Dalí "Die Taubenaugen der Braut" (Radierung 1971). Albrecht Dürer (Zeichnung). Jean-Honoré Fragonard "Mädchen mit zwei Tauben". Pablo Picasso s. a. Erbse u. a. "Die Friedenstaube", "Struppige Taube (1953) und "Die Tauben" (1957).



Taube: In der Musik: Anton Dvo?ák "Die Waldtaube" (sinfonische Dichtung).
Im Lied: "Ach wenn ich doch ein Täublein wär'" und "Friedenslied" (aus "Des Knaben Wunderhorn"). "La Paloma" (eine Taube überbringt die Nachricht vom Tod des Geliebten). Aus der "Vogelhochzeit" ("Die Taube, die Taube, / die bringt der Braut die Haube." Georg Kreisler "Tauben vergiften im Park".

"Saßen einst zwei Turteltauben
noch auf einem dürren Ast,
wo sich zwei Verliebte scheiden,
da verwelket Laub und Gras."

Schlager 1914 über den Zeppelin:
"Ich glaube, ich glaube,
Da oben fliegt ne Taube.
Die kommt aus einem deutschen Nest,
wenn die hier bloß nichts fallen lässt ..."



Taube: S. auch Brust



Taubenschlag: Die Römer bauten regelrechte Taubenhäuser mit einem "schmalen Eingang für den Taubenwärter". Plinius d. Ä. berichtet über die Taubenliebhaberei seiner Landsleute: Es gibt viele, die nach Tauben regelrecht "verrückt sind. Sie erbauen ihnen Türme auf ihren Dächern und wissen von einer jeden nachzuweisen, woher sie stammt und wie edel ihre Abkunft ist". Redensart: Es geht zu wie in einem Taubenschlag (unruhig, ständiges Kommen und Gehen. "Es wohnt niemand bequem bei mir, weil es zu unruhig ist und meine Wohnung wie ein Taubenschlag ist" Carl Friedrich Zelter an J. W. von Goethe). Sich davonschleichen wie die Katze vom Taubenschlag. Taubenschlag (Hosentürl, Hosenschlitz).



Taubenschlag: Schimpfworte: Taubenschlag (Bordell). In der Fabel: Äsop "Die Taube und die Krähe": Eine Taube in einem Taubenschlag brüstete sich mit ihrer zahlreichen Nachkommenschaft. Eine Krähe, die ihre Worte hörte, sagte: "Hör' auf, damit anzugeben! Denn je mehr Kinder du hast, umso größere Sorgen musst du dich über sie machen." "Der gerettete Hahnrei" (in: "Die hundert neuen Novellen").
Im Gedicht: "Mein Herz ist wie ein Taubenhaus: / ein’ Lieb’ fliegt ein, die andre aus" (Hans Sachs).
Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Taubenhaus" (1972). "Ich suche ein Taubenhaus" (1984 Kinderfilm).
In der Malerei: u. a. Paul Cézanne "Der Taubenschlag in Bellevue" (1889-1890) und "Taubenschlag bei Montbriant" (1888-1892).



Tauben: s. auch Taube



Taubnessel: Bindet man einer Kuh Taubnesseln um, so folgt sie einem "überall hin" (eine Methode, die auch von Viehdieben angewendet wurde).
In der Literatur: Friedrich Schnack "Sibylle und die Feldblumen" (1941).
Im Gedicht: Karl Heinrich Waggerl "Taubnessel". Josef Weinheber "Taubnesseln".



Tausendfüßler: Ein Tausendfüßler hat höchstenfalls 750 Beine. Es gibt auch einen Hundertfüßer.
Redensarten: Er ist so tierlieb, dass er nicht einmal einem Tausendfüßler ein Bein ausreißen könnte.
Sprüche: "Er stand bereits mit einem Fuß im Grab. Aber was will das bei Tausendfüßlern schon besagen?" (W. Mieder). "'Nobody is perfect', sagte der Neunhundertneunundneunzigfüßler" (W. Mieder). Was passiert, wenn sich zwei Tausendfüßler umarmen? Es entsteht ein Reißverschluss.
Schimpfworte: Tausendfüßler (falsche Wimpern).
Im Gedicht: Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).

"Wenn ein Neunauge mit einem Tausendfuß
Kinder zeugt, wie mögen die gehen?
Wie mögen die sehen?
Ich weiß es nicht. Weiß Du’s? …"
(Joachim Ringelnatz "Weißt du?")

Filmtitel: "Der menschliche Tausendfüßler" (Horrorfilm 2009).



Tausendgüldenkraut: Mit ihm soll der Zentaur Chiron seine Wunden geheilt haben. "Dies Kraut etlich Tag abends und morgens getrunken töt und treibt aus die Würm" (Leonhart Fuchs 1543). Es soll gegen Tollwut helfen und gegen Hexen schützen, zieht aber Blitze an und vermehrt das Geld im Beutel. Seinen Namen verdankt es angeblich folgender Geschichte: Ein reicher Mann, der an Fieber litt, versprach 1000 Gulden für die Armen zu spenden, wenn ihn jemand heilen würde. Da riet man ihm, das Kraut als Medizin einzunehmen. Über den großen Teich fahren. Pflanzennamen: Teichlinse, Teichrose, Teichuferampfer. Heilpflanze des Jahres 2004.
Sprichwörter: Wein und Tausendgüldenkraut machen, dass man heiter schaut.
Im Gedicht: Friedrich Rückert "Wenn das Tausendgüldenkraut".

"Überdrüssig meiner Schulden
will ich ein paar Tausend-Gulden-
Kräuter in den Garten pflanzen …"
(Karl Heinrich Waggerl "Tausendgüldenkraut")



Teich: Sprichwörter: S. auch Weinberg. Nur in einem ruhigen Teich spiegelt sich das Licht der Sterne. In der Sprache der Teiche haben die Meere keinen Namen (Russland).
Vergleiche: "Der entschließt sich doch gleich, den heiß ich brav und kühn! Er springt in den Teich, dem Regen zu entfliehn" (Johann Wolfgang von Goethe). "Der Großmütige gleicht einem Mann, der mit seinem Abendbrot Fische fütterte, aus Unachtsamkeit in den Teich fiel und ersoff" (Johann Wolfgang von Goethe).

"Der entschließt sich doch gleich,
den heiß ich brav und kühn!
Er springt in den Teich,
dem Regen zu entfliehn."
(Johann Wolfgang von Goethe)



Teich: Teichjungfer (Libelle), Teichläufer (Wanze). Pflanzenname: Teichrose. In der Literatur: Hermann Löns "Sämtliche Werke".
Im Gedicht: S. auch Blindschleiche, Frosch. Arnim, Achim von "Sie saß ganz einsam an dem Teiche". Gustav Falke "Der Parkteich". Stefan George "Teich der Erinnerung". Günter Grass "Am Teich" und Spiegelbild" und "Der Teich". Hermann Hesse "Teich". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Beim Fischen". Arno Holz "Der Teufelsteich". Peter Huchel "Der Knabenteich". Nikolaus Lenau "Auf dem Teich, dem regungslosen ..." Detlev von Liliencron "Unheimlicher Teich". Börries von Münchhausen "Der hungrige Teich" (Ballade). Rainer Maria Rilke "Waldteich, weicher, in sich eingekehrter ..." Ernst Stadler "Der Teich". Georg Trakl "Die drei Teiche von Hellbrunn". Georg von der Vring u. a. "Am Ziegelteich" und "Dorfteich".



Teich: Im Film/Filmtitel: u. a. "Das Glück wohnt hinterm Teich" (1998 TV-Film). "Der Seerosenteich" (2002 TV-Film). "Die kleinen Helden vom Regenbogenteich" (1988 Zeichentrickfilm). "Gift im Fischteich" (1976 Kinderfilm).
In der Malerei: u. a. Paul Cézanne "Der Teich des Jas de Bouffan im Winter" (um 1878). Hogarth, William "Der Teich Bethesda" (1735).



Teich: S. auch Schilf, Weiher



Teiche: s. auch Teich



Tenne: "Tenne und Drescher" (Mittelalterredensart: Mönchs- und Nonnenkloster in unmittelbarer Nachbarschaft).
Schimpfworte: Tenne (Tanzlokal). Flach wie eine Tenne (Frau ohne Busen).
Im Gedicht: Ruth Schaumann "Die Tenne" (1931).
In der Malerei: Francisco de Goya y Lucientes "Die Tenne" (Teppichentwurf) (1786).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Das Bad auf der Tenne" (1943, 1955/56). "Das Spiel auf der Tenne" (1937).



Tenne: S. auch Dreschen



Teufel: Sprichwörter: Man muss es nehmen wie der Teufel die Bauern.
Im Märchen: Brüder Grimm: und "Der Bauer und der Teufel".



Tier: Gott, wie groß ist dein Tierreich! (Berliner Redensart).
"Ich fürchte, die Tiere betrachten den Menschen als ein Wesen ihresgleichen, das in höchst gefährlicher Weise den gesunden Tierverstand verloren hat ..." (Friedrich Nietzsche).
"Kein Tier ist so grausam wie der Mensch, das Vergnügen am Peinigen hat nur der Mensch, die Katze, welche spielt, weiß nicht, wie es der Maus tut, der Mensch aber weiß es" (Richard Wagner).
Der griechische Dichter Semonides, auf Samos beheimatet, meint in seinen "Weiberjamben", dass Gott die einzelnen Frauen aus verschiedenen Tieren erschaffen hat: Aus der Füchsin das "durchtriebene, verschlagene Weibsstück", aus dem Hund die "kläffende" Streunerin; die Faule, die man zur Arbeit treiben muss, soll aus dem Esel, die Nymphomanin, die "verrückt ist nach dem Liebeslager", aus dem Wiesel stammen. Die schlimmste ist die sog. "Borstensau", der "liegt im Hause alles dreckverschmiert herum". Wer jedoch als Mann eine "Bienenfrau" erwischt hat, darf sich glücklich preisen.



Tier: Als "weisende" Tiere bezeichnet die Mythologie Tiere, die den Menschen göttliche Botschaften überbringen, z.B. als Pferde oder Ochsen den Sarg eines Heiligen an eine bestimmte Stelle geleiten, wo eine Kapelle errichtet werden soll. In Münster gibt es ein Institut für Theologische Zoologie. Die Tiertherapie arbeitet z. B. mit Pferden und Hunden; davon profitieren Menschen mit Depressionen oder Demenz.
Beleidigungen mit Tiernamen: Dumme Kuh (kostet 2013 bis zu 600 €), blödes Schwein )500 €), Bullenschwein( bis zu 1000 €).
Tiere in Deutschland 2013: Katzen 8,2 Mill, Hunde 5,4 Mill., Pferde 1,2 Mill., Schweine 54 Mill., Rind/Kalb 13,1 Mill, Hühner 11,8 Mill., Schafe und Enten 1 Mill., Gänse 0,3 Mill.



Tier: Redensarten: Ich werd' zum Tier (sehr wütend). Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Zum Tier herabsinken. Berühmtes/großes/hohes Tier (wichtige, prominente Person). Alphatier, Arbeitstier, Pantoffeltierchen, Wundertier, Tiergestalt, Tierkreiszeichen (u. a. Steinbock, Fische, Widder, Stier, Krebs), tierischer Ernst (Humorlosigkeit). Christian Morgenstern schlägt in den "Galgenliedern" der Natur "neue Bildungen" vor: u. a. Ochsenspatz, Kamelente, Turtelunke, Schoßeule, Walfischvogel, Quallenwanze, Gürtelstier, Pfauenochs, Werfuchs, Tagtigall, Eulenwurm, Giraffenigel und Gänseschmalzblume. "Animal hoarder" (krankhaftes Halten von sehr vielen Tieren).
Sprichwörter: Wer die Menschen kennt, liebt die Tiere (China).



Tier: Sprüche: "Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere" (Georg Orwell "Farm der Tiere"). "Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück" (Pythagoras). Das Leben ist allen Tieren gemein, aber sterben kann nur der Mensch" (Ludwig Börne). "Das Tier ist nicht nur eine biologische Tatsache, sondern auch eine kulturelle" (Simone de Beauvoir). "Das Tier mag nicht auf den Menschen treten; auf den Menschen tritt nur immer der Mensch" (Gertrud von LeFort). "Dass uns der Anblick der Tiere so ergötzt, beruht hauptsächlich darauf, dass es uns freut, unser eigenes Wesen so vereinfacht vor uns zu sehen" (Arthur Schopenhauer).



Tier: Sprüche: "Der Deutsche ist ein tierliebender Frühaufsteher" (Hans Magnus Enzensberger). "Der Mensch dürfte gar nicht aufhören, den Augenblick zu segnen, der aus einem stumpfen Tier ein verständiges Wesen gemacht hat" (Jean-Jacques Rousseau)."Der untrüglichste Gradmesser für die Herzensbildung eines Volkes und eines Menschen ist, wie sie die Tiere betrachten und behandeln!" (Berthold Auerbach). "Der Wert einer Kultur bemisst sich daran, wie sie sich gegenüber Tieren verhält" (Mahatma Gandhi). "Die Möglichkeit der Unmoral unterscheidet den Menschen vom Tier" (Heywood Brown).



Tier: Sprüche: "Die Tiere haben den Kopf genau dort, wo er uns fehlt" (Billy). "Die Treue eines Tieres würde uns nicht rühren, wenn die Treue unter den Menschen häufiger wäre" (Sigmund Graff). "Die Zeit wird kommen, in der man die Ermordung eines Tieres mit ebensolcher Abscheu begegnen wird wie heute dem Mord an einem Menschen" (Leonardo da Vinci). "Einem Menschen, den Kinder und Tiere nicht leiden können, ist nicht zu trauen" (Carl Hilty). "Im Tierreich sind die Männchen schöner als die Weibchen. Diesen Fehler hat Gott bei den Menschen korrigiert" (Claudia Bin). "Irren ist insofern menschlich, als die Tiere wenig oder gar nicht irren" (Georg Christoph Lichtenberg). "Im Tierauge spiegelt sich der Mensch, im Menschenauge oft das Tier" und "Nur bei Tieren kann ich sicher rechnen, dass sie desto besser gegen mich sind, je besser ich gegen sie bin" (Jean Paul).



Tier: Sprüche: "Jedes Tier ist mehr oder weniger Mensch, jedes Mineral mehr oder weniger Pflanze, jede Pflanze mehr oder weniger Tier" (Denis Diderot). "Kein Tier hat es verdient, dass man seinen Namen missbraucht, um einen Menschen damit zu beschimpfen" (Ernst R. Hauschka). "Kinder und Tiere verstehen meine Musik am besten" (Igor Strawinsky). "Nicht jeder, der seiner Frau einen Nerz verweigert, ist ein Tierschützer" (Chris Howland). "Ohne Utopien leben nur die Tiere" (Max Frisch). "Tiere sind ehrlich, weil sie nicht wissen, wie man lügt" (Christina Telker). "Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht" (George Bernard Shaw). "Vegetarier sind keine Tiere, aber sie fressen ihnen das Futter weg" (Robert Lembke). "Was not tut: mehr Tierliebe für die Menschen" (Gottfried Edel). "Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt" (Christian Morgenstern). "Weil die Deutschen wissen, dass die wilden Tiere frei sind, fürchten sie, durch die Freiheit zu wilden Tieren zu werden" (Friedrich Hebbel). "Wenn der Mensch vor Lachen wiehert, übertrifft er alle Tiere durch seine Gemeinheit" (Friedrich Nietzsche).



Tier: Sprüche: "Wenn Tiere einander beschimpfen, sagen sie vielleicht: ‚Du Mensch!’" (Paul Jensen). "Wer den höchsten Rang in einer Gruppe von Tieren oder Menschen hat, ist leicht zu erkennen. Es ist immer derjenige, der am meisten angeschaut wird. Davon komm auch das Wort Ansehen" (Irenäus Eibl-Eibesfeldt). "Wir werden in Ewigkeiten nicht mehr gut machen können, was wir den Tieren angetan haben" (Mark Twain). "Zu Tieren sollte man nicht wie zu Menschen sein. Ein Tier braucht Liebe" (G. Drews). Aus einem Schüleraufsatz: Manche Tiere sind so selten, dass es sie heute gar nicht mehr gibt.



Tier: Vergleiche: "Die ganze Erde hat kein dümmeres und hochmütigeres Tier als den Pedanten" (Christina von Schweden). "Der Mensch ist das denkende Tier" (Ludwig Klages). "Der Mensch ist das einzige Tier, das erröten kann – oder muss" (Mark Twain). "Der Mensch ist das einzige Tier, das lacht und eine Staatsverfassung hat" (Samuel Butler). "Der Mensch ist, das einzige Tier, das sich für einen Menschen hält" (Thomas Niederreuther). "Der Mensch ist das einzige Tier, das so lange freundlich mit seinen Opfern sein kann, bis es sie frisst" (Samuel Butler). "Der Mensch ist das Tier, das Geschichte hat" (Carl Friedrich von Weizsäcker). "Der Mensch ist ein Säugetier: jeder saugt den anderen aus" (Gerhard Uhlenbruck). "Der Mensch ist ein wildes Tier, da sich selbst gezähmt hat" (Pierre Reverdy). "Der Mensch wird zum Tier, wenn er nie einen Sonntagsrock anhat" (Friedrich der Große).



Tier: Vergleiche: "Es ist ebenso gefährlich, den Menschen Gutes zu erweisen, wie wilde Tiere zu liebkosen" (Christina von Schweden). "Gewisse Ehen halten nur in der Weise zusammen wie ineinander verbissene Tiere" (Gerhart Hauptmann). "Die Narrheit, welche gleich gewissen Tieren, am Tag schläft, lärmt zu Nacht im träumenden Gehirn" (Jean Paul). "Ohne das Tier in uns sind wir kastrierte Engel" (Hermann Hesse). "Von allen Tieren ist der Knabe das ungebärdigste" (Platon). "Von allen wilden Tieren auf dem Lande und im Wasser ist die Frau das wildeste" (Menander). "Wir, das aufrecht gehende Tier" (Reinhard Mey).



Tier: Schimpfworte: Das Tier im Menschen/Mann (u. a. Sexualtrieb). Tierisch (z.B. etwas tierisch Ernst nehmen), wildes Tier, Faultier, Gewohnheitstier (z.B. der Mensch), Herdentier, Muttertier (Frau, die ganz ihren Mutterpflichten lebt), Stinktier, Tierliebhaber (Zoophiler), Untier, Zotteltier. Trampeltier (ursprünglich das Kamel):
"Schlaf Kindlein schlaf,
Deine Mutter ist ein Schaf,
Dein Vater ist ein Trampeltier.
Was kannst du armes Kind dafür.
Schlaf Kindlein schlaf."



Tier: In der Fabel: Matthias Claudius "Eine Fabel". Jean de la Fontaine "Die pestkranken Tiere". Johann Wilhelm Ludwig Gleim "Äsop und die Tiere" und "Adam und die Tiere". Friedrich von Hagedorn "Die Tiere" und "Jupiter, die Tiere und der Mensch". Gotthold Ephraim Lessing "Der Rangstreit der Tiere".
In der Literatur: Rudolf Hagelstange "Von großen und kleinen Tieren". Francis Jammes "Das Paradies der Tiere" (dt. 1926). Erich Kästner "Die Konferenz der Tiere" (1949, auch Film 1961). Friedrich Müller "Huldigung der Tiere".



Tier: Im Gedicht u. a.: Johann Fischart "Tierbilder". Johann Wolfgang von Goethe "Die Metamorphose der Tiere" und "Begünstigte Tiere" (Esel, Wolf, Hund, Katze. In "West-östlicher Divan"). Günter Grass "Tierschutz". Heinrich Heine "Schöpfungslied". Friederike Kempner "Das Tier".

"Wie heißt das schlimmste Tier mit Namen?
So fragt’ ein König einen weisen Mann.
Der Weise sprach: von wilden heißt’s Tyrann
Und Schmeichler von den zahmen."
(Gotthold Ephraim Lessing "Das schlimmste Tier")

Joachim Ringelnatz "Maler und Tierfreund" und "Tierschutz-Worte". Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1948). Friedrich Rückert "Die Beichte der Tiere" ("nach Swift") und "Mensch und Tier". Hans Sachs "Die vier Tier".



Tier: Im Film: u. a. "Alle Tiere dieser Welt" (1963). "Als die Tiere den Wald verließen" (Zeichentrickfilm). "Animal farm" (1999). "Animal farm - Aufstand der Tiere" (Trickfilm 1954/55). "Das erste Weihnachtsfest der Tiere" (2000 Trickfilm). "Das große Tier" (2000). "Das Tier" (1968, 1980, 1993). "Das Tier 2" (Horrorfilm 1984/85). "Der verzauberte Otter" (2004 TV-Märchenfilm). "Die Bremer Stadtmusikanten" (1959). "Die Konferenz der Tiere" (Erich Kästner 1961, 1969). "Dr. Doolittle und seine Tiere" (Stummfilm). "Ein Heim für Tiere" (1985ff TV-Serie). "Hofstaat der Tiere" (1954). "Skip und die Farm der sprechenden Tiere" (1997). "Stadt der Tiere" (2000). "Tiere antworten" (1979). "Tiere und Menschen" (1985).
Filmtitel: "Ein Herz für Tiere" (1986). "Ein schönes Tier" (1921). "Keine Angst vor großen Tieren" (1953). "Kleine Geschichten mit großen Tieren" (1978 TV-Film). "Menschen und Tiere" (1962). "Tarka, der Otter."



Tier: In der Musik: Camille Saint-Saëns "Der Karneval der Tiere".
Im Lied: "Morgenlied von den Schäfchen" ("Des Knaben Wunderhorn").
In der Malerei: Albrecht Dürer (zahlreiche Belege u. a. Krähe/Rabe, Kuckuck, Taube, Ente, Elster, Eule, Sperling; Fuchs, Hase, Kaninchen, Kröte/Frosch, Fliege, Heuschrecke, Schnecke, Schlange, Hund; am Bauernhof, Schwein, Esel, Katze, Maus, Rind, Huhn, Gans, Ziege, Schaf, Pferd).



Tier: S. auch Biber, Blutegel, Bock, Büffel, Bulldogge, Dachs, Dackel, Eichhörnchen, Eidechse, Esel, Ferkel, Fisch, Fledermaus, Frettchen, Frosch, Fuchs, Hammel, Hamster, Hase, Hengst, Hirsch, Huhn, Hund, Igel, Iltis, Insekten, Kalb, Kaninchen, Karnickel, Kater, Kröte, Kuh, Küken, Lamm, Luchs, Maultier, Maulwurf, Maus, Molch, Muffel, Murmeltier, Natter, Ochse, Pferd, Ratte, Regenwurm, Reh, Sau, Schaf, Schlange, Schnecke, Schwein, Siebenschläfer, Stier, Vieh, Vogel, Wappentier, Wasserratte, Wiesel, Wild, Wildente, Wolf, Wurm, Ziege.



Tiere: s. auch Tier



Tierarzt: Veterinärmedizin ist das "einzige Gebiet der Medizin, das dem Arzt erlaubt, seine Patienten zu verspeisen" (Ephraim Kishon). Im alten Ägypten wurden bereits komplizierte Operationen ausgeführt. Der babylonische Gesetzgeber Hammurabi legte das genaue Honorar fest, das ein Tierarzt für eine erfolgreiche Behandlung kassieren durfte, allerdings auch die empfindliche Strafe, wenn der "Patient" die Behandlung nicht überlebte.
Sprichwörter: Wer einen einäugigen Gaul zum Tierarzt schickt, bekommt leicht einen blinden zurück.
Sprüche: "Tierärzte haben’s leicht. Sie werden nicht durch irreführende Bemerkungen ihrer Patienten abgelenkt" (Louis Pasteur). "Es gibt Tiere, Kreise und Ärzte. Es gibt Tierärzte, Kreisärzte und Oberärzte. Es gibt einen Tierkreis und einen Ärztekreis. Es gibt auch einen Oberkreistierarzt. Ein Oberkreistier aber gibt es nicht" (Roda Roda).
Im Gedicht: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Beitrag zur Tierarzneikunde".



Tierarzt: Im Film/Filmtitel: u. a. "Alle meine Tiere" (TV-Serie 1962). "Allein unter Männern" (TV-Film). "Der Doktor und das liebe Vieh" (TV-Serie 1978-90). "Der Viehdoktor von Ochsenheim" (1970). "Die Tierarzthelferin" (1994). "Doktor Dolittle" (1998). "Ein Sommer, den man nie vergisst" (1959). "Flamme der Liebe" (TV-Film R. Pilcher 2003). "James Herriot, Tierarzt" (1974). "Tierarzt Dr. Engel" (Fernsehserie). "Tierarzt Dr. Vlimmen" (1944, 1956, 1978). "Tierärztin Christine" (TV-Film 1993/94, 1998). "Tierärztin Dr. Mertens" (TV-Serie 2003ff). "Tierarztpraxis Dr. Sperling" (1996 TV-Film). "Tierdoktor" (1996 TV-Film). "Tiere machen Leute" (1988).



Tierfabel: Der griechische Dichter Äsop ist der "Urvater" der europäischen Fabeldichtung, deren Tradition in Rom durch Phaedrus weitergeführt wurde und die dann im 17. Jahrhundert in La Fontaine ihren Meister fand. In Deutschland sind Hans Sachs, Gellert und Lessing zu nennen. Im Mittelpunkt stehen Tiere wie Wolf, Rabe, Lamm und Esel, die wie Menschen handeln und sprechen. Der Fuchs taucht allein bei Äsop an die 30mal auf. Eine Parabel für das Ausnützen von politischer Macht sind z.B. der gierige Wolf und der listige Fuchs, die dem sanften Lamm oder der dummen Gans nachstellen und sie töten. Dass dabei manchmal zoologische Fakten auf der Strecke bleiben, wenn z.B. bei La Fontaine Grillen Fleisch verzehren oder Schlangen einen giftigen Schwanz haben, wird man gerne in Kauf nehmen. Fabeln sollen ja in erster Linie belehren, unterhalten und allgemein menschliche Verhaltensweisen aufzeigen. S. auch die einzelnen Tiere



Tierfriedhof: Wo der Hund begraben liegt. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, verblichene Haustiere, ob Hund oder Katze, Fisch oder Vogel, zu entsorgen: Ein Loch im eigenen Garten, ferner der "klassische" Tierfriedhof – ev. mit Urnenbestattung, wobei Kosten und Liegezeiten zu beachten sind. Man kann seinen toten Liebling auch bei einer Tierkörperverwertungsanstalt über den Zaun werfen. Grabschrift für einen Kanarienvogel: "Ich habe dich sehr lieb gehabt, aber die Katze hatte dich zum Fressen gern." Der erste Tierfriedhof wurde 1899 in Paris angelegt, 2015 gab es in Deutschland mehr als 100 derartige Begräbnisstätten.



Tierkreis: "Die Sonne Vernunft umschließet ein Tierkreis von Leidenschaften" (Jean Paul). Tierkreiszeichen: (Sternbilder, die von der Sonne in zwölf Monaten durchlaufen werden). Januar (Wassermann), Februar Fische), März (Widder), April (Stier), Mai (Zwillinge), Juni (Krebs), Juli (Löwe), August (Jungfrau), September (Waage), Oktober (Skorpion), November (Schütze), Dezember (Steinbock).



Tierprozess: Tierprozesse gab es seit dem 9. bis zum 17. Jahrhundert. Sie betrafen Haustiere, z.B. einen Hund, der seinen Herrn getötet hatte oder eine Hostie gefressen hatte. Es gab Gerichtsverfahren gegen Esel, Schweine, Stiere, Pferde, Hunde und Ziegen, ferner gegen Mäuse, Ratten, Raupen und Kornkäfer. In Basel wurde 1474 ein Hahn, der ein Basiliskenei gelegt hatte, zum Tode verurteilt und enthauptet; auch das Ei wurde verbrannt. Ungeziefer, u. a. Insekten, die Getreidefelder, Obstbäume oder Weinberge verwüsteten, wurden im Mittelalter vor das kirchliche Gericht zitiert und nach Schuldspruch exkommuniziert, verbannt, geköpft, aufgehängt, verbrannt oder lebendig begraben; vor allem Engerlinge, aber auch Fliegen und Heuschrecken waren betroffen. In Bern wurde 1451 ein Prozess gegen Blutegel geführt; die Universität Heidelberg trat dabei als Gutachter auf. 1519 führten die Stilfser einen Prozess gegen Mäuse. Es wurde sogar ein Pflichtverteidiger gestellt. Der Anwalt erreichte Abzug und freies Geleit durch ihre "Feinde ..., es seien Hund, Katzen, oder andere ihre Feind."



Tierprozess: Noch 1732 fand im Schweizer Kanton Luzern ein Verfahren gegen Maikäfer statt. Um die Untiere zu verbannen, ließ man eigens den Stab des hl. Magnus aus Füssen kommen. Voraussetzung für ein Verfahren war, dass die einfache Beschwörung nicht geholfen hatte. Die Verteidiger wandten gerne ein, dass die Angeklagten als vernunftlose Wesen nicht dem geistlichen Gericht unterstünden oder wegen Minderjährigkeit nicht straffähig seien. Manche Angeklagte zogen es vor, erst gar nicht zu erscheinen und die Exkommunikation zu ignorieren. In einem Prozess in Südtirol erreichten die Verteidiger, dass wenigstens den trächtigen Mäuseweibchen mildernde Umstände zugestanden wurden; sie durften ihre Jungen noch vor der Verbannung zur Welt bringen.



Tierprozess: Im Gedicht:
"Zu Basel warf einst einen Hahn
der hohe Magistrat ins Loch,
dieweil er eine Tat getan,
die nach des Teufels Küche roch.

Er hatte, wider die Natur,
Ein Ei gelegt, - dem Herrn zum Trotz!
Doch nicht genug des Frevels nur, -
Er schien auch reulos wie ein Klotz.

So ward er vor Gericht gestellt,
verhört, gefoltert und verdammt,
und Rechtens dann, vor aller Welt,
ein Holzstoß unter ihm entflammt.

Der Hahn schrie kläglich Kikriki,
das Basler Volk sang laut im Kreis.
Doch plötzlich rief wer: ‚Auf die Knie!
Gottlob! Jetzt schrie er - Kyrieleis!'"
(Christian Morgenstern "Der Hahn" (in "Der Gingganz"))



Tierprozess: Joseph Viktor von Scheffel "Der Mönch von Banth. Bericht von den Mücken":
"... Da geschah's in einer Nacht im Juli,
Dass mir wieder solch ein Mückenscheusal
Flügelwetzend auf dem linken Ohr saß.
Und verzweifelnd fuhr ich aus dem Schlummer
Und begann den großen Exorzismus:
Exorciso te per nomen illud
Quo franguntur inferorum portae ..."

Die Exkommunikation funktionierte schon deshalb nicht immer, weil die Tiere in der Regel keine getauften Christen waren. In den Schwänken aus der Schildbürgerstadt Schilda wurde die Todesstrafe über einen Krebs und einen Maulwurf verhängt: der Krebs wurde ins Wasser geworfen, der Maulwurf lebendig begraben.



Tierprozess: S. auch Ratte, Ungeziefer



Tierquälerei: Auf dem Land häufig, da selbstverständlich. Pferden und Kühen musste man die Peitsche zeigen, damit sie ordentlich in Trab kamen. Die lästige Katze verscheuchte man mit einem Fußtritt. Dem Hund gab man's mit dem Stock. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Tierquälerei". Peter Rosegger "Gegen Tierquälerei".

"Wie mögen wir halten die Zehn Gebot':
Du sollst nicht töten! Du sollst nicht stehlen!
Wenn uns nicht mahnet ein elftes Gebot:
Du sollst kein lebendes Wesen quälen!"

Klabund:
Wer ein Tier martert,
Der wird nicht anders gerichtet werden
Als der, der einen Menschen martert."



Tiersymbolik: Adler (Gerechtigkeit, Stolz, Unmäßigkeit), Amsel (Versuchung), Biber (Keuschheit), Biene (Beredsamkeit, Fleiß), Bock (Unkeuschheit), Eichhörnchen (Geiz), Falke (Gefräßigkeit), Elster (Eitelkeit, Verschwendung), Eule (Unglauben), Fliege (Sünde), Frosch (Geiz, Hochmut), Fuchs (Ungerechtigkeit), Hahn (Wachsamkeit, Unkeuschheit), Hase (Lust), Henne (Beharrlichkeit), Hirsch (Enthaltsamkeit), Hund (Treue, Neid, Zorn), Igel (Geiz), Katze (Faulheit), Kranich (Wachsamkeit), Maulwurf (Geiz), Pferd (Unkeuschheit, Stolz), Rabe (Geiz, Unmäßigkeit), Rebhuhn (Betrug), Schlange (Klugheit), Schnecke (Faulheit), Schwalbe (Hoffnung), Schwein (Unkeuschheit, Unmäßigkeit), Sperling (Wolllust), Spinne (Geiz), Stier (Geduld, Standhaftigkeit), Taube (Aufrichtigkeit, Demut, Keuschheit und Sanftmut), Wolf (Unmäßigkeit).
Christussymbole: u. a. Adler, Fisch, Greif, Heuschrecke, Hirsch, Lamm, Schlange, Stier, Widder. Teufel und Dämonen: u. a. Amsel, Basilisk, Bock, Chimäre, Eber, Esel, Fledermaus, Frosch, Fuchs, Greif, Hund, Igel, Katze, Kröte, Maus, Rabe, Schlange, Spinne, Wolf, Zentaur, Ziege.



Tölpel: Schwimmvogel. Schimpfworte: In vielen Sprachen unbeholfener Mensch, tölpelhaft.
Sprichwörter: Der Tölpel stolpert selbst im Grase, fällt auf den Rücken und bricht die Nase.
In der Literatur: Catull "Der Tölpel".



Tomate: Der eigentliche "Paradies- oder Liebesapfel". Österreichisch "Paradeiser". Die lukrativste Art, Wasser zu verkaufen. Obwohl schon in den botanischen Gärten der Renaissance als Zierpflanze angebaut, wurde sie als Nutzpflanze in Deutschland erst um 1900 bekannt. Sie galt lange Zeit als giftig, wurde aber auch als Aphrodisiakum verwendet. Tomatenpflanzen vor dem Fenster schrecken Stechmücken ab. Gemüse des Jahres 2001.
Redensarten: Jemand wird mit Eiern und Tomaten beworfen (für unbeliebt sein). Rot wie eine Tomate werden (für sich schämen).
Vergleiche: Die Sensibilität von Tomaten wird unterschätzt. Sobald man sie treulos nennt, werden sie auf der Stelle rot.
Schimpfworte: Tomate (Frau, Mädchen). Angebuffte, faule, matschige, treulose Tomate (vielleicht von den tomatenanbauenden und -essenden Italienern). Heiße Tomate (temperamentvolle Frau, Lesbierin). Jemand, der schlecht sieht, hat Tomaten (Ketchup) auf den Augen/auf der Brille (auch Ränder um die Augen. Lieber Rosinen im Kopf als Tomaten auf den Augen).
Kindermund:
"Renate,
Tomate,
Alte Handgranate."



Tomate: In der Malerei: Paul Gauguin "Stillleben mit Tomaten" (1903).
Im Film /Filmtitel: u. a. "Der Tomatenkrieg" (1975). "Die Killertomaten schlagen zurück" (1990). "Die Rückkehr der Killertomaten" (1987/88). "Grüne Tomaten" ("Fried green tomatoes at the Whistle Stop Café" 1991). "Tomaten für die Freiheit" (1986). "Angriff der Killertomaten" 1978 wurde 1981 unter die schlechtesten Filme aller Zeiten gezählt.



Tomaten: s. auch Tomate



Tourismus: Touristen sind Reisende, die man leichter melken kann als Kühe. In Garmisch Partenkirchen wurde vorgeschlagen, die Touristen, vor allem der Erbfeind Bayerns, die Preußen, sollten ihr Geld schicken und sich dann die Anreise sparen.
Sprüche: "Ist die Viehzucht aufgegeben, / Heißt es von Touristen leben" (R. Habeck). Nonsensspruch: Ein Tourist ist einer, der, wenn er auf einer Tour ist, in einer Tour isst. S. auch Fremdenverkehr, Sommerfrische



Tracht: Kleidungsstücke, die vor allem ganz passable Bauernmädchen und Bäuerinnen in hässliche breithüftige Wesen verwandeln - und damit potentielle Verehrer abschrecken (ähnliche Funktion wie der Schleier im Orient), nach dem Motto: Finger weg! Es lohnt sich nicht! Dagegen bieten die Mieder bei oberbayerischen Trachten durchaus bemerkenswerte Einblicke.



Trächtig: Niedertracht, niederträchtig. Gegensatz: Niederträchtig - hochschwanger.



Traktor: Schlepper. Bauernspruch: "Sind die Hühner flach wie Teller, / Wird der Traktor wieder schneller." Für zehn Mark Blech, für fünf Mark Lack, fertig ist der Hanomag. Schimpfwort: Schlepper-Bande. Ein Mädchen abschleppen.
Vor Gericht:
"Ihre Eltern?
Vom Traktor überfahrn.
Ihre Frau?
Vom Traktor überfahrn.
Kinder?.
Von Traktor überfahrn.
Verwandte?
Vom Traktor überfahrn.
Was treibn Sie denn so allein?
Ja mei, halt Traktor fahrn"
(nach Schweiggert).

Im Film/Filmtitel: u. a. "Junges Leben (Traktoristen)" (1939). "Kleiner roter Traktor" (Zeichentrickfilm).



Traube: "Friede lässt Reben gedeihen, lässt Trauben sich füllen" (Tibull).
Redensarten: Die Trauben hängen zu hoch (unerreichbares Ziel). Die Trauben sind jemand zu sauer ("Die Trauben sind mir zu sauer", sagte der Fuchs und schnappte sich die Gans). Menschentraube, Traube/traubenförmig (Blütenstandstyp). Traubenzucker wird heute nicht mehr aus Trauben, sondern aus Kartoffeln oder Mais gewonnen. Traubenblut (Wein), Traubenkur. Tiernamen: Traubenwickler (Schmetterling). Pflanzennamen: Traubendorn, Traubeneiche, Traubenheide, Traubenhyazinthe, Traubenkirsche.
Sprüche: "Willst Du wissen, o Mann, wem Deine süßeste Traube / Wohl am süßesten schmeckt? Sende dem Lechzenden sie!" (aus dem Orient).
Vergleiche: "Die Kunst verhält sich zur Natur wie der Wein zur Traube" (Franz Grillparzer). "Ein rechter Fuchs nennt nicht nur die Trauben sauer, die er nicht erreichen kann, sondern auch die, welche er erreicht und anderen vorweggenommen hat" (Friedrich Nietzsche).
In der Fabel: S. auch Rose. Äsop "Der Fuchs und die Trauben" (auch bei La Fontaine. "Was wir aufgeben, müssen wir mit freier Wahl aufgeben, nicht wie der Fuchs die Trauben" Gottfried Keller). Albrecht von Haller "Der Fuchs und die andern Tiere" und "Der Fuchs und die Trauben". Gotthold Ephraim Lessing "Die Traube" (nach Äsop).

"Das war das Fräulein Liebetraut,
das an den Folgen einer Traube litt.
Quälend rumorten ihre Triebe laut,
deshalb sie schnell in jene Laube tritt"
(Erich Mühsam).



Traube: In der Literatur: Martial "Epigramme" ("Hartbeerige Weintrauben"). Pablo Neruda "Die Trauben und der Wind".
Im Gedicht: Paul Fleming "Auf die Trauben über Astrachan". Johann Gottfried Herder "Die unreif abgerissene Traube" (aus dem Griechischen).
Im Gedicht: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Trauben, die ess’ ich gern". Conrad Ferdinand Meyer "Die Veltlinertraube". Pablo Neruda "Die Trauben und der Wind" (deutsch 1955). August von Platen "Wenn du sammelst goldne Trauben ein". Alexander Puschkin "Die Traube". Friedrich Rückert u. a. "Die Weintraube" und "Das Kind der Traube". Christoph von Schmid "Trauben und Ähren". Friedrich Schnack "Die Traube". Georg von der Vring "Die Traube".
Im Film/Filmtitel: u. a. "Asmali Konak – Die Villa mit Weintrauben" (2003). "Die Tochter des Traubenhändlers" (1970). "Georgische Trauben" (1999). "Komm in das Tal der Weintrauben" (1977).
In der Malerei: u. a. Georges Braque "Stillleben mit Trauben" (1927). Bartolomé Esteban Murillo "Traubenesser" (um 1645-55).



Trauben: s. auch Traube



Trauerweide: Redensarten: Unter der Trauerweide liegen (für tot sein).
Schimpfworte: Witwe, Wehleidige Frau.
Im Gedicht: Otto Julius Bierbaum "An die Trauerweide". Felix Dahn "Der Weidenbaum". Gottfried Keller "Trauerweide". August Kopisch "Die Trauerweide". In der Sage: Brüder Grimm "Die Trauerweide". Claude Monet "Trauerweiden" (1918/19).



Trichinose: "Die Antwort des Schweins an die Befürworter der Porcophagie" (Ambrose Bierce).



Trinken:
"Lustig macht durstig,
Macht den Geldbeutel leer,
Wenn doch mein Geldbeutel
Eine Kälberkuh wär'."

Schon Tacitus berichtete, dass die alten Germanen "Tag und Nacht zechten. Man könnte sie ebenso gut durch die Lieferung berauschender Getränke überwinden wie durch Waffengewalt." Der Prophet Amos schimpfte: "Ihr trinkt Wein aus großen Humpen." Der Herzog Ludwig der Strenge von Bayern legte 1250 in einer Schankordnung fest: "Ein Bauer oder Arbeitsmann durfte sich nur bis zu zwei Gulden Schulden ansaufen, ein Bürger bis zu fünf. Und Geistliche hatten das Recht bis zu zehn Gulden Bierschulden einzugehen" (R. Lohberg). Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Bier und Wein betrug vor der Reformation an die 1000 Liter. Kein Wunder, dass die Klagen der Obrigkeit anhielten: "Auf den Dörfern ist auch eine sehr schändliche Gewohnheit eingerissen, dass die Bauern auf und an den hohen Festen ihre Sauferei bald am Vorabend des Festes anfangen und die Nacht über treiben und morgens die Predigt entweder gar verschlafen oder betrunken in die Kirche kommen und darinnen wie die Säue schnarchen und schlafen", so Kurfürst August von Sachsen 1557.



Trinken: 1661 verbot eine Polizeiordnung, dass bei Taufen an jedem Wirtshaus angehalten wurde, "dermalen dies die Ursache ist, dass oft die Täuflinge verlorengingen". Auch Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich noch nicht viel geändert. "Die Baiern lieben den Trunk sehr. Es gibt abscheuliche Säufer unter ihnen; und wenn Handwerker oder Bauern bankrott werden, ist die Ursache gemeiniglich im Bierkruge zu suchen. Diese Untugend wird sich nur durch eine anhaltende gute Nationalerziehung bessern lassen" (J. Pezzl 1784).
Inzwischen mussten die Bayern in ihrem Nationalsport empfindliche Niederlagen hinnehmen. Beide Rekorde im Schnell- und im Vieltrinken gingen inzwischen an australische "Kampftrinker".



Trinken: Redensarten: Er kann saufen wie ein Bürstenbinder/wie ein Loch/wie ein Waldbruder ("Von den Waldbrüdern ..., die mit ihrem geschorenen Kopfe Gott zum Narren hatten, in ihrer Waldhütte auf der Bärenhaut lagen, dann Victualien und Geld bettelten, gelegentlich Hühner und Gänse stahlen, Weiber und Töchter verführten, in Dorfschenken schwelgten ..." Wander). Seine Gedanken sind so inhaltsleer wie das Glas eines Quartalsäufers. Saufen (ein Auto verbraucht viel Benzin).
Sprichwörter: Das Schwein ist kein Säufer, aber der Säufer ein Schwein (sorbisch). Der Betrunkene sagt, was der Nüchterne denkt (Flämisch). Der Schnaps schwemmt den Gutsherrn vom Hof und aus dem Dorf (sorbisch). Der Trunk nimmt die Sorgen / - aber nur bis morgen. Man spricht vom vielen Trinken, aber nie vom großen Durst. Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben" (Griechenland). Versäuft der Vater das Pferd, vertrinkt der Sohn den Wagen (finnisch). Viel besser kräht der Hahn, so er die Kehle feuchtet an. Wenn Bacchus das Feuer schürt, sitzt Venus am Ofen.



Trinken: Redensarten: Wenn der Bauer besoffen ist, laufen die Pferde am besten. Wer einen Tag glücklich sein will, der trinke! Wer eine Woche glücklich sein will, schlachte ein Schwein! Wenn Saufen eine Ehr ist, ist Speien keine Schande. Wer ein Jahr glücklich sein will, heirate! Wer immer glücklich sein will, der werde Gärtner! (aus China). Wer nicht raucht und auch nichts trinkt, der ist schon auf andere Art dem Teufel verfallen (aus Spanien).

Trink’ ich Wasser, häng’ ich’s Maul,
Trink’ ich Bier, so werd’ ich faul,
Trink’ ich Wein, so werd’ ich voll,
Weiß nicht, was ich trinken soll.



Trinken: Sprüche: "An einem Rausch ist der schönste Augenblick, in dem er anfängt, und die Erinnerung an ihn" (Kurt Tucholsky). "Das Alter hat auch gesundheitliche Vorteile: zum Beispiel verschüttet man ziemlich viel von dem Alkohol, den man trinken möchte" (André Gide). "Der eine trinkt, um seine Frau zu vergessen. Dann kommt er nach Hause und sieht sie doppelt" (Hennig Venske). Des kleinen Mannes Sonnenschein: / Bumsen und besoffen sein. "Die Erde dreht sich um sich selber. Die vier Elemente: Erde, Luft und Feuerwasser. Man merkt es deutlich, wenn man trinkt" (Erich Kästner). "Die Welt ist voller Leute, die Wasser predigen und Wein trinken" (Giovanni Guareschi). Eine Kiste Bier reicht für zwei, wenn einer nichts trinkt. "Es gibt keinen Grund, Alkohol zu trinken, wohl aber stets einen Anlass" (Thomas Christian Dahme). "Es hat keinen Sinn, Sorgen im Alkohol ertränken zu wollen, denn Sorgen sind gute Schwimmer" (Robert Musil). "Es saufen tausend sich zu Tod, / eh einer stirbt an Durstes Not" (Bernhard Freidank).



Trinken: Sprüche: Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd; / in Bayern ist das umgekehrt. "Essen nimmt, Trinken gibt Enthusiasmus" (Jean Paul). "Früher hat der Mann eine Frau gesucht, die kochen konnte wie seine Mutter; heute bekommt er eine, die trinken kann wie sein Vater" (Frank Sinatra). Glücklich ist, wer verfrisst, / was nicht zu versaufen ist (Berlin). Ich bin doch kein Vieh, sagte der Bauer, das bloß säuft, wenn es Durst hat. Ich habe so oft auf die Gesundheit anderer getrunken, dass mir meine eigene abhanden gekommen ist. "Ich kann mit dem Trinken aufhören, wenn ich will; aber ich will nicht" (Helmut Qualtinger). "Ich trinke, wenn sich mir eine Gelegenheit bietet, und ich trinke auch, wenn sich mir keine Gelegenheit bietet" (Miguel de Cervantes-Saavedra). Lieber einen Bauch vom Saufen als einen Buckel vom Arbeiten. Lieber einen sitzen haben und nicht stehen können, als einen stehen haben und nicht sitzen können. Nichts schadet dem Durst mehr als das Trinken. "Mein Großvater sagte immer: ‚Trinke nie zuviel, denn die letzte Flasche, die umfällt, könntest du selber sein’" (Heinz Schenk). "Ob ich morgen leben werde, / weiß ich freilich nicht. / Aber wenn ich morgen lebe, / dass ich morgen trinken werde, / weiß ich ganz genau" (Gotthold Ephraim Lessing).



Trinken: Sprüche: "Solang man nüchtern ist, / Gefällt das Schlechte; / Wie man getrunken hat; / Weiß man das Rechte …" (Johann Wolfgang von Goethe). "Weißt du, warum ich trinke? / Von Hochmut strotz ich und Eitelkeit, / Und die will ich ersäufen / Im Meer der Betrunkenheit" (Hafis). "Zuviel kann man wohl trinken, / Doch nie trinkt man genug" (Gotthold Ephraim Lessing).
Vergleiche: "Die besten Vergrößerungsgläser für die Freuden dieser Welt sind die, aus denen man trinkt" (Joachim Ringelnatz). "Die Welt ist wie ein trunkener Bauer; hebt man ihn auf einer Seite in den Sattel, so fällt er auf der andern wieder herab" (Martin Luther). "Und das wollen einmal Engel werden", sagte der Pfarrer, als er einen Haufen betrunkener Bauern sah. "Wann einen Bacchus-Knecht ich voll von Weine schau, / ist solche Sau halb Mensch und solcher Mensch halb Sau" (Friedrich von Logau "Von einem Trunkenbold"). Was Krupp in Essen, das sind wir im Trinken.



Trinken: Schimpfworte: Rausch: Brand, Dampf, Fetzen, Seier, Stich Suff (Suffkopf)
Dialog im Wirtshaus: "Der Huber is gstorb'n." "Ja, woran?" "Er hat sich tot gsoff'n." "Respekt!"
Marterl in Lauterbach an der Ach:
"Der Schustersepp von Lauterbach
Ist hier ersoffen in der Ach,
Er trank zuviel vom Branntewein,
Drum fiel er in die Ach hinein,
Gott schenke ihm die ew'ge Ruh
Und noch ein Viertel Schnaps dazu."

Bei der Liebe hingegen gibt es Vorteile:
"Diandl, muesst weg'n an Rausch
Nit so stark aufbegehr'n;
Da schau i di doppelt,
Und dös han i gern."

Das Sprichwort hingegen sagt:
"Wenn der Bauer zecht,
nimmt sich Zeit der Knecht,
guckt die Magd zum Fenster raus,
spielt die Katze mit der Maus."



Trinken: In der Literatur: Hans Fallada "Der Trinker" (1950).
Im Gedicht: Alkaois "Auf Brüder, lasst uns trinken …" Anakreon u. a. "Seliger Rausch" und "Tanzlust des Trinkers". Achim von Arnim "Ein Trinklied beim Sternenklang" und "Trinklied im Vollmondschein". H. C. Artmann "fia n pjotr" ("auxoffana r untan gristbam …"). Ingeborg Bachmann "Betrunkener Abend". Charles Baudelaire "Der letzte Trunk" (übers. von Klabund) und "Der Wein des Mörders". Carl Michael Bellman "Fredmans Epistel Nro 24" und "Trinkers Tod". Gottfried Benn "Schäbig; abends Destille …" und "Trinklied". Alexander Block "Harfen und Geigen" ("Ich bin genagelt an die Theke …"). Johannes Bobrowski "Schnapselegie für W." Bertolt Brecht u. a. "Liebeslied" ("Man muss schon Schnaps getrunken haben …") und "Sonett für Trinker". Gottfried August Bürger "Herr Bacchus" und "Zechlied".

Wilhelm Busch "Wankelmut" und "Die fromme Helene":
"Sieh, da geht Helene hin,
Eine schlanke Büßerin!
Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör! …"



Trinken: Im Gedicht: Carmina Burana "Wenn wir in der Schenke sitzen …" Paul Celan "Die Wende". Conrad Celtis "Deutsche Trinksitten" ("Sitzen betrunkene Bayern an langen Tischen zusammen …") Richard Dehmel "Chinesisches Trinklied". Joseph von Eichendorff "Trinken und singen". Ralph Waldo Emerson "Bacchus". Heinz Erhardt "Die Kunst des Trinkens".

"Sie reichten Weine mir und Bier
und Schnäpse und dergleichen –
dabei könn’n diese Leute mir
nicht mal das Wasser reichen!"
(Heinz Erhardt "Der Snob")



Trinken: Im Gedicht: Emanuel Geibel u. a. "Des Zechers Traum" und "Trinklied der Alten". Robert Gernhardt "Folgen der Trunksucht". Johann Wilhelm Ludwig Gleim u. a. "Anakreon" und "Die Säufer und die Trinker". Johann Wolfgang von Goethe u. a. "Dichter. Schenke komm! Noch einen Becher! …" und "Türkisches Schenkenlied" (vertont von Felix Mendelsohn-Bartholdy). Anastasius Grün "Des Zechers Grab". Hafis "Wenn einst der jüngste Tag anbricht …" Friedrich von Hagedorn "Das Dasein" und "Wett-Trunk und Wett-Lauf". Georg Philipp Harsdörffer "Deutsches Trinklied". Hermann Hesse u. a. "Der Trinker" und "Zu Johannes dem Täufer / Sprach Hermann der Säufer". August Heinrich Hoffmann von Fallersleben "Trinklied". Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau "Eines Lasterhafftigen" ("Die Leber ist zu Wien / das Glied zu Rom geblieben …") und "Trinklied".



Trinken: Im Gedicht: Ludwig Christoph Heinrich Hölty u. a. "Trinklied" und "Trinklied im Mai". Arno Holz "Er durchsaufft mit seinen / Gesöllen die gantze Nacht im blauen Oriflanten". Justinus Kerner u. a. "Trinklied für den Bund der Jungen und Alten" und "Trinklied im Juni". Klabund u. a. "Der letzte Trunk" und "Mimi III. Trinklied". Ewald Christian von Kleist "Trinklied". Friedrich Gottlieb Klopstock "Der Geschmack" und "Trinklied". Gotthold Ephraim Lessing u. a. "Die Antwort des trunknen Dichters" und "Die verschlimmerten Zeiten" ("Anakreon trank, lebte, scherzte …") Li-Tai-Po "Der Hummer" ("Trinke dreihundert Becher guten Wein …") und "Die drei Genossen". Friedrich von Logau "Ein Trunkener" und "Speise und Trank".



Trinken: Im Gedicht: Henry Wadsworth Longfellow "Drinking Song". Hermann Löns "Der Trunkenbold". Oskar Loerke "Betrunkene Rede". Martial"Eine im Suff ausgesprochene Einladung darf man nicht ernst nehmen" und "Über den Durst". Friedrich von Matthisson "Trinklied". Christian Morgenstern "Das Trinklied" und "Der Tod und der einsame Trinker". Erich Mühsam "Gebt mir Schnaps". Friedrich Müller "Trinklied" und "Trinklied deutscher Künstler in Rom". Martin Opitz "Die trunkene Venus".

"Heb’ auf (das Glas) und lass’ uns trinken,
dass wir nicht so schnell uns trennen
von diesem guten Wein.
Und lähmt er uns die Beine,
so muss er doch (zum Hals) herein …"
(Oswald von Wolkenstein )



Trinken: Im Gedicht: Sandor Petöfi "Der Zecher". Alexander Puschkin u. a. "Bacchisches Lied" und "Trinkspruch auf einen Becher". Joachim Ringelnatz "Guter Rausch". Friedrich Rückert "Trinklied". Adolf Friedrich von Schack "Der Pokal". Friedrich Schiller "Punschlied". August Wilhelm Schlegel "Trinklied". Friedrich Schnack u. a. "Einsames Trinklied" und "Magisches Trinklied". Christian Friedrich Daniel Schubart "Brannteweinlied eines Schusters". Johann Gottfried Seume "Trinklied". Kurt Tucholsky "Sauflied, ganz allein". Johann Peter Uz "Die Trinker".

"… Oft sah ich, wie er torkelnd vom Gelag
Berauscht nach Hause schlafen ging
Und wie er, wenn er in der Gosse lag,
So manchen Fußtritt im Gesichte fing.
Kurz, ihm kam nie ein zweiter gleich,
Ein rechtes Säuferexemplar …"
(François Villon "Ballade und Gebet für Jean Cotart").



Trinken: Im Gedicht: Johann Heinrich Voss "Trinklied für Freye". Walther von der Vogelweide "Ich trinke gerne …" Johann Heinrich Voß "Rauschlied" und "Trinklied für Freie". Georg Rodolf Weckherlin "Trinklied" und "Trunkenheit". Carl Zuckmayer "Der infernalische Trunk" und "Ratschlag für gutes Trinken" (" O trinke nie, um etwas zu vergessen. / Es sinkt nur umso schwerer in dich ein …").



Trinken: Im Film/Filmtitel: u. a. "Bildnis einer Trinkerin" (1979). "Brendan Behan – Dichter, Trinker und Rebell" (1988). "Der Trinker" (1967, 1995). "Die Legende vom heiligen Trinker" (1988).
In der Malerei: u. a. Adriaen Brouwer "Trinker im Hof" (um 1631-1632). Frans Hals "Der fröhliche Trinker" (1627–1628). Diego Velázquez "Die Trinker (Der Triumph des Bacchus)" (1629).
In der Muzik: Giuseppe Verdi "La Traviata. Trinklied". Im Lied: "Frühschoppen". "Keinen Tropfen im Becher mehr". "Schon wieder eine Seele vom Alkohol gerettet". Schlager: "Nie wieder Alkohol" (Illegal). "Schütt' die Sorgen in ein Gläschen Wein!" "Trink, trink, Brüderlein trink!" 1927).



Trinken: s. auch Vieh, Wirtshaus



Truthahn: Pute. Von den Truthähnen sagt man, dass sie während schwerer Regenfälle oft in den Himmel starren - und ertrinken. "Jesuiten brachten die ersten Truthähne nach Frankreich, weshalb in manchen französischen Dialekten Truthähne bis heute jésuits heißen" (H. Haefs). In einem englischen Truthahnrezept von 1890 steht zu lesen: Er soll "vor Weihnachten eingesperrt und gut gefüttert werden. Drei Tage, bevor er geschlachtet wird, sollte man dreimal täglich eine englische Walnuss seinen Hals hinunterzwingen und einmal täglich ein Glas Sherry. Das Fleisch wird dann wunderbar zart sein und einen feinen Geschmack nach Nüssen haben". Dann also "Guten Appetit!" Traditionelles Gericht am Thanksgivingday in den USA und Kanada. Truthahn-Illusion (Begriff aus der Verhaltensökonomik).



Truthahn: Sprüche: "Weiterhin macht sich ein Truthahn bemerklich, der den größeren Teil des Tages darauf verwendet, sich aus unerklärten Gründen in Wut zu befinden. Ich kann mir nur denken, er ärgert sich darüber, dass er gar keinen Grund zum Ärger hat" (Heinrich Wolfgang Seidel). "Wenn Truthähne erwachsen werden, dann denken sie an Schwäne" (Johnny Carson).
Vergleiche: "Vorne ein Fleischerladen, hinten ein Modemagazin" (Richard Wagner).
Schimpfworte: Aufgeblasener Truthahn (englisch bull-shiter, Angeber), kalter Truthahn (Entziehungskur). In der Fabel: s. auch Fuchs, Huhn. Jean de la Fontaine "Der Fuchs und die Truthühner".
Im Gedicht: Eugen Roth "Tierleben für jung und alt" (1973).



Truthahn: Im Film/Filmtitel: u. a. "Der Fluch des wilden Truthahns" (1997). "Truthahn à la Mama" (2001 TV-Serie "King of queens"). "Truthahnfieber" (1981).
In der Malerei: u. a. Francisco de Goya "Still-Leben" (Gerupfter Truthahn und Pfanne mit Fischen" (1808-1812). Claude Monet "Truthähne" (1877).



Truthahn: S. auch Hühnerficker, Pute



Truthähne: s. auch Truthahn



Tulpe: Sinnbild für Wohlstand und Reichtum. Früher glaubte man, dass Tulpen durch ihren starken Geruch in einem Krankenzimmer den Tod bringen können. Tulpe: Bierglas, durch den Wind umgestülpter Regenschirm. Tulpomanie (Sammelleidenschaft). Tulpen wurden im England des 16. Jahrhunderts in Zucker eingelegt oder gebraten und mit Essig und Öl gegessen. Im 17. Jahrhundert nahmen Tulpenzwiebeln in Holland die Funktion einer Währung an (Tulpen als Spekulationsobjekt: Tulpenmanie). Tulpenbecher (Tongefäß), Tulpenfeuer (Tulpenkrankheit). Pflanzenname: Mormonentulpe, Tulpenbaum.
Schimpfworte: Synonym für Tölpel. Literatur: Alexandre Dumas d. Ä. "La tulipe noire" (1850, Film 1963). Marie Luise Kaschnitz "Der Tulpenmann".
Im Gedicht: Otto Julius Bierbaum "Tulpen-Predigt". Johann Wolfgang von Goethe "Vier Jahreszeiten". Marie Luise Kaschnitz "Tulpen". Karl Krolow "Violette Tulpen". August von Platen "An die Tulpe". Ludwig Tieck "Die Tulipanen". Georg von der Vring u. a. "Tulpe und Flieder" und "Tulpe und Mädchen".



Tulpe: Im Film/Filmtitel: u. a. "Adrian, der Tulpendieb" (1965). "Brot & Tulpen" (2000). "Das Fest der schwarzen Tulpe" (1920). "Das Geheimnis der fünf roten Tulpen" (1948). "Die Schlacht im Tal der weißen Tulpen" (1972). "Die schwarze Tulpe" (1963 mit Alain Delon). "Fanfan la Tulipe" ("Fanfan der Husar" 1952). "Schwarze Tulpen" (2006 TV-Serie "Stubbe - Von Fall zu Fall"). "Trimmel und der Tulpendieb" (TV-Serie "Tatort"). 1976).



Tulpe: In der Malerei: S. auch Flieder. u. a. Max Beckmann "Tulpenstillleben" (1935). Paul Cézanne "Still-Leben" (Tulpen und Äpfel (1890-1894). Henri Matisse "Mädchen mit Tulpen" (1910). Claude Monet "Tulpen von Holland" (1872). Pablo Picasso "Stillleben mit Tulpen".
Schlager: "Tiptoe thru the tulips" (Tiny Tim)



Tulpen: s. auch Tulpe





Korrekturen, Ergänzungen?


© Hans Baier 2017